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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-08-01 · 9 (1.8.1937) · p. Seite 75

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
9 (1.8.1937)
Date
1937-08-01
Page
Seite 75 (sequence 7)
Language
German
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XIV. Nr. 9 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1.8.37 75 , er am Jörn kipur Ende den Deckel seiner goldenen Uhr aufspringen ließ, um festzustellen, ob er nicht zu lange gebraucht hatte, zum Fenster hinausschaute, ob auch schon der erste, Stern am Himmel ist, und dann noch mit geröteter Stirn und schmetternder Stimme zum letzten jisgadal ansetzte, da leuchtete die innere Befriedigung von seinem Antlitz, und im Bewußtsein des vollbrachten' Gottesdienstes im wahrsten Sinne des Wortes drehte er sich, als er Herrn Straß, burger seinen Platz zu den Schlußgebeten überlassen hatte, zu der Damenseite hinüber, um ihre Zustimmung und ihren Dank durch ihr Zuwinken entgegenzunehmen. Uns Jüngeren bleibt er an den t-'ciertagen auch damit in Erinnerung, wie er beim Schofarblasen, das er lange Jahre ausübte, bis ihm Josef Landauer diese anstrengende Tätigkeit abnahm, uns immer davon abhielt, dem Schofarbläser zuzusehen und wie wir ihm den Zylinder hinüberreichen durften, wenn er sich nach dem Vorbeten sein Käppchen abnahm und sich zum Ende des Gottesdienstes fertig machte. Ein Name fehlt wohl an kaum einem Samstag im Spendenbuch, der Name Augsburger. Oft ist er zweifach vertreten, meist auch führend in den Zahlen, allerdings auch bewußt in der Verteilung der Spenden auf die verschiedenen Chewras, wobei das Waisenhaus berechtigterweise - eine besondere Bevorzugung erfuhr. Die beiden Herren Arthur und Hermann Augsbur- , ger waren es auch oft, die dadurch das Zustani dekommen der Minjan ermöglichten, daß sie regelmäßig ihre jungen Leute in die Synagoge schickten, auch an Tagen, an denen es geschäftlich oft sicher sehr störend war, oft auch, wenn es immer noch nicht reichen wollte, geschwind einen Jungen ins Geschäft sandten, um die letzten Reserven herbeizuholen. Daß Herr Arthur Augsburger nun beim hiesigen Gottesdienst fehlt, hinterläßt eine empfindliche Lücke. Schon auf der ersten Seite des Buches finde ich dann den Namen Ferdinand Bermann. Damals, im Jahre 1923, war aus dem langjährigen Reisenden der Firma Augsburger eben der Teilhaber des Textilhauses Bermann u. Wälder geworden. Gerne gedenken wir seiner, der, innerlich und in seiner Religionsausübung fromm, später in Pforzheim zusammen mit seiner liebenswürdigen Frau eine Heimat fand und dann doch im letzten Jahr unerwartet rasch in die ewige Heimat abberufen wurde. Am 23. April 1923 fand ich unter dem Namen; Josef Landauer den seines Schwagers D r e y - ' fuß aus Basel, der auch erst vor kurzem den Weg alles Irdischen gehen mußte. Er schnoderte, während die Andern 1000 Mark spendeten, 3 X 10000 Mark. Ja, die Schweizer Franken waren damals Valuta! Auf der gleichen Seite steht noch „M a x B löchert bezahlt 2 x 5000 Mark". Seinem Wesen lag es nicht, an die Thora zu treten und öffentlich die Broche zu sagen. Er blieb in seiner bescheidenen, ruhigen Art lieber im Hintergrund und gab seine Spenden im Stillen. Nun hat auch er Rottweil den Rücken gekehrt. O k o (Schneider) und O k o (Schuhmacher) trug Herr Roeder die Namen von 2 Menschen ein, die in Rottweil eine Existenz und Heimat für sich und ihre Familien gefunden hatten, die durch Fleiß und Tüchtigkeit zu einem gewissen Wohlstand gekommen waren, die hier ihre Kinder zu gesunden, geraden Menschen erzogen haben und deren Schicksal es dann doch war, als erste,, von hier weiterzuwandern in das Land der Verheissung, wo sie eine neue, hoffentlich nun endgültige Heimat gefunden haben. Auf diesen Seiten findet sich auch immer wieder der Name Gustav Eppstein, der, soweit es ihm möglich war, keinen Gottesdienst versäumte. Ihn riß eine heimtückische Krankheit vorzeitig aus unserer Mitte, was seine Gattin später veranlaßte, mit ihren Töchtern ihren Wohnsitz in ihre frühere Heimat Laupheim zurückzuverlegen. Um diese Zeit finden sich auch die Namen der verschiedenen Mitglieder der Familie Schwarz öfters verzeichnet anläß.kh des Tode; der Frau Ernestine Schwarz und ein Jahr später beim Tode von Samuel Schwarz. Auch dieser Name ist aus Rottweil ganz verschwunden. Am 14. Juni 1934 hat Simon Wälder-Freiburg 10 Mark für Tover tov gespendet. Zwei Männer treten da vor unser geistiges Auge. Der genannte Spender, der jahrelang Gemeindevorstand war und als weltgewandter stets freundlicher Mensch in bester Erinnerung bei allen steht, daneben sein Bruder Hugo, zurückhaltender, ruhiger in seiner Art, jedoch nicht weniger herzlich und freundschaftlich seinen Nebcnmenschen gegenüber. Sie beide haben nur eine verhältnismäßig kurze Zeit auf dieser Erde wandeln dürfen und fehlen nun schon lange, wenn die übrigen Geschwister der Familie Wälder sich an besonderen Gedenktagen um ihre greise Mutter scharen. ' Einmal in jedem Jahr ist auch eine Spende von Rabbiner Dr. Schweizer verzeichnet, meist im Sommer, wenn er die Gemeinde besuchte und seine Predigt hielt. „F r a n k 1 bei Wälder" finde ich ~dann eine Eintragung. Ein freundlicher, bescheidener junger Mensch, in dem doch so viel Talent, Kraft und Wille saß. Er hatte, nachdem viele Jahre lang der Dienst am Harmonium durch christliche Lehrer versehen worden war, zur Freude der Gemeinde die musikalische Begleitung der Gesänge an den Feiertagen übernommen und auch dem Rottweiler jüdischen Jugendbund einen neuen Impuls und Auftrieb gegeben. Und — eines Morgens fand man dieses hoffnungsvolle Leben ausgelöscht durch einen plötzlichen Herzschlag. Max Bloch heißt es wieder auf einer anderen Seite. Als junger Mann kam er vor dem Krieg hierher, erfüllte dann seine Pflicht dem Vaterland gegenüber, kehrte nach Kriegsende auf seinen alten Posten zurück. Tüchtig, fleißig und strebsam arbeitete er sich langsam zum Teilhaber an dem Betrieb, für den er tätig war, hinauf und glaubte dann bei seiner Einheirat in ein anderes seit 100 Jahren bestehendes Geschäft, auf dem Gipfel seines Lebenswegs zu stehen. Das Schicksal bestimmte es anders, und er ist nun mit seiner Frau und seinem Jungen weitergewandert nach Palästina, um ein von Grund auf neues Leben zu beginnen. Den Namen Brandenburger findet man in 'dten letzten Jahren viel häufiger als früher; nun ist einer von diesen beiden Brüder ein regelmäßiger Besucher der Stuttgarter Gottesdienste geworden. An den letzten Feiertagen werden meist d i e Jungen aufgerufen, da finde ich an einem Tage zusammen: Sigi Landauer, Israel Oko, Gustav Rothschild, David Oko,-Albert Rothschild, Ludwig Oko, lauter Junglinge, die damals das 20. Lebensjahr noch nicht überschritten hatten. Was ist wohl aus ihnen bei dem großen Umbruch unserer Zeiten geworden? Siegfried Landauer hat seine Schritte nach Südafrika gelenkt, hat dort als strebsamer, umsichtiger Kaufmann rasch den Weg nach vorwärts 'und aufwärts gefunden und ermöglichte dann seinem Landsmann Willi Brandenburger, mit ihm zusammen sich eine Existenz aufzubauen. Und nun ist er daran, auch seinen Eltern den Weg in seine neue Heimat zu ebnen. Letzteres war auch bei 2 der Brüder Oko der Fall, die, nachdem sie in hiesigen jüdischen Geschäften eine gute Ausbildung mitgemacht hatten, mit frischem Mut ins heilige Land zogen und die Grundlage schufen für die spätere Einwanderung ihrer Eltern. Der 3. Bruder ist in einer Organisationsleitung der Z. O. G. tätig und wird wohl in absehbarer Zeit seine theoretische Tätigkeit für den Aufbau Palästinas in. die Fast 100000 HERMES BABY Kleinschreibmaschinen stehen in aller Welt. Das ist, seit sie auf dem Markte ist, ein ganz großer Erfolg. Auch Sie dürfen getrost zu einer HERMES BABY grei fen. Sie erleben bestimmt keine Enttäuschung! 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