Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 7 (1.7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 52 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1.7.37 XIV. Nr. 7 gleich der Fcucrsäulc den Weg durch Not und Wüste wies, sie stark machte im Unglück und froh in der Freude. Aus einer kleinen Dachkammer sind wir dem VTeg des Gebetes durch ein Jahrhundert gefolgt bis in dieses große Haus, von dem es heilit: ..beisi beis tefiloh jikore — Mein Haus, ein Haus des (iebetes werde es genannt!" * Lassen Sie uns, und im tiesonderen die Jugend unter uns. diesen Satz aus dieser Feier mit- ■ehmen, nachdem wir auch dessen /\\ei:en, tieferen Sinn eingesehen, der da bedeutet: Wo immer Du Dich betend zu Deinem Schöpfer wandest, wirst Du in einem unsichtbaren Haus des Schutze* und des Friedens stehen. - Dann wird der Weg aus jener ersten Dachkammer hin zu dieser SMiagoge. er wird uns führen zu der Kammer unser..- Herzews, das erfüllt sein möge vom fclseiiliarteii Vertrauen auf die V erheißung unserer geheiligten Lehre: b'chol mokom, ascher askir es seh'mi. ovo clecho u\ eraehtieh — Art jeglichem (»rt. da meines "Namens gedacht wird, werde ich zu dir kommet* und dich segnen." Vom Synagogencfeoi unter Leitung \on Lehrer Säbel folgt eine straff und klangschön gesungene Motette. Hierauf meisterliehe Darhietungen des bekannten KammerquarUtts aus Stuttgart. Dazwischen ..adoii'ti moloch", gesungen von L. Säbel. . Kabh. Dr. <<>hn faßte in einem tief empfundenen Schlußgehet die Lrrrpiindungcn, Hoffnungen und Wünsche aller Teilnehmer dieser wahrhaften Feierstunde zusammen und ließ sie ausklingen in den alten Segensw orten, die Frau Dr. H i r s c hl'lm ergreifend sang. Heute noch klingt das Fest in uns nach. Das Wesen der jüdischen Schule. Ein Vortrag von Anstaltsdirektor Ther>dor Rothschild, Eßlingen Im Rahmen einer Veranstaltung des „Vereins der Freunde4 der Jüdischen Schule" sprach am 22. Juni Austaltsdirektor Theodor Rothschild, Eßlingen, wegweisende Worte über „Das Wesen der jüdischen Schule". Immer wieder, so betonte er, müssen wir uns darüber klar werden, mit welchen Inhalten wir unsere Schule erfüllen müssen, immer wieder haben wir uns zu fragen, ob wir uns auch auf dem rechten Wege befinden. Vor hundert Jahren schon gab es }(> bis 4(1 jüdische Volksschulen in Württemberg; daß sie zerfallen sind, liegt zum Teil an den äußeren Verhältnissen, zum Teil daran, daß damals die 'jüdische Gemeinschaft des jüdischen Lebenswillens, des unbedingten Bekenntnisses zum positiven Judesein ermangelte. Die Schulgründungen unserer Zeit sind reaktiven Ursprungs. Solange wir im deutschen Kulturkreis standen, hatte die deutsche Schule als Erziehungsstättc unserer Kinder Sinn und Berechtigung. Nach unserer Entfernung aus diesem Kulturkreis aber standen wir vor der Notwendigkeit, ein anderes Bildungszentrum zu schaffen. Und dieses Zentrum kann nur von der Gemeinschaft ausgehen: die Schule ist Formungsorgan der üemeinschaft; in der Schule kann nur gelehrt werden, was in der Gemeinschaft lebendig ist. Deshalb hat die Gemeinschaft eine große Verantwortung gegenüber der Schule und gegenüber der aufwachsenden Jugend; wenn die Substanz der Gemeinschaft fraglich, die Gemeinschaft selbst i:i ihrem Inhalt unsicher geworden ist, dann streitet man sich über Unterrichtsfächer, über die Mängeln erteilung des Lehrstoffes u. ä. und unterhindet das in der Schule so notwendige lebendige Leben. — Was kann, was soll die jüdische Schule nun leisten? Sie soll ein gerüttelt Maß von positivem Wissen vermitteln, ohne jedoch hierin ihre Aufgabe erschöpft zu sehen. Der Jude ist ein geistig gerichteter Mensch und hat als solcher Ott das Wissen an sich überschätzt Der früher überbetonten Pflege des Persönlichkeitswertes muß eine Ausbildung des Gemeinschaftsgefühls an die Seite gesetzt werden. Die charakterliche Erziehung, die Erziehung zum Pflichtbewußtsein, zur Verantwortung, zur Opferbereitschaft ist nicht weniger wichtig als die Vermittlung des NX issens an sich. Nicht die Stofffülle macht die gute Schule aus, von Bed.utung ist die Art des Lehrens, die ständige lebendige Wechselwirkung zwischen Lehrer und Schüler. — Auf unsere Jugend wartet ein hartes Leben; dementsprechend muß sie vorbereitet werden. Im Werkunterricht wird Auge und Hand geübt. Eine Fremdsprache schärft ihre sprachlichen Instinkte und setzt sie in die Lage, sich auch in fremder Umgebung zurechtzufinden. Die Kräfte des Gemüts werden z. B. durch Musikpflege, Zeichnen u. ä. entwickelt und ermöglichen es, auch in der Einsamkeit ein befriedigtes Leben zu führen. Immer ist das Ziel der Schule: die Kinder in innige Berührung zu bringen mit der Welt der Gemeinschaft, sie in diese Liemeinschaft völlig einzugliedern. Demgegenüber haben Gegensätze weltanschaulicher und sozialer Art vor der Schule zu verstummen; gerade in der Schule müssen sie ihren Ausgleich finden. So ist immer wieder auf die Ewigkeit und Unvergänglichkeit unserer Religion abzuheben, an die Hingabe und Opferbereitschaft unserer Väter zu erinnern, die Größe des jüdischen Gedankens aufzuzeigen, der jüdische Aufbauwille in Palästina und anderen Ländern zu betonen. Die Schule muß die Atmosphäre schaffen, in der sich die jungen Menschen entwickeln können; sie kann nur gestalten, nicht montieren und zusammensetzen. In jedem Unterricht müssen jüdisches. Wesen und jüdische Auffassung zu ihrem Rechte kommen; wie das in den einzelnen Fächern geschehen kann, wurde von dem Redner in einer Reihe fesselnder Beispiele gezeigt. Im Mittelpunkt allen Lehrens haben jüdische Gehalte zu stehen; deshalb ist auch auf die hebräische Sprache als Tiäger der judischen Ueberlieferung , größter Wert zu legen. Iwrith als Umgangssprache kommt erst in zweiter Linie. Die jüdische Geschichte soll in enger Verbindung mit der allgemeinen Geschichte behandelt werden; die Kinder sollen wissen, daß sie Erben sind der Gedanken dieser Geschichte und Bürgen für die Zukunft. In Gegenwartskunde und Palästinakunde sollen die Kinder in ein lebendiges Verhältnis zu den jüdischen Einrichtungen, den jüdischen Lebensmöglichkeiten und dem jüdischen Lebenswillen gebracht werden. Judentum umfaßt das ganze Leben, aber es quillt doch aus einer bestimmten religiösen Grundhaltung heraus, die den Kindern nahegebracht werden muß. Nicht systematische Religionslehre soll unterrichtet werden, MAX ADLER (Stammfirma J. Adler, gegr. 1827) Weine - Spirituosen Stuttgart s. Ernst Weinsteinstraße 21 b Telefon 70217 kirnen da &tutt§attet Zucfipofäandch Simon Berg & Cie. TUCHGROSSHANDLUNG Stuttgart / Charlo'.tenstraß'e 26 Gebr. 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