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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1908-10-01 · 3 (10.1908) · p. Seite 2

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
2 (1908)
Issue
3 (10.1908)
Date
1908-10-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — Aufgabe der Apologetik, d. h. der Zurückweisung falscher Vorstellungen vom Judentum, seinen Lehren und Einrichtungen, wie von seinen Bekennern und ihrem Tun und Lassen. Damit verbunden ist auch die positive Aufgabe einer Darstellung von ihnen auf Grund zuverlässiger Tatsachen, einer richtigen Erfassung ihres Wesens und Charakters, einer sorgsamen Prüfung der Zeiten und Verhältnisse, in denen sie lebten und in denen sie weiter zu wirken haben. Ihre Geschichte und ihre Entwicklung, deren zeitliche Phasen und verschiedenartige Erscheinungen sind, auf Grund einer gründlichen Kenntnis festzustellen, und damit einem wirklichen Verständnis zu erschliessen. Während die Literatur der verschiedenen christlichen Konfessionen reich an apologetischen Werken ist und in jeder theologischen Fakultät ein besonderer Vertreter diese Disziplin doziert, besitzt das Judentum nur vereinzelte Schriften apologetischen Inhalts und keinerlei systematische Darstellung des Gegenstandes. Aus der. alten Zeit ist keine Schrift dieser Art vorhanden. Erst die hellenistischen Juden haben gegen die Angriffe der Aegypter, Griechen und Römer ihre Verteidigungsschriften geschrieben. Die bedeutendste derselben ist die Schrift des Josephus Jlavius gegen Apion, oder, wie er sie'nennt, „Ueber das Alter des jüdischen «Volkes". Sie hat nicht nur ihren grossen geschichtlichen und archäologischen Wert, sondern ist überhaupt eine der besten Schriften, die je geschrieben wurden, um Nichtjuden ein Bild vom Judentum zu geben. Aber sie ist in dieser Beziehung auch nahezu die einzige geblieben. Die Verhältnisse, in welche die Juden in ihrer Zerstreuung unter verschiedenen Völkern und Religionen kamen, Hessen das Bedürfnis nach apologetischen Werken nur in beschränktem Umfange aufkommen. Sie lebten zumeist in abgeschlossenen Kreisen, in einer eigenen Welt, in der für die Gläubigen der Nachweis der Wahrheit ihrer' Religion nicht notwendig war. Und ausserhalb derselben Anhänger zu gewinnen, war für sie ausgeschlossen. . Dagegen wurden sie allmählig durch die Angriffe der grossen herrschenden Religionen zur Abfassung von Schutz- /Und Verteidigungsschriften gezwungen. So hatten sie dem Christentum gegenüber nachzuweisen, dass die von diesem auf Jesus und die Dreieinigkeit gedeuteten Stellen der heiligen Schrift nach ihrem Wortlaute sich auch anders deuten Hessen, dass also die Juden mit ihrer Ablehnung des Christentums nicht hartnäckige Leugner offenbarer Wahrheiten seien. Sie hatten^ den Talmud und ihre Gebetbücher gegen die Vorwürfe zu verteidigen, dass sie boshafte Schmähungen gegen Christus und die Christen enthielten. Sie hatten endlich sich selber Jahrhunderte hindurch . gegen die Verleumdungen zu schützen, dass sie Brunnen vergifteten, Hostien an sich brächten und durchstächen, um ihren Hass gegen Jesus zu befriedigen, und das Blut von Christenkindern für die Bereitung ihrer Mazzos\brauchten. Auf diese Punkte mussten sie im wesentlichen ihre Darlegungen beschränken und auch dabei noch nur die Angriffe abwehren. Erwidern durften sie solche nicht und selbst in der Verteidigung mussten sie jedes kräftige Wort und jede Wärme in der Aussprache ihrer /-Ueberzeugung unterlassen. Mit > i

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