Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 5 (7.1909) (Apologetische Sondernummer)
- Date
- 1909-07-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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\ « " - ) ' / ■ V . . " * —■— * **■■'/ / ' Die soziale Fürsorge bei den Juden in alter und neuer Zeit. Von Rabbiner Dr. Victor Nordheimer-Sduvetz (Weidisen. r . I. Einen Glanzpunkt der mosaischen Lehre bildet die soziale Gesetzgebung, welche der. erhabenen Zweck verfolgt, das Los der armen und bedrängten Menschenklasse zu mildern, und die im ganzen Altertum unübertroffen dastandT" Sie hat auch im Laufe d« Zeiten bis auf die Gegenwart eine erziehliche Wirkung auf die Juden ausgeübt, sodass sie noch heute zu den wohltätigsteü Menschen gezählt werden, wenn sie nicht gar die wohltätigsten sind. Dies wird unumwunden von den.Bekennernder anderen Konfessionen eingeräumt, und es-dürfte jetzt, da die soziale. Frage eine brennende geworden ist, eine- Zusammenstellung von Aeusserungen hervorragender/Christen über die Fürsorge bei den Juden in alter um! neuer Zeit umsomehr ein lebhaftes, Interesse vieler Kreise erwecken. 1 Beginnen wir mit . der sozialen Gesetzgebung im Alien Testament und hören wir zuvörderst, wie Geistliche sieh darüber aussprechen. Sell>st der antisemitische Hofprediger a. D. Adolf Stöcker verlieh seiner Verehrung für die sozialen Einrichtungen des jüdischen Staates beredten Ausdruck. Am 25. Januar 1878 sagte er in ciner-AIgisammlung eh r eben gegründeten chitsiiieh-sozialen Arbeiferpartei: .Veen im aiten^Testamt^it_jverboten ist, vom Kapital Zinsf zu nehmen, wenn dei Zusammenkauf violer Güter~iiv der- Weise verhindert ist, dass jedes Mal im fünfzigsten Jahre alle verpfändeten und ver l<..nften Güter wieder an ihre. Eigentümer von früher zurückfallen mussien, dann werden Sie- ^trkennen, dass hier mit einer ungemein göttlichen Weisheit die soziale Frage angefas?l und für die damalige Zeit völlig gelöst ist. Wo die Dinge so geordnet sind, da ist es gar nicht möglich, dass sich auf der einen Seite ein ungeheures Veimögen ansammelt und auf der anderen ein Pauperismus, der das Elend der gesamten Nation ist.1* ' Ein anderer Theologe, Pfarrer Carl öt»4^r zu Kirchberg im Braunfcehweigiseheu. schrieb eine Abhandlung über das^Alte Testament" (Rötirs Magazin VII, 27). In Betreff der Tugend des Erbarmens, und der-Wohltätigkeit sei zu beachten, „dass schon das älteste jüdische Gesetzhäutig.und dringend warnt, das Redt der Schutzlosen, der Witwen und Waisen zu beugen 2. B. Mos. 22, 20—23). Saas es die Nachlese auf Erntefeldern, Wein- und Oelbeigen den Kigentümern verbiet«»} und zu einer Gerechtsame für diejenigen erhobt^ welche sieh keis.es Eigentums erfreuen, dass es nicht tverstattet, armen Sekuldnein um utbeLfliche l'toLsiden 'als/Unterpfand zu entziehen.1. In'Bezug :..ui die Feir.defsi;. >>e mc^Jitoter 7Höhrs Magazin VII 1, *23 ff) dass, so oft an.\ das Alte Testament at».j»^KisyiiÄu Interesse den Iiass gegen heidnische