Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 3 (10.1908)
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4908657-6349516-6349549--044-4908697- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
zusammen. Diese kostbare Sammlung fiat er noch bei' seinen Lebzeiten mit seiner grossen Büchersammlung der Bibliothek der jüdischen Gemeinde vermacht. An sie and ihre Anlage wird anzuknüpfen und ihr werden die seit ihrem vor mehreren Jahren erfolgten Abschlüsse erschienenen Nachrichten und Notizen anzuschliessen sein. ■ . ' ,■ > I . 0. ' j. In ein solches Archiv gohören apologetische Abhandlungen und Nachrichten, sodann aber auch Dokumente von bleibendem Werte, wie die Briefe, welche Theodor Roosevelt und der jetzt verstorbene frühere Präsident der nordamerikanischen Union, Grover Cleveland, an das Komite der Zentenarfeier. der amerikanischen Juden gerichtet haben. Sie sind Ehrenzougnisse der amerikanischen, wie insbesondere auch der in den jüngsten Jahren eingewanderten russischen Juden und Argumente von grösster Wucht gegenüber den antisemitischen Sammlungen von Zeugnissen gegen die Juden. Das Archiv hat ferner die Lebensbeschreibungen und - Charakteristiken der Männer, welche in den Diepst der Aufgaben und Interessen des Judentums sich gestellt, }zu sammeln, aber auch Mitteilungen über Juden von hervorragender praktischer Tätigkeit, in der Technik, der Industrie und dem Handel, deren Unternehmungen zu grosser nationaler Bedeutung* gelangt sind, über die ausgedehnte soziale und gemeinnützige Wirksamkeit einer grossen Anzahl jüdischer Männer und Frauen, über die Leistungen namhafter jüdischer Gelehrter und Schriftsteller auf den verschiedensten Gebieten, über die politische Wirksamkeit von Juden da, wo die staatliche Laufbahn ihnen eröffnet ist. Zu sammeln sind weiter auch die Berichte und Nekrologe über solche Juden, die ihres Glaubens wegen in ihrem Heimatlande für ihren Beruf keine ihnen zusagende Stellung finden konnten, deshalb in das Ausland wandern mussten und dort zu Amt und hervorragender Wirksamkeit kamen, wie auch diejenigen von solchen, die trotz ihres anerkannten Wissens und Talentes der Lehrkanzel, für die sie geschaffen waren,, entsagen mussten, bescheiden in einen stillen oder privaten Wirkungskreis sich zurückzogen, und auch da rastlos tätig der Wissenschaft dienten und mit gediegenen Leistungen sie bereicherten. Die sich aus dem Ganzen ergebende Fülle verschiedenartiger interessanter Lebensläufe und deren Zusammenstellung wäre die beste Widerlegung des Geredes ■ von dem „zersetzenden Geiste der Juden", von ihrer vorwiegenden Neigung zur Kritik und Negation, von ihrer der Initiative und schöpferischen Kraft entbehrenden Tätigkeit. Sie würden solchen Vorstellungen, die auch viele derer beherrscht, die jede antisemitische Neigung von sich weisen, ein Bild der Wirklichkeit gegenüberstellen, das seinen Eindruck nicht verfehlen kann. NSie könnte weit über jedes apologetische Interesse hinaus für das unter den Juden lebende ideale Streben, für den Opfermut und die Tüchtigkeit, die viele bekunden, das ehrenvollste Zeugnis ablegen und unserer Jugend eine Reihe wahrhaft edler und nachahmenswerter1 Vorbilder vor Augen stellen.