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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-06-16 · 6 (16.6.1937) · p. Seite 42

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
6 (16.6.1937)
Date
1937-06-16
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 16. 6. 37 XVI Nr. 6 Das Mohelbuch des R. Seligmann, Hüffenhardt. Rearbeitet und besprochen von Samuel Jeselsohn in Neckarbischofsheim. Wir glauben, daß der nachstehende, im „Israelit", Jahrg. 1936 Nr. 47, erschienene Aufsatz bei unseren Lesern reges Interesse finden wird. Es ist besonders erfreulich, daß ein Mann es inmitten der Einsamkeit und Abgeschlossenheit seiner kleinen Gemeinde doch heute versteht, seine Einsamkeit fruchtbringend zu gestalten durch Forschen und Lernen in den Geschehnissen der Vergangenheit. Ein Stück von ihr wird in der Geschichte des R. Seligmann von Hüffenhardt wieder lebendig. Die Schriftleitung. .Ein merku ürdiges Geschick brachte dieses Buch in meine Hand. Von seiner Existenz war mir nichts bekannt. Ein Großonkel von mir — selber Mohel — hatte es in seinem Besitze. Er nahm es mit von hier nach Frankfurt a. M., wo er die letzten Lebensjahre verbrachte. Vor etwa 60 Jahren starb er. Vor etwa drei Jahren kam es aus dem Besitze eines Althändlers durch einen Frankfurter Mohel, der mein Interesse voraussetzte und es mir mm Kaufe anbot, zu mir. Es kam wieder an den Ort, an dem es sich früher viellcicbt mehr als 100 Jahre aufgehalten hatte. Das Buch enthält Milos aus den Jahren lb86 bis I7J0, etwa 1200 an der Zahl. Die Eintragungen .sind in der jüdischen Kurrentschrift jener l agc geschehen und bieten eine Fülle interessanter Tatsachen. Der Mohel, R. Seligmann, der Sohn des „berühmten und gelehrten Dajans des Bezirks", H. Naftali Herz, aus dem Cieschlechte G i ii z wohnte in Hüffenhardt, einem Bauernüorl im östlichen badischen Kraichgau, das etwa drei W egstunden von Mosbach entfernt ist. Von hier aus besorgte er seinen heiligen Dienst vollkommen leschem schomajim, d. h. „um des Himmels willen", (ohne jede Gegenleistung), wie ihm Andere in diesem Buche still und ohne Aufhebens bescheinigen. Das Gebiet seiner Tätigkeit erstreckte sich auf den Umkreis von mehr als 100 Kilometern. Man denke an die Beschwerden der Reise in jenen Zeiten, an die Unsicherheit der Wege, an die Schwierigkeiten der Nachrichten-Uebermittlung, an das Fernsein von der Familie an Sabbaten und Feiertagen, und man kann sich einen Begriff machen von der Jiroh — der G'ttesfurcht — dieses Mannes, von seiner Seelengröße, seiner Opferbereitschaft. Die meisten Orte, an denen er fungierte, waren sicher nur von wenigen jüdischen Familien bewohnt, oft mußte er an einem Tage an zwei weit auseinander liegenden Plätzen sein heiliges Amt vollziehen. In jüngeren Jahren versieht er den Eintrag der Milo mit einem Wort aus der laufenden Sidroh, so treffend gewählt, daß man staunen muß über all dieses Wissen und dieses Mitgefühl. Da segnet er das Kind, dessen Vater nicht mehr lebt, dort weint er mit einem anderen um die tote Mutter. Als ein Beispiel dieser unsagbaren Opferbereitschaft führe ich hier folgende Milos aus dem Jahre 5479 (1719) an: Am 2. Tischri (2. Tag Roschhaschono) amtiert er in Gundelsheim am Neckar (wohin er natürlich schon zwei Tage vorher reisen muß), am 3. Tischri in Rohrbach bei Sinsheim, am Schabbos den 6. Tischri ist er in Sontheim bei Heilbronn (auch dahin muß er schon tags zuvor kommen), am 8. Tischri ist er in Berwangen, am 18. Tischri (Chol hamoed Sukkos) ist er in Babstadt, am 19. in Eichtersheim. Am 22. Tischri ist er in Münzesheim (dieser Tag ist Schemini Azereth, er muß also schon tags zuvor eintreffen und kann erst am nächsten Tage mit Eintritt der Nacht frühestens weiter reisen.) Am 24. Tischri ist er in Michelfeld und am nächsten Tage in Stein am Kocher. Es ist Spätjahr und vielleicht noch unangenehme Witterung. Ab^r später, mitten im tiefsten Winter, ist er z. B. am S. Kislew in Bonfeld bei Heilbronn, am 9. — Freitags — in Grombach bei Sinsheim, am 12. in Horkheim bei Heilbronn, am 16. — Freitag — in Walldorf bei Heidelberg, am 25. in Baiertal (Sonntag). Wenn er nicht schon Freitag nach Baiertal gereist ist, brauchte er die ganze Winternacht von Samstag auf Sonntag, um von seiner Heimat aus früh morgens am Sonntag in Baiertal zu sein. Daß er in einer so großen Verwandtschaft überall herangezogen wird, ist wohl zu verstehen. Aus den Einträgen sind die weitverzweigten Aestc der Familie wohl zu erkennen. Er führt Söhne, Enkel und Urenkel in den heiligen Abrahamsbund ein. Klar konnte ich feststellen, daß auch ich zu seinen Nachkommen zähle. 109 verschiedene Orte sind es, an denen er tätig war. Man kajin genau verfolgen, daß auch für ihn der Anfang nicht leicht war. Erst im achten Jahre gelangte er auf 11 Milos im Jahre, dann erweiterte sich seine Arbeit, bis zu 52 im 33. Jahre dieses heiligen Berufes. An vielen Orten seiner Tätigkeit wohnen heute noch Juden, an vielen anderen sind sie längst verschwunden. Manche Orte stehen mit Milos in dem Buche, die als ehemaliger Wohnsitz von Juden nicht bekannt waren. Ich nenne hier Biberach, Kirchhausen, beide bei Heilbronn, Dilsberg bei Heidelberg, die berühmte Feste aus Tillis Zeiten, die Hofgüter Zimmerhof, Eulenhof, Ehrenberger Schloß, das Dörflein Helmhof, alles an der badisch-württembergischen Grenze gelegen. Auch auf die Größe der Kehillos lassen sich Schlüsse ziehen aus der Häufigkeit der stattgehabten Milos im ganzen Tätigkeitszentrum von etwa 40 Jahren. Da ist Bischofsheim (jetzt Neckarbischofsheim) mit 68, Odenheim mit 42, Neidenstein mit 33, Heinsheim mit 38, Ittlingen, Eichtersheim mit je 34, Flehingen, Weiler unterm Steinsberg mit je 33, Stein am Kocher mit 29, Mosbach mit 31, Wimpfen am Neckar mit 28, Rappenau und Michelfeld mit 27, Hirschhorn am Neckar mit 24 Milos. Interessant sind die Feststellungen über die vorkommenden Namen und deren Häufigkeit. Es wurden gezählt: Moses und dessen Abwandlungen Masis, Mosche, Mase 133, Löb 128, Meir 125, Itzig 113, Abraham 93, Jokef, Jakob, Jeckle, Jokel 87, Wolf 72, Lippmann 71, Ahron 68, Josef 62, Herz 61, Hirsch 61, Seligmann 57, David 57, Leser 50, Juda Jehuda, Judel 50, Josle 47, Mordechai 4(5, Schemuel 44, Gumpel Gumprich 42, Schimcon 41, Eisik 38, Chajim 37, Sanwill 36, Ab 1. Juli befindet sich mein Geschäft sowie der Geflügelverkauf Katharinenstr. 35, Tel. 25612 (früher Metzgerei Friedmann)! M. Buchsbaum HERMANN Marienstr. 12 Qein ELEGANTE DAMENHCTE Schals, Schleier MQtzen, Kragen Heumann & Brandt STUTTGART Schürzen . Kittel . Waschkleider Leistungsfähigste Firma Gaststätte Arthur Schloß Mannheim 0 2, 16 * Ut 21535 Vonügl. Mittag- und Abtndtinh von 90 Pfg. an. 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