Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 4 (5.1909)
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wenden wir uns nun dem materiellen Ergebnis der letzten Berichtsperiodo zu. — Ueber die Bewegung der jüdischen Bevölkerung im Innern ist nichts neues zu sagen: Die Juden nehmen nach wie vor an der allgemeinen Bevölkerungsverschiebung vom Lande und von den kleineren Städten zu den Qrossstädten teil, und nach wie vor stellt die Lage der schwachen und überwiegend im Rückgang begriffenen Klein-Gemcindem ein ernstes Problem für die deutschen Juden dar. Während man in \Bayern mit einigem Erfolg versucht hat, die Regierung für eine stärkere Subvention der Judengemeinden zu gewinnen, ist man andeiwärts bemüht, selbst durch Zusammenlegung zu kleiner Gemeinden für kultische Zwecke Abhilfe zu schaffen. Von den beiden äussersten Provinzen deriMonarchie, aus Ostpreusst n und aus dem Mqsellande, meldet man in gleicher Weise das Fortdauern dieser Bemühungen. ■ ' . ■•'."■( V .''■'■1 ' \ ■ [ ' . Was die Einwanderung ausländischer Juden betrifft, so scheint zwar die Zahl der Einwanderer im ganzen kaum gewachsen, doch hat ihre Masso sich offenbar von Osten nach Westen verschoben. Denn es sind im wesentlichen süd- und westdeutsche Bezirke, deren Korrespondenten die starke Zunahme der ausländischen Gemeindemitglieder betonen und von den mannigfachen Schwierigkeiten sprechen, die deren soziale, wirtschaftliche und kultische Eingliederung bereitet. In einigen badischen und rheinischen Gemeinden haben sich demgemäss jüdische Vereinigungen gebildet, die den armen uud mindercivilislerten fremdstaatlichen Juden nicht nur materielle Hilfe gewähren, sondern vor allen auch auf ihre geistige und moralische Hobung (durch Schulen Bibliotheken, Vereine etc.) bedacht sind. Hiermit ist sicher ein guter Weg beschritten, um die -wertvollen Elemente, die neben blinderen und schlechten unter diesen Ausländern zweifellos zu finden sind, zu stärken und zu fördern, und sö aus ihnen eine menschlich tüchtige, sozial taugliche junge Generation heranzuziehep, deron gesellschaftliche Eingliederüng nichts Schwieriges mehr haben wird. j - Was das Verhalten der Behörden gegen diese ausländischen Juden angeht, so werden namentlich in Ostpreussen immer noch rigorose Massnahmen beklagt. Und Naturalisationen werden in ganz Preussen so gut wie nie genehmigt; auch in den ausserpreussischen Bundesländern werden rie seltener, —• wie man annimmt, weil die betreffenden Regierungen in Preussen Anstoss zu erregen fürchten, wonn sie Naturalisationen erteilen an Leute, die von ' der preussischen Regierung abschlägig beschieden worden sind. — Im übrigen wird das amtliche Verhalten der Regierungsorgane zwar überwiegend als korrekt und legal bezeichnet; (— in der Schächtfrage, die immer noch in einigen Gegenden auf der Tagesordnung steht, ist die Staatsregierung sogar verschiedentlich für die jüdischen Gemeinden gegen ,die Schächtverbote der Stadtbehörden eingetreten —) —aber in der Zusammensetzung der Beamtenschaft besteht der alte beklagenswerte Mangel an Parität fort; die Betofiterung der jüdischen Juristen (bezüglich deren sonst eine kleine Besserung zu konstatieren sein möchte) macht z. B. an ganz bestimmter Stelle Halt; jene hohen Postendie ausser der richterlichen zugleich eine Veiwaltungsfunktion einschliessen _(Land-