Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 5 (7.1909) (Apologetische Sondernummer)
- Date
- 1909-07-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Egoismus scharf zurückgedrängt, ■ wie ja auco-\,das Wahrste am Sozialismus die Befreiung vom Egoismus'und die Sorge für das Gemeinwohl" ist. .Von den Männern der Wissenschaft i#t in erster Reihe Professor Rudolf v. Ihering zu nennen, der das Recht des Alten Testaments und die Behandlung der Fremden hervorhebt. Zu den bedeutendsten Arbeiten dieses hervorragenden Rechts£elehi ten gehört das Werk :,Der Zweck im Recht", auf welches er auch hingewiesen hat. als man ihn über seine Stellung zur Judenfrage inter-' pellierte. Er schrieb damals u. a.: „Für die gegenwärtige Veranlassung mag die Andeutung genügen, dass iah/an jener Stelle die. geschichtliche Entwicklung des Gedankens der Menschlichkeit verfolge und den Nachweis führe, dass dieser ,Gedanke, zudem sich die Griechen und Römer in ihrem Rechte noch nicht erhoben hatten..das vielmehr den Fremden als rechtlos behandelte, in dem Rechte des Alten Testamentes (3. B. Mos. 19, 34; 5. Mos.,10, 19) mit alle* Klarheitund Bestimmtheit ausgesprochen worden ist . . . Dem Volke, das unserer Welt den Gedanken der Menschlichkeit und der an keinen Un-terschied des Glaubens geknüpften Liebe gebracht hat, lohnt der Antisemitismus da-, durch, dass er beide ihnen gegenüber verleugnet. Gottlob, dass dieselben in dar. heutigen Welt, bereits zu feste Wurzeln geschlagen, um diesem .Unterfangen einen Erfolg in Aussicht zu stellen." *v v * Prof. Df. Carl Heinrich Cornill, der freisinnige^Theologe an der ^Universität zu Breslau', sagte in einer* am 8. Juni 1895 im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" in Königsberg, gehaltenen Vortrage: „Das^Alte Testament und die Humanität" (Leipzig 189S, J. C. Hinrichs) u. a.: „Also selbst für eine Gastfreundschaft wie die in Aegypten'genossene, welche darin bestand, dass die Aegypter sie peinigten, bis aufs Blut, selbst für diese soll der Israelit noch dankbar sein und sich jenem Volke verpflichtet fühlen. Wenn das nicht zum mindesten der Feindesliebe sehr nahe kommt, so müsste ich wahrhaftig kein Deutsch verstehen." Der gelehrte Bibelkenner beskennt am . Schlüsse: „Zu einer Zeit, wo noch die tiefste Nacht der Lieblosigkeit und Inhumanität die ganze Menschheit bedeckte, da schon atmet die Religion Israels einen Geist wahrer Humanität, der auch den Fremden, wenn er' nur sehen will, mit Ehrfurcht und Bewunderung erfüllen muss. So .lange mir nicht jemand bei irgend einem anderen Volke des Altertums solche Aussprüche und in ähnlicher Zahl nachgewiesen hat, wie wir soeben aus der heiligen Literatur Israels kennen lernten, so lange werde ich mir die Behauptung shl abstreiten lassen, dass Israel der Welt die wahre Humanität gegeben hat." .Gehen wir nunmehr von der sozialen Gesetzgebung im Alten Testament zu der sozialen Fürsorge in der neuen Zeit übör und vernehmen wir zunächst die Aeusserung einer Fürstlichkeit! Zu wiederholten Malen hat sich die verstorbene Kaiserin- Auguste über die Wohltahrtseinrichtungen bei den Juden lobend ausgesprochen| Als die jüdische AJ^erversorgungsanstalt in Berlin am 5, Oktober 18791 ihr fünfzi jähriges Bestehen feierte, schrieb die damals schwer leidende Monarchin^von