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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-05-02 · 3 (2.5.1937) · p. Seite 18

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
3 (2.5.1937)
Date
1937-05-02
Page
Seite 18 (sequence 4)
Language
German
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18 Jüdisches Gemeindeblatt (Württemberg) 2.5.37 XfV. Nr 3 nehmen, um die Gemeinde in ihren Bestrebungen <u unterstützen. Dafür haben die Bünde ohne Ausnahme einen Teil ihrer Leiter und Leiterinnen den Gemeindejugendgruppen zur Verfügung gestellt, sodaß die Eltern die Gewißheit haben können, daß ihre Kinder bei uns unter der Obhut von nur erprobten Jugendleitern stehen. Wir richten daher an alle Litern, deren Kinder über 7 Jahre alt sind, und die der Gemeindejugend 1>is heute noch nicht angehören, die Bitte, uns ihre Kinder an/u vertrauen. Wir werden eine Anzahl neuer Gruppen eröffnen, sodaß sich die Kinder sicher wohl bei uns fühlen werden. Gerade heute ist der Wert einer bündischen Erziehung fiir unsere jüdischen Kinder nicht hoch genug zu veranschlagen. Es dürfte wohl kaum ein judisches Haus mehr in unserer Gemeinde geben, in dem die Eltern von Sorgen um die Zukunft verschont wären. Die Folge davon ist, I dal! selbst Väter und Mütter, für die es sonst eine Erholung gewesen sein mag, mit ihren Kindern zu spielen, heute kaum noch die Unbeschwertheit aufbringen werden, die nun einmal zur Erziehung von Kindern gehört. Davon abgesehen mangelt vielen Eltern heute nicht nur die I notwendige Beschwingtheit der Seele, sondern j auch einfach die nötigste Zeit, um sich mit ihren i Kindern genügend abzugeben. Hier wollen wir itun Ehern und Kindern helfen. In unseren < irii|>pen können die Kinder nicht nur in Gemeinschaft Gleichaltriger spielen, unsere Leiter, die zwar auch schon vom Ernst des Lebens wissen, aber mit jugendlichem Optimismus der Zukunft noch ms Auge blicken können, weisen in Spiel und Frnst den Kindern den Weg in die jüdische Welt. In unseren Gruppen wird gebastelt und gelesen, gespielt und gewandert, und besonders auf Fahrt werden Naturfreude und Gemeinschaftssinn gew eckt. Zu Juden und aufrechten Mensthen sollen die Kinder von klein an bei uns erzogen werden, durch Beispiel und nicht durch Zwang. VT er also noch abseits steht, melde bald sein Kind bei F. David, Hospitalstraßc 3i, an. Wir werden übrigens demnächst einen Elternabend veranstalten, bei dem alle Gruppen Ausschnitte aus ihrem Gruppenleben zeigen werden. 200 Jahre Rabbinat Buchau. Eine Feierstunde in der Synagoge am 18. April 1937. Zahlreiche Gäste aus vielen südwürttembergischen und außerwurttemb. Gemeinden harten in unserem kleinen Bucnau ein erhebendes t.rlebnis. Es galt, das 200jährige Bestehen unseres kabbinates würdig zu begehen. Unter den Gästen war als Vertreter des Israel. Oberrats Oberrechnungsrat W i ß m a n n erschienen. Einleitend sang unsere heimische Künstlerin Frau Anne Kahn das Hallelujah von Hummel. Hierauf begrüßte Gemeindevorsteher Vierfelder die i-'estversammlung und ging zu seinem Referate „200 Jahre Rabbinat Buchau" über. Von der Anstellung des I. Rabbiners Hirsch (1737) ausgehend, ließ er die Rabbinatsgeschichte zweier Jahrhunderte lebendig an den Hörern vorüber ziehn; er betonte besonders, daß die Feier als Ehrung des derzeitigen Stelleninhabers, Rabb. Dr. Abr. Schlesinger, gedacht sei. — An das Referat schlössen sich Gespräche der Kinder an, die die im Museum ausgestellten Gegenstände selbst aus dem Leben der Gemeinde sprechen ließen. — Hierauf ergriff Oberrechnungsrat Wißmann das Wort und verlas anschließend eine Zuschrift des Israel. Oberrats zum Rabbinatsjubiläum, in der auch die mustergültige Arbeit für die Gemeinde seitens des Gemeindevorstehers Vierfelder besonders hervorgehoben wurde. Als Schlußredner dankte Rabb. Dr. Schlesinger für die Ehrungen und sprach den Wunsch aus, daß die Ausführungen einer weiteren jüdischen Oeffentlichkeit zugängig gemacht werden könnten. Das Programm des musikalischen Teiles, das durch die Künstler Hilde Schiessinger (Orgel), Mari Elisa Thalmessinger (Violine), Karl Haas (Bratsche), Gerhard Löwe (Cello) sowie Oberkantor Leo Adler bestritten wurde, fand grossen Beifall. An dieser Stelle sei allen Mitwirkenden bei un»erer Feierstunde nochmals gedankt. Z. Vorbote des Zionistenkongresses: Schekel-Aktion! Man schreibt uns: In wenigen Monaten wird sich der 20. Zionisten-Kongreß |jwahrscheinlich in Basel — versammeln, 40 Jahre nachdem Theodor Herzl dieses Forum moderner jüdischer Geschichte zum ersten Mal eröffnete. Die dort zusammentretenden Repräsentanten des jüdischen Volkes gehen aus einem eigentümlichen Wahlakt hervor, dessen Grundvoraussetzung in dem Erwerb des Schekel s durch alle Juden liegt, die bereit sind, für die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes in Palästina zu wirken. Der Schekel, „der Bürgerbrief unseres Idealstaates", kann von jedem Juden erworben werden, der den fundamentalen Kern des zionistischen Gedankens bejaht, formuliert in jenem berühmten Satz des Baseler Programmes von 1S97: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina"; der Schekel muß von jedem Juden erworben werden, der sich seiner Verantwortung gegenüber dem Schicksal des jüdischen Volkes bewußt ist. Von der Zahl der in Deutschland verkauften Schekalim hängt die Stärke unserer Delegation auf dem kommenden Kongreß ab, damit aber auch die Möglichkeit, unsere besonders gelagerten Interessen im Rahmen der Gesamtorganisation vertreten zu können. Die Größe unserer Delegation ist von Bedeutung für sehr reale Angelegenheiten, so für die Aufrechterhaltung der Abteilung für Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina und für unseren Anteil an den Zertifikaten. Darum darf sich kein Jude seiner Pflicht gegenüber der Gesamtheit entziehen, an jeden ergeht der Ruf: „Erwirb den Schekel!" Aus den Gemeinden Württembergs. Stuttgart. In der gut besuchten 62. Generalversammlung des Israel. Männerverein für Krankenpflege und Leichenbestattung e. V. Stuttgart erstattete der Vorsitzende, Leopold L e v i, zunächst den Rechenschaftsbericht. Er stellte fest, daß es dem Verein auch im vergangenen Jahre möglich war, die ihm obliegenden Dienste an der jüdischen Gemeinschaft in der gewohnten Weise zu erfüllen und an der Leitung anderer karitativer Organisationen teilzunehmen. Für den Abgang an Mitgliedern durch Auswanderung fordert der Vorsitzende die Neuzugewanderten auf, den karitativen Organisationen unbedingt beizutreten. Der Rechner, M. Kupfer, erläuterte bis ins ein/eine gehend den mit RM. 14:>3.33 Mehrausgaben abschließenden Kassenbericht. Dem Ausschuß wird für seine Tätigkeit Dank der anderen Organisationen ausgesprochen und Entlastung erteilt. Die Ausschußmitglieder, deren Amt abgelaufen, werden einstimmig wiedergewählt. Für ein ausgewandertes Mitglied wird Dr. med. Zürndorfer neu zugewählt. Im Laufe einer lebhaften Aussprache berichtet der Vorsitzende des Israel. Gemeindevorsteheramtes, Karl L e v i, ausführlich über den projektierten Steinhaldenfriedhof. Stuttgart. Am 18. April fand die 32. Jahresversammlung des Vereins Jüdisches Schwesternheim e. V. statt. Zu Beginn seiner Ausführungen wies der Vorstand, Dr. Gunzenhauser, darauf hin, daß er nun 10 Jahre den Vorsitz führe und zog einen Vergleich zwischen den Verhältnissen des Schwesternheims bei seiner Amtsübernahme und jetzt. Damals, so führte er u. a. aus, habe der Verein Ueberangebot an Schwestern gehabt, während es ihm heute nahezu unmöglich sei, neue Schwestern einzustellen; damals seien unsere Gemeinden in blühendem Aufschwung gewesen; Beitrittsgelder und Spenden seien dem Verein reichlich zugeflossen, heute Auswanderung, Verarmung; damals Begünstigung des Vereins durch die Stadtgemeinde und Strassenbahndirektion und vollständige Steuerfreiheit, heute sei der Verein ganz auf eigene Füße gestellt und durch die veränderte Gesetzgebung mit hohen Steuern belastet. Der Vorstand und der Verwaltungsrat werden aber allef daran setzen, auch weiterhin die Aufgaben des Vereins zu erfüllen. Es erfolgte hierauf der Bericht des Vorstands, welcher zunächst feststellte, daß die vorgenommene Buch- und Kassenrevision keine B?anstan- I dung ergeben habe. Aus dem Jahresbericht ist hervorzuheben, daß im Berichtsjahr eine Schwester in den Ruhestand versetzt wurde und zwei Schwestern ausgewandert sind, daß aber trotzdem von den Schwestern nahezu die gleiche Arbeit wie im vorangegangenen Jahre bei einer größej ren Schw esternzahl geleistet wurde und daß z. Zt.; nur noch 7 Schwestern für den Verein tätig sind. J In Aussicht genommen ist, zusammen mit der ' Nothilfe für jüdische Frauen und Mädchen einen Samariterkurs abzuhalten, um bei dem Mangel geschulter Schwestern auf dem Lande dieselben für die dringendste und erste Hilfe an Kranken auszubilden. Der Kassier, Direktor G u m b e 1, erstattete den Kassenbericht und wies darauf hin, daß der Abmangel in diesem Jahre 3 168.— RM. betrage, daß sich die Summe aber in künftigen Jahren bedeutend vergrößern werde, weil viel höhere Steuern bezahlt werden und zum Teil nachbezahlt werden müssen und künftig auch die Wohlfahrtsrente wegfalle. In der Aussprache, welche sich sehr lebhaft gestaltete, wurde noch Aufklärung über verschiedene Punkte, insbesondere über den Vermögensbestand speziell über den Pensionsfond für die Schwestern gegeben und darauf hingewiesen, daß dieser den Hauptbestandteil des Vermögens ausmache. Es erfolgte hierauf die Neuwahl des Verwaltungsrats. Der bisherige Verwaltungsrat, insbesondere auch der Vorstand, wurden sämtlich wieder gewählt. Seitens des Isr. Vorsteheramts wurde L. Goldschmidt neu in den Verwaltungsrat delegiert und an Stelle des Herrn Dr. H o m m e I, welcher viele Jahre ärztliches Mitglied des Verwaltungsrats war, eine Wiederwahl aber ablehnte, wurde Dr. Fritz Rosenfeld in den Verwaltungsrat gewählt. Einige Satzungsänderungen, die sich zum Teil als Folge der veränderten Steuergesetzgebung ergaben, wurden einstimmig angenommen. Dem Vorstand und Kassier wurde Entlastung erteilt und dem Verwaltungsrat sowie den Schwestern seitens des Dr. Erlanger der Dank der Versammlung ausgesprochen. Es muß die dringende Bitte an alle Glaubensgenossen, insbesondere auch die neu Zuziehenden, welche noch nicht dem Verein angehören, gerichtet werden, demselben beizutreten und des Vereins auch bei besonderen Anlässen zu gedenken, daseine Aufgaben immer größer werden und seine Einnahmequellen immer mehr zurückgehen. Stuttgart. Jüdisches Lehrhaus. Am 19. April fand der "3. Vortrag in hebräischer Sprache statt. Lehrer Makowsky sprach über Rabbi Jochanan ben Sakkai. Er schilderte die Gestalt dieses jüngsten und hervorragendsten Schülers des älteren Hillel, wie er sich aus dem hoffnungs < s belagerten Jerusalem in einem Sarg heraustragen ließ, um zum römischen Feldherrn Vespasian zu gelangen, wie er diesen als Kaiser begrüßte und als diese Prophezeiung sich erfüllte, von Vespasian einer Gnade gewürdigt wurde. Seine 3 Wünsche: die Ketten Gamliels, Aerzte für Rabbi Zaddok und die Freigabe der Stadt Jabne wurden erfüllt. Rabbi Jochanan begründete die Schule von Jabne, die von allergrößter Bedeutung für die Erhaltung und Weiterbildung des Judentums wurde. Jabne wurde an Stelle des zerstörten Jerusalems die Zentrale des jüdischen Lebens und Rabbi Jochanan übertrug viele früher nur in Jerusalem gestattete Bräuche auf Jabne, so die Lehre vertretend, daß nicht der Ort die Sache heilige, sondern die Sache den Ort. Seiner Autorität gelang es, auch der Gesetzesauslegung des Beth Hillel Gültigkeit I zu verschaffen und dadurch Streitfgkeiten zu beseitigen. — Lehrer Makowsky verstand es, mit einfachem Wortschatz und deutlichem, langsamen Vortrag sich verständlich zu machen. Die Bedeutung solcher Vorträge ist gerade auth für den Anfänger groß, wenn er auch nicht iedes Wort versteht. Denn das Lernen einer Sprache geht ebenso durch den Tonfall der Sätze, die

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