Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XII (1935-1936)
- Issue
- 18 (16.12.1935)
- Date
- 1935-12-16
- Page
- Seite 145 (sequence 7)
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— 145 — einigen bald wieder verschwundenen Splittergruppen war. Damals begann auch im deutschen Judentum eine Saat aufzugehen, die auf eine neue jüdische Haltung zwischen orthodox und liberal hinzielte: wer aus Rede und Schrift den Weg Martin Bubers verfolgt hat. der wird, schon ehe er dies in der Gersonschen Schrift bestätigt findet, in dem Vcrwirklichungsstre!»en der Werkleute, in ihrem Verhältnis zur Tradition, zum Lernen, zur Bibel und nicht zuletzt zu Krez Israel eine Art von Gefolgschaft dieses Lehrers erkannt haben. Kür die Stellung der Werkleute zum Zionismus ist ihre Orientierung an Bulier von l>esondcrer Bedeutung. Sie stehen in der Mitte zwischen der religiösen und der politischen zionistischen Orthodoxie. Es ist den Werkleuten ernst mit der uralten Kor derung, überall im Leben der Verantwortung geinaÜ zu handeln, die jeder Jude als Erln» einer Offenbarung in sich trägt, auch wenn er ihr nicht erlaubt, in sein Bewußtsein zu treten. Die Können des Gesetzes gelten ihm nicht als ülM>rleht{ Sie stellen sich die Aufgabe, sie kennen zu lernen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Warum ihr Weg sie bisher nicht dazu führte, sie als Ganzes zu I»ejahen und zu verwirklichen, ist aus ihrer tatsächlichen und ihrer geistigen Herkunft zu verstehen. Das Büchlein gibt auch liierülHT Aufschluß. Ks lehrt dennoch ein Judentum, «las sich nicht damit l>egnügt. zu la kennen, sondern das. was von ihm gefordert wird, in gelebte Wirklichkeit umzusetzen 1hstrebt ist. Ks ist eine pädagogische Schrift: sie gibt Anweisungen für die Si’huluii^ un«l Erziehung des hündischen Nachwuchses. Ks wäre verkehrt und zuviel getorderl, wollte man letzte und endgültige Erkenntnisse von einem Bund erwarten, der sich seine Tradition erst schaffen muß. Es wäre schlimm um ihn la stellt, wollte er la anspruchen. eine Gemeinde fertiger Menschen zu sein. Auch schließt eine noch so rechtschaffene Grundhaltung Kehler und Unzulänglichkeiten im Einzelnen nicht aus. Ihm,einem Bund so wenig wie bei Einzglnienschen. alten so gut wie jungen. Aber daß der Birpd der Werkleute aus Menschen Iwsleht, die an sich'Tirbeiten. und die ein ernstes Leben zu führen gewillt sind, hier wie in Krez Jisrael. wohin ihre ganze Gemeinschaftsarbeit zielt, und wo sie sie, gemeinsam siedelnd, fortzusetzen im Begriff sind — das darf den Eltern, die ihm ihre Kinder anvertraut haben oder anvertrauen wollen, das laruhigende Bewußtsein geben, daß sie in guten Händen sind. Al>er sie mögen selbst das Büchlein lesen! Es wird ihnen zur Klärung verhelfen und manche schwere Entscheidung erleichtern, die die Zeit von ihnen fordert. L. M. Vom Wesen des Makkabitums. Von Adolf Jelllnek, Bratislava. Die nationale Tat des Makkabi in seinen Entstehungsjahren und im ersten Abschnitte seiner Entwicklung war der Kampf gegen den degenerierten jiidischcn Körper. In «len finsteren Gassen des Ghettos, in den Mietskasernen der Großstadt ertönte eines Tages der Ruf des Makkabi. Aus menschenunwürdigen Behausungen. aus der Dunkelheit des Ghcders kamen sie. jüdische Jungens und Mädels, mit gekrümmten Rücken und bleichen Wangen. Der Makkabi führte sie in Wiese und Wald, auf Kehl und Klur. l ud da die Sonne ihre bleichen Wangen bräunte, die frische Luft ihre Lungen dehnte, kehrte Zuversicht und Hoffnungsfreude in sie ein. Ihre Muskeln strafften sich und ihre Rücken wurden gerade. Der Zuversicht und wiedererwachtem Selbstbewußtsein gesellte sich alsbald die Kampfesfreude; die Sehn- .sucht, die Kräfte zu messen und auf dem Kampfplätze des Sportes in edlem Wettstreit zu beweisen. Dies ist die Etappe, wo jüdische Turner und Sportler vor die Oeffentliclikeit traten und auf allen Gebieten des Turnens und des Sportes gleichwertige Leistungen und Bestleistungen erzielten. Das Gefühl der Minderwertig keit unseres Körpers war dem Gefühle der Gleichwertigkeit gewichen. Erst diese zwei Etappen in der Entwicklungsgeschichte der Makkahihewegung führten zum Makkabi als Erziehungs- und Schicksalsgemeinschaft. Die wesentlichsten Grundelemente dieser Gemeinschaft. nationale Kraft, nationale Verbundenheit und nationale Lebensgemeinschaft, sind in «lein Begriff Makkabitum verkörpert. Der Makkabi erzieht zu einem ganzen Menschen und sein Beitrag zur Erneuerung der jüdischen Gesellschaft, zum Wiederaufbau unserer historischen Heimat, ist Makkabitum. Makkabitum, ist Reaktion auf die unnatürliche l’ebergeistigkeit des Judentums, ist eine Verbindung von jüdischem Geist und erneuter physischer Kraft unseres Volkes. Makkabitum verkörpert die Idee der nationalen Solidarität, die' der Erkenntnis entspringt, daß nur eine gemeinsame Anstrengung des ganzen Volkes unsere Probleme lösen kann. Die Erziehung eines sittlich hochstehenden Menschentyps ist der Grundgedanke des Makkabitums. Das Turnen ist uns nicht nur Körperkultur, nicht nur Mittel zur Erziehung eines gesunden und zähen Körpers, für innere Disziplin. Entschlossenheit und Selbstsicherheit, sondern noch mehr die Verkörperung des sozialen Gedankens der Gemeinschaft, die möglichst viele Menschen erfassen und zur Disziplin und Unterordnung erziehen will. Nichts symbolisiert diese Gemeinschaft j*o treffend, wie eine Massenfreiübung, die auf der systematischen und gewissenhaften Arlteit und auf der Disziplin des Einzelnen aufgebaut. al>er nur als gemeinsame Uehung ihren Wert und Bedeutung erhält. Dem Sinn des Makkabitums entspricht daher Spezialistentum weiter im Turnen noch im Sp«»rt. Die im einzelnen vorhandenen Kuhigkeiten zur Höchstleistung müssen sich im Mehrkampfe ausdrücken. Makkabitum er fordert eine systematische körperliche und geistige Arbeit, ein ständiges Sichbeschäftigen mit den liegen warts- und Zukunftsuufgaluyi des jüdischen Volkes. Wohl sin«! unsere Kestc und Kundgebungen Erziehungsmittel von hohem Werte, aber sie vermögen bestenfalls eine nationale Begeisterung zu erwecken. Nationale Kraft dagegen — das ist jene Kraft, die Völker erlöst und zu neuem Le Iren erweckt, — diese Kraft vermag nur ein Verantw-ortungsbewußtsein für sein Volk zu erzeugen. Dieses Veran!w’ortungsl>cwußtsein zu erziehen, ist das höhere Ziel des Makkabitums. Der moralische Erfolg des Makkabitums besteht darin, daß es die Erfordernisse des Tages und die Interessen des eigenen Volkes begriffen und es verstanden hat. für die Verwirklichung dieser Interessen unablässig und entschlossen zu arbeiten. Dies bedeutet, .daß das Mnkkahitum in die vordersten Reihen der besten Kämpfer des jüdischen Volkes getreten ist, Wodurch es einen Großteil der moralischen Verantwortung für das Schicksal und den Werdegang unseres Volkes übernommen hat. Diese» Entscheidung verpflichtet, in den vordersten Reihen unseres Volkes äuszuharren und für seine Ideale immer und überall voll einzustehen. Dieses lelnmdige Makkabitum erneuert und veredelt «len jüdischen Menschen und macht ihn erst fähig, vollwertiges Mitglied seines Volkes zu sein. (Aus «lern ..Makkabi", Organ des ..Deutschen Makkabikreises"». Aus den Gemeinden Württembergs. StultKurt. I)i<* ..J ü (lischc Sc li » I c" und der Verein „K r e u n d e der J ii d i s c li e 11 Schul e ver- :>»->>:,Helen am 16. November gemeinsam einen Ehernala-nd, der linier der Lehmig des stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins. I) r. Marlin Lohn, sland. Der Versammlungsleiter liegrülllr dje Anwesenden und sprach in herzliehenWorlendem scheidenden Vorsitzenden l)r. S i e g f r. S a e n g e r. der sein Ami wegen Auswanderung nach Palästina niedergelegt hat. Dank und Anerkennung für die Verdienste aus, jlie er sich als Lei-1 ler des Vereins erworlien hat. Auch dem aus I dem Vorsteheraml ausscheidenden Schulreferenten. Dr. Hermann M e r z li a c h e r , w idmete Dr. Lohn Worte des Dankes. Kr hob sinne nutlerordentliche aktive und intensive Förderung tun der Sehulerfichtung und der Schaffung des Schulneubaues hervor; weil dariilH-r hinaus halte sich Dr. Hermann Merzhacher mit seiner ganzen Kraft und warmem Interesse für die Knlwieklung der Schule eingesetzt. Dr. Hermann Merzhacher verabschiedete sich von der Versammlung, indem er besonders denjenigen Ellern seinen Dank aussprach. die ihre Kinder von Beginn an der Jüdischen Schule anverlrauten. Kr richtete an alle Anwesenden den Appell, die Schule weiterhin durch Vertrauen und Mitarbeit zu fördern. Sodann hielt Krau Kalo Lohn ein Keferat über „Häusliche Erzieh u n g". Sie galt praktische Hinweise für die Anleitung der Kinder im Alltag, empfahl aus erzieherischen Gründen die Heranziehung des gröüeren Kindes zur Mithilfe im Haushalt... Ordnung und Disziplin seien nicht Selbstzweck, Sondern mütJlen im Beim „Trenderln“ vergiß nidit die Jüdische Winterhilfe! Dienst der Charakterbildung stehen. Die Referent» sprach dann ül»er die Bekämpfung kindlicher Untu genden, wie etwa der Neigung zur Unwahrheit und Un Kameradschaftlichkeit. Das Referat wurde mit lebhnf tem Beifall aufgenommen. Im Anschluß daran berirh tele 1) r. Schottland über den Aufenthalt «Irr Kin der im Landschulheim Mühringeii, wo die Lehrer zu einem erheblichen Teil die erzieh« rischen Aufgaben de Elternhauses mit übernahmen mußten. Er hob al besonders praktische Werte des Aufenthalts das G« ineinsrhaftslebcn «ler Kinder und die Verbunden!»« A «ler Kinder mit der Natur, mit Wald, Kehl und Wies» hervor. — ' Nach «ihm berichtete der Schulleit«?’ Dr. Emil Goldschmidt. ül»er Entwicklung un den Stand der Jüdischen Schule. Er gab zunächst eine zahlenmäßigen Ueberblick. Die Schule wird zur Z« von 1H2 Kindern besucht. Durchschnittlich umfasse i it die Klassen 20—25 Schüler, die Doppelklasse 2 und umfaßt HO Schüler. Kür das neue Schuljahr liegen-Im teils eine übergroße Anzahl von Anmeldungen vo Die neuen Lehrkräfte hal»en sich gut eingenrheil Neuerdings ist «ler Werkunterricht in einem besoii deren Werkraum irp Gemeindehaus eingerichtet wo den. Dieser Raum ist mit * I lolxdbänkcn und Wer zeugen aller Art ausgestattet, und «ler Unterricht erfre sich bei «teil Kindern ln sottderer Beliebtheit. Die Schule verfügt InTeits schon jetzt üU^r beachtliche Lehrmittelsammlungen. Aus den Mitteln «ler Schulvcreinsspende wurde ein Epidiaskop und ein Grumnmpho iapparat für den Sprachunterricht angeschatlt. D . Golrtschmidl bat in diesem Zusammenhang, der Schule Spenden an Büchern und anderen zweck«*ntspre«•beiden Lehrmitteln zukommen zu lassen. Der S«*liulleil *r l>etontc, «laß in allen Kächern die A n s <• h a u u i g eine wichtige Rolle spiel«*, und wies hierbei aijch astif die Benützung des bereits erwähnten Epi<liasc«|ps h Das Prinzip der Selbsttätigkeit wird geptlegt. und t;j lieh wird am schwarzen Brett der Schule ein Ztjllel;^ngeheftet mit Einstellungen über die Wetterlage Grund der von .(len Kindern selbst gemachtes Be a« htungen und Messungen. Auch zur Selbst wrjwaltu »g uml zur Hilfe ln*i Ordnungsarbeiten werden Zögli herangezogen. Im Eiiglisch-Untcrricht ist di«* Klasstfnfront zugunsten einer Zusammenfassung nach, Kei nissen und Begabung durchbrochen. Das gl,äh auch für «len Hebräisch-Unterricht der Klassen 2-j-f. Der Schulleiter In ri« htet ferner sowohl üIht (die l tersuchungcn, die durch das Gesundheitsamt vor nommen wurden, als auch über die wertvolle Arbeit, die «ler Schularzt geleistet hat. Dr. Goldschmiot wa nt vor der übermäßigen Beanspruchung der Kinder außerhalb der Schulzeit. Die Zusammenarln it von Lehrern, Eltern und Schülern hat sich durchaus «rfreülich gestaltet; die Kreudt*. mit «ler die Schüler «li«* Jüdische S«*hulc In su« hen. sei besonders her vor zu helfen, freundliche Strenge, die «li«* Atmosphäre der Sdhule stimmt, habe sich als rrchtig erwiesen. Zuirj Sch seiner Ausführungen gibt der Referent -der HofTming «- IjUf b- ,1- 4»it Alleinverkauf der Marke Hassia-Sana* ßß* Safomon örfanger Wotl- und Seidenstoffe, Modewaren Ulm a. D. L. M. Bernheimer Das grosse Modehaus Brüder Dannhauser Ulm a.D. Mecfa. Wäsche- und Schörzenfabrik m» a.2. Ludwig Martin Lederwarenfabrik ULM / Donau Schofcoladanhau» Czisch Hafer*bad 7 TeMon 7532 Dai richtig* Hau* für Sh! Besucht di« jüdischen Voroino 1 KOHN * ULLMANN ULM-DONAU KUIDMSTOm UND DRUCKWAR1N RISMARCKRINR S4 Gabriel Lebrecht A.-G. Lederfabrik ULM a. Donau Kauft bei unseren Inserenten I Heinrich Olaeser Nacht Q. m. b. H. U L M a. D Kumtwoll«*, KunitbaumwoiJ« PutzwollRfabrik Hadirn-Sortlinnitalt mmm\ L 6. 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