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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1937-04-01 · 1 (1.4.1937) · p. Seite 2

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XIV (1937)
Issue
1 (1.4.1937)
Date
1937-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
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— 2 - Märtjrern, daß es fast drei Uhr wurde, ehe ich wegkam, und draußen fühlte ich mich vor Hunger und Aufregung so taumelnd und matt, daß ich glaubte, ich käme nicht weiter. O, wie armselig erschien ich mir da! Was haben diese Männer erduldet und wurden nicht müde! Was ist die antike Vaterlandsliebe gegen die Religionsliebc und ihren Opfermut? Und (fiese heischte ein Heldentum in der Stille und Verborgenheit, und da winkte dem Tapfem kein Siegeseinzug, kein Lorbeer, kein Ruhm still, glanzlos, nur der Sache hingegeben, nur dem (iotte in der Seele folgend. Wenige Monate vor seinem Tode sucht der schwerkranke Auerbach noch einmal in der Heimat neue Kraft. Dann folgt ein Aufenthalt in Cannes, wo er Heilung zu finden hofft. Die starke Anteilnahme an den Geschicken seiner Gemeinschaft geht überall mit. Nordstetten, >>. September ISS!'. Ls war mir eigentlich bang, hierher zu gehen. Wozu mir die Aufregung machen, in den Ort zu gehen, wo mir alles gestorben ist und mich jeder Stein, jeder Baum mit Lrinnerungen ruft? Nach Tische werde ich plötzlich daran erinnert, daß heute der Todtstag meiner Mutter ist. Heute vor 30 Janren starb sie. Die alte, bald 80jährige Ffau des Lehrers Frankfurter war heute auf dem Grabe meiner Mutter gewesen. Ich kann nicht hingehen, denn ich weilt, wie entsetzlich es mich angreifen würde. Ich habe in der hiesigen - lemcinde eine kleine Stiftung zu in Gedenken meiner Litern gemacht, und heute wurde die Hälfte der Zinsen verteilt. - Cannes, i>. Januar 1882. Die Tage werden schon länger. Das sehe ich am Standpunkte der Sonne, wenn sie über dem Meere und dem Estereigebirge untergeht. Das Mitleben mit der Sonne gehört zum Besten hier; man hat tagtäglich das große Naturleben und versäumt es nie über der Bücherwelt oder Geselligkeit. Wenn ich nur erst einmal recht hinaus dürfte, d. h. könnte, aber ich bin noch entsetzlich schwach, kurzatmig und müde. Aber gut ist’s, daß ich in der großen' Natur atme und schaue. Könnte ich dabei auch nur ganz das kleine und das große Menschengetriebe vergessen! Am 8. Februar 1882 diktiert der Schriftsteller in Cannes seinem Sohn einen Brief an Spiclhagen, in dem er darauf hinweist, daß von der Entwicklung seines Lebens das Wichtigste in den Briefen an seinen Freund Dr. Jakob Auerbach den Lehrer am Philänthropin in Frankfurt am Main -- stehe. Diese letzte Mitteilung an Spielhagen, in der ein unermüdlicher geistiger Arbeiter sein Haus bestellt, beginnt mit den Worten: „Heller Sonnenschein, Rauschen des Meeres. Morgen um diese Stunde atme ich vielleicht nicht mehr." Noch am gleichen Tage, abends um 6 Uhr, schloß ihm der Tod die Augen für immer. „Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt“. Aus einem Vortrag von Dr. Arthur Czellitzer. Anläßlich der Eröffnung der Ausstellung „Unsere Ahne n" im Jüdischen Museum zu Berlin hielt der Vorsitzende der „Gesellschaft für jüdische Familienforschung", Dr. Arthur Czellitzer, die Eröffnungsrede, der wir It. dem Bericht der C.-V.-Zeitung die folgenden Stellen entnehmen; „Es gab eine Zeit, und sie ist gar nicht einmal so lange her, wenn man historisch denkt und nicht aus der kleinen Perspektive des persönlichen Erlebens! — esgab also eine Zeit, da fanden sich in nahezu jedem jüdischen Haus an der Wand ein oder mehrere Familienbilder. So wie die jüdische Hausgemeinschaft an die fernen frommen Ahnen erinnert wurde durch die Mesusa, das Mahnzeichen von den „Zelten Jakobs", um mit Heine zu sprechen, so an die Eltern oder Großeltern durch eine Zeichnung, einen Schattenriß, seltener ein Pastell oder ein Oelbild, schließlich meistens durch eine Photographie. Etwa bis 1880 oder 1890 war das Andenken mindestens der näherstehenden Ahnen überall durch solche Bilder vor dem Vergessen geschützt. Was man nicht an die Wand hängte, bewahrte man in einem Album auf, das dem Besucher mit Stolz gezeigt und vorgeführt wurde. ln der deutschen Kleinstadt dauerte diese aus der Pietät geborene Sitte noch bis in unser Jahrhundert hinein und besonders im Osten, noch länger, denn ich fand noch während des Weltkrieges in vielen recht ärmlichen Wohnungen der Juden in Polen an der Wand stets ein paar eingerahmte Familienbilder. Das hat sich für die Juden des Mittelstandes in Deutschland unter unseren Augen von Grund auf geändert. Das Album wurde unmodern; zugleich mit dem Makartbukett und dem Prachtband mit Goldschnitt verschwand cs völlig. Und die Bilder an der Wand — sie mußten wandern. Der Jude in Deutschland, der ■nunmehr an Stelle der Einzimmer- oder . Zweizimmerwohnung über eine größere Zahl von Zimmern verfügte, er entfernte die Bilder zunächst aus den Räumen, in denen er Gäste empfing. Ein paar Jahrzehnte hindurch konnte man die Familienbilder in dem üblichen schwarzen ovalen Holzrahmen noch in den Schlafzimmern vorfinden. Dann wurden sie auch hier lästig. Man nahm sie herunter. Man steckte sie in Gefache, in Kisten und Koffer; oft endeten sie rühmlos unter Gerümpel "oder im Ofen. Und warum diese pietätlose Bilderstürmerei? Weil sie Jüdisch” aussahen, die alten Herren mit den langen Bärten und dem Käppchen auf dem Haupt, oder die Frauen mit dem falschen Scheitel unter der Haube! Das war ihr Verbrechen oder doch ihre tragische Schuld! Nur wenn es sich um Gelgemälde von Rang handelte oder um besonders repräsentable Typen, die nicht allzu modisch aussahen, durften sie in so mancher Familie bleiben, und ein Blick an die Wände um uns her zeigt ja, daß nicht alles bildliche Traditionsgut den Weg zur Vernichtung fand. Der Aufstieg zu einer höheren Bildung, als sie die Vorfahren besaßen, der Aufstieg in soziale Schichten mit Umgangsformen und Gewohnheiten, die jenen überlegen waren oder sich doch überlegen dünkten, schuf zwischen Ahnen und Enkeln eine Kluft, die das Bewußtsein der inneren Zusammengehörigkeit zerstörte. Nur so ist cs erklärlich, daß die jüdische Bourgeoisie so ziemlich das Gegenteil empfand zu dem berühmten Wort aus der „Iphigenie”: „Wohl dem, 4er seiner Väter gern gedenkt. Wir Juden hätten aber allen Anlaß, unsere Ahnen zu kennen, denn auf eine inrer Eigenschaften, und zwar eine allen unseren Ahnen gemeinsame Eigenschaft, können wir alle, die wir heute noch als Juden leben, gleichmäßig und ohne jede Ausnahme stolz sein. Ich meine die bloße Tatsache, daß alle' unsere Vorfahren der unendlich großen Versuchung widerstanden haben, durch einen Glaubenswechsel mit einem Schlag alle die Schranken zu durchbrechen, alle die Hindernisse zu beseitigen, die seit zweitausend Jahren zu allen Zeiten ihr Glaube ihnen errichtete. Damit wir heute und hier als Juden beieinander sitzen, dazu bedurfte es standhafter Gesinnung und treuen Beharrens nicht nur in einer Generation und auch nicht in einigen Generationen, sondern in allen durch Jahrhunderte hindurch! Immer wieder lockte die Versuchung: „Kommt heraus aus eurer Enge zu uns in die Werte. Betet an, was Ihr verbrannt habt und verbrennt, was Ihr angebetet habt!” Keiner unserer Ahnen hat verbrannt, was er vorher angebetet hat. Lieber haben sie sich selber verbrennen lassen! Und darauf sollten wir nicht stolz sein? Wie entartet und verkümmert müßte eine Generation sein, um diesen Stolz nicht zu empfinden! Und nicht nur dies; erinnern wir uns doch: die Zeit liegt noch nicht so fern, wo es sogar Juden gegeben haben mag, die nicht nur ohne Stolz, sondern mit Bedauern an jene Beharrlichkeit ihrer Ahnen dachten und es ihnen geradezu verdachten, daß sie Juden blieben. MAX ADLER (Stammflrma J. Adler, gegr. 1827} Weine - Spirituosen Stuft g^rt-S, Ernst WeinsteinstraBe 21 b Telefon 70217 ELEGANTE DAMENHÜTE Schals. Schleier Marienstr. 12 Mützen. Kragen HERMANN dai iStuUgatU* Zucfcpoßfandeb Simon Berg & Cie. TUCHGROSSHANDLUNG Stuttgart / Charlottenstraße 26 Gebr. Bloch TUCHGROSSHANDLUNG Stuttgart / Eberhardstraße 20 J. Z. Mosbacher gegr. 1820 Brüder Gattmann Reise- Ikellektionen] Die Schreibmaschine in der Aktentasche durch die „HERMES BABY“ eins gelöste Frage I Ihre Größe 6 cm hoch, 28 cm lang und breit, und ihr Gewicht mit 3,8 kg macht sie zu einer wirklich tragbaren Maschine. Dabei besitzt sie alle zum normalen Schreiben notwendigen Einrichtungen. 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