Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 7 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 53 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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XIV. Nr 7 JQdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1. 7. 37 53 die dem Wesen der jüdischen Seele nicht gerecht wird, sondern in der Form der Bewegung soll man den Kindern die Religion zum Erlebnis werden lassen. Sie sollen unsere Feste erleben, sollen die sieghafte Kraft unserer Bräuche (kennen lernen und sollen so mitlebend und mitschaffend zum positiven Judentum hingeführt werden. Eine Pflanzstätte für jüdisches Leben soll die jüdische Schule sein. Mit dieser Forderung und einem Midrasch voll Tiefe und Bedeutung schloß der Redner seine gehaltvollen Ausführungen, für die ihm der lebhafte Beifall der Zuhörerschaft und das Schlußwort Dr. Otto Einsteins dankte. Die Diskussion, an der sich Max Wolf, Konrad Veit, Edwin Halle und Alex Roberg beteiligten, gab dem Redner nochmals Gelegenheit, sein von tiefer Gläubigkeit und unbeirrbarem Zukunftswillen getragenes Bekenntnis zum positiven Judentum zu erneuern. Ein Kleinkunstabend der Stuttgarter Jüd. Kunstgemeinschaft Alfons Fink, Trude Kanter, Margot Hirsch als Gäste. Einen wirklich vergnüglichen Abend, Stunden der Entspannung und Freude, bereitete die Stuttgarter Jüd. Kunstgemeinschaft ihren vielen Mitgliedern und Freunden am IQ. Juni. Ein Kleinkunstabend war angekündigt — und die, die ihn bestreiten sollten, rechtfertigten von vornherein die Erwartung, mit der man der Veranstaltung in unserer Gemeinde entgegensah. Ein heiteres Dreigestirn stellte sich dem Stuttgarter Publikum vor und verstand es, die vielen hundert Anwesenden bis zur letzten Minute zu fesseln: Alfons Fink, der humorvolle, geistreiche Plauderer, Trude Kanter, die charmante Interpretin klangvoller Chansons und moderner Schlagerlieder, sowie die reizende kleine Margot Hirsch, die graziös und quicklebendig sang und tanzte. Man darf feststellen, daß dieser Abend eine willkommene Abwechslung bedeutete. Alfons Fink versteht es aber auch ausgezeichnet, seine Zuhörer zu unterhalten. Er, der früher am „Kabarett der Komiker" wirkte, arbeitet mit den primitivsten Mitteln — und darin liegt letztlich auch die große Wirkung seiner Darbietungen. Ob Alfons Fink kleine besinnliche Geschienten erzählt oder ein Brillantfeuerwerk von Witzen und Schnurren abbrennt — immer tut er es seriös und mit der Gestaltungskraft des echten Künstlers. Auch Trude Kanter gefiel sehr. In ihr lernten wir eine vornehme, mit schönem Sopran begabte Sängerin kennen, die mit Anmut und Geschmack ihre Lieder — meist aus Operetten -- sang. Ganz hervorragend war das unverwüstliche „Heinerle-Duett" aus dem „Fidelen Bauer', das Trude Kanter mit Margot Hirsch bestri.t. Qiese kleine Margot ist überhaupt eine Klasse für sich! Die Haupterfolge des Abends durfte sie einheimsen! Kein Wunder, wenn man mit soviel ursprünglicher Natürlichkeit und grazilem Temperament, soviel bunte Geschenke zu machen weiß. Am Flügel wirkte Max Firnberg als gewandter Begleiter. Es erübrigt sich beinahe, noch mitzuteilen, daß den Künstlern Beifallsstürme gespendet wurden. „Schild" Stuttgart und „Hakoah" Stuttgart kämpfen um den Pokal des Jüd. Gemeindeblatts. „Schild" gewinnt den Wanderpreis mit 5:2. Schon gleich, nachdem der Termin für das große Lokaltreffen bekannt wurde, konnte man, wo sich einige sportlich interessierte Gemeindemitglieder zusammenfanden, erregte Debatten über die Siegesaussichten der Gegner mitanhören. Und man kann wohl sagen, daß diesmal Hakoah als der ausgesprochene Favorit dieses Treffens genannt wurde. Hakoah hat nämlich durch Zuzug einiger besonders bekannter jüdischer Fußballspieler eine wesentliche Verstärkung seiner 1. Mannschaft gefunden. So kam der 20. Juni heran. Auf dem jetzt gemeinsam benützten Platz im Feuerbacher Tal stellten sich die Mannschaften dem bewährten Schiedsrichter Burkhardt, Heilbronn. Vor dem Spiel ließ sich der neue Landessportleiter des „Schild", Viktor Strauß, den Spielern vorstellen. .Dann pfiff der Schiedsrichter den Kampf an. Sofort nach Anspiel kann Hakoah einen Treffer erzielen. Der Torwart des Schild verläßt sein Tor zu früh, und schon heißt es 1:0 für Hakoah. Wenige Minuten darauf gelingt Schild durch seinen Halblinken Aronsohn der Ausgleich. Beide Mannschaften bemühen sich im weiteren Verlauf vergebens, ein Tor vorzulegen. Von den Spielern Hersch und den Brüdern Grünfeld kann man einige technische Kabinettstückchen sehen Aus den Gemeinden Württembergs. Stuttgart. Wie uns vom Oberrat mitgeteilt wird, hat dieser an Direktor Gottfried Gumbel, der im Winter 1936/37 wieder die Jüdische Winterhilfe ehrenamtlich geleitet hat, folgendes Schreiben gerichtet: 10. Juni 1937. Isr. Oberrat Sehr geehrter Herr Direktor! Nachdem, wie uns bekannt geworden ist, nunmehr seitens der Jüdischen Winterhilfe Berlin die Verteilung der Ueberschüsse aus der Jüdischen Winterhilfe 1936/37 genehmigt worden ist und damit die . Jüdische Winterhilfe in Württemberg für 1936/37 zum Abschluß gebracht werden kann, drängt es uns, Ihnen für die hervorragende Arbeit, die Sie auch bei der Durchführung der schweren Aufgabe, die .uns in diesem Winter gestellt war, geleistet haben, unseren herzlichsten Dank zum Ausdruck zu bringen. Wir wissen, daß Sie jeder besonderen Ehrung ablehnend gegenüberstehen, und wir unterlassen es deshalb, Ihnen durch ein äusseres Zeichen der Anerkennung unsere Dankesschuld abzutragen; Sie müssen uns aber erlauben, Ihnen durch diese Zeilen zum Ausdruck zu bringen, wie sehr wir Ihre Arbeit auch für die Jüdische. Winterhilfe 1933/37 schätzen müssen. Wenn der Not, die im vergangenen Winter größer war als im letzten Jahre, in dem der Jüdischen Winterhilfe gezogenen Rahmen gesteuert werden konnte, und auch der Torwart Vollweiler hält einigemale ganz hervorragend. Kurz vor Halbzeit kann Leo Grünfeld seine Mannschaft, welche in diesem Spielabschnitt überlegen war, in Führung bringen, indem er ein Mißverständnis der Schildverteidiger geschickt zu einem Treffer ausnützt. Halbzeitstand 2:1 für Hakoah. Ein in der 2. Hälfte des Spieles Schild zugesprochener Elfmeter wird durch . Hermann Scher sicher verwandelt und dadurch steht die Partie wieder unentschieden. So bleibt es bis eine Viertelstunde vor Schluß. Erbittert kämpfen die Mannschaften um den Siegestreffer. Mit seltener Energie und restlosem Einsatz reißen sich die Spieler des Schild noch einmal zusammen und können in dieser kurzen Zeitspanne 3 Tore erzielen. Aronsohn drückt einen Ball ein, der dem Hakoah-Hüter entfällt, und gleich darauf bringt Hermann Scher auf ähnliche Weise einen weiteren Treffer an. Dann erhöht Wolf, der Linksaußen des Schild, auf eine Flanke von Samuel zum Endergebnis von 5:2 Toren. Durch diesen überraschenden Sieg hat die Mannschaft des J.S.V. Schild wieder einmal bewiesen, daß eine aufeinander eingespielte und kameradschaftlich verbundene Mannschaftseinheit auch technisch überlegene Einzelkönner durch ihren Kampfeswillen zu besiegen vermag. So kommt jetzt der J.S.V. Schild zum zweiten Mal in den Besitz unseres Pokales, während ihn im letzten Jahre die Hakoah mit nach Hause nehmen konnte. Möge die Wiederholung des Pokalkampfes in den nächsten Jahren dazu beitragen, der jüdischen Jugend einen immer neuen Ansporn zur körperlichen Ertüchtigung zu geben. dann ist es Ihre umsichtige, pünktliche und gewissenhafte Arbeit gewesen, der der Erfolg nicht versagt war. Sie dürfen es uns nicht verargen, wenn wir am Schluß den Wunsch aussprechen, daß Sie auch bei der Aufgabe, die uns für den Winter 1937 38 gestellt werden wird und die sicher noch größere Anforderungen stellen wird, sich uns wieder zur Verfügung halten. Sie dürfen des Dankes der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, insbesondere aber der Menschen, die die Jüdische Winterhilfe zu betreuen hat, gewiß sein. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. L e v i. Stuttgart. Der Israel.' Frauen verein- Frauenbund hat, um einem längst bestandenen Bedürfnis entgegen zu kommen, diejenigen Mädchen zur Sammlung aufgerufen, deren Beruf die Haushaltarbeit ist. Ein großer Kreis dieser Berufstätigen war der Einladung zu einem ersten gemütlichen Zusammensein gefolgt, an dem Frl. Hilde Schiessinger am Klavier für heitere Stimmung und rasches ■ Heimischwerden sorgte. In zwangloser, freundschaftlicher Weise suchte die Leiterin dieses Kreises, Frau Elisabeth Sohdheimer, Fühlung zu bekommen, und die Wünsche und Interessen der in allen Altersstufen vertretenen Anwesenden für die Ausgestaltung der geplanten regelmäßigen Zusammenkünfte zu erfahren. Erfreulicher Weise zeigte es sich, daß neben fröhlicher Entspannung der Hauptwunsch des größten Teils einer weiteren Berufsausbildung galt. Um Einrichtung von Näh-, Bügel- und Kochkursen wurde lebhaft gebeten. Sehr begrüßt wurde der Vorschlag einer Sonntagnachmittagswan- ,füt dm S4>mmu...fceuiuUUdu TCßeidung, IM«