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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-06-16 · 6 (16.6.1937) · p. Seite 43

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
6 (16.6.1937)
Date
1937-06-16
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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XIV. Nr 6 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 16. 6. 37 43 Baruch 33, Kaufmann 31, Feibisch 24, Bcndit 24, Oerschon 22, Bär 21, Zadok 18, Sender 18. Vereinzelt kommen vor: Gabriel, Götz, Getsch, Tebele, Ansehet Anselm, Enslcin, Joel, Getschlik, Jona, Avigdor, Jische, Eliescr, Henle, Gottlieb, Jochanan, Feis, Falk, Aberle, Benjamin, Daniel, Eli, Susmann, Uri, Hele, Ascher, Alexander, Akt ba, Tubioh, Sinai, Nachum, Goel, Jomtof, Koschmann. In vielen der 109 Orte lassen sich Lehrer fest stellen. Man sieht, wie nichts die oft so armen, bedrückten Menschen daran hindern konnte, ihren Kindern das nötige Wissen zu verschaffen. Auch im Hause des Mohels selber muß sich eine Tal mudschule befunden haben, was daraus hervor geht, daß in dem Mohelbuch Einträge von Leh rem sich befinden, die im Hause des Mohels tätig waren und da gelebt haben. Einer dieser Lehrer hat das kurz vorher in Amsterdam erschienene Werkchen über die Miloh „Sod haschem" nebst „Scharbit hasohof" des R. David de Lida in der charakteristischen Schrift jener Zeit in das Mohelbuch abgeschrieben. Ein Anderer hat die bezüglichen Vorschriften des Schulchan Aruch eingetragen. Hie und da ist es das Kind eines Oreach, eines Fremden, das er in den Bund aufnimmt. Aus wei ter Ferne kommen diese müden Wanderer, um eine feste Stätte zu suchen. Ueherall finden sich Glaubensbrüder, die sich ihrer annehmen. Oft ist der Mohel selber auch gleich Gevatter und schreibt diese Tatsache gern in sein Buch. In der heutigen Zeit, in der das Interesse für Familienforschung neu erwacht ist, bietet das Mohelbuch ein gutes Hilfsmittel, um dunkle Fa milienzusammenhänge aufzuhellen und den Stammbaum bis in die Zeiten des Mohels Seligmann klarzustellen. Schon manches Mal hat es diesen Dienst leisten können. ■ Drei Generationen Zionismus in Deutschland. Die Feier anläßlich des 40jährigen Bestehens der Zion. Vereinigung für Deutschland. Das Kulturbund-Theater ist festlich geschmückt; die Bühnenrampe wird von Blumen verdeckt, die in blauen und weißen Büschen einen Kontrast zu dem sonst üblichen Fahnenschmuck bilden, der hier nur von den Seitenlogen und dem Rang das Bild der Feier ergänzt. Die weißen Wände der Bühne bedecken an den Seitenpfeilern blaue Vorhänge, im Hintergrund wird das Herzl-Bild angestrahlt. Die Jubiläumsgäste, unter ihnen alle Prominenten des Berliner zionistischen und Gemeindelebens, harren in feierlicher Spannung. Mit dem „Feierlichen Vorspiel" von Werner Selig-Bass, das vom Reichsverband der jüd. Kulturbünde preisgekrönt ist, wird die Jubelfeier eröffnet. Der Komponist als Dirigent des Kulturbund-Orchesters hat den Preis verdient, das darf man feststellen: sein Werk wird dem Wunsch nach eigner, jüdischer Musik gerecht, die wechselnden Klänge sind mehr als ein „feierliches Vorspiel", sie lassen uns etwas von der Mystik unseres Lebens ahnen, sie erinnern uns an unsere Situation, und man glaubt sich nach Erez Israel versetzt, wenn die Mollweisen der Horras und Hirtensänge in eine Hatikwahbearbeitung ausklingen. Winawer mit seinem Chor, uns Stuttgartern noch in bester Erinnerung, ergänzt den Rahmen mit seinen Liedern, die Jubelsturme verursachen. Das Publikum geriet beim letzten Lied, einer palästinensischen Horrah, in die gleiche Begeisterung wie die Sänger. Am Schluß klang nach den Reden die Feier mit einer Mendelssohn'schen Ouvertüre unter Leitung von Dr. Kurt Singer aus. Das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Z.V. f.D., RA. Benno Cohn, begrüßt die Erschienenen. Mit einem Abriß der Geschichte des Zionismus in Deutschland nennt er die Namen Achtung! Wichtige Mitteilung! In den nächsten Tagen kommt der Postbote zu Ihnen, lieber Leser In Stadt u. Land, um die Abonnementgrebühr des „Gemeindeblatts" für das 5. Quartal 1937 CJull bis September) in Höhe von RM . 1. 25 zu kassieren. Bitte denken Sie daran, daß Sie unser Blatt nur dann regelmäßig erhalten, wenn Sie die Ihnen durch den Postboten vorgelegte Quittung prompt einlösen! Wir bitten Sie herzlich: Tuen Sie das) Sie ersparen uns dann viel Arbeit und sichern sich stets pünktliche Zustellung des ,. Gerne indeblat t s " . Wir richten nochmals den Appell an alle unsere Leser: Haltet dem „Gemeindeblatt "die Treue I der Wegbereiter, von denen nur wenige noch leben, kaum einer mehr hier ist. Er grüßt unsere Brüder in Erez Israel und die Mitarbeiter der Hichtaduth Olej Germania, gedenkt der Taten und Opfer, die im Aufbau geleistet wurden und werden. So leitet er die nun folgende Ansprache der ersten Generation des Zionismus in Deutschland ein, als deren Vertreter Rabb. Dr. Max Josef-Berlin die Anfänge schildert, die er als Mitstreiter Theodor Herzls erlebte. Sein Situationsbericht der Zeit vor 40 Jahren zeigt die Auflösung des jüdischen Denkens durch die Assimilation, die Erneuerung vom Osten, die nur durch die Schicksalsschläge im Westen sich durchsetzen konnte. Von den Schwierigkeiten zionistischer Arbeit damals ausgehend stellt er den Juden das Zeugnis aus, daß sie Versäumtes nachgeholt haben. Der jüdische Ewigkeitsglaube wird auch in der Zukunft alle Krisen überwinden lassen. Als Vertreter der Jugend sprach ErnstBauer, unser Stuttgarter Chawer, den wir kennen und auch bei uns wiederholt und gern gehört haben. Sein leidenschaftsloses, sachliches Denken ist ein Charakteristikum unserer jungen Menschen: Daher verzichten sie auf Pathos und Mitreißenwollen; Ernst Bauer spricht von Selbstverständlichkeiten, nur vergißt er wie viele seiner Altersklasse, daß der Jugend manches selbstverständlich ist, was die ältere Generation anders sieht, weil sie die Umwandlung miterlebt hat und in sich erst erkämpfen mußte. Von Herzls berühmtestem Wort: „Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen" ausgehend, erklärt Ernst Bauer diesen Unterschied in der Auffassung der Generationen. Er bezeichnet die Klassen der zionistischen Diskussionen und nennt die erste, von der Zeit überholte, die Hochschule, die folgende nennt er die hohe Schule und die gegenwärtige Volksschule; er will damit das Niveau der Diskussion zeichnen: früher .wir sie nur Wenigen möglich, heute gehört sie zum jüdischen Leben, das alle der Gemeinschaft umfaßt und allen zugänglich ist. Er weist dabei auch auf die Gefahren zionistischer Entscheidung hin und auf die Opportunitätsfrage, die zu keiner echten Entscheidung führt. Palästina gibt eine neue Heimat, es fordert Arbeit und Einsatz — das muß Bder in das Kalkül seiner Entscheidung stellen, ie Kraft des Erkennens der jüdischen Situation ist Zionistsein. Die heutige Jugend wächst in einer Zeit erfüllten Zionismus auf, sie begeistert sich nicht an Theorien; sie kommt zum Zionismus und zu Palästina durch das jüdische l.ied, durch eine hebräische Zeitung oder durch einen echten Palästinenser, der sich hier aufhält und vom Lande erzählt; so sind die Entscheidungen der Jugend andere als die einer früheren lugend. Ernst Bauers Rede baute sich auf Herzl's Wort „Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen", er schließt 'sie mit einem Aufruf zu friedlichem Aufbauwillen und dem stolzesten Wort, das diese iugend durch ihren Vertreter sprechen lassen ann: „Wir machen das Märchen zur Wahrheit". Als letzter Redner spricht der Vertreter der Generation, die heute die Geschicke zionistischer Arbeit leitet: Rabb. Dr. Max Grünewald -Mannheim. Einleitend erklärt er, daß in solcher Festrede ein Selbstbekenntnis liegen muß, das sich nicht umgehen läßt. So darf man wohl annehmen, daß Grünewalds Generation nicht ganz mit sich zufrieden ist, wenn er von den Mängeln spricht, die sich ergeben haben, wenn er sagt, daß der Zionismus eine unfertige Gestalt geblieben ist, daß sich Schwierigkeiten in der Personalunion von Politik und Propaganda ergeben haben. Er erklärt aber auch: der Zionismus rettete das westliche Judentum vor einem jüdischen Kulturzerfall, da es keine politische Tradition hatte, da alle guten Kräfte vom Kampf zwischen Assimilation und Nationaljudentum absorbiert waren. Zum Schluß kommt Grünewald auf die heutige Lage Erez Israels und der Juden. Er nennt uns mystische Repräsentanten unserer selbst. Von Soldatenkindern sage man, daß sie schon in der Wiege den Klang von Trompeten und Märschen zu unterscheiden vermögen. Das jüdische Wiegenlied ist vom Schicksal an alle Generationen gerichtet. Man habe uns oft den Vorwurf gemacht, daß wir vom Kommen des Moschiach sprächen, und man dürfe nicht an das Ende denken. Heute sei es an uns, zu warnen, aucn England zu warnen, das in seiner Politik fehlgeht. So wendet sich ürünewald an diese Adresse, wenn er schließt: man darf das Ende nicht errechnen. Die würdige Feier ist vorbei; noch heute stehe ich unter dem Eindruck dieser. Stunden, in denen keiner der Redner vergaß, auf die jüdischen Pflichten hinzuweisen, von denen eine der Vornehmsten das Bekenntnis zum Palästina-Aufbau durch den Schekelerwerb ist. Ich kann den Bericht nicht schließen, ohne mein Bedauern darüber auszusprechen, daß meine Stuttgarter Freunde den Jubiläumsabend der Z.V. f.D. nicht miterlebt haben; er war ein Erlebnis und wird es bleiben. Emst Freudenheim. Jugend-Alijah - die Zukunft unserer Jugend. Eine Verpflichtung für die jüdische Gesamtheit. Sprechstunde in der Kantstraße 158 in Berlin: Tag für Tag kommen zahlreiche Jungen und Mädchen — oft zusammen mit den Eltern — hierher, um sich zur Jugend-Alijah anzumelden. Dieser Junge geht noch in die Schule; aber er sieht heute schon deutlich seinen Weg in die Zukunft vorgezeichnet: Palästina ist das Ziel seiner Sehnsucht, die" Arbeit dort drüben sieht er als seine zukünftige Aufgabe an. Der andere Junge Sport-Saccos u. Hosen i;ias in reicher Auswahl

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