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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-09-14 · 12 (14.9.1937) · p. Seite 100

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
12 (14.9.1937)
Date
1937-09-14
Page
Seite 100 (sequence 2)
Language
German
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ioo Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 14. 9. 37 XIV. Nr. 12 Wandern und Bleiben im Geiste Gottes Zum kommenden Laubhüttenfest Noch hielten sie mitten in der Wüste. Morgens fiel ihnen das Manna zur Speise; dann und da war das Wasser knapp; immer wieder gürteten sich die Chaluzim wider feindliche Stämme und ihre tüchtigen Krieger; immer wieder schlug der Wunsch nach Ruhe, nach dem endlich Daheimsein hoch, wurde ein Murren, wurde ein Aufruhr. Noch mitten in den Jahrzehnten dieses harten Wüstenlebens, in dem sie erst einmal vergessen mußten, was da war: Aegypten — noch mitten in dem Zwang der T-ebensnotdurft, der täglich neue Bitternisse brachte — mitten in diesem Leben der Absonderung und Aussonderung redet Möschen zu ihnen, und keines seiner Worte, keine einzige Satzung sagt ihnen etwas von der eigenen Lebensstunde; nie wendet er sich mit einem Trost über ihre gegenwärtige Lage zu ihnen. Alle seine Reden an sie beginnen: ... . . wenn du in das Land kommst . . ." Gesetz um Oesetz wird für eine Zukunft gegeben, die sehr viele von denen nicht erleben werden, die es anhören. Und wir Nachfahren müssen diese Lage der Heimatlosen erst tief in uns erfahren, um ganz zu begreifen, was ein solches Gebot für sie heißen mußte: „Dies sind die" Feste des Lw igen . . .*" und unter ihnen das in der Wüste noch gar nicht als Fest Vorstellbare: ..In den Hütten sollt ihr wohnen, sieben Tage lang. Jeder Finheimische in Israel soll in den Hütten wohnen, damit eure künftigen Geschlechter wissen, daß ich in den Hütten weilen ließ die Kinder Jisrael, als ich sie aus dem Lande Mizraim führte. Ich bin der Ewige, euer Gott." Was konnte ihnen ein Gesetz bedeuten, das Feste und Feiern ansetzte und ordnete und in seinen Sinnbildern ihre eigene Gegenwart schon als Geschichte erscheinen ließ? Wieviele unter diesem „Volk harten Nackens", das immer bereit zum Murren, zur Widersetzlichkeit und zum Abfall schien, begriffen die ganze Wucht der Verheißung, die in dieser Vorausnahme einer künftigen Lebenslage erschien? Welches Geschlecht hat jemals die Kraft besessen, seine Gegenwart schon als Zukunft zu leben? Von dem Geschlecht in der Wüste wird es verlangt. Und von uns wird es verlangt, wie es in allen Zeiten Aufgabe der Kinder Israels war, in der Wüste der Gola schon an die Zukunft des erlösten Landes und des erlösten Menschen zu denken, und in der Seßhaftigkeit nicht zu vergessen, daß sie aus der Wüste kämen. In allen Zeiten! An jedem Sukkothfest erneuert sich uns die Forderung dieses „geschichtlich-Lebens". An jedem Sukkothfest steht für uns die Hütte wieder da. eine Erinnerung an geschichtliche Vergangenheit, eine Hinweisung auf die ewige Situation Israels. Sie bedeutet immer wieder: Gola- Sehicksal! Die da feste Häuser besaßen, werden mit der leichten Hütte der Wanderschaft zufrieden sein müssen, die an feste Stätten und Verankerung ihres Besitzes für Kinder und Kindeskinder glaubten, stehen wieder wie die Väter mit dem Wanderstab auf der Straße und hören von neuem das „Lech L'cha" — „Geh fort aus dem Hause deines Vaters, in ein Land, das ich dir zeigen werde". Mit dem Sinnbild der ewigen Unsicherheit aber verbindet die fromme Deutung zugleich einen anderen Sinn: Israel mag getrost aus seinen steinernen Häusern in die leichte Laubhütte der Wüstenwanderung zurückkehren — es bedarf keiner Mauern und Sicherungen durch Tor und Riegel und festes Dach — sein Schutz und seine Feste ist sein Gott. So wird die Hütte des Sukkothfestes zum dreifachen Gleichnis. Sie bindet uns an unsere Geschichte und vergegenwärtigt die immer wiederkehrende Situation Israels in unseren eigenen Tagen. Sie verwirft die immer wieder enttäuschende Hoffnung, daß der Jude festes Haus und feste Wege fände, wie die Menschen anderer Völker, diese Hoffnung, die die Unsern immer wieder dazu verführt hat, fremden Göttern zu dienen; sie wojlten damit beweisen, daß sie seien „wie die andern". Die Unsicherheit der schwanken Holzhütte unter dem offenen Laubdach wird so zum Gleichnis für diejenigen, die da glauben, daß man sich die Sicherheit unter den Völkern durch das Aufgehen in ihnen, in ihren Leistungen, Eigenarten. Weltanschauungen, in ihrer Liebe und in ihrem Haß verdienen könne, — aber Sicherheit verdient man sich nicht, wenn man Jude ist. Diese Sicherheit hat man — und nicht in den Dingen des äußeren Lebens und seiner Erscheinungen — man hat sie als Jude nur und ausschließlich in der „Berufung zum Heiligen", in der die Er- Für die Einmachzeit Ei n d ü n stg I äsfer. Zubindegläser, Geleegläser Steintöpfe, Einkoch-Apparate, sämtl. Zubehör i\ M KJ CT Kaufhaus9es. m. b. H. 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