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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1937-05-02 · 3 (2.5.1937) · p. Seite 17

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
3 (2.5.1937)
Date
1937-05-02
Page
Seite 17 (sequence 3)
Language
German
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V. Nr. 3 Jüdisches Gemeindeblatt (Württemberg) 2.5 37 17 Freudental,----* „.... Liebe Winterhilfe! O, wie teln war die Purimfeier. Süß war der Kakao und gut schmeckte der Kuchen. Kasperle gefiel mir. Daß wir auch beschenkt wurden, wat fast zuviel. Also vielen Dank und auf Wiederschn bei der nächsten Feier wieder. Gruß......" Das Beth-Jisrael-Werk in Haifa. Der Versuch einer religiösen Belebung in PaUatina. Vor einem Jahr hat Dr. Elk, früher Rabbiner in Stettin, in Haifa einen bemerkenswerten Versuch gemacht: Er hat eine Vereinigung — „Bcth- JisraeT" — geschaffen, deren Ziel ist, das kulturelle und religiöse Leben des Landes in besonderer Weise zu beeinflussen. Grundvoraussetzung dieses Werkes ist die Uebcrzeugung, daß eine organische Entwicklung der Religion, ihre Verbindung mit allen Strömen des Lebens, einzig und allein in einem jüdischen Lande und im hebräischen Kulturzusammenhang möglich sein kann. Die religiöse Situation in Palästina ist außerordentlich schwierig. Streng konservative Haltung und Ablehnung jeder religiösen Bindung stehen unmittelbar nebeneinander und führen oftmals zu schroffen Gegensätzen. Während mit den ersten frühzionistischen Einwanderungswellen vielfach noch Menschen ins Land kamen, die sich religiös gebunden fühlten, wandte später! Einwanderung in starkem Maße rehgionsindifferent oder -verneinend. Die Alijah seit 1933 hat eine veränderte Lage geschaffen. Es kamen Menschen ins Land, die mit ihrer Zionsliebe starke religiöse Impulse verbanden. Diese Menschen fühlten die Verpflichtung, das Beste, was sie an jüdischen Werten mitge bracht hatten, dem Aufbau des Landes einzu fügen. Wie Vieles in der Entwicklung des west europäischen Judentums verkrümmt sein mag, das Eine kann es der Entwicklung Palästinas geben: Das Wissen um die Möglichkeit einer Synthese zwischen Religion und Leben, zwischen Ueberlieferung und modernem Weltgefühl. Aus mehrfachen Gründen war es ein Wagnis, ein solches Werk zu schaffen. Es lag die Befürchtung nahe, einen Ableger des jüdischen Libe ralismus in Deutschland zu schaffen. Das ist aber nicht das Ziel der Bewegung. Davor ist sie durch ihre starke Verbundenheit mit dem nationalen Aufbau des Landes geschützt. Die Impulse und die Aufgeschlossenheit der Menschen im werdenden Land sollen die Grundlage für ihre Einführung zu dem zentralen Problem jüdischer Existenz, dem religiösen Problem werden. Menschen verschiedenster Richtung und Haltung haben sich zusammengefunden. Aber alle sind sie getragen und geeint in dem Gefühl, daß man neue Wege suchen muß, um das religiöse Leben zu erhalten und organisch in den Aufbau des Landes einzugliedern. Da sind Leute, die noch ganz im Leben der Tradition stehen, aber bereits den Riß und die Entfremdung bei ihren Kindern fühlen. Da sind Menschen, die von dem kommen, was man in vulgärem Sinn liberales Judentum nennt, und die spüren, daß hier in Palästina der alte Weg in der gewohnten Form nicht fortgesetzt werden kann. Da sind die Zionisten, denen Palästina von jeher Lebensideal war und die gerade in Palästina empfinden, daß der Zionismus von jüdischen Kulturwerten erfüllt sein muß. Und es ist bezeichnend, daß nicht das Alter der Träger der Bewegung ist, sondern Menschen zwischen 30 und 40 Jahren. Nach einem Jahr Arbeit zeichnen sich die Linien des Werkes im Grundsätzlichen ab. Ein Teil ist geschaffen, ein Teil steht mitten in der Entwicklung. Und ein weiterer Teil wird im kommenden Jahr heranreifen. Im Mittelpunkt des Werkes steht der Gottesdienst. Viel Jugend nimmt daran teil, Schulkinder und berufstätige Jugend. Im Gottesdienst werden die Lebensformen des neuen Palästina lebendig. Es wird versucht, diese in Palästina geschaffenen neuen Formen, die außerhalb und ohne Beziehung zum religiösen Leben entstanden sind, religiös zu vertiefen. All dies t zunächst noch ein Tasten. Man versucht, neue Lebensgefühl zu formen und es zugleich ganisch dem Ueberlieferten einzufügen. Man kann gewiß noch nicht von Lösungen sprechen. Aber es ist von Festtag zu Festtag das Bemühen, den Rhythmus des palästinensischen Lebens mit den geschichtlichen Werten in Einklang zu bringen. Der ständig wachsende Teilnehmerkreis und die starke Beteiligung der Jugend ist ein Beweis für die Lebendigkeit und Wirksamkeit der neuen Gemeinde. So sehr der Gottesdienst Mittelpunkt einer religiösen Gemeinschaft ist, kann sich die Arbeit einer Gemeinde doch nicht auf ihn allein beschränken. Zu der Aufgabe, die er stellt, kommt eine zweite von besonderer Bedeutung: Das Leben aus dem Geist und der Gesinnung der Religion heraus in seinen verschiedenen Formen zu gestalten. Daher ist von Anfang an ein umfassendes Gesamtwerk geplant worden, das Gottesdienst und Schule, Volksbildung und soziale Arbeit im weitesten Sinne des Wortes umfaßt. Oerade in der praktischen Bewährung wird sich entscheiden, ob dieses religiöse Judentum eine lebengestaltende Kraft hat. Der geistigen und weltanschaulichen Auseinandersetzung dienen Vorträge und Arbeitsgemeinschaften. Im Mittelpunkt dt-r Arbeit steht die Erfassung der Bibel als religiöse Quelle. Eine ungeheure Aufgabe für den, der weiß, wie sehr das Verständnis der Bibel als Quelle der Religion in Palästina verflacht ist, wie die Bibel für weite Kreise nichts anderes mehr ist als ein Lehrbuch der Geschichte und Archäologie. Dieser Aufgabe werden besondere Lehrstunden gewidmet, die aber darüber hinaus auch den Zugang zu der Gesamtheit der Werte des jüdischen Geistes erschließen sollen. Die Voraus Setzung für alle Bemühungen dieser Art ist der Gedanke, daß eine organische Entwicklung des religiösen Lebens die Kenntnis dieses Lebens selbst fordert. Man versucht auch, sich mit den geistigen Kräften, die Zeit und Leben beherrschen, in besonderen Veranstaltungen. Vorträgen u;:d Liskussionsabenden auseinanderzusetzen. Wöchentlich finden Veranstaltungen statt, die über den religiösen Rahmen hinaus die Werke des allgemeinen Kulturlebens den breiten Volksschichten nahebringen. Musikalische Veranstaltungen, lite rarische und pädagogische Vorträge wechseln miteinander ab. Ein Lesesaal, dem bereits die we sentlichen Zeitungen zur Verfügung stehen, und eine Bibliothek, die zwar noch in den Anfängen steckt, aber schon in nächster Zeit erheblich aus Bebaut werden soll, dienen der Verbreiterung und nterbauung der Veranstaltungen. Die Jugend, besonders die erwerbstätige Jugend, findet aut diese Weise einen Rahmen, der für ihre Eingliederung in eine religiös bestimmte Gemeinschaft wesentlich ist. Man laßt die Jugend in Heimabenden zusammen, in denen sie in die Fragen der hebräischen und der allgemein europäischen Kul tur eingeführt wird. Die Schuljugend ist in grosser Zahl mit dem Gottesdienst verbunden, und wird darüber hinaus durch regelmäßige Jugendnachmittage, für die eine Jugendbibliothek zur Verfügung steht, erfaßt. Schließlich sind Ansätze zu einer wirksamen Sozialarbeit vorhanden. Die Arbeit steht noch im Anfang. Die Gemeinde, um die man ringt, ist noch im Werden. Aber man sieht schon ihre Gestalt. Man kann sich auf Grund der vielseitigen Ansätze sehr gut ein Bild davon machen, was hier werden soll: ein kulturelles und soziales Werk, das auT der Grundlage einer lebensnahen und lebensverbundenen Religiosität ruht. Und es ist wunderbar, die gläubige Gewißheit zu spüren, die alle diese Menschen in ihrer Arbeit beseelt und die diesen Versuch zum Gelingen führen wird. Kommt in die Gemeindejugend! Lehrer Felix David, Leiter der Gemeindejugendgruppen, schreibt uns: Wie wohl überall bekannt sein dürfte, besteht in Stuttgart seit mehreren Jahren die Einrichtung der Gemeindejugendgruppen. Ihr: Autgabe ist es, auch schon jüngeren Buben und Mädchen die starken Eindrücke und pädagogischen Werte des bündischen Gruppenlebens zu vermitteln, ohne gleichzeitig die Kinder in zu frühem Alter in einer bestimmten jüdisch-politischen oder religiösen Richtung festlegen zu wollen. Alle jüdischen Jugendbünde in Stuttgart haben sich verpflichtet, keine Mitglieder unter 12 Jahren auf zu- Mass \Wels im i 1 l i t t n r, cl i t (' eil i Md. Darlehenskasse Stuttgart Sattlerstraße 2 / Fernsprecher Nr. 903 36 Gewährung von Krediten auf gesicherter Grundlage J.BAUER & Co. STUTTGART Rotebühlstr. 67c Kok» 8llb*rtourgatraaa« MASCH INEN und WERKZEUGE ZUR EISEN-, BLECH- U. METALL - BEARBEITUNG SpeiiBlwerkieuge (.Autogaragan u. Autoreparatur Groß« Lagerhaltung

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