Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XII (1935-1936)
- Issue
- 22 (16.2.1936)
- Date
- 1936-02-16
- Page
- Seite 172 (sequence 2)
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— 172 - Wahrend sich die Schwierigkeiten für die Unterbringung unserer Menschen im Auslande steigern, gilt es, immer neue Möglichkeiten ausfindig /u machen, um trot/dem /um Ziel /u kommen: Studium verschiedenster Transferprojekte. Verhandlungen mit den ffeichsNT,erden, »t-mdige Fühlungnahme mit den grollen indischen i irganis.itiour'n des Auslandes, das ist uas t.i„uche Brut der Mitarbeiter des Hilfsvereins. I'.i.n tritt : Jet/ter /eil infolge der gefährlichen lrretuhri.il: der itidtseheit '■ ‘etfentlichkeit durch wilde I’t. a kti iini.ielu r die gelnele'risclie Pflicht, für Aufklä- : :,i_ s«.;gen. -.i. I: » v' müssen öffentliche Vor- :i igsalu iid. di den grnl eu| < iemeinden Deutschlands cr.iiisialtet werden, /u dcp.cn der Hilfsverein seine , >', I.deii Pie.inileit entsende!. -»ein >!> : 1 iiilss erein heute vor einer Pulle Oll \11• _ :bi;. dte et durch Heranziehung qualifizierter - in: kr ir.- und den Aushau seines Apparates voller! . : ilitgei, hofft. Aber mehr denn je bedarf . i , v.; iiidr.is'■.|U;i Förderung und der tätigen \,r. .c .'kille der jüdischen »effeiitlichkeit. / : fcsi lt,,t sich der! itlfsv erein ‘ tibrigetis die >,. zu: Au«u.i deriiiigsberatung amtlich zugelasidtsehe Steile entschlossen, itn. ganzen Reiche \tis. .uide'uiigsb -'atungsstel'en ein/urichten. Dadurch w'ah der Hilfst erein einerseits von dem immer un h, ciw .1. li'i nden und nicht mehr zu bewältigenden Audraitg in Berlin entlasten, andererseits aber den Vis« ende! ungsvv üli';ei? eine leichtere und bequemere Mogln likiit, sieh sact:.iß beraten zu lassen, geben. 1 i.r'. Ik r.iturigssiv■!.ci sollen als Unter- und Hilfsii-c i 'diri iis-,;..tyme Aiiswaiiderungswilligen beiatm, „,1t ihnen die Möglichkeiten erörtern, etwaige Anträge /in W citerleitung an die Zentrale vorbereiten. V,fragen an diese weiterleiten, kurzum der Zen- Iral-Ii de an eil du Kleinarbeit abnehmen. Mit der P a 1 a s t i n a ausu anderurig haben dabei die Beratungsstellen nicht' zu tun: das bleibt nach wie un Allem iiitgabe der Palüstinaamter. mit denen naoirlich kein Wettbewerb, sondern eine nützliche. Verständnis, uiie /tis.-*mmeiia;;ttfit erfolgt. Auch alles, was bisher uiii den t iemeinden an Verkehr mit dem Hilfsi erein erfolgte, sod über diese Beratungsstellen gehe::. Nach wie vor werden Gutachten der zuständigen Aiisw .iiidenmgsberatiingsstellen beigebracht werden niiissui. doch dii sachgemäße Vorbereitung ist Sache der Beratungsstellen. Andererseits sind diese nicht dazu da das Arbeitsfeld der dazu berufenen Stellen, w te z B. der Rechtsanwälte, einzuengen. Die eigentliche Dcvfo nherattuig und Durchführung eine, Transter i nicht Sache der Beratungsstelle. Auch in Stuttgart ist eine Auswanderungsberatungs- - stelle des Hillsvereins errientet worden, die für Württemberg und Hohenzollern zuständig ist und von Frl. Thekla Kauffmann geleitet wird. Frl. Kauffmann hat an dem Schulungskurs für Auswandererberater teilgenommcn. der unlängst in Berlin stattgefunden hat. Ein Ruf zur Erneuerung des Judentums. Zu den jüdischen Essays “Im Zeichen der Wiedergeburt“ von Rabbiner Dr. A. Schlesinger, Buchau. Die Sammlung der hier vorliegenden im Verlag Kcdem (Berlin) erschienenen Essays ist zu einer Einheit verbunden durch einen zentralen Gedanken, den Gedanken der W iedergeburt, der Erneuerung des jüdischen \ olkstums. Das Judentum ist seinem geschichtlichen Wesen nach eine Verschmelzung, eine Einheit von Religion und Volkstum, alle Lebensgebiete umfassend, jedoch inner der Idee des B'rith, der „Auserwähltheit“ stellend. Durch diese B'rith-Idce erhält Israel die Be- 'timmung, die nationale Bundesvcrpfiichtung. „heiligrs Volk" zu sein. Inhaltlich bestimmt wird die B’rithidee einerseits durch die von den Propheten verkündete Lehre, andererseits durch das das ganze Leben normierende Ges et z. In dem wohl bedeutendsten Aufsatz „Das Problem der Säkularisierung des Judentums" wird klar durchgeführt, daß eine Leugnung des religiös-nationalen Charakters des Judentums einer Preisgabe des historischen Judentums überhaupt gleichkomint. Daher wird Säkulyisicrung, Verweltlichung des Judentums, d. h. eine Abtrennung des religiösen Gebietes von den übrigen Lebensgebicten, zum inneren Widerspruch: es sei denn, daß aus dem Judentum ein neues Volkstum gemacht wird, das mit dem historischen nichts mehr gemein hat. Somit kann höchstens von einer Säkularisierung der Juden heit die Rede sein, die dann die „individuelle Antireligiosität" meint. Träger des jüdischen Volkstums oder der jüdischen Religion ist die jüdische Nation. Die Teilnahme des Individuums durch „persönlich tätige Bejahung der jüdischen Religion auf Grund quellenmäßiger Kenntnis ihres Wesens" ist jüdische Religiosität. Der individuellen Religiosität bedarf die jüdische Religion als Grundlage. Deshalb muß zur Erhaltung des historischen Judentums die Religiosität gefördert und gestärkt werden durch „Belebung der Herzen" mittels der Zionsidee, durch Jugend- und Volkserziehung im Sinne und nach den Quellen des historischen Judentums und durch Verlebendigung des Kultus. Volles jüdisches Volkstum kartn nur*- im jüdischen Land, in Erez Israel verwirklicht werden. Als Zionist bekennt sich Schlesinger zur Anschauung des Misrachi. Er fordert.'Landesbcsiedlung, Pflege und Mehrung der historischen Güter und dadurch Schaffung eines „gei- 'tig-nationalen Zentrums" im Sinne des geschichtlichreligiösen Judentums unter ausdrücklicher Bejahung der Diaspora. Die Wechselbeziehungen zwischen Zentrum und Peripherie sollen möglichst fördernd und belebend sein für beide Teile. So soll jede Generation nach ihrem Vermögen und Können beitragen an der teilweisen Erfüllung der unendlichen Aufgabe, die dem jüdischen Volk gestellt ist durch das ..Endideal", die m c s s i a tt i s c h e Idee. In einer Reihe von Aufsätzen führt der Verfasser in die Gedankenwelt Achad Haams ein, als dessen bester Kenner und erster Künder in Deutschland Schlesinger seit langem gilt; er weist auf den Einfluß hin, den Achad Haams Lehre auf die Entw icklung des modernen nationalen Judentums gewonnen hat. Die Lehre Achad Haams, die alle Themen vorwiegend nach historischen und psychologischen Methoden behandelt, erfährt durch Schlesinger eine wichtige metaphysisch-religiöse Ergänzung, wie sie im Aufsatz „Der Gottesgedanke bei Achad Haam“ am deutlichsten in Erscheinung tritt. Achad Haam betrachtet Entstehung und Entwicklung des Gottesgedankens als Produkt des menschlichen Geistes und somit die Entstehung und Entwicklung des jüdischen monotheistischen Gottesgedankens als Schöpfung des jüdischen Volksgeistes; seine geschichtliche Wirklichkeit versteht er als geschichtliche Wirksamkeit, Dies genügt dem rcligionsphilosophischen Denken nicht. Nach jüdischer Auffassung ist der real seiende Gott Urgrund und Urquell der Sittlichkeit, als absolute sittliche Persönlichkeit zugleich Ideal der menschlichen Sittlichkeit. Der jüdische Volksgeist hat den jüdischen Gottesgedanken e n t - deckt nicht erzeugt und ihn in der jüdischen Lehre dargestellt. Er ist in dieser religiösschöpferischen Tätigkeit Träger göttlicher Offenbarung. Damit ist die Thora Eingebung, Offenbarung Gottes. Wie weit ein auf den ersten Blick nur im menschlichen Bereich geltendes, aus Zweckmäßigkeit aufgestelltes ethisches Gebot vom religionsphilosophischen Denken Schlesingers gefaßt wird, zeigt einer der schönsten Aufsätze des Buches: „Dtt Idee der Nächstenliebe im Judentum“. Alle Ethik ist religiös begründet im Urgrund aller Wertigkeit, dem Einen schöpferischen Gott, dem die Eine gottebenbildlich angelegte Menschheit entspricht. Die Menschheit in der Verwirklichung dieser Anlage, ihrer „Idealform“, zu fördern, ist das Gebot der jüdischen Nächstenliebe. Das Ziel der Idealform der Menschheit sieht das Judentum in der messianischen Idee. Innerhalb der durch dieses Ziel gestellten allgemein-menschlichen Aufgabe liegt dem Judentum noch eine besondere nationale Verpflichtung und Betätigungsform ob, heiliges Volk, Pricsterreich zu sein. Das jüdische Nationalgesetz, gibt die einzelnen Vorschriften für die individuelle Ausübung der Nächstenliebe, die sich nicht nur aut den Menschen, sondern auf alle Geschöpfe erstreckt. So bildet die Nächstenliebe als praktische Betätigung der Gottesliebe das oberste ethisch-religiöse Gebot und fällt in weitester Auffassung fast mit dem Begriff der jüdischen Religion überhaupt zusammen. Einige Essays beschäftigen sich mit der neuhebräischen Literatur lind zwei ihrer bedeutendsten Gestalten, J. Klatzkin, dem Dichter-Philosophen, und Bialik, der einzigartigen Persönlichkeit. Ferner gibt das Buch wichtige Richtlinien über den Begriff „religiöses Schrifttum". ■* Schlesinger behandelt in seinem Werk die wichtigsten Probleme des Judentums. Als Ergänzung wäre nur noch die Stellungnahme zu dem Problem „Juden- I) 1 1 1 111 1 Alleinverkauf der Marke „Hassia-Sana“ Safomon örfanger Woll- und Seidenstoffe, Modewaren - Ulm a. D. L M. Bernheimer a.2. Ludwig Martin Lederwarenfabrik ULM / Donau SchofcoladDnhaus Czisch Haftnbad 7 Talaton 7532 Da* richtig« Hau* für Sh! Besucht di« jüdischen Vereinei HOHN * ULLMANN ULM-DONAU KUIDUnOPH UND DBUCKWARKN BISMARCKRINO 34 Kleinanzeigen in die Gemeinde- Zeitung. Heinrich Hlaeser Nachf. G.m. b. H. ULMa. D. Kumtwolli-, Kunitbaufflwo.Hi- Putzwollefabrik Hadarn-Sprtlaranstalt I L fi. Wallersleincr | Damenmäntelfabrik 1 Ulm a. D. I SwiiiiitiufiiiiitiiHiiniiiimHiiiiiiiiiiHiHiniiiiimiiiiimiiiuiiniiifiniiiimuHwnmaBmiiiimi^ ' Das grosse Modehaus BrüderDannhauser Ulm a. D. Medi Wäsche- und Schürzenfabrik Gabriel Lebrecht A.-G. 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