Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-08-01 · 9 (1.8.1937) · p. Seite 76

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
9 (1.8.1937)
Date
1937-08-01
Page
Seite 76 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6492308-5442833-5443460--070-4908376
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

76 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1.8. 37 XIV. Nr. 9 Sommer-Schluss-Verkauf Ein Weg zu uns lohnt sich! das Haus der riesigen Auswahl Bad Cannstatt Seelbergstr. 7 - Tel. 50389 Auswahl Sendungen Versand nach auswärts. Der Alleinverkäufer für Medicus- und HassiasanaSchuhe Praxis umzusetzen suchen. Gustav Roth Schild mußte sein Medizinstudium in Freiburg unterbrechen, als er zu keinem Examen mehr zugelassen wurde, aber mit eiserner Energie und der ihm innewohnenden Tatkraft, setzte er seinen einmal eingeschlagenen Lebensweg fort, ließ sich nach einigen Wochen Sprachstudium auf der Universität in Genua einschreiben und ist bei den Examina wieder einer der Besten, wie man es von ihm gewöhnt ist. Anders wieder sein Bruder Albert Rothschild. Schon während seines Berliner Aufenthalts mit der zionistischen Gedankenwelt vertraut ""geworden, ging dieser bald nach dem Anbruch der neuen Zeit an seine Umschulung, bildete sich auf einem Bauerngut zusammen mit seiner Braut als Landwirt aus und trat dann in Tel Josef in eine Kuuza ein, wo er mit seiner Frau eine neue Heimat und ein zufriedenes Leben gefunden hat. Ja es sind viele Lebenswege, von denen Stationen im Buche der frommen Spenden verzeichnet sind. Die sie gingen, gaben dem LeOen unserer Gemeinde Inhalt, sie alle nahmen von ihr für die Zukunft etwas mit. Wohin haben die Wege wohl alle schon geführt und wohin werden sie wohl noch führen? Aus den Gemeinden Württembergs. Stuttgart. Am IQ. Juli veranstaltete die „Harmonika-Schule Ziegler" einen Elternabend, der sich eines außerordentlich guten Besuches erfreuen konnte. Das lustig zusammengestellte Programm wurde mit einem flotten Marsch von R. Stadler ,,.VVit frohem Mut" eröffnet. Die vielen großen und kleinen Künstler fanden mit ihren Vortragsstücken ungemeinen Beifall, und das Orchester unter der sachkundigen Stabführung von Ignaz Ziegler klappte ganz \orzüglich. Es war ein entzuckendes Bild, zu sehen, mit welcher Ucberlegenheit auch die Kleinsten ihre Instrumente beherrschten. Sie legten Zeugnis davon ah, welch gute Arbeit in der Schule Ziegler geleistet wird. Ueber die vielen klanglichen Möglichkeiten der Handharmonika kann man nur immer wieder staunen, und die vielen Zuhörer freuen sich schon heute, bald wieder einem solch schönen Abend beiwohnen zu dürfen. Stuttgart. Der „Landesverband Württemberg - Hohe nz oller n des Reicnsbunds jüdischer Frontsoldaten e. V." hielt am 7. Juli eine Landes vorstand- Sitzung ab, zu der die Vorsitzenden aller Ortsgruppen geladen waren. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Albert Mainzer begrüßte die zahlreichen Anwesenden herzlichst, und gab verschiedene, durch Auswanderung notwendig gewordene Personalveränderuhgen innerhalb des Landesverbands bekannt. Der Vorsitzende erstattete einen Rückblick über die Tätigkeit dis Landesverbands, gedachte der ausgewanderten Kameraden, und betonte, daß die Betreuung der Kriegsopfer die vornehmste Aufgabe des Reichsbundes sei. Albert Mainzer erteilte sodann dem Vorsitzenden, der Ortsgruppe Stuttgart und stellvertr. Landesverbands-Vorsitzenden Adolf Emrich das Wort, der über die Betreuung der Kriegsopfer ausführlich referierte. Anschließend führte der Referent der Kriegsopfer-Betreuung des Landesverbands Württemberg - Hohenzoliern, Willy Gideon nochmals aus, die vorhandenen Mittel seien so unzureichend, daß es unbedingt notwendig sei, größere Beträge zur Behebung der Not bereitzustellen. Er gab Zahlen über die notleidenden Kriegsopfer an, aus denen festzustellen war, daß innerhalb des Landesverbands Württemberg-Hohenzollern enorm viele Unterstützungsbedürftige vorhanden sind. Nach einer ausgiebigen Aussprache, an der sich alle anwesenden Ortsgruppen-Vorsitzenden beteiligten, wurde beschlossen, eine großzügige Sammelaktion zu Gunsten der Kriegsopfer und bedürftigen Kameraden sofort in die Wege zu leiten. — Mit Worten des Dankes für die Bereitwilligkeit aller Kameraden an dem Hilfswerk mitzuarbeiten, schloß der Vorsitzende die Sitzung. — (Ueber das Referat von Adolf Emrich berichten wir an anderer Stelle ausführlich). Stuttgart. Die in unserer Ausgabe vom 16. Juli angekündigte Mitgliederversammlung des „1 s r. Landes-Asyl- und Unterstützungsvereins für Württemberg e. V." muß verlegt werden. Der neue Termin wird in der nächsten Nummer des „Jüd. Gemeindeblatts" bekanntgegeben. Buchau. Am Sabbath Pinchcs weilte eine Klasse des Landschulheims Herrlingen hier. Führungen durch das Jüdische Museum, das alte jüdische Buchau und Kappel fanden statt. — Am Sonntag, den 4. Juli berührten 33 Damen und Herrn aus Rexingen auf einer Wanderung begriffen, unsern Ort. Um den Wanderern den Besuch des Morgengottesdienstes zu ermöglichen, war derselbe auf 6.15 Uhr vorverlegt worden. — Am gleichen Tage statteten 51 Angehörige der Israel. Gemeinde Göppingen Buchau einen freundnachbarlichen Besuch ab. Sie besichtigten die Synagoge und das Synagogenmuseum. Es fandien ferner Führungen nach dem Bet Olam und dem Federsee statt. — Durch Entgegenkommen des Israel. Oberrates zu Stuttgart war es nunmehr möglich, das Museum zu erweitern. Ein zweiter Glastisch konnte aufgestellt werden und in ihm weitere wertvolle Aktenstücke und Gegenstände ausgestellt werden. — Eine notwendige Renovierung des Synagogenturmes bezw. der Kapitale der Ostwand und des Daches der Synagoge mußten vorgenommen werden. — Rabb. Dr. Schlesinger weilte am vergangenen Sabbat in Ausführung einer Turnusreise in Buttenhausen, woselbst er am Sonntag dem Religionsunterricht beiwohnte. Das jüdische Buchau und sein Museum sind sehenswert. Jedem Ausflügler sei daher der Besuch Buchaus empfohlen. — Sportliche Großereignisse beim „Schild" Stuttgart. Wohl noch nie seit Bestehen der jüdischen Sportvereine in Stuttgart haben sich bedeutende Ereignisse derart überboten, wie es augenblicklich der Fall ist. Wer nur irgendwie sportlich interessiert ist, kann sich kein abwechslungsreicheres Programm wämchen, wie es die Monate Juli und August verzeichnen. Die Anhänger des Lederballes sahen bereits in dem Treffen „Hakoah" gegen „Schild" ein technisch hochstehendes Spiel voller Feinheiten. Im Meisterschaftskampf gegen Karlsruhe, in Karlsruhe, sahen die Schild-Anhänger zwei mit dem letzten Einsatz kämpfende Mannschaften. Durch den in Karlsruhe errungenen Sieg hat sich die Die Gemeinschaftsarbeit der jüdischen Jugend. Aus dem Arbeitsbericht des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände. Zeit und Umstände haben es mit sich gebracht, daß wir uns immer wieder von wertvollen Menschen unseres Kreises trennen mußten. Berufsumschichtung und Auswanderung haben nur zu oft Menschen für sich gefordert, die wir nur schwer entbehren und ersetzen konnten. Einer muß hier noch genannt werden, den uns der Tod genommen hat: Seew Orbach. Von allen Menschen, 'die in diesen Jahren im Reichsausschuß arbeiteten, wohl der, der den Gedanken gemeinschaftlicher Lebensgestaltung jüdischer Jugend am stärksten und eindringlichsten weiterentwickelt und im eigenen Wirken dargestellt hat. Ich kann kaum den Worten etwas hinzufügen, die ich nach seinem Tode niederschrieb: „Die jüdische Jugendbewegung hat einen ihrer besten Menschen verloren. Seew Orbach, Chaluz aus Deutschland, jüdischer Arbeiter aus Gtwat Brenner, Vorbild und Führer der chaluzischen Jugend in Deutschland, ist in jungen Jahren einer schweren Krankheit erlegen. — Ein Mensch von einer ganz ungewöhnlichen Reinheit des Wesens, Reife der Persönlichkeit und Hingabe an sein Werk hat uns verlassen. — Was er den Menschen seines Bundes, was er dem Hechaluz als Gefährten, Mahner, Wegbereiter und Freund bedeutet hat, weiß nur sein engerer Kreis. Wir haben ihn in der Gemeinschaftsarbeit jüdischer Jugend gekannt, haben ihm in den Beratungen des Reichsausschusses in vielen Gesprächen gegenüber gesessen. Vom ersten Augenblick an waren wir alle von der ruhigen Kraft gefangen, die von ihm ausging: der Kraft eines jungen und doch schon ganz reifen Mannes, wie sie nur die volle und ausschließende Hingabe an eine Idee verleiht. Einer, der menschlich bezwang, weil er selbst ganz von einem großen Gedanken bezwungen war, der sich an ihm verbrannte und der die leidenschaftliche Ergriffenheit so völlig in tätige Energie und führende Arbeit umsetzte, daß er äußerlich ganz Ruhe war, ganz Verzicht auf laute Wirkung, sicher der Kraft, die von innerem Wert ausströmt. — Wer so in der sicheren Geborgenheit einheitlichen Wollens und Wirkens ruht, nat es leichter, Verständnis aufzubringen für den, der andere Wege geht oder zu gehen versucht. Seew Orbacn, selbst ein entschlossen seines Weges Gehender, hat immer jeden jungen Menschen, der in ernsthafter Bemühung für sich und seine Gruppe Antwort auf die Frage nach jüdischer Zukunft suchte, verstanden. Ein im besten Sinne des Wortes ritterlicher Mensch." Ein Wort des Dankes muß noch denen gesagt werden, die ihre ganze Arbeitskraft in den Dienst des Reichsausschusses gestellt haben, den Geschäftsführern des Reichsausschusses. Den Führern der Bünde. mögen sie manchmal nur als Aussteller von Ausweisen und Verfasser von Rundschreiben und Mahnbriefen erschienen sein. Nur wer die Arbeit des Reichsausschusses aus nächster Nähe sehen konnte, weiß, welches Ausmaß von solider, ganz nüchterner und auch bürokratischer Arbeit notwendig war, um den jüdischen Jugendbünden in diesen Jahren ihre Arbeitsmöglichkeiten zu sichern, die sie oft als viel zu selbstverständlich betrachteten. Diese Arbeit konnte nur von Menschen geleistet werden, die sich als Träger eines Getneinschaftsgcdankens gefühlt haben und fühlen durften. Alle Menschen, die im Reichsausschuß mitarbeiteten, so verschieden sie nach Gruppenzugehörigkeit und Persönlichkeit waren, sind immer wieder durch diesen Gedanken der Gemeinschaftsarbeit jüdischer Jugend zusammengehalten worden. Friedrich Brodnitz, Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.