Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XII (1935-1936)
- Issue
- 16 (15.11.1935)
- Date
- 1935-11-15
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
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123 — neu und Leben. Das Lernen mag aus den Grottgemcinden in die kleinen hineinströmen, dort aber wird es in lebendiges jüdisches Leben umgesetzt werden, wie es die GroBgemeinde nun einmal nie vollkommen gewähren kann. Lernen und Leben, beides ist für die Aufrechterhaltung jüdischer Gemeinschaft dem Judentum in Deutschland heute unentbehrlich, und durum darf die jüdische Kleingemeinde nicht untergehen. Vor einem neuen Jahr zionistischer Arbeit Interview mit Dr. Siegfried Moses, Vorsitzendem der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Das von der Relehsvertretung der jüdischen Oeffentllchkeit übergebene Programm der .Neugestaltung jüdischen Lebens In Deutschland enthält u. a. für das In Deutschland lebende jüdische Volk als wesentlichsten Punkt eine großzügige Planung der Auswanderung nach Palästina. Vertreter der jüdischen Fresse hatten Gelegenheit, Dr. Siegfried Moses, der bei der Ausarbeitung des neuen Programms maßgeblich mitgewirkt hat, über die Zusammenhänge zwischen den Resultaten des Zionistenkongreß und der jetzt vor uns stehenden jüdischen Arbeit In Deutschland zu befragen. Seine Ausführungen werden das stärkste Interesse un- * serer Leser finden. Präge: I)cr 19. Zionislcnkongrcß hat sich mit der Krage der Juden in Deutschland stark lx*schäftigt. Ha ben diese Beratungen konkrete Ergebnisse gehabt und in welcher Richtung liegen diese? Antwort: Selbstverständlich hat den Kongreß ebenso wie das ganze jüdische Volk das Schicksal der in Deutschland lebenden Juden schmerzlichst Ix rührt. Kr hat aus dem Zusammenbruch des Judentums in Deutschland in erster Reihe die zionistische Folgerung gezogen, indem er eine Reihe von Beschlüssen fällte, die eine V e r v i e 1 f a c h ti ii g unserer A u f b u u-A n s I r e n g u n g e n in Palästina fordern. damit in kürzester Frist der Teil der Juden in Deuts« bland, der Palästina fähig und -willig ist. konstruktiv im Lande eingeordnet werden kann. Frage: Das Programm der Reichsvertretung sieht eine grollzügig geplante und vorbereitete Auswanderung vor. die vor allem .nach Palästina gehen wird. Mal die Kongreß-Delegation aus Deutschland von den zionistischen Instanzen die Zusicherung verstärkter Einwanderung*- und Aufnahmemöglichkeiten Erhalten können? Wie groll wird nach Ihrer Meinung die Alijah der nächsten Jahre aus Deutschland sein können? Antwort: In den letzten Jahren haix'ii schon annähernd M 000 Juden, die aus Deutschland gekommen sind. Platz in Palästina gefunden und sich im großen und ganzen überraschend gut eingliedern können. Iticrlxd hui die vom vorigen Zionislenkongreß unter Leitung von Professor Weizmann eingesetzte, in Palästina unter der Führung von Dr. Ruppin. Dr. Landauer und Dr. Senator stehende „Zentralstelle für die Ansiedtung von Juden aus Deutschland** außerordentlich wertvolle Arlxdl geleistet. Resonders wirksam un uTslülzt wurde sie hierbei von der „Hitaehduth Olcj Licrmania . «lein Zusammenschluß unserer Einwanderer Unsere Winterhilfe Don Leo Daeck. ln den nüebleenen Worten, die von unserer Winterhilfe spreeben, ist uns ein Großes gesagt. Wir sieben vermöge der Winterhilfe, die uns übergeben ist, vor einer Aufgabe, die uns groß und bedeutungsvoll gestellt Ist. Das bedeutet zugleteh, wir sind zu einer Freiheit hingeführt. Denn das Ist die slttllehe Freiheit; eine Aufgabe besitzen, die kein anderer einem abnehmen kann, der man sein Selbst, sein ganzes Herz, seine ganze Kraft /uwenden darf. Alles Große Im Mensehenleben Ist eine Gelegenheit, eine Möglichkeit. Die Vorsehung sehlekt dem Menseben nichts Erfülltes, sondern sie sehlekl Ihm die Stunde, die Gelegenheit. Alle Sehuld Ist versäumte Gelegenheit und aller Segen Ijn Leben des einzelnen wie der Gesamtheiten Ist begriffene, benutzte, verwertete Gelegenheit. Zu uns Ist nun die Stunde gesehlekt, die Stunde, Menseben zu helfen, Menschen zu finden und darin uns alle zusammenzufinden. Die Stunde ist bei uns, damit wir sie ergreifen. Fm uns erhebt sieh das Schicksal. Es droht uns oft zu erdrücken. Aber das wäre das Schlimmste, wenn das Leben mit seinem Druck uns sinnlos werden sollte. Aller wahre Glaube Ist Glaube, der sieh über das Schicksal erhebt. Ist der Wille, der in diesem Glauben erwächst, der Wille zu gestalten und zu schaffen, das Gesetz zu erfüllen. Durch unsere Winterhilfe können wir stärker werden ajtf ein Schicksal. Wir sehnen uns nach einem Llchtslrelfen am Horizont, wir warten auf dieses Liebt. Wir sollten über dem Warten nicht das Lieht vergessen, das wir entzünden können und das uns In der Finsternis leuchten soll. Wieviel Helligkeit, wieviel Wärme können wir In uns und In anderen schaffen, tn uns dadurch, daß wir geben, In anderen dadurch, daß wir Ihnen geben durch Mitdenken, Mitfühlen und Mittragen. Es gibt nur eine Einigkeit, die, welche durch die Pflicht geschaffen wird. Dadurch, daß sieh einer In den anderen hinein versetzt, hineinempfindet, dadurch, daß so allen ein gleiches Lieht leuchtet, von dem einen bereitet, den anderen weitergetragen. Vor .16 Jahren, Im Monat Tlschrl, hat B I a 11 k ln einem Gedieht, dem bewegtesten, dem erlebtesten.vielleicht, das er geschaffen hat, zur Hilfe aufgerufen. „Jeden Funken Kraft und Litfit, den Gott ln die Brust uns gab, wir wollen sie sammeln, sie zusammenfügen In eines. Richtet auf das Volk, erhöht das Geschlecht, holt hervor das Lieht, holt hervor das f leht.- So hat er gesprochen und so spricht er zu uns in dieser Stunde. Vor uns steht die Aufgabe, vor uns diese Freiheit, vor uns die Gelegenheit, vor uns die Stunde, vor uns das Opfer: Holt hervor das Lieht, holt hervor das Licht! aus Deutschland. — Wenn auch gewiß in vielen Einzelfällen die völlige Einordnung mal» nicht geglückt ist. so muß doch dies«1 Leistling des jüdischen Jischuw in Palästina, der Anfang IM3H wenig mehr als 20Ö000 Seelen gezählt hat und m Ix n unseren .'IQ 000 Olim immerhin noch mehr als HO 000 Einwanderer aus anderen Ländern aufgenommen hat, als wirklich liewunderungswürdig bezeichnet werden. Man hat in diesen zwei Jahren außerordentlich wertvolle Erfahrungen gerade für die Alijah aus Deutschland gewonnen und wir«! jetzt damit rechnen können, daß, sofern nicht unvor hersehhare Komplikationen eintrelen, auch in «Ion nächsten fünf Jahren je etwa 15 000 Menschen nach Palästina einwandern und dort noch schneller, als da i bisher schon der Fall war. im Lande verwurzelt worden können. Frage: Läßt sieh voraussehen, wie sich die Einwanderung auf unbemittelte Einwanderer und auf di' sogenannten ..Kapitalisten ' — die Menschen, die iil»e* das sogen. Vorzeigegeld von 1000 Pfund verfügen - - verteilen wird? Antwort: Trotz der furchtbaren jüdischen Not ii Polen und Rumänien konnten wir für die nächste Ar- Ixdtsperiode — ein Zeichen vorbildlicher zionistische* Solidarität — einen Prozentsatz an Zertifikaten zugesichert erhalten, der wenigstens für den dringlichsten Bedarf in Bezug auf «tie Auswanderung unbemittelter Menschen im Rahmen der 15 000 Auswanderer ausreichen wird. Was aber die Kapitalisten-Aio- Wanderung anbetrifft, so ist trotz mancher Angriff * das Transfer-Abkommen vom Kongreß gebilligt und insofern von der Zionistischen Organisation legalisiert worden, als die den Transfer ausführend«' Institution der Aufsicht der Exekutive unterstellt wurde. Somit wird auch die Auswanderung der Kapitalisten voraussichtlich zumindest im 1‘mfang des letzten Jahns weiter möglich sein. — Wichtig ist am t», «laß auf der Tagung der J u g e n d a I i j a h. die kurz nac h «len Kongreß stattgefunden hat. das Programm dieser wiiT - tigen Institution wesentlich erweitert werden könnt Während bisher insgesamt etwa H50 junge Menschen durch die Jugcndalijah zur Ausbildung ins Land g« - bracht worden sind, sotten es im nächsten Jahr aliei i etwa 1000 werden. Frage: Welche Aufgalx o werden wir .Juden in Deutschland zu erfüllen halten. um von unserer Seile aus diese geregelt, Wanderung zu ermöglichen? Antwort: Das Programm der Keielisvertrolung gcl t txTcit.s von der zutreffenden Krkenntuis aus. daß d e Neugestaltung unseres Lelx ns von uns seihst streune Selbstzucht und größte Opferlx reits« haft verlangt. So wild auch die Möglichkeit der Aufnahme unserer Alijah in Krez Israel zu einen» erheblichen Teil davon uhhängcii, oh es uns gelingen wird, durch «len Kinsa z. aller Kräfte wesentlich größere Kapitalien als bisher für den Aufbau unseres Nationalheims aufzuhringe». Wir müssen dem Keren Kajemeth Lejisrael Milt! schaffen, um neue Bodenflächen zu erwerbet», und de n Keren Hajessod als dem nationalen Koloi»isntinnsfoi»<(s. «len» nun auch die Reichsvertretung als solche heig' treten ist. durch wirkliche Opfer di«' Artsiedlung u nserer Olim auf «len neuen Böden möglich mache». Auch in «lieser Hinsicht halx'ii wir in Luzern groß s Verständnis gefunden: alle über eine Ix stimmte (irenz«' hinausgellenden Eingänge des Keren Majessod werde n der Abteilung für Deutschland zugeführt werden. «Ü.> dann, atx r auch nur dann, ihre lelx nsw iehtige. «I *r Verwurzelung unserer Auswanderer in Palästina gewidmete Arlxdt fortsetzen kann.: l ud wenn in di«—t »» Tagen der Keren Kajemefh. wie alljährlich, seine grolle Ros« I» Haschanah-Aklion in Deutschland durchfüli 't, so wird in diesem Jahr «las Ergebnis für den Kauf «lei Hodens verwendet werden, auf dem im Süden, lies Landes eine große Gruppe von Chaluzim aus Deutschland Alleinverkauf der Weltmarken Daily Angulus Domdorf Edox-Sdiuh-Co. Königstraße 19 B ■orsctiKUalK Korsetts und Leibbinden. MaBanfertlg.. Rep. u. Reinigung, Körperpflete Bestrahlung.. BAd., Manag. ErmSilnHitntr.27 T titln 742 70 Alleinverkauf für Laupheim 8. Heu man» Scbnbwarea Ihr Drucker für Ihren gesamten Geschäfts- und Privafgebrauch M. 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