Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1907-10-01 · 1 (10.1907) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
1 (1907)
Issue
1 (10.1907)
Date
1907-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4908657-6349514-6349546--014-4908670
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

reichendes Bild des jüdischen Lebens vor Augen haben soll. Dass er solch Bild besitze und zur Grundlage all seiner EntSchliessungen machen könne, das war ja aber als der Zweck der ganzen Korrespondenzinstitution gedacht. Solche, ihrer Aufgabe voll gerecht werdende Berichte hat der Verband bisher nur einige wenige erhalten. Vorzügliche Exposes liegen über dio Stadtgemeinden von München und Köln a. Rh. vor. Und dass es nicht etwa die Fülle des Materials allein war; durch das die Korrespondenten jener Orte zu . ihren umfassenden Darstellungen befähigt wurden, beweisen Berichte aus Mecklenburg, aus den Regierungsbezirken Köslin, Münster, Stralsund^ die bei aller Bescheidenheit des Umfangs doch der Anlage nach der Idee der Institution gerecht wurden. Aus den anderen Bezirken, deren Korrespondenten eine wirklich umfassende Darstellung der allgemeinen Lage der Juden in ihrem Bezirk nicht versuchten, liegt immerhin eine ganz erhebliche Zahl interessanter Einzelnachrichten vor; nur dass bei der Lückenhaftigkeit der Korrespondenz im ganzen die symptomatische Bedeutung der einzelnen Meldung für die Gesamtlage der deutschen Juden kaum zu ermessen ist. Wenn beispielsweise eine ganze Zahl von Korrespondenten den Behörden ihres Bezirks eine im allgemeinen gerechte und wohlwollende Haltung nachrühmen, so kann man sich doch bei der überwiegenden Zahl der Distrikte, die überhaupt oder doch zu diesem Punkt geschwiegen haben, kein Urteil bilden, wie weit dieser erfreuliche Zustand als allgemein oder auch nur als Regel im heutigen Deutschland bezeichnet werden kann. Eine ebenso offenkundige als klar widerrechtliche Zurücksetzung der Juden ist die allbekannte und auch in unserer Korrespondenz vielfach gespiegelte Fernhaltung jüdischer Staatsbürger vom Beamtentum. Am schlimmsten scheint es nach den Berichten in ^dieser Hinsicht in Braunschweig zu sein, wo in durchgehaltenem Prinzip überhaupt keine jüdischen Beamten ernannt werden. Was die Militärverwaltung angeht, so konstatieren einige Berichte aus dem Norden und Süden Deutschlands eine gerechte Behandlung der jüdischen Soldaten, insbesondere der Einjährigen, während aus dem Westen und *** Osten des Reiches, aus dem Rheinland wie aus Ostpreussen starke Klagen j kommen. Was die Behandlung der Ausländer betrifft, so werden judec- £ feindliche Verfügungen der Behörden von verschiedenen Stellen (Kässei, Frank- * fürt a. 0., Mannheim, München) gemeldet; dagegen wird die wohlwollende und entgegenkommende Haltung der Regierung den jüdischen Volksschulen gegenüber von mehreren Seiten gerühmt. In all diesen Punkten aber, däsmuss^ wiederholt betont werden, sind die Angaben viel zu vereinzelt, um ein einigermassen sicheres Urteil über die allgemeine Lage zu ermöglichen. Das gilt, soweit die Quartalsberichte in Betracht kommen, auch von der Frage der jüdis,chen Schöffen- und Geschworenen: Eine Reihe günstiger, eine Zahl ungünstiger Meldungen über die Zuziehung der Juden zum Laiengericht würde doch nicht entfernt zu einem richtigen Einblick in die allgemeinen Zustände ausreichen, wenn nicht hier eine Sonder-Enquete des Verbandes die Lücke ausgefüllt hätte. Das Ergebnis war, wie an anderer Stelle ausführlich mitgeteilt wird, die Feststellung einer schreienden Ungerechtigkeit in der Praxis

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.