Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 1 (1907)
- Issue
- 1 (10.1907)
- Date
- 1907-10-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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■'■><:'""', . — 4 — ..; |. Kleinstaaten) im ganzen 82 Korrespondenten bestellt. Die üb Statut festgelegte Meinung dabei war, dass diese Korrespondenten nicht nur die nauir liehen Hilfskräfte des Ausschusses für alle lokaler Spezialkenntnisse bedürftigen Erhebungen sein sollten, dass sie nicht nur bei jedem wichtigen Vorfall in ihrem Bezirk Bericht aber auch Rat geben sollten .— vor allem sollten sie in vierteljahrliehen | Berichten den Zustand des jüdischen Lebens in ihrem Bereich schildern £nd so den Verbandsausschuss völlig. auf dem Laufenden halten über die Entwicklung der vielverzweigten Gemeinschaft, zu deren Vertretung er gerufen ist. So wollte man die Basis für ein rechtzeitiges Eingreifen am rechten Ort gewinnen.. Bis Herbst 1906 waren fast alle Korrespondentenposten besetzt, und so liegen jetzt drei Berichtsquartale abgeschlossen hinter uns." Aber offen muss bekannt werden, dass die Tätigkeit der Korrespondenten gerade in diesem wichtigsten Punkte den in sie gesetzten Hoffnungen nur zu einem kleinen r!7eil entsprochen hat. Abgesehen von drei Bezirken, aus denen bisher überhaupt keitt "Bericht vorliegt, gibt es nicht weniger als 25 Bezirke, von denen in alleirSlrei Quartalen nur Fehlberichte einliefen, kurle Meldungen, c ass „nichts vorgefallen1* sei. Der ungünstige Eindruck/dieses Ergebnisses verstärkt sich noch, wenn wir hinzufügen müssen, dass auch von don übrigen Bericlten ein grosser Teil sich auf ein paar karge Meldungen beschränkt. — Die Wu^el dieses partiellen Misserfolges scheint die irrtümliche Auffassung zu sein, in die Mehrheit der Korrespondenten bezüglich ihrer Aufgabe noch befangen Sehr vielfach spiegelten, ihre Zuschriften die Meinung wieder, dass nur sensationelle Ereignisse, Vorkommnisse von irgendwie aufsehenerregendem oder tief oinschneid andern Charakter berichtbar, oder berichtenswert seien. Solche Vorf illo bietet las jüdische Leben eines Bezirks natürlich nicht jedes Quartal — so blieben die Berichte leer. Aber auf solche ungewöhnlichen Ereignisse die Berichtersltattung einzuschränken, das war die Meinung keineswegs. Im Gegenteil, den normalen Gang des jüdischen Lebens und seine stete Entwicklung in allen Teilen Deutschlands zu kennen und an dieser Kenntnis den sicheren Ausgangspunkt* für jede nötige Aktion zu haben, das war es, was die Verbandsleiti ng durch ihre Korrespondenten zu erreichen hoffte. Das alltägliche Leben;i ier auch der1 kleinsten Gemeinde bietet eine Fülle betrachtenswerter und ihrer Art öaehvfür die Allgemeinheit der Juden höchst wichtiger Punkte: von der zahlonmäs^sigen Bewegung der einheimischen bis zur Einwanderung fremd" staatlicher Juden, von den Entwicklungen des jüdischen Berufslobr ns bis zumStand derSchulen. von der allgemeinen gesellschaftlichen Lago der Juden innerhalb der übrigen Bevölkerung bis zur Haltung der Lohörden gegenüber israelitischen Staatsbürgern, bis zur Behandlu ig der Juden beim Militär, beim Gericht, bei den Aemtern. All dies u id vieles mehr (auch Kränkungen oder Auszeichnungen einzelner Personen kofnmen, wo sie symptomatische Bedeutung oder vorbildliche Wirkunghaben, wohl in Betracht!) gehört in den Quartalsbericht des Korrespondenten, wenn anders der Verband ständig ein treffendes und ausder ist.