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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-09-14 · 12 (14.9.1937) · p. Seite 101

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
12 (14.9.1937)
Date
1937-09-14
Page
Seite 101 (sequence 3)
Language
German
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XIV. Nr. 12 Jüdisches Gemeindeblatt fflr die IfraHitischrn Gemeinden in Württemberg 14. 9. 37 101 wählung besteht und um deretwillen wir Kinder des Bundes heißen. Weil diese SicherheitimUnsicheren da ist, unverlierbar da ist, darum wird die leichte Hütte der Wanderschaft am Sukkothfest zum strahlenden, heiteren Raum, in dem alles Gute der Herbsternte die Wände und die Decke schmückt, in der sich die Gleichnisse des nährenden und spendenden Bodens mit denen unseres geistigen Daseins lieblich vereinen. Die Fröhlichkeit des Mahls, die gern und heiter geübte Gastfreundschaft zeichnen Sukkoth aus, und es ruht, wie alle Feste Israels, mit seinem Glanz und seinen Gaben auf dem Tisch, es ist ein Familienfest wie fast alle unsere Feiern. Wir sitzen in der Hütte, die schmal und eng die Menschen aneinander rückt, wie Not sie aneinander rückt, wir singen und segnen an dem hellen Tisch, wie Freude singt und segnet. Zwischen Wanderschaft und Wanderschaft ist uns der Schutz Gottes der Besitz, der die kleine Hütte zum sicheren Haus verwandelt. Von den Wundern des Mannas und des Wassers, das aus dem Felsen rann, redet das Zeichen der Wüstenjahre zu uns und zu den Kindern neben uns — zwischen Abfall und Heimkehr sitzen wir ewig Erneuten und hören aus dem Wind, der in den Zweigen des Dachs spielt, die holde Mahnung dieses Festes: „Seid getrost!" 50 Jahre Jüd. Gemeinde Schwab. Gmünd Von Oberlehrer Dr. Wochenmark, Schwab. Gmünd. Auf Grund geschichtlicher Forschung ist mit Sicherheit anzunehmen, daß sich schon in den Jahren 1258—1348, 1392—1501 und 1659 bis 1720 in Gmünd jüdische Gemeinden befunden haben. Die Neugründung der gegenwärtigen Jüd. Gemeinde Gmünd nahm ihren Anfang im Jahre 1887. Zwar hatten sich 1862 die beiden jüdischen Familien J. A. Kuhn und Hermann Kuhn aus Kappel bei Buchau in Gmünd niedergelassen, denen 1865 die Familie D. Heimann aus Oberdorf, 1866 D. Sternglanz aus Nördlingen und später noch andere folgten. Aber bis zum Jahre 1887 erfüllte die inzwischen auf 14 Familien angewachsene jüdische Bevölkerung Gmünds ihre religiösen Aufgaben unter großen Opfern ohne jede Organisation. Das rituelle Fleisch wurde von ihnen aus Crailsheim bezogen, und an den hohen Feiertagen fuhren die einzelnen Familien zum Besuch des Gottesdienstes in ihre Stammgemeinden, besonders nach dem benachbarten Lauchheim. Erstmals im Jahre 1887 wurde am Jom-Kippur in Gmünd ein öffentlicher Gottesdienst abgehalten, und im folgenden Jahr wurde eine jüdische Privatgemeinde gegründet, welche 1890 von der Kgl. Israel. Oberlorchenbehörde als kooperative Gemeinde in den religiösen Landesverband Württembergs aufgenommen wurde. Der erste Gottesdienst wurde in dem neuerbauten Haus des aus Mönchsroth stammenden Herrn David Mayer in der Rinderbachergasse abgehalten. Als Vorbeter fungierten damals die Herren B. Hummel aus Neu-Ulm und der jetzige Vorsteher Gustav Mayer, ein Bruder des genannten David Mayer. Der 1888 gegründeten Privatgemeinde traten von den 14 Familien nur folgende bei: D. Heimann, D. Sternglanz, B. Kahn, H. Gutmann, L. Heimann, D. Gutmann, E. Wassermann, D, Mayer und K. Feuchtenberger. Während der nächsten zwei Jahre traten auch die fünf abseits stehenden Familien und vier weitere hinzugezogene Familien der Gemeinde bei, so daß die von der Isr. Oberkirchenbehörde offiziell anerkannte Gemeinde aus 18 Familien bestand. Am 17. Oktober 1890 wurde unter dem Vorsitz des Schultheißenamts das erste isr. Vorsteheramt gewählt, bestehend aus den Herren Hermann Gutmann, Elias Wassermann und David Mayer. An ihrem 50jährigen Gedenktag hat die Gemeinde auch in Dankbarkeit derjenigen Männer zu gedenken, die seit 1890 bis heute die Geschicke der Gemeinde als Mitglieder des Vorsteheramts gelenkt haben: Hermann Gutrnann 1890—1912, David Mayer 1890—1901, Elias Wassermann 1890—1893, David Heimann 1893, Louis Heimann 1893—1912, Max Neumaier 1912—1919, Alfred Meth 1919 bis 1936, Siegfried Gutmann 1932—1937. Heute noch wirken als Vorsteher Gustav Mayer seit 1901 und Rechtsanwalt D. Heimann seit 1932. Schon 1888 hatte die Privatgemeinde den Lehrer ß. Adler aus Guodstädt bei Marktbreit als Beamten angestellt, der 1890 von der Isr. Oberkirchenbehörde als Vorsängeramtsverweser bestätigt wurde. Nach ihm wirkte in gleicher Eigenschaft von 1895 bis 1899 Lehrer Wetzler aus Kronach in der Ge meinde. Nur kurze Zeit amtierte nach ihm Lehrer Jandorf aus Hengstfeld, der dann in Berlin Teilhaber des von seinen Brüdern gegründeten bekannten Warenhauses wurde. Darauf verwaltete vom 9. Dezember 1899 bis zum 28. Januar.1900 Lehrer A. Adelsheimer aus Göppingen die Stelle, welche am 10. Juni 1900 als ständige Vorsängerstelle dem Volksschullehrer Hermann Uhlmann aus Lauchheim übertragen wurde, welcher seit dem 28. Januar 1900 von Lauchheim aus in Gmünd vertretungsweise den Dienst versehen hatte. Bis zum Jahre 1932 wirkte Hermann Uhlmann erfolgreich in der Gemeinde Gmünd, die in ihrem religiösen Opfersinn bis auf den heutigen Tag mustergültig geblieben ist. Diesem Opfersinn war es auch zu verdanken, daß die kleine, aus 21 Familien bestehende Gemeinde im Jahre 1926 ein eigenes Gotteshaus einrichten konnte, nachdem bis dahin der Gottesdienst in gemieteten Betsälen abgehalten worden war. Neben einem namhaften Beitrag des Oberrats trugen sämtliche Gemeindemitglieder sowie auswärtige Freunde der Gemeinde, teils durch Spenden, teils durch Darlehen, in Form von Anteilscheinen dazu bei, daß die beträchtlichen Kosten für das Gotteshaus vollständig aufgebracht wurden. Als die treibenden und erfolgreichen Kräfte beim Zustandekommen dieses verdienstlichen Werkes werden in den Akten außer Lehrer Uhlmann die Herren Gustav Mayer und Alfred Meth genannt. Die Einweihung der Synagoge am 15. Mai 1926 gestaltete sich zu einem großen Feste, an welchem Mitglieder des Isr. Oberrats, Vertreter der Stadtverwaltung Gmünd und Vertreter einer Anzahl jüdischer Gemeinden in Württemberg teilnahmen. Die Gemeinde Gmünd befand sich bis zum Jahre 1935 in aufblühendem Zustand, so daß im Frühjahr 1935 in der Synagoge eine Dienstwohnung für den Synagogendiener eingebaut wurde. Seit dem Herbst 1935 hat auch der Herbst dieser von gutem jüdischen Geist und opferfreudiger Einsatzbereitschaft beseelten Gemeinde begonnen, so daß der 50jährige Gedenktag an den am Versöhnungstag 1887 erstmals wieder abgehaltenen öffentlichen Gottesdienst in Gmünd ein Tag-wehmütigen Gedenkens der vergangenen Blütcr zeit der Gemeinde sein wird; aber auch ein Tag tröstlicher Aufrichtung und Stärkung, weil auch die*Geschichte dieser Gemeinde zeigt, daß jüdische Frömmigkeit und jüdischer Opfersinn überall, wo jüdische Menschen, wenn auch nur in geringer Zahl zusammenwohnen, immer wieder tatkräftiges jüdisches Leben emporblühen lassen kann. Aus den Gemeinden Württembergs Wir bitten unsere geschätzten Leser hierdurch nochmals dringend, daran zu denken, daß während der nächsten Tage c'ei Postbote die Abonnementsgebühr für das 4 Quartal (Oktober—Dezember) in der Höhe von RM. 1.2." kassieren wird. Sorgen Sie also dafür, daß der obige Betrag prompt bezahlt wird, damit die Zustellung des Gemeindeblatts keine Unterbrechung erleidet Wenn Sie abwesend sein werden, dann beauftragen Sie bitte eine geeignete Person mit der Zahlung an den Postboten. Sie ersparen uns hierdurch viel zeitraubende Arbeit und sichern sich eine pünktliche Zustellung des Gemeindeblatts. Der Verlag. Stuttgart. In vielen jüdischen Zeitungen des Reiches ist ein Werbeaufruf für Kulturbundarbeit zu lesen. In Stuttgart erscheint ein solcher Aufruf kaum notwendig. Umfaßt doch die Stuttgarter Jüdische Kunstgemeinschaft (Mitglied des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland) alle Kreise der Gemeinde, .die Mitgliederzahl ist im Verhältnis wohl die größte unter allen Kulturbünden. Die Vielfalt der Arbeit wird daraus erkennbar, daß im abgelaufenen Jahr insgesamt 19 Abonnements- und Sonderveranstaltungen stattfanden, die innere Erhebung und psychische Entspannung brachten. Auch das neue Programm wird dahinter nicht zurückstehen. Es wird mit einem Theatergastspiel des Hamburger Kulturbunds eröffnet. Außer dem Berufsorchester Erankfurt-Berlin sind hervorragende auswär- Neueingang von hervorragenden Herbsf-Modellen der Marken Jlledieus I Jiassiasana &ovndowf I Idox das Haus der riesigen Auswahl Bad Cannstatt SeelbergstraBe 7 Telefon 50389 Auswahlsendungen auf telefonischen Anruf!

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