Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 4 (5.1909)
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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gerichtsdirektoren und Senatspräsidenten), ^bleiben auch den ältesten und verdientesten jüdischen Justizbeamten verschlossen. Auch innerhalb des Militärs sind die Zustände nicht besser geworden^ aus Preussen wird wiederum kein einziger jüdischer Reserveoffizier gemeldet. Dagegen förderten unsere dahin gerichteten Anfragen zu Tage, dass es eine ganze Reihe jüdischer Kapitulanten im deutschen Hewe gibt. Und ebenso sind eine ganze Reihe« von Juden (sei es durch Zivilversorgungsschein, sei es auf anderem Wege) in die Subaltern- Beamtenschaft eingetreten: wir haben jüdische Bahnsteigschaffner und Schliesser, Postboten und Gerichtsvollzieher verzeichnen können in nicht unerheblicher Anzahl. So widerlegt sich wiederum an einem neuen Punkte die Legende, dass die Juden zu irgend einer Art mehr körperlicher Arbeit nicht geneigt oder nicht fähig seien. .5 /I , : '•' ' . ■ -'. Wenn die offizielle Hältung der Behörden im Grossen und Ganzen eine wenigstens objektive zu nennen war, sp gewinnt man doch leider aus unsern Berichten den Eindruck, dass die Beamtenschaft, speziell die preussische, iu ihrer privaten Lebensführung als die Hauptstütze, die unversiegliche Quelle antisemitischer Gesinnungen gelten muss. Dies machen \u. a. die Berichte aus westrheiniscnen ^Gegenden besonders deutlich: I^ier wird in vielen Bezirken, deren eingeborene Bevölkerung Antisemitismus kaum kennt, das Feuer der Judenfeindschaft lediglich durch den Zuzug altpreussischer Beamten entzündet und erhalten. Dass tatsächlich kleine Gesellschaftsgruppen, ja vielleicht sogar einzelne irgendwie prominente Persönlichkeiten es in der Hand haben, das Verhältnis der christüchen und jüdischen Bevölkerung an einem Orte gut oder schlimm zu gestalten, — das macht uns noch ein anderer Zug in unserer Korrespondenz wahrscheinlich. Während sich nämlich im grossen Ganzen das Bild, von der gesellschaftlichen Lage der Juden nicht wesentlich gegen die vorjahrigen Berichte verändert hat, tritt jetzt) wo die Arbeit der Vertrauensmänner einen schärferen Einblick in die Details ermöglicht, ein Umstand merkwürdig krass hervor: im Punkte „gesellschaftliches Verhältnis der jüdischen zur christlichen Bevölkerung" weichen die Berichte ganz eng benachbarter Gemeinden oft in erstaunlicher Weise vön einander ab. Nicht nur innerhalb einer Provinz oder eines Regierungsbezirkes, nein innerhalb ein und desselben Kreises kommt es vor, dass fünf. Vertrauensmänner dio. Lage als recht vortrefflich bezeichnen — und dorischste die Zustände in seiner Gemeinde kaum erträglich nennt. Und umgekehrt findet sich mitten zwischen einem Dutzend als stark antisemitisch beklagter Orte ein Bezirk, dessen Vertrauensmann nur das beste vom Verkehr der Juden und Christen zu melden weiss. Diese auffallenden Unterschiede können doch nicht ganz mit der verschiedenen Sensibilität, den abweichenden Ansprüchen der betreffenden Berichterstatter erklärt werden; in manchen Fällen werden doch positive Tatsachen (aus Vereinen, Schulen etc.) angeführt, die die objektive Existenz dieser Situationsunterschiede verbürgen. Nun aber ist klar, dass ein so abweichendes Verhalten der Bevölkerung in eng benachbarten Gemeinden seinen Grund nicht in Unterschieden der wirtschaftliehen und politischen ."' M •> . .. \ '" ' \ - -