Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 15 (1.11.1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 128 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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128 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1. 11. 37 XIV. Nr. 15 nicht mindestens ein halbes Jahr vor der Auswanderung eifrig zu lernen beginnt, wird bei der Ankunft im neuen Lande nicht einmal die Grundlagen der Sprache einigermaßen beherrschen. Außerdem besteht aber für den. der erst im Lande selbst die Sprache sozusagen nach dem Gehör zu lernen beginnt, die große Gefahr, daß er zwar bald sich zu verständigen, aber niemals richtig, d. h. den grammatikalischen Regeln gemäß, wie ein gebildeter Mensch zu sprechen lernt. Auch ist es ein großer Irrtum anzunehmen, die wichtigste Weltsprache. Lnglisch, sei ..besonders leicht". Die schwierige Aussprache und der (Uierschöpfliclie Wortschatz machen die vollständige Beherrschung des Lnglischen selbst bei größter Begabung und Ausdauer für den Einwanderer in den ersten Jahren fast unmöglich. Hoch wird glücklicherweise im allgemeinen schon die ernste Bemühung um die Beherrschung des Englischen und die Fähigkeit, sich einfach, aber richtig auszudrücken. von den Einheimischen gern anerkannt und bringt wirtschaftlich, wie vor allem auch sozial, große Vorteile mit sich. Wer aber wirklich eine Sprache gründlich lernt, der findet, über alle äußeren Vorteile hinaus, in ihr — in ihren Sprachbildern und Sprichwörtern, in ihrer Volkspoesie und den Werken der großen Dichter — den sichersten Weg zum Verständnis des Denkens und Fühlens, der Kultur und Eigenart der Bevölkerung, in deren Mitte er fortan leben soll. Ist die Erlernung der neuen Landessprache das sichtbarste äußere Kennzeichen für den Willen zur Anpassung an neue Verhältnisse, so besteht ein anderer, allzu häufig begangener Fehler unserer Auswanderer in der mangelnden Bereitschaft, sich auch innerlich dem neuen Lande anzupassen und niciit stets und ständig jenen Maßstab des Althert „'brachten, in Deutschland Gewohnten, an alles anzulegen, der seinen charakteristischsten Ausdruck in den beiden Worten findet: „Bei uns . . ." In allen Einwanderungsländern ist viel böses Blut dadurch geschaffen worden, daß unsere Menschen, statt in erster Reihe sich als Lernende und Empfangende zu fühlen, als die überlegenen Lehrmeister aufgetreten sind und an andere, oft noch halb koloniale Länder die zivilisatorischen Maßstäbe etwa des Berliner Westens anlegen wollten. Muß man wirklich betonen, daß uns niemand in diese Länder gerufen hat, damit wir dorthin die allerletzten Errungenschaften der Kultur brächten, sondern daß man uns, oft genug noch während der Weltwirtschaftskrise und trotz einheimischer Arbeitslosigkeit, dankenswerterweise hineingelassen hat? Und muß man noch ausdrücklich sagen, daß in anderen Ländern die uns aus Deutschland gewohnten Kulturformen aus mancherlei Gründen durchaus unzweckmäßig sein können? Wer sich im neuen Lande jahrelang bewährt, wer beruflich und persönlich den Respekt sei- MAX ADLER (Stammfirma d. Adler, gegr. 1827) Weine - Spirituosen Stuttgart-5, Ernst-Weinstein-Str. 21b Telefon 70217 Simon Berg & Cie. TUCHGROSSHANDLUNG Stuttgart, Charlottenstraße 26 Gebr. Bloch TUCHGROSSHANDLUNG Stuttgart / EberhardttraBe 20 S. Mayer jun. TUCHGROSSHANDLUNG Stuttgart Wilhelmstraße 11 J. Z. 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