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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-11-01 · 15 (1.11.1937) · p. Seite 129

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
15 (1.11.1937)
Date
1937-11-01
Page
Seite 129 (sequence 3)
Language
German
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XIV. Nr. 15 Jadisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1. 11. 37 129 ner Mitbürger errungen hat, wird vielleicht auch das Recht erhalten, etwa wirklich vorhandene Mißstände zu bessern — was freilich immer eine langsame und zähe Arbeit voraussetzt. Aber ohne Verständnis der Begebenen Verhältnisse, ohne Einfühlung in die Seele und die Sitten des Volkes fremde Maßstäbe anzulegen, kann nur verletzen, ohne irgendwie zu bessern. 4. Ist so im Aeußeren und im Inneren die Bereitschaft, zu lernen und sich anzupassen, dringend notwendig, so muß andererseits auf das dringendste gewarnt werden, in das andere Extrem zu verfallen, d. h. sich aufzugeben und seine Vergangenheit zu verleugnen. Weder unsere Zugehörigkeit zum Judentum noch unsere Herkunft aus Deutschland sind etwas, dessen wir uns auch nur im entferntesten zu schämen hätten. Ja, von der Frage der inneren Würde und Aufrichtigkeit ganz abgesehen, wird jedes Verbergen-Wollen, jede unechte Anbiederung an fremde Sitten nur Mißtrauen hervorrufen. Wer kann jemanden achten, der sich selbst und seine Eltern nicht achtet, wer soll jemandem trauen, der seine Herkunft verheimlicht? Es ist sicherlich kein typischer Fehler im Sinne der obengenannten, aber doch ein nicht ganz selten vorkommender Fehler unserer Auswanderer, daß sie selbst in Ländern wie Südafrika, deren einheimische Juden eine stolze und bewußte Gemeinschaft bilden, ihre eigene Zugehörigkeit zum Judentum schamhaft verheimlicht haben — mit dem Erfolg, daß sie weder bei den Andersgläubigen noch bei den Juden irgendeinen Halt und irgendein Wohlwollen fanden. Gerade in angelsächsischen Ländern, deren Bevölkerungsmehrheit selbst mit großem Stolz an ihren Traditionen festhält, achtet man mit Recht nur den, der seine Herkunft und seine eigenen Traditionen ehrt. Dort weiß man auch, daß ün allgemeinen der Mensch, der am Glauben seiner Väter und an seiner Gemeinde einen festen Halt hat, auch als Mitbürger zuverlässiger und wertvoller ist als der Vereinzelte, der selbst nicht weiß oder wissen will, wohin er gehört. Und da gerade die jüdische Religion in unserer, tausendjährigen Geschichte immer wieder die Kraft bewiesen hat, dem Einzelnen auf und nach allen Wanderungen den inneren Halt zu geben, der ihn befähigt, sich anzupassen und sich doch zu bewahren, — so wäre von allen Fehlern, die der jüdische Auswanderer begehen kann, die Verleugnung seines Judentums wohl der schwerste. Gastspiel der Hamburger Kulturbundbühne „Jean", Lustspiel von Ladislaus Bus-Fekcte Mit dem Lustspiel „Jean" des ungarischen jüdischen Dichters Ladislaus Bus-Fekete, dargestellt durch ein Theaterensemble des Hamburger Jüdischen Kulturbunds, eröffnete die Stuttgarter Jüd. Kunstgemeinschaft die Wintersaison — und man darf sofort feststellen: Es war ein ausgezeichneter Anfang! Wie wir vor kurzem mitteilten, hat Bus-Feketes humorvolles, auf einem sprühenden Dialog aufgebautes Stück im vergangenen Winter das Repertoire des Deutschen Volkstheaters in Wien beherrscht. Es handelt sich in der Tat auch um das liebenswürdige Werk eines feinfühligen Dichters und routinierten Bühnenkenners dazu, der seine Figuren lebenserfüllt zu gestalten und die Handlung Gretel Bergmanns großer Doppel-Sieg Wir entnehmen der „Kraft", der Sportbeilage des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten", die folgenden Mitteilungen über die großen sportlichen Erfolge Gretel Bergmanns in Amerika. Unsere Gretel Bergmann wurde zweifache Meisterin der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika im Hochsprung und Kugelstoßen. Nun liegen die ersten Berichte, aus der wir folgende Einzelheiten über Greteis großen Sieg entnehmen, vor: Die amerikanischen Frauen-Meisterschaften fanden in diesem Jahre reichlich spät erst am 2 5. September in Trenton (New Jersey) statt. Die Meisterschaften standen, wie wir der amerikanischen Presse entnehmen, im Zeichen zweier Mädels, die alle anderen überragten: der sechzehnjährigen Ciaire Isicson. die die Sprints gewann, und „M iss Margaret Bergmann" im Hochsprung und Kugelstoßen, beide „unaitached" (vereinslos),, beide „Metropolitan Champion", Meisterinnen von New York. Die Meisterschaften b*achten neben diesen Siefen als weitere größte Ueberraschung den Mannschaftssieg der „Negro Athletes from Tuskejtee Institute in Alabama", also eine Mannschaft aus Negerinnen. Die größte New Yorker Tageszeitung „T he New York Times" schreibt zu Greteis Hochsprungsieg: „Without being pressed", also ohne bedrängt zu sein, ohne sich auszugeben, wurde Gretel mit einer Höhe von „4 feet ll1/^ Inches", das sind ca. 1,51 m. amerikanische Meisterin (Greteis Sportbund-Bestleistung steht auf 1,60 m). Ün Kugelstoßen erreichte sie „37 feet. fj8/* Inches", das sind ca. 11,45 m (Inge Mellos Sportbund-Rekord steht auf 11.36 m). Als Gretel im Mai uns verließ, da schlössen wir unseren Dank an sie an dieser Stelle mit den Worten: „Und wenn wir dann von „drüben" von Deinen Kämpfen und Siegen hören, an die wir fest glauben, dann werden wir stolz sagen: „Das ist unsere Gretel, eine von uns". Und mit diesem Stolz danken wir ihr auch jetzt für diesen ihren größten Sieg. sicher zu entwickeln und fortzuführen versteht. Unter der Regie von Hans Buxbaum rollte sich das Lustspiel mit seinen 4 Bildern flott ab. Dank der ganz ausgezeichneten schauspielerischen Fähigkeiten aller Mitwirkenden gingen die Anwesenden bis zur letzten Szene in voller Spannung mit und dankten nach den einzelnen-Aktschlüssen mit begeistertem Beifall. Es waren wirklich heitere Stunden, die uns von den Hamburgern durch ihr beschwingtes, flüssiges Spiel bereitet wurden. Gewiß: es war ein Lustspiel, bei dem es viel zu lachen gab. Und trotzdem spürte man oft, daß der Dichter nicht nur eine Komödie schreiben, sondern sein Publikum auch etwas von jenem Ernst verspüren lassen wollte, der ja letzten Endes die Wurzel der Satire und des echten weltweisen Humors ist. Von hier aus gesehen, wurden in diesem Stück sogar aktuellste Sozialprobleme angeschnitten. Zu den Schauspielern selbst: Das Oberhaupt der gräflichen Familie wurde von Julius Kobler mit außerordentlich seriösen und überzeugenden Mitteln plastisch dargestellt. Erna Cohn ^verkörperte seine Gattin Cecile mit wiÄclicher Distinktion; die Rolle der Katinka lag bei der temperamentvollen und eleganten Ruth Mannheimer in den besten Händen. Ganz glänzend war Hans Heinz Friedeberg als Kammerdiener „Jean". Wie dieser Schauspieler schlichtes Menschentum mit beruflichem Pflichtbewußtsein und zielbewußter moralischer Initiative zu verbinden verstand, war schlechthin meisterhaft und eine Leistung aus einem Guß. Auch Kurt Schindler als gräflicher Schwiegersohn bewies sich als ein Künstler von hohen Graden. In kleineren Rollen bewährten sich Elisabeth Springer und Max Wächter. Die geschmackvollen Bühnenbilder hatte Egon Markus geschaffen, für die technische Einrichtung zeichnete Harry Blumenthal verantwortlich. — Das Lustspiel wurde auch in den Kulturbünden von Heilbronn und Göppingen mit Kroßem Erfolg aufgeführt. „ Konzert im Rahmen der kulturellen Betreuung der Gemeinden Im Rahmen der durch den Oberrat der Israel. Religionsgemeinschaft in Württemberg geübten kulturellen Betreuung unserer jüdischen Gemeinden fand am 24. Oktober im großen Saal des Gustav-Siegle-Hauses ein Konzert statt, zu dem sich ausserordentlich viele Besucher aus nah und fern eingestellt hatten. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, als der Präsident des Israel. Oberrats, Dr. Siegfried Gumbel, mit warmen Worten die Anwesenden willkommen hieß und seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß die Einladung des Oberrats so starken Widerhall gefunden hatte. Der Redner begrüßte insbesondere den Leiter der Jüdischen Winterhilfe in Württemberg, die Gäste vom Oberrat der Israeliten in Baden und vom Verband der Kultusgemeinden in Bayern sowie die Lehrer und Schüler des Jüd. Lehrerseminars Würzburg. Dr. Gumbel unterstrich die Notwendigkeit der seelischen Betreuung neben der materiellen durch die Jüd. Winterhilfe und gedachte dann des künstlerischen Leiters der Veranstaltung, Direktor Karl Adler, dessen bedeutsames Wirken er unter dem Beifall der Anwesenden mit treffenden Worten rühmte. Auch diesmal hatte sich Karl Adler mit dem Sing- und Instrumentalkreis der Stuttgarter Jüd. Kunstgemeinschaft in den Dienst der guten Sache gestellt. Zur Aufführung gelangte das von der Kunstgemeinschaft vor einigen Monaten dargebotene erhebende Programm, das wir in unserer Ausgabe vom 16. Mai ds. Jhrs. schon näher gewürdigt haben. Und wieder lösten die herrlichen Kantaten von Joh. Rosenmüller und Jak. Weckmann tiefste Ergriffenheit aus, wieder empfingen die Anwesenden von dem Concerto grosso Geminianis und dem Divertimento von Dittersdorf stärkste Eindrücke. Unter der Stabführung Karl Adlers wetteiferten Sing- und Instrumentalkreis und vollbrachten reifste künstlerische Leistungen, auf die unsere Gemeinschaft und auch die Ausführenden selbst stolz sein dürfen. ' — Zu einem Höhepunkt der Veranstaltung wurde ein Konzert für Klavier und Streichorchester mit Poldy Sperling - Donath als Solistin. Mit meisterhafter stilistischer Geschlossenheit und einer musikalischen Vortragskultur, wie sie nur Künstlern von Rang

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