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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-08-01 · 9 (1.8.1937) · p. Seite 70

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
9 (1.8.1937)
Date
1937-08-01
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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XIV. Nr. 9 Von den Fellachen in Palästina. Von Erich Brauer. Ein kahler Hügel, auf dem schiittcr Oliveiibäume stehen, liegen die Höhe \erdichten sie sich zu emem Kranze und umschließen einen phantastischen Aufbau grau-blauer Kuben, deren Horizontalen scharf von der Sonne abgesetzt werden. Das ist der Hindruck eines palästinensischen Dorfes. Aus dem Stein oder der Lrde, auf dem es steht, geformt, fügt sich das Dorf so vollendet in die Natur ein, aal! es wie ein Stück \on ihr selbst erscheint. So ist es zugleich ein Symbol für den Fellachen. Er ist mit der Umwelt völlig verbunden, sein Leben und seine Wirtschaft sind der Natur und Sirer Kargheit ,^,'anz angepaßt: alles was er braucht, schöpft er aus ihr. Dann ist sehte Kraft, darin auch die gp'ße Gefahr beschlossen, die ihn bedroht. Die Primitivität der Fellachenkultur bedingt ihre Autarkie. Alles, was der Feilache ist, und alles, was er braucht, kommt aus diesem kargen steinigen Boden. Zudem hat er die primitivsten Methoden bewahrt, und erscheint so wie ein Ueberbleibsel aus biblischer Zeit. , „Da zwangen die Acg\pter sie zu harter Sklavenarbeit und \ erbitterten ihr Leben mit harter Arbeit in Lehm und in Ziegeln . . ." So baut der Fellache noch heute sein Haus. Tonerde, die der Buden ihm liefert, vermischt er mit Häksei und formt aus dieser Masse in einer Form seine Ziegel. Da Feiierungsmaterial kostbar ist, brennt man die Ziegel nicht, wie etwa schon im alten Babylon, sondern laßt sie an der Sonne trocknen, und baut daraus die dicken Mauern des viereckigen Hauses. Bei der forbchreitcndeii Entwaldung Palästinas in den letzten Jahrhunderten bot die Beschaffung von Langholz tur das flache Dach die größte Schwierigkeit. Deshalb haben sich hier Kotnp'.izieite Formen wie Teilung cks Raumes durch Bogen oder Bedachung durch ein Gewölbe erhalten. Eine solche Primitivität zwingt zur äußersten, kargen Sachlichkeit. Wie aus der Erde gewachsen steht das Haus da. Kein Fenster unterbricht die Wand. Die Tür und einige Luken sind die einzigen l»Vinningen. Das Licht, das sie einlassen, genügt vollkommen. Das Haus umschließt nur tun n einzigen Kaum, der horizontal durch eine erhöhte Plattform ■ geteilt ist; es muß dem Fellachen Wohnung, Stall und Scheuer sein. Im unteren Teil steht das Vieh, oben ist die Vorratskammer und der \ Wohnraum. Das Haus erscheunXjm Innern wie nach den Plänen moderner Innenarchitekten gebildet, als ein streng geformter, völlig schmuckloser Raum, ohne freistehende Möbelstücke. Der Fellache gehört zu dem Typus der hockenden Völker. Er kennt weder Stuhl und Tisch, noch die erhöhte Lagerstatt, das Bett. Er schläft und sitzt, hockend, auf dem Boden. Was er an Möbeln braucht, ist eingebaut; hohe Schränke, von verschiedener Größe, nehmen ringsum die Wand ein. Die Breitseite, die der Tür gegenüber liegt, beherrscht ein einziger großer Schrank, ein Bild architektonischer Geschlossenheit, das noch durch die Ständer für die Wasserkrüge gehoben wird, die zu beiden Seiten eingebaut werden. Diese Schränke dienen nicht zur Aufnahme von Kleidern oder Decken. Das wenige, was der Fellache an solchem Hausrat hat, findet gebündelt in Mauernischen Platz. Die Schranke aber sind die Scheuer und bergen den wertvollsten Besitz: das Getreide. Oben und unten sind Oeffnungen angebracht, die dazu dienen, das Getreide einzufüllen und zu entnehmen, und zugleich das einzige Ornament im Räume sind. Mittelpunkt der Wirtschaft des Fellachen ist der Ackerbau. Das sagt auch sein Name aus, der von dem spater ins Arabische übernommenen aramäischen Verhum „falacha", „den Acker bebauen", kommt. Das moderne Hebräisch nennt die Pflugwirtschaft „falcha". Sieht man den Fellachen auf der gemeinsamen Tenne mit dem von zwei Uchsen gezogenen Dreschschlitten seine Kreise ziehen, so tühlt man sich unwillkürlich um Jahrtausende zurück» ersetzt: das Gerät, das Jeäaja (41 ,s) in seinem Bilde anführt: „Siehe, ich mache dich zu einer scharfen Drcschwalze mit vielen Schneiden: du wirst die Berge dreschen und zermalmen und die Hügel der Spreu gleichmachen'' f war jedenfalls schon ein weit entwickelteres als dieser primitive Schlitten, den der Fellache heute benutzt. Er besteht aus zwei roh zusammengefügten Brettern, in die unten spitze Basaltsteine eingelassen sind. W ir können daraus entnehmen, daß die Primitivität des Ackerbaus bei den Fellachen zum großen Teil eine Folge seines Niedergangs und seiner Verelendung im Lauf der vergangenen Jahrhunderte ist. Er war durch die noch zu kennzeichnenden Umstände gezwungen, den Ackerbau) zu'einer völlig autarkischen Wirtschaft auszugestalten und auf die primitivsten Methoden zurückzugreifen. Der Pflug ist ein ganz primitiver, roh zusammengezimmerter Holzpflug, leicht, aber auch leicht zerbrechlich, und mit einer eisernen Pflugschar versehen. Offenbar ist aber auch dieser Pflug keineswegs ein uraltes Instrument, sondern eine verelendete Form des griechischen Pfluges. Während in biblischer und talmudischer Zeit das Düngen des Feldes bekannt war, wendet der Fellache die Düngung bei der Pflugkultur nicht an. Seit Jahrhunderten häuft sich der Dünger neben seinem Dorf zu großen Halden an, die erst von der modernen Landwirtschaft des jüdischen Kolonisten in Nutzung genommen werden. Die Pflugkultur des Fellachen zeigt überhaupt noch nicht die Verbindung mit der Viehzucht, die das Kennzeichen des entw ickelteren Ackerbaus ist. Ihr fehlt ja auch völlig der Wagen, der mit dieser Stufe einhergeht. Das Getreide wird mit einer Sichel ziemlich hoch am Halm abgeschnitten und in Bündeln auf Eseln oder Kamelen zur gemeinschaftlichen Tenne befördert. Das Kamel gehört eigentlich der Beduinenkultur an. Im alten Aegypten hat es deshalb auch nie Eingang gefunden, aber der Fellache übernahm es in gewissen Gegenden aus besonderen Gründen. Obwohl die Grundlage der autarkischen Lebenshaltung des Fellachen die Pflugkultur mit ihrem üetreideertrag ist, also eine Kultur, die ganz auf Männerarbeit beruht, fällt der Fcllachin die Hauptarbeitslast in der Wirtschaft zu. Der Mann arbeitet eigentlich nur sechs Monate im Jahr. In der übrigen Zeit sucht er durch Außenarbeit, zum Beispiel durch Transportarbeit mit seinem Kamel, etwas hinzuzuverdienen. Die Umstände haben den Fellachen indolent gemacht. Der Bauer ist an sich schon schwerfällig und in seiner Art konservativ. Der orientalische Bauer ist es in besonders hohem Maße. Der palästinensische Fellache hat keine Hausindustrie. Die Verelendung führte zur Askese; es fehlt fast jedes Schmuckbedürfnis. Wo sich noch schöne Töpferei oder Stickerei findet, ist es meistens Frauenarbeit. Der Fellache liegt gern auf einer Matte in seinem kühlen Hause und raucht die Wasserpfeife, oder er sitzt auf dem Versammlungsplatz des Dorfes und spricht endlos über die Ereignisse des Tages. Man darf diese Indolenz nicht Trägheit nennen; es ist die Indolenz des Trägers einer verelendeten Wirtschaft. >• —- fife, A.&W.Levi/Stuttgart /J»EH^\ jetzt: Alleenstr. 20. I.Stock/Tel. 27715 Tieidjßaftige!flusuaf)C in Vorhangstoffen / Möbelstoffen / Teppichen Bettumrandungen / Reisedecken usw. Musik im Hause hebt dleStimmung von Jung u.Alt. Radio für In- und Ausland Instrumente (alte und neue Geigen) Harmonikas bei i RADIO-MUSIK- =rk jacob rf^y Inhaber SCHACK \ß Hauptstätterstr. 32 a Günstigster S cha Itpta t t«n um tausch b.s 15. 8. 37. Bettwäsche, Tischwäsche ganze Ausstattungen Louis Löwenthal WannenstraBe 12 Tel. 718 06 Auf Wunsch persönliche Mustervorlage, auch auawlrts. 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