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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1907-10-01 · 1 (10.1907) · p. Seite 6

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
1 (1907)
Issue
1 (10.1907)
Date
1907-10-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— 6 .— vieler Gerichtsbezirke; die hierauf basierte Beschwerdeschrift des Verbandes hat in Preussen und Sachsen denn auch za Ministerialerlassen in unserem Sinne geführt. Die praktischen Erfolge dieser Verfügungen sind freilich noch abzuwarten, und gerade dies ist ein Punkt, über den der Ausschuss vonden Korrespondenten gut berichtet zu werden hofft. Ein weiteres Problem, das der Tätigkeit des Verbandes zureifen dürfte, ist die Frage der Sabbathruhe, d. h. das Recht derjenigen jüdischen Engrosfirmen, die am Bonnabend schliesseri, ihre jüdischen Angestellten am Sonntag in bescheidenem Umfang arbeiten zu lassen. Diese Frage ist, soweit unsere Korrespondenz unterrichtet, bisher nur in München durch Gemeinderatbeschluss und Regierüngsbestätigung und vor Kurzem auch in Posen geregelt worden und zwar in dem denjüdischen Wünschen günstigen Sinn. Aehnliche Verhandlungen schweben zur Zeit zu Köln a. Rh. — Ein weiterer Punkt, der aus zahlreichen Berichten als erheblich hervortritt, ist die Schächtfrage. In verschiedenen Orten Pommerns, in Bremen, in Karlsruhe, Düsseldorf, Schweidnitz, Münster, Würzburg ist es zu heftigen Diskussionen hierüber gekommen; doch sind die antisemitischen Versuche, ein Schächtvarbot oder zum mindesten eine starke Einschränkung des rituellen Schlachtbetriebs zu erzielen bisher nirgends geglückt. — Soweit man das sehr lückenhafte und deshalb wenig massgebliche Bild, das dio Berichte dieser drei Quartale gewähren, überhaupt gelten lassen will, ist der Eindruck, den man im allgemeinen vom Verhältnis der christlichen zur jüdischen Bevölkerung gewinnt kein unerfreulicher. Trübe klingen in dieser Beziehung nur die Schilderungen aus dem Königreich Sachsen und aus der Stadt München; dagegen wissen verhältnismässig viele Korrespondenten von friedlichen und freundlichen Beziehungen zwischen den christlichen und jüdischen Bürgern zu. mehien; auch aus Thüringen und Hessen, Ländern, denen die Reichstagswahl den Anschein von antisemitischen Hochburgen leiht, melden verschiedene Korrespondenten ■übereinstimmend, dass in normalen Zeiten in breiten Schichten der Bevölkerung sehr we'riig Antisemitismus zu spüren sei, und dass die judenfeindliche Stimmung erst zur Wahlzeit jedesmal künstlich von auswärtigen Agitatoren erzeugt werde. Das etwa sind die wesentlichen Tatsachen, die sich aus der vorliegenden Korrespondenz über die Zeit vom Oktober 1906 bis zum Juni 1907 ablesen lassen. Es ist nicht viel und ist vor allem nicht genug, um ein einigermassen klares, vollständiges, für die Aktion des Verbandes massgebendes Bild von der _ Lage der deutschen Juden in'dieseln Zeitabschnitt zu geben. Solch Bild aber aus den Quartalsberichton zu extrahieren.und es allen Mitgliedern unseres Verbandes zu zeigen und so ihr Wissen vom Judentum, ihr Interesse an seinem Ergehen zu mehren — das sollte ja der eigentliche Zweck dieser Blätter sein. Für diesmal müssen wir uns mit der Hoffnung trösten, dass "die hier gegebenen Hinweise vielleicht dienen, den Korrespondenten die zahlreichen Fragen nach dem eigentlichen Wesen ihrer Aufgabe zu beantworten, und dass wir dann in Zukunft Berichte zu erwarten haben, die es uns ermöglichen, ein reicheres, umfassenderes, zuverlässigeres Bild vom Leben der deutschen Juden zu entwerfen. Wenn das ermöglicht sein.wird, dann werden auch diese Blätter beitragen können, ein stärkeres Gemeinbewusst- V

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