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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1936-02-02 · 21 (2.2.1936) · p. Seite 165

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
21 (2.2.1936)
Date
1936-02-02
Page
Seite 165 (sequence 3)
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Zu Chanukkah wurde eine Sondergabe verteilt, die sich aus einer Extraration Kohlen, zusätzlichen Lebensmitteln und Stärkungsmitteln, einem Fleischgutschein und in einzelnen Fällen aus einer Barbeihilfe zusammensetzte. Die Kinder der Betreuten von Stuttgart wurden zu einer Chanukkahfeier zusammengerufen und mit Kakao und Kuchen bewirtet. Eine Mädelgruppe trug Lieder und Szenen vor, und nach dem Änzünden der Lichter konnten die Kinder noch je ein kleines Geschenk mitheimnehmen. Das Lehrlingsheim in Stuttgart (18 Insassen) erhielt eine größere Zuweisung für Kartoffeln und Lebensmittel, das Lehrlingsheim in Tehrensteinsfeld (II Insassen) ebenso Kartoffeln, Kohlen und Lebensmittel. Des öfteren wurden Zuschüsse für Hachscharah- und Alijah-Ausrüstungen bewilligt, vor allem auch durch Abgabe der hiefür besonders benötigten Kleidungsstücke. Sonderaufgaben, die gelegentlich an die J.W.H. herantraten, wurden nach Möglichkeit im Rahmen der Richtlinien erledigt; so wurde z. B. die Kleiderkammer aus den Sachspenden eingerichtet und in den gegebenen Grenzen ausgebaut. Die Aufbringung der Mittel ging im Großen und Ganzen in befriedigender Weise vor sich. Die Spenden, deren Höhe ja durch die Richtlinien von vornherein als genau Umrissen angesehen werden konnte, liefen einigermaßen regelmäßig ein; einige bedauerliche Fälle, in denen von denjenigen, die zu angemessener Zahlung in der Lage waren, entsprechende Zuweisungen nicht erfolgten, Können als Ausnahme bezeichnet werden. Die Eintopfsammlungen erbrachtet! durch ihr Ergebnis den Beweis des Gemeinschaftsgefühls der württembergischen Juden; lediglich im Januar war ein durch nichts gerechtfertigtes Nachlassen der Gebefreudigkeit zu beobachten. Auch die Pfundsammlung ergab ein zufriedenstellendes Bild; ein großer Teil der zur Verteilung kommenden Lebensmittel konnte in natura aufgebracht werden. Bei der Sammlung, Verwaltung und Verteilung der Lebensmittel u.s.w. in Stuttgart wurde ein wesentlicher Teil der hiermit verbundenen Arbeiten, ehrenamtlich von den Damen des Frauen Vereins geleistet, denen hierfür besonderer Dank gebührt. Auch auf dem Lande haben sich die örtlichen Frauen vereine in anerkennenswerter Weise um eine gedeihliche Abwicklung der J.W.H.-Arbeiten bemüht. Die Beamtinnen des Isr. Fürsorgeamts und der Berufsberatung in Stuttgart haben sich von Anfang an in den Dienst der Jüd. Winterhilfe gestellt und einen großen Teil der geleisteten Arbeit, in Stuttgart wie aut dem Lande, durch ihre sachkundige und aufopfernde Tätigkeit erst ermöglicht. Die Organisation der J.W.H. auf dem Lande wurde durch ehrenamtlich tätige Vertrauensleute der Gemeinde i und Bezirksobmänner der größeren Gebiete aufgezogen, die auch durch ihre Hingabe an die gestellte Aufgabe wesentlichen Anteil am Erfolg haben. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Jüdische Winterhilfe in Württemberg bemüht war und bemüht bleibt, die Not dieses Winters, zu deren Linderung sie eingesetzt worden ist, im Rahmen der ihr gegebenen Möglichkeiten zu mildern und Hunger und Kälte von mancher Familie fernzuhalten. Daß ihr dies zum guten Teil gelungen ist, möge als ein Beispiel für viele abschließend der nachfolgende Auszug aus einem Briefe bezeugen: ,,.... richte ich an die Jüdische Winterhilfe meinen herzlichsten Dank für die hochherzigen Gaben, die mir in den schweren Stunden eine große Erleichterung sind. Mit den ergebensten Grüßen in Dankbarkeit Ihre ....“. Die Sorge um die ältere Generation. Einige notwendige Hinweise. Wir leben in einer Zeit, in der uns jeder Tag die Aufgabe stellt, innerlich mit den Ereignissen Schritt zu halten, uns auf die Tatsachen des Lebens einzustellen. Wir müssen mit den Gegebenheiten rechnen. Und rechnen heißt zugleich berechnen. Es heißt, Berechnungen vornehmen für spätere Zeitabschnitte des eigenen Lebens, »des Lebens seiner Angehörigen und des Lebens der jüdischen Gemeinschaft. Viele unserer Menschen sitzen so mit dem Bleistift in der Hand und rechnen sich aus, wie lange das wohl reichen wird, was sie noch heute zum Leben haben. |-i den Verwaltungen unserer Gemeinden und Verbände taucht die Frage auf, wie die Einnahmen und Ausgaben in ein rechtes Verhältnis gebracht werden können. Aber überall besteht zugleich das Problem, wie man Sicherungen schaffen kann, um möglichst vielen Sorgen der Zukunft zu entgehen. Unter den Wegen, die hier dem wirtschaftlich Denkenden sich bieten, könnte einer einer näheren Betrachtung unterzogen werden: der Gedanke nämlich, ob man nicht mit Hilfe eines entsprechenden Versicherungsabschlusses die Lasten der Zukunft erleichtern kann. Manche, die sich um die Sicherung ihrer alten Tage oder um das Alter ihrer Eltern sorgen, werden vielleicht dabei an den Abschluß einer Altersversicherung denken. Sie wäre aber nicht geeignet, den Anforderungen zu entsprechen, die man heute zu stellen hat Denn wer heute eine Versicherung abschließen will, Wenn der Saft in die Bäume steigt... Zum 15. Schwat 5696 — 8. Februar 1936. Immer sehen die Menschen die Früchte. Aber wann denken sie an den Baum? Sie genießen sie in Freude, sie spüren ihren Duft, sie schmecken ihre Süßigkeit und Frische, sie entzücken sich an ihrer farbigen Pracht. Ueber Früchten kommt ihnen die Ahnung, wie ein Wesen seiner Vollkommenheit entgegenwachse: im Gesetz ihres Reifens enthüllt sich die Wiederkehr alles Lebenden nach seiner Art, in Fruclitbarsein, und Sich-Mehren. Ueber schimmernden, duftenden Früchten, die sich schenkend verschwenden, kommt uns der Segen der Schöpfung entgegen. Vor der Frucht haben wir es leicht, dankbar zu sein. Aber wann denken die Genießenden, wann denken die Beschenkten des tragenden Baums, dem die fremde Hand seine Früchte wegnahm und sie ihr Eigentum nannte? Wer ißt eine Frucht und weiß auch nur einen Herzschlag lang von dem frommen Dienst, den der Baum lange Monate hindurch in der Stille tat? Dem bräutlich blühenden, dem sommerlichen, wenn, die Sonne durch die grünen Zweige flimmert, gehört unser Blick und unser Jubelruf, der Segensspruch, die Dankbarkeit. Aber sobald sich im Laub die Früchte runden, ist der Baum vergessen, und nur noch die holde Last, die er trägt, heißt gut und schön. Der Baum aber steht auf seinen starken Wurzeln und trinkt mit ihnen den Saft aus der dunklen Erde. Sein starker Stamm, seine willigen Zweige bilden Knospen und erschließen die Blätter, verschleiern sich im Blütengewölk und nähren die harte Frucht bis zum Tage der geglückten Reife. Und wenn die Menschenhände ihm die Frucht genommen haben und sie nun ihr eigen nennen, dann kommen die Tage seines Welkens und seiner Trauer, bis er starr und müde unter dem grauen Winterhimmel steht und schläft und schläft... Aber ehe die Wiesen cs ahnen, che die Gartenbeete es noch atmen können, geht ein leiser Ruf aus der Erde durch den Baum hinauf und sagt: „Lebe!“, daß er wieder werde wie am vierten Tage der Gottesschöpfung. „Lebe!“ sagt der Ruf zu ihm. „Werde! Um Samen zu tragen nach deiner Art! Du bist nicht tot, du bist da, Geschöpf Gottes, in Seiner Welt.“ Und der Baum glaubt dem Ruf und antwortet ihm, vom neuen Lebenssäfte erfüllt. Und wir in Israel hören den leisen Ruf und glauben ihn. Mitten im Winter der Verbannung dringt aus der Schöpfung Gottes dieser Ruf zu uns, aus den haltenden, nährenden Wurzeln herauf in den alten Stamm, hinein in die Zweige und Gerten, die sich zu neuer Blüte und selbstlosem Tragen bereiten. Mit unseren Brüdern, den Bäumen, feiern wir „Chamischo ossor b'schwat“, glauben wir diesem leisen Ruf zum Aufbruch und antworten ihm mit unserer Bereitschaft; denn auch wir nehmen die Bestätigung unseres Vertrauens aus den vergangenen Sommern und Reifezeiten Israels, wir nehmen den Willen zum Dauern unserer Art aus der Gewißheit der Erntetage unseres Volkes, die immer wieder auf die Brachzeit folgen. Wir in Israel feiern das Fest jenes leisen Rufs, mitten im Winter, am Tage eines klirrenden Frostes oder eines trüb ziehenden Nebels. Wir feiern einen Beginn mit den Bäumen, wenn „Chamischo ossor b'schwat“ da ist. Wir stellen mit behutsamen Händen die reichen Früchte des Heiligen Landes, die schönen Früchte südlicher Sonn? auf unsern sabbathlichen Tisch, und wenn wir deifi Segen über ihnen sprechen, der in dem Schöpfer alle Wesen heiligt, so denken wir, gerade w i r in Ehrfurcht an den Baum und danken mit ihm, für ihn dem Segen, der uns leben ließ und uns erhalten hat und uns wieder zu Blüte und Reife gelangen lassen will, nach unserm Gesetz. Martha Wertheimer. 'möchte die eigene Zukunft oder die seiner Angehörigen schon jetzt gesichert wissen und nicht erst nach seinem oder ihrem Tode oder bei Eintreten einer bestimmten Altersgrenze. Der Gedanke einer Rentenversicherung scheint hier praktischer und nützlicher zu sein. Er ist der Situation, in der sich viele befinden, angemessen. Denn derjenige, der auswandert und der seine Eltern bzw. Angehörigen versorgt zurücklassen will, kann von dem Kapital, das er besitzt, nur einen Teil mitnehmen. Den Rest muß er grundsätzlich zurücklassen. Nicht immer wird auch die Gewißheit vorhanden sein, daß der Rest des zurückgebliebenen Kapitals für alle Zukunft entsprechend verwaltet und sichergestellt ist. Die Zinsen, die heute kaum mehr als 4>/i »/» betragen, reichen allein nur in seltenen Fällen aus, damit Hierbleibende von ihnen leben können. Man muß das Kapital angreifen. Die Frage, wie lange das reichen wird, s eht mit all ihrer Ungewißheit una Last vor dem Auswandernden und vor denen, die er in betagten Jahren zprückläBt. Kapital ist bald aufgegessen, wenn nichts hinzu verdient wird. Das gleiche und die gleichen Probleme gelten für diejenigen, die sich heute aus dem geschäftlichen Leben zurückziehen und von dem Erlös dessen leben wollen, was sie durch die Liquidation ihrer Geschäfte flüssig gemacht haben. In einer solchen Lage kann eine Rentenversicherung bedeutende Erleichterungen schaffen. Derjenige, der bei einer Versicherung ein entsprechendes Kapital eanzahlt oder zu seinen Gunsten von seinen auswandernden Kindern einzahlen läßt, erlangt dadurch ein Leibrenten versprechen von der Versicherungsgesellschaft. Das heißt: so lange er lebt, erhält er eine Rente, deren Höhe sich je nach Lage des einzelnen Falles und je nach der Höhe des eingelegten Kapitals richtet (das übrigens nicht nur in Bargeld, sondern auch in sonstigen, realisierbaren Werten bestehen kann). Auf diese Weise ist die Last und Verantwortung einer Vermögensverwaltung für alte geschäftsungewandte Leute beseitigt, was bei der Kompliziert! eit unseres heutigen Wirtschaftslebens für viele eine wesentliche Erleichterung darstellt. Damit ist zugleich für viele Auswandernde die Sorge um die Verwaltung ihres zurückgelassenen Vermögens aufgehoben. Sie naben dafür die Sicherung des Lebensunterhaltes ihrer Eltern und Verwandten eingetauscht. Vor allen Dingen aber ist der Verzehr des Kapitals, das nach den gesetzlichen Vorschriften sichergestellt und von der Versicherungsgesellschaft entsprechend angelegt werden muß, nicht auf einen genau auszurechnenden Zeitpunkt beschränkt, während nach Erreichung dieses Termins alte Leute vor dem Nichts stehen. Es Wird weiter zu prüfen sein, ob eine Rentenversicherung nicht auch für das jüdische Sozial- und Wohlfährtswesen in Betracht kommen kann und ob nicht auf diese Weise auch hier einige Erleichterungen geschaffen werden können. Die Lage, in der unser Sozial und Wohlfahrtswesen sich heute befindet, ist gekennzeichnet einmal durch die zunehmende Verkleinerung des Kreises der leistungsfähigen Beitrags-, Steuerzahler und Spender und die damit verbundene Auflösung Her Kleingemeinden, sodann durch eine Vergrößerung des Kreises der Bedürftigen. Dabei ist es TWeifelhaftj in welcher Weise für die Zukunft fort bestehende iso-’ genannte fixe Leistungen, wie z. B. Pensionen an ISynaß°Kengemeindeheamte oder ihre Hinterbliebenen, aufgebracht werden sollen. Die zentralen Stellen, insbesondere die Landesverbände jüdischer Gemeinden und die anderen Landesverbände, denen die Sorge I für die Gemeinden als Clearingstelle der großen und kleinen Gemeinden obliegt, werden hier nicht in allen Fällen und für alle Zeit helfend einspringen können. Es wird darauf ankommen, gerade hier eine Entlastung anzustreben. Und vielleicht kann auch inj all diesen Fällen der Abschluß einer Rentenversicherung zugunsten der in Betracht kommenden Beamten bzw. ihrer Hinterbliebenen empfohlen werden. Eine Rentenversicherung, die die gegebenen und vorauszusehetiden Zustände als Ausgangspunkt nimmt, könnte hier wesentliche Sicherungen schaffen. Etwaiges vorhandenes Vermögen einer Gemeinde oder Spenden könnten, auf diese Weise angelegt, die Sicherung um die Gerne nde verdienter Menschen darstellen. Es wird ferner zu prüfen sein, ob sich durch eine Versicherung nicht die Unterhaltung von Friedhöfen und Kultstätten für die Zukunft sichern läßt Erfahrungsgemäß ist die Aufrechterhaltung solcher heiliger Gemeinschaftsstätter das erste Problem bei einer vorgeschrittenen Auflö< ung von Gemeinden, und erst recht dann, we.n kleine Juden mehr am Orte wohnen. Der Gedanke einer Rentenversicherung kann weiterhin für jüdische Altersheime und Stiftungen nutzbar gemacht werden. Einmal kann sie dazu verwendet werden, daß alte Leute sich durch den Abschluß einer Rentenversicherung in ein Altersheim einkaufen bzw. cinkaüfen lassen und so ihren Lebensabend sichern. Es ließe sich auch ermöglichen, daß die Mittel,[ die den Gemeinden für Altersheime usw. zur Verfügung stehen bzw. von ihnen ausgeworfen werdep, durch der. Abschluß einer Rentenversicherung in ] vollstem Umfange ausgenutzt und „gestreckt“ werden. Eine Neuorganisation des gesamten Alfersheimwesens [und der Stiftungen könnte bei einer Zentralisierung aller Mittel, zweckentsprechende Anlage und Verteilung) Bedeutendes herauswirtschaften. Die Erhaltung lebenswichtiger jüdischer Werte und Einrichtungen verlangt jedenfalls heute von uns die Ausnutzung jeder kleinsten Möglichkeit, die sich bietet. Die Sicherung durch Versicherung gehört dazu. Dr. Arno Herzberg. Heida Holde-Hermanns und Fritz Wisten in der Kunstgemeinschaft. Die 3. Abonnementveranstaltung der Stuttgartei Jüdischen Kunstgemeinschaft vereinte Klaviermusik! mit dem gesprochenen Wort. Schon der Beifall, mit dem Fritz Wisten empfangen wurde, bewies, wielsehr man sich freute, den Künstler wieder einmal in Stüttgart zu sehen, wo er in so erfolgreicher Weise in langen Jahren gewirkt. Mit der gleichen Spannung sah man Heida Holde-Hermanns, der Gattin des bekannten Frankfurter Musikkritikers Artur milde, entgegen, der der Ruf einer Pianistin von hohen |üraden vorausging. In der Tat ist Heida Holde-Hermlanhs eine Meisterin des Tasteninstruments. Mit Superlativen muß man zwar sparsam umgehen bei ihr sind sie aber erlaubt! Schon die einleitende Händel-Variation ließ erkennen, daß hier eine präzise, technisch ungemein genaue Spielerin am Werke war. Diese Etcakt- Jnventur-lf erkauf vom 27. Januar bis 8. Februar 1936

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