Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 15 (1938)
- Issue
- 10 (16.8.1938)
- Date
- 1938-08-16
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492308-5442837-5443509--330-4908612- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XV. Nr. 10 Jüdisches Gemeindeblatt fflr die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 16. 8. 38 87 und Schmuck und gar oft verfallen, wirklich wie die Stätten des Todes aus — kommen wir zu den Bädern. Wir besichtigen die neuen, von Juden gebauten Anlagen. Das Wasser, sauber in Beton gefaßt, kommt dampfend zu Tage. Es ist so heiß, daß man gerade noch die Hand in den Wasserstrahl halten kann. Welch eine Geschichte haben diese heißen Bäder von Tiberias! Juden und Römer benutzten sie, und dann die Söhne Mohammeds. Jetzt kommen aus allen Richtungen des Landes und des Auslandes die Heilung Suchenden. Und in einigen Jahren wird hier ein großes modernes Sanatorium stehen, von Juden erbaut und geleitet Ewiges, alt-neues Erez Israel! Am der rtlxvollin Reisebeschreibung von Minfred Sturminn. .Psllstineusisches Tsgebuch-, die In der Brsndus'schen Verlagsbuchhandlung In Berlin ertcblenen Ist. Von der Schularbeit an unseren Erstklässlern Mit den folgenden Ausführungen beginnen wir eine Aufsatzreihe, die unsere Leser Ober Wesen und Ziel unserer Jüdischen Schule In Stuttgart unterrichten soll. Wir hoffen, mit diesen Beiträgen die Kenntnis von der so ersprießlichen Arbeit unserer Schule über den Elternkreis hinauszutragen und gleichzeitig dem Verein „Freunde der Jüdischen Schule" neue Mitglieder zu gewinnen. — Die Red. „Was willst du eigentlich in der Schule?'', wird mancher Schulneuling gefragt; und seine Antwort lautet ziemlich sicher: „Ich will Rechnen. Lesen und Schreiben lernen". Dieser, sein Wunsch, soll ihm freilich erfüllt werden, und daß die Erlernung dieser drei Dinge ihm voraussichtlich leichter fallen wird, als so manches andre, was er außerdem lernen muß, das kann er nicht ahnen. Vielleicht steigt diese Ahnung aber schon in ihm auf, wenn er sich das erstemal vor der Klassentür von seiner Mutter trennen, wenn er sich dann neben ein ganz fremdes Kind setzen muß und wenn gerade in dem Augenblick, in dem er etwas erzählen wollte, ein kleiner Mitschüler das Wort ergreift, so daß er nicht angehört werden kann. Ja, bei all diesen und ähnlichen Gelegepheiten fängt der Schulneuling an zu begreifen, daß man in der Schule nicht nur Rechnen, Lesen und Schreiben lernen muß. Der Lehrer hat das glücklicherweise schon vorher gewußt und sich genau überlegt, wie er seinen kleinen Schützlingen das Einleben in die heue Umgebung erleichtern könne: Ein interessantes Bild an der Tafel, eine lustige Geschichte, buntes Knetgummi zwischen den Fingern und der Klang eines wohlbekannten Liedchens lassen die ganze kleine Gesellschaft im Nu alles Heimweh und alle Furcht vor den neuen Dingen vergessen, vielleicht sogar so gründlich, daß das eine oder andre beginnt, ganz ungeniert im Klassenzimmer herumzuspazieren. diesen oder jenen Mitschüler freundschaftlich zu boxen und mit dem Lehrer eine Unterhaltung anzuknüpfen. Auch diesen Augenblick hat der Lehrer schon vorausgesehen, und er schreitet nicht mit Feuer und Schwert gegen die so entstandene Unordnung ein; denn dadurch würde er zerstören, was er vorher behutsam aufgebaut hat, sondern ganz allmählich, vielleicht im Verlaufe von Wochen, gewöhnt er die Kinder an die Spielregeln, die in der Schule eingehalten werden müssen und lehrt sie damit ein Weiteres, was in den Lehrplan des Schulneulings nicht aufgenommen war. — Rechnen, Schreiben und Lesen lernen unsre Erstkläßler aber inzwischen auch: Sie rechnen an Sachen. Bildern, Stäbchen, Pfennigen, noch lange ganz ohne geschriebene Ziffern, damit sie — im eigentlichen Sinne des Wortes — begreifen können, was sie zählen, zusammenzählen und voneinander abziehen. Sie lesen gleich ganz große Wörter, deren Schriftbilder sie sich einprägen, wie die Gestalt irgendeines Gegenstandes, ohne sie vorerst in ihre Bestandteile zu zerlegen. Auf diese Weise ist der Lesestoff von Anfang an interessant; die Kinder gewöhnen sich gar nicht erst daran zu lesen, ohne vom Inhalt etwas zu verstehen. Natürlich können sie lange nur die Wörter lesen, die sie in der Schule gelernt haben, worüber denn manche Eltern sehr enttäuscht sind. Was gelesen wird, wird auch geschrieben. Das Wie des Schreibens entwickelt sich etwa in dem Maße, wie das Kind zur Schuldisziplin heranreift: Anfangs schreibt es so groß und so klein, wie es gerade mag; das Wort muß nur im Ganzen einige Aehnlichkeit mit dem vorgeschriebenen haben. Erst später lernt man die Buchstaben hübsch in Reih und Glied in Linien nebeneinander zu setzen, so wie man lernt, selbst gerade und ordentlich dazusitzen. Bei allem Rechnen, Lesen und Schreiben hört aber das Singen, Malen, Modellieren, Spielen und Plaudern nicht auf. Nur muß man auch hierbei sich Schritt für Schritt daran gewöhnen, sich nach den Wünschen des Lehrers zu richten. Meist tut man das gern, aber manchmal heißt es auch: „Ich mag jetzt keine Brezeln kneten, ich mach' einfach Würste!" Oder beim Kreisspiel setzt man sich auf den Boden und ruft: „Ich mach' nicht mehr mit!" Die Plauderstunde dient der Sprecherziehung, der Erkenntnis und dem Verständnis der Heimat; in ihr werden die Kinder auch in das jüdische Brauchtum eingeführt und lernen die ersten hebräischen Wörter. Erst später tritt eine Trennung in verschiedene Fächer ein, eben weil die Kinder erst langsam fähig werden, sich auf ein Gebiet zu konzentrieren. Ein besonderes Erlebnis sind für fast alle Kinder die Bibelstunden. Da lauscht man aufmerksam der Erzählung des Lehrers, und aus dem vertieften Schweigen heraus ertönt nur hie und da ein erregter Zwischenruf oder eine tiefsinnige Frage. In den drei weiteren Grundschuljahren wird die Arbeit des 1. Schuljahrs fortgesetzt. Methode und Stoff müssen sich der mehr und mehr realistisch werdenden Weltanschauung des Kindes anpassen. Das Spiel weicht immer mehr der Arbeit; die Sache, die gestellte Aufgabe tritt immer mehr in den Vordergrund. L. St. Dl« n&chste Nummer erscheint am 1. September Anzeigenschluß 23. August Redaktionsschluß: 24. August Danksagungen ins Gemetadeblattl Schwab . Gmund, den 8. August 1938 Trauer-Anzeige Unsere liehe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Schwester. Frau Ida Mayer «.■. Hllb Ist heute im Krankenhaus in Göppingen im Alter von 71 Jahren sanft entschlafen.! Die trauernd Hinterbliebenen: Die Beerdigung fand am Mittwoch, den 10. August, auf dem Pragfriedhof in Stuttgart statt. Fflr die liebevolle Teilnahme beim Hinscheiden meines geliebten Sohnes Adolf sage ich luf diesem Wege meinen innigsten Dank. Frau Therese Joseph STUTTGART," August 193« Wsgenburgstr. 28 \ Die glückliche Geburt einet Sohnes v> zeigen hocherfreut an Fritz Tänzer und Frau Margot gab. Burghaimar Tel Aviv, Reinesstr. 37 Stitt Kitten! Stuttgart Für die uns anläßlich der Barmiiwah unseres Sohnes erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir recht herrlich. Max Wortamann und Familie Für die mir anläßlich meines 86. Geburtstages erwiesenen Aufmerksamkeiten sage ich allen Freunden und Bekannten herzlichen Dank. Abr. Einstain Stuttgart, Zeppelinstr. 147C Für die mir anläßlich meines 80. Geburtstages dargebrachten Glückwünsche und erwiesenen Auf. merktamkeiten, danke ich auf diesem Wege henlich. Helene Schohl Stuttgart, Wsgenburgstr. 28 (Altersheim) Für die uns anläßlich der Barmiiwah unseres Sohnes KÜRT erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst - Gleichzeitig allen Freunden und Bekannten ein herz, liebes Lebewohl I - Dr. Emst Einstein und Frau Hedwig gab. Barth Stuttgart, August 1938 Mosers«. 26 r Allen lieben Freunden und Bekannten ein herzliches Lebewoh 11 Albart und Emma Herz Stuttgart, im August 1938 L Stltt Karten! ALFRED BERGMANN ILSE BERGMANN . geb. Würzburger VERMAH LT E Call. (Columbia) En Lista de Correos Biberach/Stuttgart Rosenbergstr. 148 Scbw. Hall Stuttgart Gaußstr. 122