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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-11-01 · 15 (1.11.1938) · p. Seite 122

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
15 (1938)
Issue
15 (1.11.1938)
Date
1938-11-01
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1. 11. 38 XV. Nr. 15 klingen eines ungesunden Egoismus, blenden ließen. Denn schon jeder Schritt im jüdischen Alltag irft von der M ö g 1 icji k e i t zu einer Mizwah gesegnet und hat davon sein Regulativ. .ledes jüdische Fest strafft die Bindungen in der Familie und in der Ge meinschaft. Gerade \tir Juden,in Deutschland erfahren die Notwendigkeit dafür, daß ein jüdisches W i r existiert, täglich in unseren Sorgen. Aber dieses Wir ist nicht nur dazu da. daß wi? selbst es brauchen, sondern daß wir if n s von ihm brauchen lassen. Perr-Xviire kein .lüde, dem das Geben nicht immer vor dem Nehmen stünde, und je. ärmer einer i*t. um so mehr drängt es ihn zum Helfen — der jüdische Osten ist ein erschütterndes Beispiel dafür. Wir Kinder eines Voiks. das eine soziale Gesetzgebung schon erhielt, ehe es noch in dem Lande war. in dem sie sich auswirken sollte, wir. die wir unter dem Leitwort „Wenn ihr in das Land kommt . . ." in der Wüstenwanderung vom Egoismus weg erzogen wurden, wir dürfen beim Suchen nach Brot. Beruf. Arbeitsplatz in neuen Grenzen den Blick z;: den Sternen nicht vergessen, nicht, daß es neben dem Schwankenden das Unverlierbare gibt, neben der Selbstsucht noch immer neu die Liebe. " i i 1. Abonnementsveranstaltung der Stuttgarter Jüd. Kunstgemeinschaft Lieder- und Arien-Abend Alexander Kipnis. Alexander Kipnis sang! Der Klang dieses Namens und der endlich erfüllte Wunsch, diesen wahrhaft großartigen Sänger hören zu können, schufen das Bild eines ausverkauften Saales! Kipnis sang mit dem ganzen Zauber seiner unvergleichlich schönen Stimme und entführte die begeisterten Zuhörer mit seiner großen Kunst in eine bessere Welt. — Zwei altitalienische Arien zu Beginn offenbaren bereits das prachtvolle Timbre dieses Organs und die Meisterschaft der Atemführung. Welches Piano und welche Kantilene! Dann folgt Schümanns ..Dichterliebe". Kipnis singt sie herrlich. Es ist kaum zu glauben, daß dieser Sänger, der nachher Mussorgski und Verdi mit unvergleichlicher Dramatik singt, den Schumann-Zvklus so berückend m gestalten' weiß. Gleichschön die Lyrik dieser Lieder — wir hören Falsettgesang, wie wir ihn in dieser Vollendung kaum zuvor kannten — wie die Dramatik von „Ich grolle nicht" und „Die alten bösen Lieder". Es folgen Arien aus Opern. Kipnis gehört zu den ganz wenigen Sängern, die es wagen können, Opernbruchstücke im Konzertsaal zu singen. Wir glauben. Nicolais „Als Büblein klein" aus „Die lastigen Weiber von Windsor" zum erstenmal?,C hören. Die ..Todesszene des Zaren Boris Godunow" aus Mussorgskis gleichnamiger Oper läßt vergessen, daß wir im Konzertsaal und nicht in der Oper sind. Die „Arie des Bombardon" aus Brülls „Goldenem Kreuz", der wir heute kaum noch begegnen, gewinnt in solcher Gestaltung Größe und Leben, wie wir es vorher in dieser Musik nicht kannten. Das „Je nun. man trägt, was man nicht ändern kann" wird zum zeitnahen symbolisch erschütternden Erlebnis, Dann singt Kipnis wundervoll russische Volkslieder. Er singt sie ebenso in der Originalsprache wie vorher die Italiener und Mussorgski sowie nachher Mephistos Serenade aus „Margarethe", die der Künstler zugibt und mit infernalischer Dramatik gestaltet. — Schon während des Programms erzwang sich das begeisterte Publikum eine Einlage. Dann folgt auf Beifallsstürme, wie wir sie hier kaum zuvor kannten. Zugabe um Zugabe. So singt Kipnis noch ergreifend schön den „Monolog des König Philipp" aus „Don Carlos" von Verdi. Und mit dem ganz verinnerlicht gesungenen „Du bist w ie ein Blume" von Tschaikowsky macht er den Stuttgartern den Abschied schwer. Dr. Willy Salomon. Frankfurt a. M„ war ein vorbildlich diskreter und geschmackvoller Begleiter. Besonders schön die ganz im Geiste Schumanns gespielte „Dichterliebe". Es war ein unvergeßlicher Abend, den uns die Kunstgemeinschaft bescherte. Während eine Reihe von Kulturbünden im Reich ihre Arbeit einstellen, zeigt es sich im nunmehr sechsten Arbeitsjahr der Stuttgarter Jüdischen Kunstgemeinschaft immer mehr, was wir der Tatkraft und der ausgezeichneten Führung dieser Institution durch Karl Adle r zu verdanken haben. In Zeiten, wie wir sie jetzt durchleben, richtet uns die Kunst auf und gibt uns Kraft und Stärke. Dafür danken wir der Kunstgemeinschaft und dem großen Künstler Alexander Kipnis von ganzem Herzen mit dem Wunsche, daß er bald wieder nach Stuttgart kommen möge. Neue Einw anderungsbestlmmungen für Columbien Der Hilfsverein der Juden in Deutschland teilt folgendes mit: Nach soeben eingegangenen Informationen hat die Columbianische Regierung neue Einwanderungsbestimmungen erlassen. Ein Regierungsdekret vom 1. Oktober 1938 bestimmt, daß das zur Einwanderung erforderliche Landungsdepot verdoppelt wird; d. h. es beträgt nunmehr für Angehörige der mittel- und westeuropäischen Staaten 500 Pesos (= etwa 710 G. M.), für Angehörige der osteuropäischen Staaten 2000 Pesos (= etwa 2840 G.M.). Außerdem dürfen die columbianischen Konsuln keine Pässe visieren, deren Inhaber nicht zur Rückkehr in ihre Heimat berechtigt sind; derartige Visa können vielmehr nur ausnahmsweise auf Anordnung des columbianischen Außenministers erteilt werden. Das neue Gesetz bedeutet zweifellos eine Erschwerung gegenüber den bis vor einigen Wochen geltenden Einwanderungsbestimmungen; doch wird sich seine Bedeutung erst genau beurteilen lassen, wenn der vollständige Text des neuen Gesetzes vorliegt. Von jüdischer Frauenarbeit in Württemberg In den „Blättern des Jüdischen Frauenbundes" entwickelt die Vorsitzende des Landesverbands Württemberg, Frau Emma Weil (Stuttgart), das Programm des kommenden Winters wie folgt: "Zu den „Aufgaben des kommenden Winters" Stellung zu nehmen heißt: Bereit sein mit seiner persönlichen, finanziellen und seelischen Kraft und mit der Blickrichtung auf alle Geschehnisse und Nöte. Die Struktur jedes Landes ist zwar auch in dieser Notzeit noch-verschieden, nur die Begebenheiten, ihre Ursachen und Wirkungen sind gleichartige, und deshalb können Planung verschiedenster Verbände Anregung und Beihilfe werden. In der Bereitschaft, solche dankbarst anzunehmen, übergebe ich der Leitung des Jüdischen Frauenbundes unser Winterprogramm, soweit man in dieser Zeit von einem solchen sprechen kann Juwelen, Gold. Silber Silbergeräte, Schmuck, Trauringe Besteck« echt Silber und versilbert Richnowsky Stattgart, E b r h ■ r d s t r. 2 3 . .-—-9h- Chanukkah - Leu cht er in- Silber u. Messing WEINBERG-BENOHEIM Packpapiere / Pappen Lelchibau-PIaticn STUTTGART Alle Artikel des täglichen Bedarfs Kaufhaas „STAU FIA" Infi. Julius Guggenheim Göppingen Ravensburg Jferz <$ JCops BETTFEDERNFABRIK Stuttgart-Feuerbach Lieferung nur an WI adervarkaufar Fotografie SamsoiuCo. Stuttgart, Königstraße 60 Talefon 23364 Fotos für Kennkarlen jetzt 6 Stück RM. 2.50 Geöffnet: Werktags von 8 bis 19 Uhr Sonntagt von 11 bis 13 Uhr Ihren Einkauf bei unseren Inserenten! MAX ADLER (Stammfirma J. Adler, gegr. 1827) Weine - Spirituosen Stuttgart.», Ernst Weinstein - Str. 21b Telefon 70217 J. BAUER & Co. 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