Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 8 (16.7.1937)
- Date
- 1937-07-16
- Page
- Seite 60 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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60 XIV. Nr. 8 gesprochenen Wortes Mild, kann man «ahrlich in diesem Land erfahren. > leradi auch innerhalb des Bezirfcs der deutschen Aliiah wird eine ausgedehnte Aufklärungsarbeit durch Vortrage entfaltet. Ich bin immer etwa* mißtrauisch gegen diese Form der „Erwachsenenbildung" gewesen In üespmcJten gebe ich oft den Wirkungen nach, die duser Aufklärungsdienst hinterlaßt. ES bleibt \on dem Wissensstoff manches Nut/liehe hangen. Viele, die sich früher 'nlHiwenig um l'alästiaa gekümmert haben, erfuhren eine Bereicherung ihrer Kenntnisse über das Land. Aber wenn mau tiefer- >pürt nach dem seelischen Niederschlag, nach der lormativen Wirkung des Gehörten auf Gesinnung und Strebung. findet man kein überwältigendes Ergebnis. Dagegen bin ich mit Menschen zusammengetroffen, die vornehmlich :1us den früheren akademischen Zirkel der auti/ionistischei: Korporationen, wie K X oder f W Ausw. kommen, die auf dem Wege der S e I hs i c r z i e h u n g eine seelische Umformung an s»ch>vollzogen haben, um den AnschlliH an das W erk und d> n Sinn des Aufbauwerkes zu linden. Sie lernten begreifen, dali die kfce der Aufbauarbeit sich nicht erschöpft mit dem -für politische Zu Iset/ung geprägten Ausdruck der ..Heimstatte", sondern dar! wir in diesem Land •sinnvoll nur leben und arbeiten, wenn wir uns hineinstellen und uns hineingestellt fühlen in den gewaltigen geschichtlichen Pro/eb. der sich* in diesem Land an unserem Volk vollzieht. Und andere Menschen lernte ich "kennen, denen in einer Intuition, in einer plöt/- iChen Aufleuchtung der Erkenntnis oder Aufwallung des Gefühls die Verknüpfung mit dem Sinn des Lebens und Schaffens in tire/ Israel gelang. Sie sagten mir. dali die historisch-nationale Konzeption der Zionistischen Idee in ihnen die Fiktion tilgte als seien sie in das Land gekommen, um jeder für sich möglichst viel an ätiKerem Glück >u erraffen. I >ic Teilnahme an dem Frohgelühl, das aufbauende Arbeit im Dienste des eigenen Volkes und ein Leben in der Volksgemeinschaft auslösen, wollen sie g-'M bezahlen mit der Uebernahme alles Schweren und L eidvollen, das uns zugeteilt ist. Das sind einige Beobachtungen aus dem Umkreis der Menschen, zu denen ich in Beziehung trat. Diese Beobachtungen und Feststellungen sind einse'tig und unvollständig. Draußen auf dem Land gelten für die Einwurzelung ganz andere seelische Gesetze, l'nd wir wollen nicht vergeh« eigen, da« Juden und besonders auch deutsche Juden hier wohnen, die sich nicht zurechtfinden in dem Widerspruchsvollen der Erscheinungen, in der Unausgeglichenheit des Ocmeinscii.ittslf bens, in der Unzulänglichkeit der Einrichtungen. Ihnen fällt die Einordnung schwer. L'nd andere wiederum sind von persönlichem Mißgeschick verfolgt worden in den mannigfachsten Gestaltungen. Es gibt menschliche Heimsuchungen, die an keiner Landesgrenze haltmachen. Für die ..gelernten" und ..gedienten" Z ionist en liegt 'as Problem der Einordnung selbstverständlich ganz anders. Sie tragen wahrlich am schwersten an der Last, die dem Jischu\ auferlegt ist. Gegenüber den anderen, die früher der nationalen Bewegung fernstanden, genieften die Zionisten keinerlei Be\ >rzugung im Wettkampf des wirtschaftlichen Ringens. Abet ihnen verzeiht man es nicht, wenn sie sich lassig zeigen sollten in der Verbindung mit Sprache und Kultur, in der Hingebung an a."e öffentlichen Aufgaben und . Leistungen.?>ie fühkn sich" verantwortlich für alles was geschieht und unterlassen wird, sie dürfen es sich leisten, strenger in der Kritik, rücksichtsloser in der Bekämpfung zu sein von allem, «ras ihnen als unvereinbar mit der zionistischen Idee erscheint. Sie graben die Wurzeln ihrer Existenz tief hiuiin in das Erdreich, für dessen Frringung sie gearbeitet und gestritten haben. Sie sind diejenigen, die sich wahrhaft mit dem Leid verwachsen fühlen, die das Leiden lieben und ehren wie die W eben einer Geburt, die Neuem das Leben schenkt. Was bedeutet uns Rehad Haam heute? Von Hans Lamm, Berlin. Je größer der Abstand vom Tod eines Mannes wird, je ferner also die Tage rücken, da er durch Wort und Tat seine Zeitgenossen immer neu aufrufen konnte, desto größer wird die Gefanr, daß seine Gestalt in nebelhafte Ferne entschwindet, sein Werk der Vergessenheit anheimfällt. Diesem Schicksal entgeht fast kein Sterblicher; aber dieses tragische menschliche Schicksal kann zwei, wesenhaft grundverschiedene Ausdrucksfortnen annehmen: einmal kann wirklich der Mann und sein Lebenswerk überlebt und als nur historisch zu registrieren sein, zum andern aber kann seine menschliche Gestalt zwar an Unmittelbarkeit abnehmen, sein Werk nicht mehr die Frische besitzen, die das eines Lebenden auszeichnet,- aber Persönlichkeit und Idee gehen ein in die Vorstellungs- und Begriffs-Welt der Nachwelt, sie formen nicht allein die Gcschiehte, sondern auch die Zukunft nach ihrem Tod: sie erweisen ihre überzeitliche Größe durch ihre lebendige Geschichte bildende Genialität. So ist es A c h a d H a a m ergangen. Es wäre kein legitimer Gradmesser seiner Bedeutung in unserer Zeit, wenn man feststellen wollte, wie stark etwa sein wesentlichstes Werk, die mehrbändige Aufsatzsammiung „Am Scheideweg" gelesen wird. Wir hoffen zwar, daß sie viel benutzt und immer aufs njeue herangezogen wird und wir wünschen - aus (iründen, die im folgenden noch deutlicher zu erkennen sein werden —, daß die Achad Haam-Lektüre immer weitere Kreise ziehe, in immer tiefere Schichten vordringe: aber dennoch, selbst wenn Achad Haam gar nicht mehr gelesen werden würde und sein Name der heutigen Generation kein Begriff mehr wäre, wäre er nicht tot, sein Leben nicht umsonst gelebt, sein Kampf nicht vergebens gestritten worden. Die Tatsache, daß die einzelnen dieser Debat- Ihre alten Platten haDen noch Wert, wenn Sie jetzt, bei festgesetzter Aufzahlung gegen neue umtauschen. Verlangen Sie ur.verbmdl'Ches Angebot von Radio - Musik -JACOB Stuttgart. Hauptstätterstr. 32A Gegr 1873 Telefon 241 29 Z I GAU K K MIAI'S ROSA WALLEKSTEIX KASKKNKXKTK. 14. TEL.2129« Verkauf von nur erstklassigen Fabrikaten Heumann & Brandt STUTTGART Schürzen . Kittel . 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