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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1936-03-16 · 24 (16.3.1936) · p. Seite 190

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
24 (16.3.1936)
Date
1936-03-16
Page
Seite 190 (sequence 4)
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Glückliche Kinder in Erez Israel Foto: Unm Palesti*** Film Co Jerusalem Palästina gibt den Menschen in der Golah Kraft ind Hoffnung. Diese lebendige Be. ivliuiig zu Palästina /u pflegen, ist eine besonders bedeutsame Aufgabe der jüdischen Gemeinde. NX ic aber soll die < ie.neiude diese Beziehung zu Palästina pflegen' Der Wege hiezu gibt es viele; s c miissen m. f all e gegangen werden. Die Beziehung zu Palästina wird einmal durch das deklaratorisch; Bckennlnider Gemeinde „„pflegt. Die Reichsvertretung hat ui der Ciepfcmhvr«.rklärung diesen Weg besehrut; n und die Landesverbände und Gcm-'n'dci; aiifgetordeit. dasselbe /n tun. Der Isr.t iberrat i-t dem lie.spiel der Kt ichsVertretung gefolgt und hat Iguch s.meiseiis tl.e * iemeindeu des Landes z.;m Beitritt aulgt fnrtleit Sodann dadurch:* daß in den jüdischen Stlrnlen Pa.a-d.ia nicht etwa als geographische Angelegenheit, sondern als der Mittelpunkt jfidisehen Lebens behandelt .und daß der Unterricht ui t: ie dauernde Beziehung zu Palästina gebracht w >rd. Auch das ist in NX urttemberg weithin gescheht 'i, weimgle.ch noch mancherorts eine Intensivierung möglich wäre. Ferner dadurch, daß in der Pied.gt tles-I lottv-dienst s des heutigen Erez Israels Erwähnung getan und die Besucher des Gotteshauses -o mit dem leben in Palästina in Verbindung gebracht werden. Weiter dadurch, daß in Lehrhäuscrn, Genieiiitlev eianstaltungen, Kiiiturhur.dkonzerten immer wieder Palästina und was mit dem Leben dort zusanimenhangt. behandelt oder berührt w.rd. Wichtig erscheint mir noch, daß die (iemeindeu auch offen anerkennen, welch große Bedeutung die Zionistische Organisation für den Aufhau Palästinas hat und diese Anerkennung durch Förderung ihrer Zwecke zum Ausdruck bringen Hier geht es nicht darum, daß die Gemeinden .damit etwa sich für eine bestimmte „Partei" innerhalb de$ jüdischen Lebens entscheiden; es w äre eine gröbliche. Verkennung der Bedeutung Palästinas und der Zionistischen Organisation für dieses Land, wenn man hier von „Partei" im Gegensatz zu anderen Richtungen des jüdischen Lebens sprechen wollte. Wer die Zusammenhänge zwischen der Zionistischen Organisation und Palästina kennt, und wer insbesondere weiß, daß gerade die Zionistische Organisation das reine Ethos jüdischer Renaissance verlangt unddie häßlichen Nebenerscheinungen jeder raschen Entwicklung bekämpft, der wird nicht mehr bezweifeln, daß die Bejahung Palästinas mit der Bejahung der Zionistischen Organisation untrennbar verbunden ist. Und nicht zuletzt pflegt die Gemeinde die Beziehung zu Palästina durch eine finanzielle Förderung des Aufbauwerkes. Ich würde es als die beste und als eine durchaus gerechte Lösung ansehen, wenn das geldliche Kontingent eines Landes für Palästina auf üie Gemeinden dieses Landes umgelegt und durch Steuern erhoben wii.de Wenn wir erkennen müssen, daß die Förderung des Aufbaus Palästinas eine Aufgabe der Gemeinde ist. dann müßte dies, ebenso wie bei Schulen, Friedhöfen und < iotteshäusern durch gleichmäßige Verteilung der hiedurch entstehenden Lasten auf die < leme.ndegeiiossen zum Ausdruck kommen. Daß es Gcmcindcmitgiiedcr gibt, die die Bedeutung dis Palastinaautbaus für das jüdische Volk nicht anerkennen, wurde dem nicht entgegenstehen, da ja auch die Mittel Lir. die jüdische Schule durch . Steuern erhoben werden, ohne daß man fragt, ob auch i> I I e (iemcindetnitglieder die Notwendigkeit einer jüdischen Schule anerkennen. Leider sind wir heute noch nicht so weit und müssen deshalb die Mittel durch freiwillige Leistlingen der Juden aufbringen. Für die Gemeindeverwaltung ergibt sich aber, daß sie .. neben den Gemcuidcgeuossen in einer der < iröße -der Gemeinde und der Bedeutung des Paia.tinaaufbaus für dajüdische Volk entsprechenden Weise durch ihren Beitrag ihr Bekenntnis in eine geldliche Förderung de- Aufbauwerkes umgestaltet. So wird denn die Beziehung zwischen K. H und Gemeinde klar: Die Gemeindeverwaltung als die verantwortliche Trägerin der jüdischen Aufgaben vei> breitet und vertritt die Bedeutung des Palästinanufh.iiigedankens in der Gemeinde und fordert zu einer tatkräftigen Leistung der Gemeindemitglieder auf. sie bringt ihr eigene- Bekenntnis zu Palästina durch ihren Beitritt zum K.H. und eine angemessene geldliche I eistung zum Ausdruck. „Hilfe durch Aufbau“, die Forderung unserer Zeit. Von *t)r. Walter Groß, Berlin. Die f ii.w i. kl.uig eines laugen Jahrhunderts hat. zumal uni;. r ti„:i Juden m iX-utschland. die Neigung, alteder -tü -lt iti.en Wirkung von Ideen anzuvvrtrauen. -ehr h.-stärkt; c.vß es des Zusammenschlusses ge-ell-ehir iKher Kräfte bedürfe, um diesen Ideen zum I)uu lihriali und m der Wirklichkeit des Lebens zur < nstaltung'krai: zu verhelfen, wurde oftmals verkannt^ So hat auch der Zionismus, in seinen Anfängen und oft noch viel später, zwar als Gedanke Sympathien und gelegentliche Hilfsbereitschaft zu erwecken vermocht, aber nur sefie, er die Widerstände überwunden, dfe sich ihm bei der Bemühung entgegen- 'stelltcn,- die Juden für die Durchführung des zionistischen Programms in Gestalt ihrer Organisierung auf die Dauer zu verpflichten. Und doch ist alle Lev -tuiig des Zionismus bis auf den heutigen Tag die Leistling seiner organisierten Anhängerschaft und wird es auch in Zukunft bleiben. Wir erleben es nicht selten, daß (jedanken und Vorstellungen, die die allgemeine Welt lange einmal beherrschten, in ihr längst überwunden sind, in unseren jüdischen Kreisen mit einer merkwürdig anmutenden Zähigkeit weiterleben. Der allgemeine Glaube, die die Welt bewegenden Fragen seien mit gutem Willen sämtlich und gänzlich lösbar, bildete einmal in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die weltanschauliche Grundlage der jüdischen Philanthropie, jenes großen, in der Leistung von Persönlichkeiten wie Sir Moses Montefiore und Baron Hirsch auch für Wann erscheint mir als gelungen mein ÄemüH'n aus dieser Erden? Wenn aus armen Zudenjungen stolze junge Juden werden. Theodor Herzl heutige Betrachtung noch eindrucksvoll gipfelnden NX'erkes der Wohltätigkeit für die Bedrängten des jüdischen Volkes. Aber während in der allgemeinen Welt die optimistische Zuversicht langsam dem Zweifel an den Fähigkeiten des guten Willens allein Platz machte, und die Völker für die Regelung ihrer eigenen inneren Sorgen ihre gesammelte Kraft aufboteh, meinten die Juden noch immer, daß die Anstrengungen Einzelner den Notwendigkeiten einer großen Volksgemeinschaft gewachsen sein könnten. Noch in den Anfängen auch der Palästina-Kolonisation herrschte in den Kreisen der Zionsfreunde des Ostens, auch vieler Siedler in Erez Israel selber, der Glaube, daß der „Baron”, in diesem Falle Edmond de Rothschild in Paris, das neue Werk nicht nur subventionieren, sondern entscheidend fördern könnte. Es war eines der größten Verdienste Theodor Herzls, die Unhalibarkeit dieser Auffassung nachgevviesen zu haben. Ihm wurde es plötzlich klar, daß auch mit der edelsten und opfervollsten Wohltätigkeit einem ganzen Volke nicht geholfen werden kann. Er sah auch die Hilfsbedürftigkeit anders als die zu seiner Zeit noch wirkenden Philanthropen; er erkannte, daß die Natur der Judenfrage überall die gleiche ist, und daß alle Teile des jüdischen Volkes in gemeinsamer Anstrengung solidar.sch füreinander einstehen müssen, um jene öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte zu erbauen, ohne deren Bestand und fortgesetzte Entwicklung das jüdische Volk in der Golah auf die Dauer auch dort, wo es im Genüsse gleicher Rechte lebt, sich als jüdisch nicht wird behaupten können. Er hat uns gelehrt, daß es auf die Judenfrage schließlich und letztlich nur die eine Antwort gibt; ,„H i I f e durch Aufbau”, das heißt. Schaffung gänzlich anderer Lebensbedingungen für das jüdische Volk und zwar in dem Lande, von dem cs einstmals ausgegangen und dessen Glanz in allen Jahrhunderten des Exils nicht verblichen ist. Was seit jenen Tagen, da HerzI das jüdische Volk erweckte, in Erez Israel geschehen ist, ist das Ergebnis des Beginnens, für diesen Aufbau die Juden zu organisieren. In der Zionistischen Organisation sammelten sich, von allen vier Enden der Erde und allen Rich:ungen auch der Weltanschauungen herkommend, die Kräfte, die in Palästina eine Erneuerung des jüdischen Lebens erstrebten. Geeint durch die Ueberzeugung, daß nur in Erez Israel unser Volk zu seiner ursprünglichen Wesensgestalt und darum — vielleicht — zu seiner einstigen Größe finden könne, arbeiteten sie: im Lande selbst durch Ansiedlung und Aufbau eines Bildungswesens in hebräischer Sprache, in der Golah vorbereitend durch Propaganda und Erziehung, durch Aufbringung der finanziellen Mittel, durch Erweckung des jüdischen Bewußtseins und Organisierung der Leistungskräfte für Erez Israel. Dieser Kampf um Volk und Land war vorhanden ist, was sich nunmehr auch für die Augen der einstigen Gegner als lebenspendendes Werk segensreicher Voraussicht erweist, ist diesem Kampf zu danken. Das gibt den Zionisten, gibt speziell der Zionistischen Vereinigung in Deutschland das innere Recht, ihn weiterzuführen. Nicht um einer Polemik willen, an der niemand etwas gelegen sein kann und deren Heftigkeit zuweilen seltsam sich ausnimmt, aber um derer willen, die vordem leugneten, heute zweifeln, und die selber alle gewonnen werden müssen, damit in Palästina ein Werk für die jüdische Gesamtheit werden kann, die in ihm und schon in der Arbeit für es ein neues Gesetz ihres inneren Lebens sich erringen soll. . ■■ Keren Hajessod und landwirtschaftliche Kolonisation Von Dr. Arthur Ruppin. Der Keren Hajessod steht im 15. Jahr seines Bestehens vor der Aufgabe, dort wieder zu beginnen, wo seine Tätigkeit vor sieben Jahren infolge der Wirtschaftskrise unterbrochen wurde, bei der landwirtschaftlichen Kolonisation in Erez Israel. In diesen sieben Jahren hat selbstverständlich der Aufbau unserer Landwirtschaft nicht vollkommen geruht, es erfolgten nur keine neuen Gründungen mit Hilfe des Keren Hajessod. Indessen sind die bestehenden Dörfer weiter ausgebaut worden, sie können heute von ihrer Arbeit leben und versorgen die jüdische Bevölkerung mit ihren Produkten. Auch neue Punkte, die besiedelt wurden, verdanken mittelbar unseren Dörfern ihre Entstehung. Die neuen Siedler erhielten ihre landwirtschaftliche Vorbildung in den Kolonien des Keren Hajessod und gingen mit unseren Erfahrungen, an ihr eigenes Werk. Die Entwicklung des heimischen Marktes mögen folgende Zahlen veranschaulichen. Unsere Wirtschaften brachten auf den heimischen Markt nach Abzug der Selbstversorgung (in Pal. Pfunden): im Jahre 5692 Milch und Milchprodukte für 112.331.056 * Eier. Geflügel. Gemüse für 64.396. - 176,727.056 im Jahre 5693 Milch und Milchprodukte für 132,960.181 Eier. Geflügel. Gemüse für 66,879.512 2UI.866.09J im Jahre 5694 Milch und Milchprodukte für 188,022.283 Eier, Geflügel. Gemüse für 98,428.879 266,451 162 Dabei ist nicht .zu vergessen, daß die Wirtschaften im Jahre 5494 keine weiteren Subventionen zur Vergrößerung ihrer Produktionsmöglichkeit erhalten haben. Die Weiterentwicklung geschah einzig und allein aus den Mitteln der Siedler selbst. Die Prinzipien unserer Wirtschaft sind folgende: 1. Selbstversorgung der produzierenden Familien und Versorgung des Viehs und Geflügels; 2. Einrichtung von solchen Wirtschaftszweigen, die einen Produktionsüberschuß ergeben, der auf dem Markt gegen bar verkauft werden kann; 3. Gelderträge aus Milcbüberschuß, Gemüse, Obst und Eiern; 4. Einrichtung von Bewässerung auf geeigneten Böden, um die Einnahmequellen und die Besiedlungsdichte zu vergrößern. Die Wirtschaftsformen sind K w u z a h und Mose h a w. An der K w u z a h wurde heftige Kritik geübt. Man prophezeite Fehlschläge und Defizite. Dennoch gebührt' der Kwuzah der erste Platz, wenn es sich um 1 rockeniegung von Sumpfgebiet oder um die Aufnahme von weniger geeigneten und landwirtschaftlich nicht vorgebildeten Einwanderern handelt. Was nun die befürchteten „Defizite” der Kwuzoth betrifft, so können die folgenden Ziffern der Ueberschösse der'Kwuzoth im Jahre 5694 diese Frage beantworten: . Aus unserer Maß-Abteilung: Maß-Anzüge in erstklassiger Ausführung und bester Verarbeitung RM. 130.- 150.- 160.- 180

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