Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XII (1935-1936)
- Issue
- 24 (16.3.1936)
- Date
- 1936-03-16
- Page
- Seite 196 (sequence 10)
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— 196 - eigener Scholle als Endziel. In diesem Zusammenhang wies Prinz auf die Problematik der bisherigen Lösungsversuche hin: Der Völkerbundskommissar Mac* ’ donald hat resigniert seinen Auftrag zurückgereicht — der neue Leiter des kessorts hat erklärt, daß er nur für d i e sorgen könne, die schon ausgewandert sind. Auch den jetzt schwebenden Verhandlungen (Samuel- Kommission) muH man nach Auffassung des Redners mit einiger Skepsis entgegensehen. Alle diese Hilfsversuche haben allein nur als konstruktive Maßnahmen Aussichten auf Erfolg. Was hätte man aber konstruktiv schon mit den zwei Millionen Pfund erreichen können, die. unter Macdonalds Amtszeit gesammelt, auf den Wanderungen der Empfänger zerronnen sind! l'nd nun setzte Prinz nochmals mit der ganzen überzeuge iden Kraft seiner Rede auseinander, dal! in einer Welt, deren < iewissen augenscheinlich nicht für die Judenfrage schlägt, das jüdische Volk klar erkennen mul!, wie sehr nur seine Moralische Kraft, geformt und geprägt in der sch»!, i .inmaßiger < »rganisati-m. ihm Hilte bringen kann. Del Juden, so rief er aus. kann nur geholfen werden, nenn »ic ein Volk werden. In Millionen in ge» 1 in nie tei nationaler Kraft. Nüchtern und illusionsirr» muß diese» Jmleioolk au England herantreten, d >s »ihr \\ iii die Note de Juden in der Welt kennt. Dabef* um li jede rer.intu örtliche jüdische Instanz angesichts der vielen Ausvv.tnderungsprojekte immer daran denken, daß ehe J-.ieienfr.ige niemals durch Wänder u n e ec.üst werden kann. Die wirkliche Lösung hcdii: Wanderung und Erneuerung' Der Zionismus ist der große Versuch neben Palästina das Lehen der Juden nt den Landern zu regeln nach neuen (lesiclr.sj'linkten. Aus dem Zwang npisscn die Juden ein tu udice.» Lehen innerhalb ihrer rircn/cn machen r.n: zerbricht ant Leben, wenn man innerhalb der Mauern keine Blumen' pflanzt. Zum Schluß forderte Prinz mit hinreißender. Worten eine grundlegende Nergc»t iltung unserer Bildung»- und I.ejveii'gruiiiliageii, und au! alle im Saal ging der starke. von.iniß-T 1 ic vc zu seiner < lememsehaft getragene Appch ehe Hoffnung auf ein besseres Leben iiti Atem de» national geeinten jüdischen Volkes nie fit aufzugehm mit der Allgewalt einer großen Idee über. Dieser Vortiag voll Joachim Prinz war ein mächtiger, zwingender Aufruf, dem stürmisch zugestimnil wurde. ir teilen noch mit. daß die Kundgebung durch den Vorsitzenden der Z. > > G. Rechtsanwalt Dr. Tänzer. mit eindrucksvollen Worten eingelötet wurde. Anschließend verlasen die Vertreter der einzelnen zionistischen! truppen in Stuttgart Kundgebungen zum ..Monat der Zionistischen i »rganisation”. deren Wortlaut von im» s.bon in letzter Nummer veröffentlicht wurde. —!- Dem Andenken unserer gefallenen Brüder. Zur Gefallenen-Gedenkfeier am 8. März. Freundliche Marzsonm lag auf dem Ehrenmal und den (irahern unserer Gefallenen, als die Mitglieder der Sthttgarter Ortsgruppe des ..Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten", die Angehörigen der R. j. F. - Sportgruppe und viele Mitglieder unserer < ierneind^. sich in einer Gedenkstunde für die im Weltkrieg gebliebenen Söhne unserer Gemeinschaft versammelten. Liebevolle Hände hatten die Kriegergräber mit Blumen schlicht geschmückt und tiefes Schweigen herrschte. Als Delegiertentag-Beschlüsse zum Keren Hajessod. I. In Uebereinstimmong mit den entsprechenden Resolutionen des 2S. Zionisten-Kongresses erklärt die Z. V. f. D., daß die Aufgaben, die die zunehmende jüdische Einwanderung nach Erez Israel und die Notwendigkeit ihrer Verwurzelung unter gesunden wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen an den Jischuw und das gesamte jüdische Volk stellt, die Stärkung des nationalen Kapitals zur dringenden Aufgabe der Juden aller Länder machen. Der große Anteil der Juden Deutschlands an der Gesamteinwanderung Palästinas und die Tatsache, daß bereits Zehntausende eine neue Heimat in Erez Israel gefunden haben, macht es allen Juden in Deutschland zur besonderen Pflicht, sich mit voller Hingabe und Opferbereitschaft an der Arbeit des K. H. zu beteiligen. II. Der 25. Delegiertentag erneuert und bekräftigt den Beschluß, daß jeder Zionist verpflichtet ist, einen K. H.-Beitrag entsprechend der Maaßerordnung der Z. V. f. D. zu entrichten. Es ist Pflicht aller zionistischen Verbände, sich aktiv an der K. H.-Arbeit zu beteiligen. In Lebereinstimmung mit dem Beschluß des 19. Zionistcn-Kongresses wird festgestellt, daß jeder Verstoß gegen diese Verpflichtung als Bruch zionistischer Disziplin zu betrachten ist. III. Der 25. Delegiertentag der Z. V. f. D. begrüßt den Beschluß des 19. Zionistcn-Kongresses und der vierten Tagung des Council der Jewish Agency for Palcstinc, wonach ein bedeutender Teil des K. H.- Aufkommens in Deutschland für die Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina verwandt werden soll. Er erblickt in dieser Tatsache eine besondere Verpflichtung für das gesamte Judentum in Deutschland, seine Kräfte — ideell und materiell — in den Dienst der K. H. - Aktion zur Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina zu stellen. IV. Der Delegiertentag ist der Ansicht, daß langjährige Pfiichtertüliung gegenüber der Zionistischen Organisation und den nationalen Fonds einen Anspruch auf bevorzugte Behandlung gegenüber allen zionistischen Institutionen in Deutschland und in Palästina sowie den von ihr betreuten Einrichtungen gewährt. Anspruch auf Unterstützung durch die nationalen Instanzen des Palästina-Aufbaus sollen in erster Reihe alle diejenigen haben, die ihre Pflichten gegenüber dem Aufbauwerke und seinen Finanzinstrumenten, den nationalen Fonds, erfüllt haben. der Männerchor „Friede über Dein Grab . . ." verklungen war. ergriff der Ortsgruppenvorsit/ende, Rechtsanwalt Albert Mainzer II, das Wort. Er betonte, daß das Gedenken an unsere Gefallenen eine kameradschaftliche Ehrenpflicht ist, die uns über alles geht und gehen muß. Unsere Erinnerungen, so führte Albert Mainzer weiter aus, schweifen in dieser Stunde über Raum und Zeit zurück zu dem gigantischen Ringen des Weltkriegs, zu Schützengraben, Drahtverhau und Trichterfeld -- zu den Kameraden, mit denen wir gekämpft, gelitten und geblutet haben. Wir sehen sie wieder vor uns, die tapferen Männer, wie sie aushielten, kämpften, starben . . . und wir neigen uns in Ehrfurcht vor ihrer Heldengröße. Es obliegt uns besonders, jener Zwölftausend /u gedenken — darunter die 99 Gefallenen der Jüd. Gemeinden Stuttgart und Cannstatt — die überall mitgestritten una geblutet. Diese Soldaten haben das eigene Ich für ihr Vaterland gegeben, sie starben, damit die Heimat lebe. Sie und uns umschlingt das Band innigster Kameradschaft, wehmütiger Erinnerung und stolzer Trauer. Wir gedenken auch aller Hinterbliebenen und jener Kameraden, die ihre Gesundheit geopfert, in treuer Verbundenheit. Der stumme Stein mit seinen vielen Namen mahnt uns in dieser Stunde, stark /u sein, mutig und opferbereit auszuharren und unsere Pflicht zu tun bis zum letzten. Er mahnt aber auch, unserer gefallenen Söhne nie zu vergessen und ihnen., die noch im Tode unser blanker Schild sind, in ewiger Dankbarkeit verbunden zu sein. Das Kommando „R. j. F. Stillgestanden!” ertönte — und in einer Minute des Schweigens erstanden vor dem geistigen Auge aller die Zeugen jüdischen Opfermuts und Treuesinns. Dann gedachte Rabbiner Dr. Auerbach in '»einem Gehet unserer Toten. Sie alle, so sagte er, haben das Jeremia-Wort wahr gemacht und als unerschrockene Männer für das Wohl ihres Vaterlandes sich eingesetzt. Sie haben aber auch den Namen Gottes geheiligt, denn wer vor seiner Gemeinschaft sich würdig erweist, ehrt den Ewigen. Durch die Gefallenen hat Gott uns die Kundschaft der Treue getan, und Gott möge uns zu allen Zeiten solche Menschen als Vorbild geben. Am Schlüsse erflehte der Rabbiner den Segen Gottes für unsere Gemeinschaft aus der Opfertal unserer Brüder. und bekräftigte, daß wir in allen Geschicken tapfer bleiben und den Pfad des Rechtes wandeln wollen. Dann sprach 'Dr. Auerbach vor der tief ergriffenen Gemeinde das Kaddischgebet, dessen uralte Worte sich tröstend in aller Herzen senkten. Als zu Ende der Feierstunde das „Lied vom guten Kameraden” aulklang, da spürte jeder noch einmal ganz stark in der Seele: Unsere Treue zu Euch, ihr Zwölftausend, wird immer dauern .... Beim Sabbathgottesdienst vom 7. März gedachte Rabbiner Dr. Auerbach in tief empfundener Predigt der Gefallenen unserer Gemeinde. Er sprach anschliessend ein „El mole rachanilm” und nannte in einem Gebet die Namen der im Weltkrieg gebliebenen Gemeindemitglieder. Der Israel. Frauenverein- Frauenbund hilft der Hausfrau. Hilfe im Haushalt und Hauspflege. Nachdem die erste Zeit der Umstellung im Haushalt vorüber ist, darf festgestellt werden, daß man mit Recht auf die Selbsthilfe der Hausfrau vertraut hat; es ist fast überall ein Weg gefunden-worden, den alltäglichen Bedürfnissen von Haushalt und Familie gerecht zu werden. Schwierig bleibt die Versorgung von Sonderfällen, sei es die kinderreiche Familie, für die vor allem die jüdische Hausangestellte noch etwas mehr Verständnis und Bereitschaft zeigen muß, sei es die Versorgung in Krankheitsfällen, für die der Israel. Frauenverein — Frauenbund durch seine Hauspflegc sorgen will, sei es die Erledigung außergewöhnlicher Arbeiten im Haushalt, für die häufig die Kräfte der Hausfrau wie auch die der älteren Hausgehilfin nicht voll ausreichen. — Durch die starke Auswanderungsbewegung, vor allem unter der weiblichen Jugend, besteht ein starker zahlenmäßiger Mangel an weiblichen Arbeitskräften, der wohl eher zuals abnehmen „Tuinder’s Patentschuhemachen frohe Menschen! Wer „JtomOM&äcAuAe trägt, wirbt für sie! Neue Fernen ■ Neue Farben / Neue Modelle Alleinverkauf für Stuttgart: Schuhhaus WOLF Stuttgart, Königstraße 25, Ecke Schulstr. 1896 1936 Eheringe Silberne und versilb. Bestecke G und Stlberwaren, Reparaturen Ae Feit, Juwelier Roteuun straße 1 B. Telefon 61418 S. Wolf, Witwe Schulstr. 13 / Fernruf 258 60 Spezialgeschäft für Geflügel ' Wurstwaren Rauch- und Pöckelfleisch geräucherte Zungen Mietgesuch« und Vermietungen in die Gemeinde-Zeitung. Alleinverkauf für Laupheim S. Hemnann Sdmkware* L. STERN Mech. 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