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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1908-10-01 · 3 (10.1908) · p. Seite 5

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
2 (1908)
Issue
3 (10.1908)
Date
1908-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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; - 5 - 1 Und dieses Totschweigen wirkt ebenso herabsetzend und schädlich, wie der offene Antisemitismus. Diesem Schweigen gegenüber unsere berechtigten Ansprüche geltend zu machen, die vielen falschen Vorstellungen über das Judentum richtig zu stellen ihnen wohlsubstanziierte Darlegungen über , unsere Vergangenheit wie über unsere Gegenwart entgegenzusetzen, wird darum für uns immer mehr zu einer dringlichen Notwendigkeit. Wer gegen die' Juden Material sucht, kann es bequem in einigen wenigen Büchern finden, die förmlich als Handbücher des Antisemitismus bezeichnet werden können. Wer sodann auch die Widerlegung der von diesen gebrachtön Behauptungen sucht, oder auch nur eine objektive Darstellung über die angegriffenen Dinge und über jüdische Verhältnisse überhaupt, der hat seine Belehrung mühselig aus einer Reihe von Schriften sich zusammenzusuchen. Und über manche Frage, über die er sich unterrichten möchte, wird er nach einer schriftlichen Antwort überhaupt vergebens suchen. Der von dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus herausgegebene „Antisemitenspiegel" hat diesem Bedürfnisse einigermassen abzuhelfen gesucht. Aber so vortrefflich manche seiner Artikel sind, sie sind unvollständig und beschränken sich im wesentlichen auf die AJJwehr einzelner antisemitischer Angriffe. Der verstorbene Wiener Prediger Adolf Jelline*k war es, der m. W. zuerst 1 eine systematische Apologetik des ijudentums und der Juden verlangte. Er wollte, dass eine solche als eine besondere Disziplin inden Lehrplan der Rabbiner- Bildungsanstalten aufgenommen werde. Ebenso wünschte er die baldige Her-, v Stellung eines Handbuches der jüdischen Apologetik, für das er* einen j^kurzen Umriss aufstellte. Seine Ansichten hierüber legte er 1892 in zwei Artikeln der uOesterreichischen Wochenschrift für die gesamten Interessen des Judentums" nieder und forderte deren Herausgeber, den damaligen Reichstagsabgeordneten Dr. Josef Bloch, der einen siegreichen Kampf gegen die blutrünstigen Anschuldigungen des berüchtigten Professor Rohling geführt und in seinem Blatte eine Fülle apologetischen»Materials gesammelt hatte, zur Abfassung eines solchen Handbuches auf. . i Dieser Aufforderung ist bis jetzt nicht entsprocheil worden und kann auch kaum entsprochen werden. Die gestellte Aufgabe übersteigt die Kraft des * " Einzelnen und kann befriedigend nur von einer Vereinigung von Männern bewältigt werden, welche die verschiedenen hierfür in Betracht kommenden Wissensgebiete beherrschen. Demgemäss erklärtauch Moritz Güdemann, der Verfasser der jüngst erschienenen „Jüdischen Apologetik", dass man gut tut, „wenn man vom Judentum spricht, die Religion und ihre Bekennerschaft auseinanderzuhalten", dass er ,keine Schutzschrift für die Juden schreibe, sondern es nur mit dem Judentum als Religion zu tun" habe und in seiner Behandlung des Gegenstandes sich auch wesentlich auf die Abwehr der Angriffe, welche\es vonseiten der wissenschaftlichen christlichen Theologie erfahre, beschränke. Eine solche Beschränkung kann ein einzelner Schriftsteller für sich vornehmen, aber sie darf nicht für die Sache gelten und so interessant und dankenswert die von Güdemann gegebenen Ausführungen sind, für die Bedürfnisse der Gegenwart

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