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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1936-03-16 · 24 (16.3.1936) · p. Seite 197

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
24 (16.3.1936)
Date
1936-03-16
Page
Seite 197 (sequence 11)
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wird. Anders ist es auf dem männlichen Arbeitsmarkt, der im Inland wie im Ausland sehr viel stärker übersetzt ist. Es gibt aber eine Reihe von Arbeiten im Haushalt, für die männliche Arbeitskräfte gut, zum Teil sogar besser geeignet sind als weibliche. Oie Hausfrauenberatungsstelle des Israel. Frauenvercins- Fraucnbunds hat sich deshalb entschlossen, einige Männer, die zurzeit in ihren meist praktischen Berufen keine Arbeit finden, für bestimmte häusliche Arbeiten (Boden- und Teppichpflege, Fensterputzen, Metallputzen, Heizungsbedienung usw.) anzulernen, damit sie mit gewissen Vorkenntnissen die häuslichen Arbeiten angreifen. Oie . Arbeitsvermittlung der Jüdischen Nothilfe wird die Vermittlung übernehmen. Oie Mausfrauenberatungsstelle hofft, mit dieser Umschulung eine Lücke auszufüllen und erwartet, daß die Hausfrauen einsichtig genug sind, von der neuen Möglichkeit, männliche Hilfskräfte für stundenweise oder halbtagsweise Beschäftigung zu bekommen, regen Gebrauch zu machen. Auch die vor einigen Monaten vom Fraucnvercin- Frauenbund geschaffene Kommission „Hauspflege” hat sich emsig um die Abhilfe von Notständen bemüht. Sie hat nun einen allerdings noch kleinen Stamm von gewissenhaften und zuverlässigen jüdischen Frauen gewonnen, die in dringenden Fallen, wie z. B. bei plötzlichem körperlichen Versagen der Hausfrau, bei Unpäßlichkeit von älteren Leuten und Alleinstehenden — also in Fällen, wo keine Krankenschwester benötigt wird — die Wartung und Versorgung der Kinder, der Küche und des täglichen Haushaltes überhaupt übernehmen. — Es ist sehr zu hoffen, daß die Kommission bald über eine größere Anzahl solcher Helferinnen verfügt, um diese segensreiche Einrichtung immer weiter ausbauen zu können. Jeweils besucht eine Aufsichtsdame des Vereins die betreute Familie und befestigt hierdurch das Vertrauen von Hausfrau zu Hauspflegerin. Auch der materielle Teil — immer steht hier das soziale Moment im Vordergrund — wird direkt über den Verein erledigt. Selbstverständlich ist aber, daß der Einzelne ihm erwiesene Dienstleistungen nach bestem Können entlohnt und so für wirklich Bedürftige mitsorgt. Aus den Gemeinden Württembergs. Stuttgart. Wir bitten unsere geschätzten Leser hierdurch nochmals dringend, daran zu denken, daß während der nächsten Tage der Postbote die Abonnementsgebühr für das 2. Quartal 1936 (April, Mai, Juni) in der Höhe von 9Ui 1,25 kassieren wird. Sorgen Sie also dafür, daß der obige Betrag prompt bezahlt wird, damit die Zustellung der „Gemeindezeitung” keine Unterbrechung erleidet Wenn Sie abwesend sein werden, dann beauftragen Sie bitte eine geeignete Person mit der Zahlung an den Postboten. Sie ersparen uns hierdurch viel zeitraubende Arbeit und sichern sich stets pünktliche Zustellung der „Gemeindezeitung”. Stuttgart. Um dem gewaltig angewachsenen Auswanderungsdrang der jüdischen Bevölkerung gerecht zu werden, hat der „Hilfsverein der Juden in Deutschland” sich zur Errichtung von elf neuen Auswanderungsberatungsstellen im Reiche entschlossen, die in den wichtigsten Städten den Auswanderungswilligen mit Rat und Tat zur Seite stehen und die Zentrale von einem Teil der immer mehr anschwellenden Arbeit entlasten sollen. Wie wir unlängst schon mitgeteilt haben, liegt die Beratung in Stuttgart in den Händen von Frl. Thekla Kauffmann (Isr. Fürsorgeamt, Hospitalstraße 36). Wir veröffentlichen anschließend noch einige Adressen und Arbeitsbereiche der neuen Auswandererberatungsstellen: Frankfurt/Main: für Provinz Hessen - Nassau und Land Hessen: Z.Hd. v. Herrn Dr. Max Hermann Maier, Quinckestraße 26/1. Mannheim: für Mannheim, Pfalz, Saarland und Hessen südlich der Linie Alzey, Worms, Lorsch, Bensheim, Fürth, Wahlen, Waldmichelbach: z. Hd. v. Herrn Dr.jur. Franz Ludwig Auerbach, M. 6. 12. Karlsruhe: für Baden ausschließlich Mannheim: z. Hd. v. Herrn Rechtsanwalt Dr. Fritz Rosenfelder, Kaiserstraße 136. München: für Bayern: z. Hd. v Herrn Oberamtsrichter i. R. Dr. Joseph Sch ae ler , Wohlfahrts¬ und Jugendamt der Isr. Kultusgemeinde, Herzog- Max-Straße 5/1. Stuttgart. Der Lloyd Triestino hat eine Maßnahme ergriffen, die in besonderer Weise dazu angetan ist, den Verkehr nach Palästina zu fördern. Er gewährt fünfzigprozentige Fahrpreisermäßigung auf alle Hin- und Rückfahrten nach Palästina, die in der Zeit vom 1. April bis zum 23. Mai d.J. für die Hinreise und bis zum 24. Juni für die Rückreise benutzt werden. Die italienischen Staatsbahnen gewähren dieselbe Fahrpreisermäßigung im Zusammenhang mit diesen Schiffskarten. Diese neue Maßnahme, die mit den Pessach-Fciern zusammenfällt, bietet weiten Kreisen die Möglichkeit, das Heilige Land im „Palästinensischen Frühling” zu besuchen. — Die Palestine Shipping Co. Ltd., Haifa, hat ein Schülerpreisausschreiben veranstaltet, das die besten Aufsätze von jüdischen Schülern und Schülerinnen über das Thema „Wie stelle ich mir Palästina vor?” mit einer Freifahrt nach Palästina und 16 tägigem Aufenthalt dortselbst prämierte. Vor kurzem fuhren nun mit der „Tel Aviv” 19 Preisträger hochbeglückt ins Heilige Land. — Der Dampfer „Tel Aviv' hat am 28. Februar Triest mit 373 Passagieren verlassen. Unter ihnen befand sich auch der berühmte Dichter Schalom Asch. — Am 26. Februar ist Eliezer Kaplan, Jüdische Jugend aus Deutschland in Erez Israel Im Zeichen ihrer Ansiedlung steht die Aktion des Keren Hajessod. Foto: Urim Palestine Film Co« Jerusalem Schatzmeister der Jewish Agency, und der Direktor der Anglo Palestine Bank, Haifa, Hooßen, mit der „Tel Aviv” in Triest angekommen. Stuttgart. Als dritter Redner in der Vortragsreihe der Staatszionistischen Organisation sprach am 24. Februar Dr. Justin Heidecker (Nürnberg). Dr. Heidecker behandelte das Thema „Weg und Ziel der Juden Deutschlands” in) klarer Weise, so daß ihm am Schlüsse lebhafter Beifall gespendet wurde. Mit diesem Vortrag wurde der Versuch gemacht, alle Erscheinungsformen jüdischen Lebens, soweit es sich insbesondere auf den Aufbau Erez Israels erstreckt, vom Aspekt des „monistischen Zionismus” aus zu werten. Der zentrale Gedanke dieser zionistischen Einheitslehre ist, daß eine Rekonstruktion des jüdischen Volkes, daß ein organischer Aufbau des Landes und eine sozialpolitische Normalisierung jüdischen Volkslebens in Palästina nicht denkbar ist ohne die Idee des „Staat s”, der souverän die Geschicke des ihn traenden Volkes gestalten kann. Diese Erkenntnis, so etonte der Remter, bedeutet die endgültige Abkehr von der Philanthropie und die klare Wendung zum Primat jüdischer Politik, deren Aufgabe es ist, in Erez Israel dem Jischuw „Sicherheit” in weitestem Sinne des Wortes zu verschaffen. Der Staatszionismus steht fest zu den Auffassungen Theodor HerzLs, der immer nur an den Juden-„Staat” gedacht hat, und das Wort vom „national honte" in der Balfour- Deklaration sollte nach Balfours Auffassung nie etwas anderes als eine Etappe zu diesem Staat der Juden sein. Die Tatsache, so führte der Redner dann ungefähr aus, daß der Allgemeine Zionismus diese Grundideologie verlassen hat, führte in Palästina zu den jetzigen schwierigen Verhältnissen auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet. Interessemäßige Gruppierungen, die den Blick auf das gesamtnational Erforderliche nicht zulassen, sind das Ergebnis falscher olitischer Entscheidungen. Niemals aber gelten die taatszionisten ihren Anspruch auf nationale Selbstbestimmung auf, niemals kann Palästina ein b i nationales Staatswesen sein. Ohne in Bezug auf die Mandatarmacht sich Illusionen hinzugeben, weiß der Staatszionismus um die Bedeutung des jüdischen Aufbauwerks im Vorderen Orient für englische Fern- und Nahziele. Dieser Aktivposten der zionistischen Politik muß genutzt werden, - wobei festzustellen ist, daß kein Araber das Land zu verlassen braucht: Juden werden Araber so behandeln, wie sie selbst in der Zerstreuung behandelt zu werden wünschen. Dr. Heidecker machte anschließend Ausführungen zur Kulturpolitik in Palästina und legte hier ein Bekenntnis des Staatszionismus zur jüdischen Religion ab, deren häufiges Fehlen im Aufbau Palästinas er als Leugnung jüdischen Fundaments bezeichnete. Der letzte Teil des Referats beschäftigte sich mit der Situation der Juden in Deutschland, wobei Dr. Heidecker auf die Notwendigkeit großzügiger Liquidations- und kollektiver AuswanderungSpläne hinwies, Forderungen, die von den Staatszionisten von Anfang an gestellt worden seien, ohne daß man sje gehört habe. In diesem Zusammenhang wies der Redner auch auf den nur zum Teil genützten großen Ica-Fonds hin ) und forderte dessen Zurverfügungstellung. Nach kur- - zer Betrachtung der jüdischen kulturpolitischen Notwendigkeiten verlangte Dr. Heidecker nochmals eine Ueberprüfung der Gesamtlage von der Plattform der politischen Grundanschauung der staatszionistischen Ideenwelt aus, in der vom Interesse der Nation her auch das Einzelschicksal bestimmt wird. — Otto Victor (Heilbronn), der den Redner und die Hörerschaft begrüßt hatte, unterstrich in seinem Schlußwort nochmals den Appell Dr. Heideckers. Stuttgart. Tief betrauert von allen, die ihn kannten, verstarb am 27. Februar nach schwerer Krankheit Bankier Stephan Strauß im 78. Lebensjahre — ein Mann, der zu den vortrefflichsten Persönlichkeiten unserer Gemeinde gehörte. Viele Jahre hindurch gehörte Stephan Strauß zu den tätigsten Mitgliedern des Israel. Gemeindevorsteheramts, und ein Menschenalter leitete er vorbildlich den Ortsarmenverein für hiesige und durchreisende Juden. Die hohe Wertschätzung, die man dem Verstorbenen von allen Seiten entgegenbrachte, kam an seiner Bahre am 2. März nochmals zu besonderem Ausdruck. Eine große Trauerversammlung lauschte den ergreifenden Worten Rabbiner Dr. Auerbachs, der ein Lebensbild des Entschlafenen entrollte und seine Verdienste um unsere Gemeinde würdigte. Vornehme Schlichtheit, so führte der Rabbiner aus, war der Grundzug des Dahingeschiedenen, dem es Herzensbedürfnis war, in der Stille Gutes zu wirken. Diese Gaben verband Stephan Strauß mit innigster Familienliebe und-treuester Sorge für die Seinen. Alfred Ullmann dankte dem Toten namens der Stuttgart-Loge für die ihr stets bezeigte brüderliche Verbundenheit und nie versagende Hilfsbereitschaft. Rechtsanwalt Dr. Max Strauß rief im Auftrag des Union-Clubs Stephan Strauß warmherzige Dankesworte nach. Man schied von der Trauerstätte mit dem Bewußtsein, von einem Manne Abschied genommen zu haben, dessen stets in hohen Ehren gedacht werden wird. Stuttgart. In einer Sonderveranstaltung des Jüd. Lehrhauses und der ihm angeschlossenen Vereine sprach Martin Buber am 29. Februar über „Jesaia und Assyrien” vor zahlreicher Hörerschaft. Wir werden über dieses Referat in einer späteren Nummer berichten. Stuttgart. Der Israel. Oberrat und das Israel. Gemeindevorsteheramt Groll-Stuttgart veranstalten am 17. März anläßlich des fünfzehnjährigen Bestehens des Keren Hajessod eine Jubiläums-Kundgebung, bei der Dr. Michael T raub, Berlin das Hauptreferat über das Thema: „Realpolitik in Palästina“ halten wird. Auch Rechtsanwalt Dr. Siegfried Gumbel und Rechtsanwalt Dr. Paul Tänzer werden das Wort ergreifen. Die künstlerische ^Umrahmung des Abends wird vom Sing- und Instrumentalkreis der Kunstgemeinschaft ausgeführt. Möge die ganze Gemeinde durch ihr Erscheinen bekunden, daß die so außerordentlich bedeutsame Wirksamkeit des Keren Hajessod von ihr voll gewürdigt wird! Stuttgart. Die 4. Abonnementsveranstaltung der Stuttgarter Jüd. Kunstgcmeinschaft, die auf vielfachen Wunsch auf einen Samstag gelegt wurde, findet als Lieder- und Duettenabend am 21. März statt. Er wird von den beiden großen Vokalkünstlern Beim Einkauf: bitte auf dieses Blatt Bezug nehmen I Alleinverkauf der Weltmarken Bally Angulus Domdorf Edox-Sdmh-Co. Königstraße 19 B

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