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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1909-07-01 · 5 (7.1909) (Apologetische Sondernummer) · p. Seite 2

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
3 (1909)
Issue
5 (7.1909) (Apologetische Sondernummer)
Date
1909-07-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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*• " * diu alten Begriffe festhielten, vor allem der lutherischen Reformation, die dem Papst den Gehorsam aufsagte, aber dogmafisch ganz auf.dem Boden desmittelalterlich-katholischen Dognqas blieb. 7 Seitdem sind drei Jahrhunderte vergangen. Aber wer die gegenwärtigen Wandlungen innerhalb 'des Protestantismus verfolgt, der begegnet in ihnen wieder jenen alten Renaissance-Tendenzen, jener damals begonnenen Umkehr zum Judentum bin. In" der evangelischen Kirche wird heute oft das Losungswort vernommen: rFort von Paulus, zurück zu Jesus!" Alle die Gedanken und Wünsche, die sich in dieser Parole aussprechen, sie könnten mit ebenso viel oder wohl noch mehr Recht und Deutlichkeit auch in den Satz gefaxt weiden: >^Fort vom christlichen Dogma, zurück zur Lehre des Judentums!" Freilich will man es/so nicht "Wort haben. Vielleicht liegt hierin auch der tiefere Grund, weshalb so.viele Führer gerade des liberalen Protestantismus — im^Gegensatz zu Männern der positiven Richtung, die, des eigenen Glanbensbesitzes gewiss, die Religion Israels eher zu begreifen bereit sind — so beharrlich das Judentum und seine religiöse Bedeutung totschweigen-. Man 'spricht nicht gern von dem Wege, den man.zurückgehen soll. Aber darum bleibt er doch der Pfad, dem so manche, die das Dogma verlassen haben, suchend sich zuwenden. « Wie stellt sieh der liberale Protestantismus zu den Glaubenssätzen, die das offizielle Bekenntnis seiner Kirche sind? Zu oberst ist der Gottesbegriff, \lie Trinität, die Festsetzung dreier wesensgleicher Personen in der Gottheit. Mehr als .ein Jahrtausend stand, dieser Begriff im Mittelpunkt aller Geistesarbeit der "Kirche. "Der umfangreiche christliche Talmud ist voll von der dialektischen Mühe, die ihm zugewandt wurde. Luther und Zwingli haben in ihrer Reformatiön .-ihn uneingeschränkt übernommen als den Ausdruck auch ihres Gottesglaubens; "auch die evangelische Kirche tauft den, der in ihre Gemeinschaft aufgenommen werden soll, im Namen des dreieinigeri Gottes. >* l»< r liberale Protestantismus hält an dieser Glaubensformel fest; nur, dass sie für, ihn eine blosse Formel ohne den ganz entsprechenden Inhalt zu sein scheint. Vom heiligen Geist predigt auch er zwar zu Pfingsten. Jedoch es ist nicht mehr der heilige Geist,- den der. Evangelist Johannes gelehrt hat, den die alte Kirche in ihr Bekenntnis aufgenommen, und von dem der dritte Artikel der lutherischen ».'unfession spricht,, nicht mehr die wirkliche göttliche Rerson, flic. nachdem der Sohn ^zum Vater zurückgekehrt,, dessen Werk auf Erden fort- -etzt. In der liberalen Lehre und Predigt ist der heilige Geist nur noch ein GetlanFefeebilde, etwa ein ethischer Begriff, der Geist der Wahrheit, der Ueberz. ugung. des Knthusiasmus, d. h. ein Begriff;'.der der kirchliche nicht mehr ist, aber dafür dem Kenner des Judentums eine jüdische Färbung nicht gut verougne* kann. AVer übrigens der Polemik der positiven, protestantische* Theologie;egen die liberale nachgeht, kann es auch wahrnehmen, wie sehr selbst für-jene, mim.-r mehr die dritte Person in der Gottheit, und damit die Trinität, in den Hintergrund tritt.;- ■' >-». Die Gottheit Jesu steht für die orthodoxe Lehre allerdings als sicherer (Uaubensgrund fest. Ob auch für die liberale, ist schwer zu entscheiden, wenn 6V ..

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