Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1936-03-16 · 24 (16.3.1936) · p. Seite 191

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
24 (16.3.1936)
Date
1936-03-16
Page
Seite 191 (sequence 5)
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4904101-5442819-5443442--4535-4908288
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

191 — Qine ^rüf) jafirsfctjau fierrfic/jer Jida-Jlda-öcfjufje für» TUuttor und Qiind das Haut rder riesigen Auswahl Bad Cannstatt Seelbergstr. 7 - Tel. 503 89 Auswahlsendungen auf telefonischen Anrufl Kwuzab Gioegar schloß 5694 ab m. einem 0bersch. v. LP 1150 Klrjat Anawim 580 Oevs 896 Hatcharon 2700 Gevat 2210 Mercbawiah 2500 Ajaooth 1100 Deganiah A 1050 Deganiah B 580 Jagur 4200«) Gan Schmuei 2000 Sarld 300 800 Tel Jossef 300 Chefziba 620 Kfar Nathan Laski 9C0 Ein Charod . . . . - . . 1450 Keine Kwuzah hat also ihre Jahresbilanz ohne Ueberschuß abgeschlossen, obgleich in der Jordan- Ebene und im östlichen Emek Jcsreel das Jahr für Falcha (Getreidebau) wenig ertragreich war. Und ferner: diese Ueberschüsse wurden erzielt, obschon die Stabilisierung der Wirtschaften noch nicht abgeschlossen war und bei einem beträchtlichen Teil der Wirtschaften die zu einer Vermehrung der Einnahmen erforderlichen Bewässerungsanlagen noch nicht eingerichtet sind. Unsere Wirtschaften haben sich ferner bei der Aufnahme neuer Einwanderung bewährt. Zweitausend Einwanderer aus Deutschland wurden in unseren Wirtschaften aufgenommen, erhielten dort landwirtschaftliche Ausbildung und fanden ein Heim, in dem sie sich wohlfühlen. Hunderten von Eltern und Verwandten der Siedler bereiten unsere Dörfer ein ruhiges und sorgenfreies Leben nach Jahren der Sorgen und Not. Die wichtigste Frage ist heute die des Programms für künftige landwirtschaftliche Siedlung. Anwärter auf Ansiedlung haben wir genug. Etwa 1800 Familien leben bereits auf dem Lande, dazu kommen noch ungefähr 1200 Arbeiter in den Hachscharah-Kibbuzim und 8000 Lohnarbeiter in der Landwirtschaft, die noch keinen eigenen Boden haben. Insgesamt sind das also ungefähr 8000 Familien, und wir müssen zunächst die Mittel aufbringen. um die 1800 Anwärter anzusiedeln, die schon aut dem Lande sind, um Faun Land für die anderen Tausende von Anwärtern bereitzustellen, ‘die hierauf warten. Die Finanzierung hängt vom Willen des jüdischen Volkes ab, davon, wieviel der Keren Hajessod uns in den nächsten Jahren zur Verfügung stellen kann. Das wird uns die Möglichkeit zur Vergrößerung und Erweiterung »unseres Werkes geben, bei dem privates Kapital und eine 'Reihe von Institutionen zweifellos mitarbeiten werden. Wir müssen die innere Kolonisation durch Vergrösscrung der bewässerbaren Böden in unseren Wirtschaften stärken. Heute haben wir in den jüdischen Wirtschaften nur etwa 200000 Dunam bewässerbaren Boden, davon sind 150 000 Zitruspflanzungen. Gelingt es un$, diese Fläche um mindestens noch 200 000 Dunam zu vergrößern, so hätten wir im Laufe der Zeit die Möglichkeit, auf der gleichen Bodenfläche noch 10 000 Familien anzusiedeln, ohne neuen Boden zu erwerben. Die Vergrößerung der landwirtschaftlichen Siedlung wird davon ahhängen, ob wir den Anwärtern die Kredite geben können, die sie zu ihrer Ansiedlung brauchen. Nur ein starker und gefestigter Keren Hajessod kann den Siedlern billige Kredite Zusagen. Bei dieser Gelegenheit soll kurz auf das Institut zur Ansicdlung hingewiesen werden, das wir zur Zeit begründen. Bei der Ansiedlung mit Hilfe dieses neuen Instituts werden die Siedler auch ihre eigenen Mitteln investieren müssen. Man wird ihnen nicht mehr alles zur Verfügung stellen, sondern nur einen Teil dessen, was sie brauchen. Wir haben den Weg gebahnt, jetzt müssen sich die Siedler auch selbst beteiligen. In allen Ländern unterstützt die Regierung ihr Siedlungswerk. W i r sind auf unser» Keren Hajessod angewiesen, der unseren Siedlern durch langfristige'und tragbare Kredite helfen muß. Die Kraft des Ansiedlungsinstituts wird mit den Mitteln wachsen, die ihm der Keren Hajessod zur Verfügung stellen kann. . *) Dabei ist auch die Einnahme aus Außenarbeit eingeschlossen. Schicksal und Leben der Juden in fernen Ländern. Von Or. Alexander Oberflächlich gesehen könnte es scheinen, als oh die weit zerstreuten und tief verschiedenen Teile des jüdischen Volkes nichts gemeinsam hätten. Zunächst sind die jüdischen Gemeinden in aller Welt durch die Abgründe ihrer verschiedenen Sprachen getrennt Die Mannigfaltigkeit der Sitten und Kulturen, der klimatischen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, der Denkungsart und Weltanschauung der Juden in den verschiedenen Ländern der Welt erzeugt unvermeidlich eine Verschiedenheit zwischen ihnen, die so groß ist wie die Verschiedenheit zwischen der unerträglichen Hitze von Surabaja auf Java und der bitteren Kälte eines Winterabends irgendwo in Nordkanada oder Alaska City. Nichtsdestoweniger ist das nur eine dünne Maske. Unter der Schicht der mannigfaltigen Sprachen, Sitten und Gebräuche liegt verborgen die jüdische Seele, die eng verknüpft ist mit „Gesamt - Israel" durch das Band tausendjähriger Ucberlieferungen und Erinnerungen. Im Läufe der letzten 15 Jahre habe ich im Auftrag des Keren Hajessod die jüdische Bevölkerung nahezu aller Länder Europas, Amerikas, Afrikas, Australiens und Asiens besucht. Und von der endlosen Kette der Erinnernnen und Eindrücke meiner Berührungen mit den weitin verstreuten Bruchstücken unseres Volkes erscheinen vor meinem geistigen Auge einige unvergeßliche Bilder und Erfahrungen von merkwürdigem Symbolgehalt für die tief verborgene Treue noch der in fernste Fernen verschlagenen Kinder Israels zu dem Volk Israel und dem Lande Israel. An den Küsten Brasiliens. Auf dem Wege von Portugal nach Brasilien hielt unser Schiff an der Einfahrt des «brasilianischen Hafens Bahia, der in einer charakteristischen, tropischen Umgebung liegt. Wir waren etwa eine Meile von der Küste entfernt, als plötzlich von einem der sich nähernden Motorboote deutlich die Klänge der „Hatikwah” ertönten. Es war der letzte Ort auf Erden, wo ich erwartet hätte, Juden zu finden, und einen Aufenblick schien es mir, ich hätte eine Haluzination. inen Augenblick später näherte sich mir der Steward mit zwei Damen und zwei Herren, die sich mir vorstellten. Sie waren „eine Deputation von der jüdischen Gemeinde in Bahia”. Von Rio de Janeiro hatten sie Nachricht erhalten, daß ich durchreiste und daß mein Schiff diesen Abend im Hafen bleiben würde; so ergriffen sie die Gelegenheit, mich einzuladen, den Abend mit ihnen zu verbringen. Bahia, so berichteten sie, besitze eine jüdische Bevölkerung von sieben Familien. Seit meiner letzten südamerikanischen Reise hatte sich die jüdische Bevölkerung in Bahia im besonderen und in Brasilien im allgemeinen bedeutend vergrößert. Es war wahrhaft rührend zu sehen, mit I welcher Freude sie mich zu ihrer „Versammlung” I brachten, der ersten zionistischen Versammlung in | Goldstein, Tel Aviv. dieser entlegenen alten katholischen Tropenstadt. Nach meinem Vortrag wählten sie ein zionistisches Komitee, das sogleich daran ging, die verschiedenen zionistischen Arbeitszweige unter seinen Mitgliedern zu verteilen. Da rief der Aelteste unter ihnen, der vor vielen Jahren.von Rußland ausgewandert war, mit tiefbewegter Stimme aus: „Jetzt sehe ich, daß wirklich eine jüdische Gemeinde in Bahia existiert." Spät nachts begleiteten sie mich durch die engen Straßen der schlafenden Stadt zurück zu meinem Schiff. Die ganze Gemeinde war im Motorboot und wiederum hallten die Klänge der „Hatikwah" unter dem blauen Aequatorhimmel Brasiliens. Beim Abschied sprachen sie noch eine Bitte aus: ihnen für ihren eben gegründeten jüdischen Klub ein Bild Theodor Herzls zu schicken. Im Herzen der Tropen. Auf dem Wege von Burma nach Singapore liegt die halb malaische, halb chinesische Inselstadt Penang. Der Obmann des Keren Hajessod-Komitees von Rangu sagte mir, es gäbe zwei jüdische Familien in Penang, und da mein Schiff sechs Stunden dort Aufenthalt hatte, telegraphierte er nach Penang, daß ich käme. Als ich Penang erreicht hatte, wurde ich auf dem Schiff von einem alten patriarchalischen „Bagdad!" (einem aus Bagdad stammenden Juden) und seinen beiden Söhnen begrüßt. Es war Mr. Menasche, der seit vierzig Jahren in Penang lebte. Nachdem er mir die malerische Stadt und die herrliche Umgebung gezeigt hatte, lud mich Mr. Menasche in sein eigenartig orientalisches Haus ein, wo ich der zweiten jüdischen Familie von Penang vorgestellt wurde. Mit echtem Schmerz sagten sie mir, daß sie, trotzdem ihre materielle Lage sehr günstig war, die ganze Isolierung und Einsamkeit ihres „Golus von Penang” schwer empfanden: Zwei jüdische Familien einsam und verloren auf einer fernen Insel unter dem Aequator, von jeder anderen jüdischen Gemeinde durch den Ozean getrennt, voll Sehnsucht nach jüdischer Atmosphäre, jüdischer Umgebung. Viele Stunden lang und mit stärkster Bewegung stellten sie mir Fragen über den Aufbau Erez Israels, über unsere Leistungen und unsere Aussichten > in Palästina. Es war acht Jahre her, seit sie zum letzten Mal eine „lebende Botschaft” von Palästina erhalten hatten. Und als ich mich erhob, um zu meinem Schiff zurückzukehren, überreichten sie mir zu meiner Ueberraschung Schecks. „Bitte nehmen Sie unsere Beiträge zum Keren Hajessod an,” sagten sie. „Andere Juden, die das Glück haben, in einer Gemeinde zu leben, können an Massenversammlungen teilnehmen; wir in Penang können keine Massenversamralunen haben, aber wie alle anderen Juden der Weit, önnen wir zumindest unser Opfer, unsere „Truma” für den Aufbau des nationalen Heims des jüdischen Volkes darbringen.” Eine Erklärung der Reichsvertretung. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland hat bezüglich des Palästinaaufbaus und des Keren Hajessod folgende bedeutsame Erklärung in Uebereinstim« mung mit einer großen Anzahl von jüdischen Gemeinden und großen Verbänden abgegeben: „Kraft in der Gegenwart und Hoffnung für die Zukunft gibt das lebensvolle Fortschreiten im Aufbau des jüdischen Palästinas. Um das Judentum in Deutschland noch mehr als bisher in diese Entwicklung hineinzustellen, tritt die Reichsvertretung als solche dem jüdischen Aufbauwerk e. V. (Keren Hajessod) bei und fordert die jüdischen Gemeinden und Verbände nachdrücklichst auf, ihrem Beispiel zu folgen. Die Reichsvertretung erklärt sich bereit, die organisatorische Verbindung der Körperschaften der Judcnheit in Deutschland mit dem Aufbauwerk in Palästina hcrzusteUim."' In Uganda. Auf dem Wege von Beira in Portugiesisch-Ostafrika nach Port Said hält das Schiff in dem nahe am« Aequator liegenden Hafen Hombas, einem der heißesten Orte unter der Sonne. Unser Kapitän benachrichtigte uns, daß das Schiff zur Aufnahme eiber umfangreichen Ladung vier Tage in Mombassa bleiben würde. Die Aussicht, vier Tage lang in Mombassa zu braten, war alles andere als verlockend. Ich entschloß mich daher zu dem Abenteuer einer Reise nach Nairobi, der Hauptstadt von Uganda. Die Stadt liegt zweitausend Meter über dem Meere, etwa zwanzig Eisenbahnstunden von Mombassa zwischen den Bergriesen Kilimandjaro und Kenja. Unter den vielen tausenden halbnackter Neger und den paar Hindus, die die Bevölkerung von Nairobi bildeA, leben nur JOOi! Weiße. Die Stadt zählt auch 100 jüdische Seelen, die von allen Teilen der Welt hierher verschlagen worden sind. Als ich ankam, luden sie mich ein, in einer Versammlung zu sprechen, der ersten jemals in Uganda, ja überhaupt in Zentralafrika gehaltenen jüdischen Versammlung. Es war ergreifend, mit welch tiefer Bewegung und atemlosen Aufmerksamkeit diese kleine jüdische Gruppe im Herzen Zentralafrikas dem Bericht über das ferne Erez Israel lauschte. In meiner Rede machte ich auch nicht die geringste Anspielung auf Geld. Ich beschrieb' ihnen nur die Lage in der Diaspora und in Palästina. Als ich aber schloß, forderte sie der Vorsitzende auf, ihren Beitrag zum Aufbau Palästinas zu leisten. Spontan innerhalb weniger Minuten wurden von diesem kleinen Häuflein von Juden 300 Pfund aufgebracht, und sie beschlossen mit, größter Begeisterung, die „Zionistische Vereinigung' für die Kenjakolonie und Uganda" zu begründen. Ein Rest Israels. Die interessanteste jüdische Gruppe, die ich im Laufe meiner Reise traf, sind die „Bne Israel” in Indien. Sie leben seit mehr als zweitausend Jahren in Indien, und es ist nahezu sicher, daß sie noch vor der Zerstörung des zweiten Tempels dorthin gelangt sind. Nach der Ansicht einiger Gelehrter, die das Geheimnis ihrer Vergangenheit zu erforschen suchten, können sie Abkömmlinge de; „Zehn Stämme" Israels sein, die durch die Assyrcr vertrieben wurden, und von denen ein Teil hach Indien verschlagen sein mag. Bis zum 10. Jahrhundert waren die „Bne Israel" von der übrigen Welt völlig abgeschnitten und wußten nicht einmal, daß es in anderen Ländern andere Kinder Israels gab. In ihrer ganzen äußeren Erscheinung hatten sie'sich der Landesbevölkerung restlos assimiliert. Sie sprachen die gleiche Sprache (Marathie), trugen dieselbe Kleidung^ hatten die gleichen Sitten, und waren den Hindus, ihren Nachbarn, selbst in ihrer körperlichen Erscheinung ähnlich. Sie sind hauptsächlich Bauern in den Dörfern des Konkan bei Bombay. Als sie im 19. Jahrhundert mit den europäischen Juden in Berührung kamen, konnten die armen Bauern des Konkan weder lesen noch schreiben. Sie besaßen auch nicht ein einziges hebräisches Buch. 15 000 Seelen, waren sie unter 320 Millionen Hindus verschiedenster religiöser Glaubensgruppen verloren. Und dennoch: Trotz dieser schweren Hemmungen erhielten sie mehr als zweitausend Jahre lang ihr Rassebewußtsein, „ihre israelitische” -Identität in solchem Ausmaß, daß sie sich noch an die Hauptfeiertage und Gebräuche erinnerten und sie hielten, wie sie mit ihnen seit ihrer fernen palästinensischen Vergangenheit am Leben geblieben waren. Schabbath, Rosch- Haschanah, Jom-Hakipur und Brith Milath wurden von ihnen sorgsam beachtet.Von der hebräischen Sprache war ihrem Gedächtnis nur ein einziges Gebet von sechs Worten eingeprägt geblieben, die ersten sechs Worte des „Sch’ma Jisrael”. Arm, ungebildet, eine winzige Gruppe inmitten vieler Millionen, sind sie trotz allem ihrer Abstammung treu und stolz auf ihr Volk und ihre Vergangenheit geblieben. — In der letzten Zeit haben die „Bne Israel” begonnen, von den Dörfern in die Städte zu ziehen, wo sie alle jüdischen Gebräuche annahmen, wie sie sie von ihren (Fortsetzung Seite IM.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.