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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1935-12-16 · 18 (16.12.1935) · p. Seite 143

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
18 (16.12.1935)
Date
1935-12-16
Page
Seite 143 (sequence 5)
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— 143 — sehr sie es verdient, und in wclchc-m Grudewir de-,» Voranslallrr zu Dank verpflie-liU'l sind. Uwoisi'n dir nnsgezoie-hnelen Leistungen de4 ausstrllrndrn KUnsller. Aurh die bildende Kunst ziu»fördi-rn. gehört zu den sehönslen Aufgaben der Jüdischen Kunslgemeinsehaft. M. R i e g e r. Unsere Gemeinde. Von Rabbiner Dr. Leo Baeek, Berlin. Kür uns Juden in Deutschland bedeutet heule die Gemeinde mehr denn je. Seit altem schon ist sie den Ihren immer wieder Zuflucht und Halt geworden, beruhigend und bergend, wie eine trauliche, engere Heimat inmitten der grollen. Aber heule ist uns unsere Gemeinde noch mehr: sie ist, uns fast wie ein Heim, wie ein vhiitzcndrs Haus. Eine Geborgenheit inmitten so mancher Einsamkeit, eine Beruhigung in aller l'nrasl ist uns durch sie gegeben. Es ist. wie wenn jetzt so viele von uns einander erst fänden, einer dem andern auch innerlich näher gerückt werde, Und mehr denn je will so mancher in seines Daseins Bedrängnis oder in seiner Seelr Notdurft dies heute erfahren. duU kein Jude verloren oder verlassen ist, so lange es seine Gemeinde gibt. Die grobe Zuversicht, die-sc-j Hilfe, die uns so nottut gegen Verzagen und gegen Verbitterung, der Glaube an einen Weg, an eine Zukunft, will durch die Gemeinde immer neu werden. Dem Juden, der ohne sie wäre, der neben ihr stehen wollte, würde auch sein Menschentum iM'einträchtigl werden, sein Seelisches sich verengen. In der Gemeinde IcIh-ii. das gewinnt heule den ganzen Gehalt, den vollen Ton. Wie sollte ein Jude heute I, ta n, in seinem Menschentum leben, wenn er das Bewußtsein von seiner Gemeinde nicht hätte. Wer beule mit seiner Seele, mit seinem Opfer, mit seiner Hoffnung außerhalb der Gemeinde bliebe, der wäre — dies Wort in seinem ahsprechenden Sinne genommen — der Ghetlojude. Damit erwachsen der Gemeinde, last von Monat zu Monat, neue Aufgaben. Sie soll den Kaum, die Hilfe und die Eingliederung für das gewähren, worin wir alle, die Allen und zumal die heranwachsende Jugend, unser Menschentum la währen können oder, mit anderen und doch dasselbe la sagende» Worten, für alles das, was Gottesdienst sein kann. Vieles, was einst nela'n ihr oft den weiten Platz halle, verlangt jetzt in ihr die sichere Stätte. Sie. die sich einst inmitten eines vielgestaltigen Lebens vielleicht hatte beschränken dürfen und sich damit la'gnügtc. - der Andacht, der Predigt, dem Religionsunterricht und dem Wohltun an Lebenden und Toten einen Bereich zu schaffen, soll jetzt Gemeinde des jüdischen I.elams sein. Es darf von ihr erwartet werden, daß sie zu all dem Alten so viel des Neuen in sich einfüge: Erziehung, Schulung und Bildung, ja auch Erholung. Ausspannung, Erhebung durch die Kunst, und in diesen gestaltet sich ja das Wesen des Menschen meist noch mehr als in seiner Arbeit. Damit wird unsere Gemeinde nicht etwa verweltlicht — das Judentum kennt ja keine Scheidung von Bezirken der Religion und Bezirken des Lebens—: vielmehr kann vieles, was bisher oft weihelos uhd würdelos war, nun eine Weihe und eine Würde empfangen. Nur wenn politisches Trachten, parleiisehe Einseitigkeit sich dessen bemächtigen wollte, dann würde unsere Gemeinde verweltlicht und entweiht. Nur dann bestände auch die Gefahr, daß an Stelle eines schaffenden Aufhauens ein geschäftiges Getriebe träte. Zur geschichtlichen Aufgal>e unserer Gemeinde ist es geworden. Lebensgemeinde zu sein. Damit ist ein Letztes noch gesagt. Pflichten, die aus dem Ernsle der Zeit geboren sind, lassen Grenzen und Sonderungen zurücktrete» und fordern die Gemeinschaft. die Einheit. Leiter all dem Verschiedenen steht die eine, uns allen auferlegte gleiche Not. vor uns allen die eine gleiche Aufgabe. Not und Aufgabe führen uns zusammen, enger denn je. Wir können heute nur die e i n e jüdische Gemeinde im deutschen Lande sein, die große Lebensgemeinde. Das zu verwirklichen, dem seine Weihe zu geben, das tritt vor uns als die heilige Mahnung hin. als Zeichen unserer Geschichte Menschen der Gemeinschaft. „Der Ausweg", die empfehlenswerte Monatsschrift für Umschichtung, Wanderung und Siedlung, veröffentlicht die folgende Skizze ■ aus Erez Israel. Die Schriftleitung. früher umgalt sip die Stadt mit ihrer lärmende, G'-scbälligkcil. ihren \ ergniigiingen. ihrem Komfort jetzt leben sie in Zell und Baracke: vor ihren Augen fahren nidit Strallenbahnen. sondern Dresdimasdiinen und Iruktoren. Die Gesiditer bräunet,, di, Hände härten sidi. Sie säen, ernten, graben, schleppen Si'ke. binden den Wein. Die einen arbeite» auf dem Kehl.' die andern in Werkstatt. Magazin und Kiidie. Mio ge,liehen gemeinsam den Erfolg ihrer Arbeit, is gibt kein Geld. Es gibt kaum lildividualbesitz. Den meisten jungen deutschen .Neueinwunderern gelingt in de» jüdischen kollektivsiedlnngon Palästinas. den ..kwnzzoth“. die Umstellung auf ein völlig verändertes Leben. Ans individualistischen Bürgern werden Men-dien der Gemeinschaft Da ist ( hanan. der Bau.cr. In »einer milteldeul- »chc<i lleimatsiudt war er Bankbeamter, plötzlich verlor er die Stellung, war arbeitslos. Eines lages erschien er auf dem Palästina-Amt. Man gab ihm ein Zertifikat. Er kam »ad, Ain-Ilarod. Zuerst fiel ilifii die Einordnung schwer, die ungewohnte körperliche Arbeit strengte an. das Bett stand überm Pferdestall. ,1er Pferdelärm störte den Schlaf ... Seitdem ist ein Jahr vergangen, ( hanan lernte bucken. Er wohnt letzt gut. er ist zufrieden, die andern schätzen ihn I als hilfsbereiten Kameraden. Das Ain-Ilaiod^r Br schmeckt vorzüglich. Sein Kollege aus der Backstube nennt sich Barbe li. in Duisburg hielt er Bruno. Dort war er bereit» seit sieben Jahren in einer jüdischen Bäckerei tätig gi wesen Es gefällt ihm in Palästina: der einzige Nac ,- teil: ..Wenns einem in Duisburg in der Backstube heilt wurde, ist man hinuusgcgnngcu auf die jvtrall aber hier ist'» draulten genau SO mollig." 1 * Der .Mittaggong läutet. Im Speisesaul verstimmt It sich die Gemeinschaft, soweit sie in der Wirtschaft selbst arbeitet. Die andern bekommen das Essen au fs Feld gebracht. Heute gibt es Kartoffeln mit Snlc t, Griesbrei mit Zucker und Zitnnit. Obstsuppe. Hanocli. früher Heini, fährt »einen Wagen die fisch reihe n entlang und verteilt die gefüllten Teller. Als ich an Morgen gekommen war, scheuerte er vorm Speisest, »I die Bnlkoullicllfn. Gelernt hat er Buchdrucker, ab :r wiY lange ist das he r. Nach dem Essen lädt midi Xaphtali zum Ausruht „ in sein Zelt. Auf der Kiste, die ihm als Kommoile dient, liegt eine Reihe philosophischer Bikhcfr, a <f Aufforderung bekomme ich eine Erklärung: ..Nun j,. ich Imb in Deutschland Philosophie und Mathe,»at k studiert, ansddielfentl auf der Universität JrrusnluiM Psvthologie ..." Jetzt bedient er die \\ aschmascfii, e. Ein anderer ..Studierter" blieb in der Kwuzzali in »einem Beruf: der Zahnarzt ans Zwickau in Sachsen. Er arbeitet vorläufig noch in einer etwas primitiv, ,r Baracke, die Kundschaft bleib* ihm trotzdem treu. Sie mag ihn gern. Er ist stets vergnügt. Die Wand •- rung von der Zw i>keiner Mulde znm Jordan fielen n ihm glänzend Es ist fraglich, ob alle die etwa Zwanzig- bis Dre iuudz.vv a nzig jährigen, die heute 'nach kurzer landvviitsdiaftltclier Viisbildung in Europa in den Kwiizzo h Palästina» eine Art verlängerter Jngendbewegiii g leben, wobei sie sich zweifellos als fjlite Arbeiter b '- vvähren e» i», fraglich, ob alle von ihnen länger i Is einige Jahre in den Kwnzzoth Verweilen werden, w is im Interesse der jüdischen Bauernstands- und Cjrmeiiischaf,»Bildung wünschenswert wäre. Städtisches Leben lockt auch in Palästina, und der ( harnkter d ‘r jungen Kw iiz/ahmitglieder ist noch nidit so aukgeprobt. clall man sicher sein darf, duff nicht manch. Her sich heute noch dem dialuzisdien Ideal Verbund fühlt, später wieder abtrünnig wird ... Aber die Mehrzahl wird bleiben! j Im übrigen sind diejenigen Kw iizzah-Migliedör. dienicht ..gelernte Zionisten“ sind und die noch nie 'it von der Schulbank weg zur blonv, eilten Kühne käme n. genau so gute Arbeiter und Kollegen wie diel langjährigen. Ihr Leben, das oft ein recht assimiliert ■» war. und ihr Schicksal, das sic: in die Zange bekahi. war kein schlechter Lehrmeister. £. CiT i r. idi li r HILDE WEIL ROBERT RIEFFEL VERLOBTE STUTTGART Ofgostroß* 16 PA RIS STRASSBURG v.. 6. Dozembor 1935 r E dgar Marx Ilse Marx gab. Stainbarg Vermählt* Stuttgart 6»l«n-tuKr Rainiburgttr. 29 Schlnktllfr. 45 Hocbzait i 22. Dasambar 1935 Stuttgart-Loga. Girtanitr. 30 r, Statt Karten Für die uns anläßlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten sagen wir auf diesem Vtlege herzlichen Dank. Arthur und Edith Lax Stuttgart, Olgastr. 131 Israelitischer Frauenverein-Frauenbund Es ist geplant, zur Entlastung der Hausfrauen Kinder im Alter von 3 Jahren ab vor- und nachmittags (nach Bedarf) unter sachkundiger Leitung zusammenzufassen zu: Spiel, Spaziergang und Beaufsichtigung der Schularbeiten. Meldungen erbeten an: Frau Käte Cohn, Seestr. 104, Tel. 217 99 FUr Palästina-Auswanderer besorgt Beschaffung der Zertifikate, Zuteilung der Bar-Devisen und Transfer über Sonderkonto TreuhandbUro Er net Potok Stuttgart, Ludwigstraße 60, Tel. 645 78 Jüdisches Lehrhaus und die Stuttgarter Jüdischen Organisationen Wir weisen besonders auf folgende Arbeitsgemeinschaft hin : Dienstag. 17. Dezember 1935, 20.30 Uhr Stuttgart-Loge. Gartegstraße 30 „Midraschim“ Rabbiner Dr. Auerbach. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. Jüdischer Frauen verein - Frauenbund Wiederbeginn unserer Nähnachmittage 16. Dezember 1935 Königstr. 82. Wir bitten alle arbeitsfreudigen Frauen dringend um Mithilfe. Voranzeige! Unsere Winter-Veranstaltung findet am 25. Januar 1936 statt. Haltet Eudt diesen Abend freil Es wird bestimmt wieder gemütlich! Sportgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten Ortsgruppe Stuttgart Felix Sontheimer Banker, ,-.r. Stuttgart-N, Azeubergstr. 57, Fernr. 20109 Vermittlung von: Hypotheken, Liegenschaften, Beteiligungen Finanzierungen / Peten tvo ne ert engen Werbet für die Gemeinde-Zeitung! SPORTKLUB STUTTGART HAKORH‘ Sonntag, den 22. Dezember 1935, 19 Uhr, Gustav Siegle-Haus Makkabäer-Feier AUS DEM PROGRAMM: Chanukkah-Festspiel von Ben Chorin Makkabäeransprache — Sprechebor: „Ein Volk — Ein Land" I von Joachim Prinz Humor aus Palästina Hebräische Lieder, Tänze, Makkabi-Sport MITWIRKENDE: Hede Schack. Buzi Kolb, Erna Feuerlicht, Hilde Klein. Heinz Klein, Norbert Engelberg Eine Kinde,gruppe und ein Sprechchor unter Leitung von Max Gellhorn Ein Doppelquartett unter Leitung von Leo Adler •Die Aktiven der „Hakoah“ unter Leitung von Julius Baumann Bflhnenbilder: Ignaz Kaufmann Eintrittspreise: F0r Nidvtmitalleder RM. 1.— und RM. 1.50 Kinder unter 12 Jahren frei, für Mitglieder und Jugend!, bis 18 Jahre: RM. —.7* Vorverkauf: Buchhandlung R. Levi, CalweretraBe 25; Musikhaus L. Jacob, Hauptstitter*tr.32A;Wäs<hehausJ. Meyer, Kirchstr.lt> Wir laden alle Gemelndemltglleder herzlich ein! Spenden fOr die Tombola erbitten wir an S. Richter, KronenstraBe 39. Telefon 274 60. Auf Wunsdi weiden die Spenden auch gerne abgehoK. C. V. Sprechstunde Friedrichstraße 54, II.. Montag bis Freitag Vorm. 11.30 Uhr-12.30 Uhr ÄRZTETAFEL Sanitätsrat Dr. Ri6S Kanzleistraße 1 von der Reise zurtck I Auswanderungs - Angelegenheiten Transferfragen / Liquidationen Bucherrevisor Eppstein STUTTGART, Sattlerstrasse 2 Fernruf 903 36 Werbet für die Gemeinde- Zeitung I

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