Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 4 (5.1909)
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Lage oder gar in abweichender „Rassedisposition" der betreffenden christlichen Einwohnerschaften haben kann. Keiner der grossen Faktoren des Milieus oder des Blutes, die man so gern als alleinige und unausweichliche Ursache des Antisemitismus hinstellt, kann bei Bezirken, die unter so gleichen Bedingungen stehen, variiren; wenn sich doch so andere Resultate im Verhalten der Christen zu ihren jüdischen Mitbürgern Enden, so beweist dies, dass keine unentrinnbaren allgemeinen Gesetze dies Verhältnis regeln, vielmehr spielt sicherlich die Erziehung, Bildung und; Gesinnung einzelner, in kleineren Gemeinden oft Ausschlag gebender Persönlichkeiten eine grosse Rolle. Ein einzelner Mann von unduldsamer Gemütsart und vorurteilsvollem Geist kann unter Umständen inmitten eines sonst friedlichen Distrikts just seine Gemeinde mit antisemitischer Gesinnung erfüllen; und der klare- und menschenfreundliche Sinn eines einzigen Angesehenen genügt oft ebensogut, um selbst inmitten eines antisemitischen Gebiets zwischen den christlichen und jüdischen Bürgern einer. Stadt freundlichen Verkehr zu schaffen. — In gleichem Masse wird es natürlich darauf - ankommen, ob die Juden der betreffenden Gemeinde ein taktvolles und würdiges Benehmen zeigen oder nicht. In jedem Fall aber ergibt sich: es ist nicht wahr, dass eherne, dem Einfluss der einzelnen Persönlichkeiten entzogene Gesetze die gesellschaftliche Stellung der deutschen Juden unter ihren christlichen Mitbürgern entscheiden; unendlich viel kommt hier auf die menschlichen Anlagen und Kräfte, auf das Verhalten jedes Einzelnen an. Die Hoffnung — aber auch die'Mahnung, die diese Einsicht gibt, ist vielleicht kein geringer Gewinn aus der Korrespondenz dieses Jahres.