Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 6 (1.1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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' I I < ' über, die Technik einer brauchbaren Berichterstattung sei ganz besonders erwähht, dass von vielen Seiten auf eine freundliche Unterstützung der Korrespondenten durch offizielle 'Auskünfte, der Synagogengemeinden Wert gelegt -wurde. In der Tat sind gewisse sehr -wichtige Fragen ^wie besonders djje nach der ziffernmässigen Bewegung der ortsangehörigen Judenschaft) ohne Beihilfe der Gemeinden von den Korrespondenten kaum zuverlässig zu beantworten, und deshalb möchten wir auch an dieser Stelle die Leiter der jüdischen Gemeinden ersuchen, die für unsern Verband so ausserordentlich wichtige Tätigkeit der Korrespondenten in jeder Richtung nach Kräften zu unterstützen. J Entspricht doch der Ertrag unserer Korrespondenz immer noch nicht "der Bedeutung, die dieser Institution innewohnt. I Die Korrespondenten sollen uns alle Einzelzüge liefern' zu einem Bilde von der tatsächlichen Läge der deutschen Juden, einem Bilde, das» dem Verbände für alle seine Massnahmen wegweisend iein kann. Aber dazu ist eine ganz andere Gleichmässigkeit und Vollzähligkeit Wer Berichterstattung erforderlich, als sie die letzten Quartale zeigen. In den Dreivierteljahren, die der Breslauer Versammlung vorausgingen, hatten 45 I/o unserer Korrespondenten völlig geschwiegen! Erst das Winterquartal scheint, - soweiÄ-HMTfl^-nach dem bisherigen Einlauf urteilen darf, einen befriedigenderen Ertrag zu liefern. Hoffentlich bewirken die Breslauer Anregungen, dass uns nun regelmässig, zahlreich und.ausführlich die so sehr wichtigen Berichte zugehen. Was auf Grund der arg lückenhaften Korrespondenz dieses Jahres über die Lage der deutschen Juden* gesagt werden kann, kann natürlich, dem unvollständigen Material entsprechend, nicht schlechthin allgemeingültig sein. Immerhin mag es der Betrachtung wert sein. Was die inneren Verhältnisse der Deutschen Juden angeht, so ist die wichtigste Erscheinung: die bedrohliche Abnahme der kleinen Landgemeinden, der Zug nach der Grossstadt, an sich nichtp Neues. Im besonderen auch die (leider noch wenig erfolgreichen) Bemühungen *der ostpreussischen Juden um Zusammenfassung der Zwerggemeinden für Kultuszwecke wurden hier schon des öfteren erwähnt. Mit einer ungewohnten Deutlichkeit aber tritt diesmal die üble Lage in der Provinz Posen hervor^ der ununterbrochene Rückgang fast aller pösenschen Gemeinden durch Abwanderung ihrer Mitglieder nach Brandenburg, Schlesien und Westdeutschland. In jeder Beziehung bestätigt hier unsere Korrespondenz die Uebelstände, die in der Denkschrift festgelegt, in \ den Reden des Verbandstages geschildert worden sind, und zu deren BeBämpfung eben die in Breslau gefassten Resolutionen aufrufen. / Von dem übrigen auf die innere Entwicklung des deutschen Judentums ^bezüglichen Inhalt unserer Korrespondenz mag besonders hervorgehoben sein, dass sich in den niederrheinischen Bezirken ein ' beträchtliches jüdisches Industrie-Proletariat zu bilden scheint. Die Batsache, dass die Juden nunmehr auch am Leben und Schicksal dieser Bevölkerungsschicht beteiligt sein werden, ist sicherlich beachtenswert, und die Anregungen, die aus jenen Gegenden zwecks besonderer Fürsorge für diese Elemente kommen, werden hoffentlich wirksam sein.! •>