Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 3 (10.1908)
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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stampfen Waffen gegen starke, rücksichtslose Gegner eich wehren zu müssen, ist eine schwierige und widerwärtige Aufgabe. Die Juden gingen ihr möglichst aus dem Wege. Darum ist auch diese Art jüdischer Apologien an Zahl wie an Umfang gering. Und während die bibliotheka hebraea von Johann Christian Wolff (1733) auf vielen Seiten die gegen die Juden gerichteten Schriften, darunter dicke Quartanten und Schriften mit solch lieblichen Titeln wie „Abgestreifter jüdischer Schlarigenbalg", „Feuriger Drachengift und jüdische Ottergalle" aufzählt, umfasst das Verzeichnis der jüdischen Schutzschriften, wie auch der das Christentum kritisch beleuchtenden Schriften verhältnismässig wenige Nummern und durchweg recht kleine Schriften. Auch von ihnen sind nur wenige, inhältreichere, oder geistvoll satyrisch gehaltene ausserhalb des engen Kreises der Bibliographen bekannt geworden. Die meisten, die gedruckten, wie die nur handschriftlich vorhandenen, ruhen wohlgeborgen in der Stille friedlicher Bibliotheken, ■■i *'*.*•''-? ■, - \il Eine viel stärkere literarische Bewegung apologetischer wie polemischer Art entwickelte sich, mit dem Auftreten Mendelssohns und den Kämpfen der Juden um die Erlangung staatlicher Rechte. Sie gewann sodann eine neue unerwartete Ausdehnung, als mit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gegen ihre kaum errungene politische Emanzipitation eine heftige Reaktion sich entwickelte, die in einer Fülle von gegen die Juden gerichteten Schriften sich entlud. Die früheren, längst als überwunden erachteten Anklagen wurden wieder erhoben und neue hinzugefügt, die sich jedoch weniger gegen' die Religion des Judentums, wie gegen d9n Charakter von dessen Bekennern richteten. Sie erstreckten sich auf die körperlichen, wie auf die geistigen Eigenschaften der Juden, auf ihre Rasse, und Abstammung, ihre Geschichte und Kultur, ihre sozialen und ihre Erwerbsverhältnisse, ihre Befähigung und ihre Leistungen auf den verschiedenen Gebieten der menschlichen Tätigkeit, insbesondere auf dem Gebiete des Handels, der Politik, der Presse und Literatur, der Kunst und Wissenschaft. Dadurch sind eine Reihe neuer Fragen aufgeworfen worden, die eine jüdische Apologetik zu beantworten hat. Und dass wir eine solche dringlich brauchen, bedarf keines längeren Nachweises. Vorurteile und falsche Vorstellungen von uns herrschen nicht hur in der spezifisch antisemitischen Partei und in den unteren Volksklassen, sondern in weiten Kreisen der Gebildeten und Aufgeklärten, bei den Politikern, wie bei den Männern der Feder, bei denjenigen, die über unsere Angelegenheiten zu entscheiden haben, wie bei denen, welche die öffentliche Meinung bestimmen und beherrschen. Und auch in unseren eigenen Reihen treten sie uns nicht selten entgegen, insbesondere bei manchen Angehörigen des jüngeren Geschlechts, die vom Judentum wenig gelernt und vom jüdischen Leben nicht viel gesehen haben. Bure/Unkenntnis und Entfremdung nimmt ihnen von vornherein den festen Halt, welchen die dem jüdischen Leben Näherstehenden in ihrer Kenntnis des jüdischen Schrifttums und noch mehr in ihrer eigenen Erfahrung und ihrer warmen Empfindung für das Judentum mit seinen Licht-, wie mit ihrem besseren Verständnis auch für seine Schattenseiten haben. Sie macht sie auch empfänglich