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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1935-10-01 · 13 (1.10.1935) · p. Seite 97

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XII (1935-1936)
Issue
13 (1.10.1935)
Date
1935-10-01
Page
Seite 97 (sequence 3)
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— 97 — hinaus der planvollen Vorbereitung für den künftigen Beruf unter Berücksichtigung der für die Answanderungsfühlgkelt gegebenen handwerklichen Notwendigkeiten dienen. Dem gesteigerten Auswanderungsbedürfni» Ist mit einer großzügigen Planung zu entsprechen, die vor allem Palästina, aber auch alle In Frage kommenden I.Luder einbezieht und besonders der Jugend gilt. Die Erhaltung und Betreuung der Hilfsbedürftigen In Ergänzung der staatlichen Fürsorge durch systematischen Ausbau der jüdischen Wohlfahrtspflege. Die Relehsverlrelung Vlrd mit allen Mitteln versuchen, die wirtschaftliche Kraft der'Juden durch Erhaltung vorhandener Erwerbsmügllehkelten zu sichern. Die Relehsverlrelung tritt, um das Judentum In Deutschland noch mehr als bisher In den Aufbau des jüdischen PaIXstina hineinzustellen, dem Keren Hajes sod bei und fordert die jüdischen Gemeinden und Verbünde auf. Ihrem Beispiel zu folgen. Die Entschließung der Relehsverlrelung, der durch dir jüdischen IjindrsvrrbXndc, Vertreter der Groß gemeinden und die freien jüdischen Organisationen zugesllmmt wurde, schließt mit einem Aufruf zur Einigkeit, Selbstzucht und Opferbrrritsrhaft. Zur Frage der Auswanderung nach Palästina. Von Dr. Paul TXnzer, Stuttgart. Palästina ist heute (las einzige Land, in das .luden aus Deutschland mit der Aussicht einwandern können, sofort Arbeit und ein auf Dauer tiereehnetds, freies Lehen zu führen. Weizinann hat in seiner Sehlussanspraehe auf dem Council der Jewish Agency auf die grossen Schwierigkeiten hingewiesen, welche die Kolonisation unhewohnlcr Länder mit sieh bringt (angesichts des Versuches, neue Landstriche zur Ansicdlung von Juden zu finden 1, und erklärt, dass Piläslina unter den Ansiedlungsländern tatsächlich „ho-s concours" sei. Das wird klar, wenn man weiss, n welch kümmerlichen, seihst unerträglichen Zuslümli II meist die Menschen teilen, die als „Emigranten" n europäische Länder kommen, und welch geringe Za il sich in ausscreuropäischcn Ländern niederlussi n konnte. Wenn man weiter berücksichtigt, wie schwer es ist. sich allein in einem fremden, z. B. in einen südamerikanischen Lande, ohne Anschluss an gleichgesinnte Menschen anzusiedeln und sieh HINZU schichten. Die Z u s a in m ensetiung der jüdisch e|n Auswanderung aus Deutschland nach Palästina wird aus den Zahlen deutlich, welche der Bericht des Ontralhüros für die Ansiedlung deutscher Juden jn Paläslimf, der dem Kongress erstattet wurde, enthält. Die gesamte Einwanderung aus Deutschland vo|n Januar I‘JH.'t bis April 19.'15 wird mit rund 25 000 angegeben. Sie ist in diesen Jahren jeweils gestiegen, das prozentuale Verhältnis zur GesamteinWanderung da gegen gefallen 125 Prozent 1930, 12 Prozent 1/19351. Die Einwanderer waren ihrer Staatsangehörigkeit nach y, Deutsche, '/i Ausländer. Interessant ist auch das Verhältnis der Kapitalisteneinwanderer zur Arbeitereinwanderung: 1933 waren es etwa gleich viele, (44:46 Prozent 1, 1934 waren es nur noch 37 Prozent Kapitalisten gegen 46 Proz. Arbeiter, und 1935 stehen 31 Proz. Kapitalisten 46 Prozent Arbeitern gegenüber. Main sieht in diesen Zahlen deutlich die Schwierigkeiten der Vermögenstransferierung. Wichtig ist auch noch. Zu wissen, dass 60 Prozent der Einwanderer im Alter li}s zu 30 Jahren standen. Bedeutsam ist endlich, dass etwa 25 Prozent der Einwanderung aus Deutschland sich auf dem Land in Palästina niedergelassen hat, ein Prozentsatz, der über dem allgemeinen Durchschnitt liegt. Die jüngste Entwicklung in Deutschland hat Palästina' erneut in den Vordergrund des jüdischen |Qleresses gerückt. Denn Palästina wird tu »rufen sein, in den nächsten Monaten und Jahren einen grosseln Teil der Juden Deutschlandsaufzunenin e n. Es wird die Aufgabe der Palästina Aemter unjd der Zionistischen Vereinigung für Deutschland sein, dafür zu sorgen, dass möglichst viele Arheiterzertifikaje nach Deutschland kommen. Bisher kamen schon 19 Prozent derselben dorthin. Zu einer Vergrösserunjg der Arbeitereinwanderung nach Palästina ist es erforderlich, dass die Olim sich einer gründlichen beruflichen und geistigen Hnchscharah unterziehen. Das Land will gut ausgebildete Menschen, die wissen, daifs Palästina die Heimstätte des jüdischen Volkes werdet! soll. Es ,ist deshalb unerlässlich, dass alle Zcr|- lifikalshewerber sich gründlich m i; t der Erlernung der hebräischen 8pra e he befassen. Der Kongress hat die Palästina-Aeinliir angewiesen, von diesen Einwanderern die Kenntnis der hebräischen Spruche zu verlangen. Wenn diese Forderung sich auch nicht sofort in die Tat umselzen lässt, so zeigt sie doch, mit welchen Anforderungen die Zcrtifikatsbewcrbrr künftighin zu rechnen haben. Die K a p»i t a I i s I e n e i n w a n d e r u n g befindet sich teils in einer einfacheren, teils in einer schwierigeren Lage. In einer einfacheren, weil der Nachweis eines freien, verfügbaren Vermögens von 1.000 LP den Einwanderern den Weg nach Palästina ebnet. In einer schwierigeren, weil die Transferierung ihres Das Reichsbürger-Gesetz. Der Reichstag hat einstimmig das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird: 8 i 1. .Staatsangehöriger ist, wer dem Sehulzverband des Deutschen Reichs angebürt und ihm dafür besonders verpflichtet Ist. 2. Die StaatsangehSrigkelt wird nach den Vorschriften des Reichs- und Slautsangehttrlgkeitsgesetzes erworben. 8 2 1. Rrlchsbürger Ist nur der .Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Bluts, der durch sein Verhalten beweist, daß er gewillt ist und geeignet Ist, In Treue dein deutschen Volk und Beleh zu dienen. 2. Das Relehsbürgerrecht wird durch Verleihung des Relehsbürgerbriefs erworben. 3. Der Rrlchsbürger Ist der alleinige Träger der vollen politischen Rechte nach Maßgabe der Gesetze. 8 s Der Rrichsminlster des Innern erläßt Im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers dir zur Durchführung und Ergänzung des Gesetztes erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriftdn. Nürnberg, 15. September 1935. Der Führer und Reichskanzler. Der Reichsminister dej> Innern. Gesetz zum Zchutze des cleulschen Bluts lind der deutschen €&rej Durchdrungen von der Erkenntnis, daß dir Reinheit des deutschen Bluts dir Voraussetzung für den Fortbestand des deutschen Volks Ist, und J beseelt von dem unbeugsamen Willen, dir deutsche Nation für alle Zukunft zu sichern, hat der Reichstag einstimmig das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird. 8 I; 1. Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandteri Bluts sind verboten. Trotzdem geschlossene Ehen sjlnd nichtig, auch wenn sic zur Umgehung dieses GeseVzrs Im Auslande geschlossen sind. 2. Die Nichtigkeitsklage kann nur der Staatsanwalt erheben. 8 2 Außerehelicher Verkehr zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Bluts Ist verboten. 8 ' Juden dürfen weibliche Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Bluts unter 4L Jahren nicht in Ihrem Haushalt beschäftigen. 8 4 1. Juden Ist das Hissen der Reichsuyd Nationalflagge und das Zeigen der Rrlchsfarben verboten. 2. Dagegen Ist Ihnen das Zeigen der Jüdischen Farben gestattet. Die Ausübung dieser Befugnis steht (unter staatlichem Schutz. 8 » 1. Wer dem Verbot des 8 1 zuw Idrrhandelt, wird mit Zuchthaus bestraft. 2. Der Mann, der dem Verbot des jj 2 zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis oder mit Zuchthaus bestraft. 3. Wer den Bestimmungen der 88 3 oder 4 zuwider handelt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft. 8 « Der Rrichsminlster des Innern Erläßt Im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers und dem Rrichsminlster der Justiz dir zur Durchführung und Ergänzung des Gesetzes erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorsehriftrn. 8 1 Das Gesetz tritt am Tuge nach der Verkündung, 8 3 jedoch erst am 1. Januar 1938 in Kraft. Nürnberg, 15. September 1935. Der Führer und Reichskanzler. Der Reichsministrr de« Innern. Der Reichsministrr der Justiz. Der Stellvertreter des Führers. Wer ist Jude im Sinne der neuen Gesetze? Wir das DNB von maßgebender Seite Zu den vom Reichstag neu verabschiedeten Gesetzen frfährt, beziehen sich diese Gesetze nur aüf Voll Juden. V e r III ö g e n s nach Palästina angesichts der Devisentage und der beschränkten Aufnahmemöglichkeit für den Export erschwert ist. Der Kongress hat sich mit der politischen Seile des Transfers beschäftigt und diesen unter die Aufsicht der Exekutive gestellt. Es wurden darüber hinaus in eingehenden Besprechungen mit den zuständigen palästinensischen Sielten Wege gesucht, um eine liesehleunigte l/eberlTilgung des Ver¬ Aus unserer Maß-Abteilung: Maß-Anzüge Mk. 140.- in erstklassiger Ausführung und bester Verarbeitung ISO.- 160.- 180mögens der Juden Deutschlands nach Palästina tu e möglichen. Die Problemstellung ist folgende: Der K |H»rt mieli Palästina ist an die Aufnahmefähigkeit de* Landes gebunden. Andererseits wachst die Nachtrag«’ nneh Transfermöglichkeiten ständig. Der Ausweg kar in zweifacher Richtung liegen: einmal Ausweitung d<* Transfervolumens im ganzen, oder Beschränkung der Zuteilung des Trunsferlndrages für den einzelnen Au Wanderer. In beiden Richtungen verhandelt man jet^t So viel scheint allerdings jetzt schon sicher zu sei Mit der Zuteilung der ersten 1000 LP kann früher a|l bisher gerechnet werden, l'nd es scheinen auch Ve hnndlungen im Gange zu sein, die eine schneller^ Fifi reise von Kapitalisten nach Palästina zum Ziel Fine Erweiterung des Transfervolumen« Einzelnen ist aber auch durch eine Reihe von; lichkeiten gegel>en. die ausserhalb des allgemein« Prßf igen« Betrieb, der Transfer eines Gebäudes und anderes. I>+: Auswanderer wird im Kinzelfall priilen müssen, wel der gegebnen Möglichkeiten ihm die raschest«. Au Wanderung gestatten. | Es zeigt sich also deutlich: Man Ix'inüM si«lh allen! hallx-n. dem Judentum in Deutschland dadm|ch| 11iI t zu bringen, dass man ihm die Einwanderung hadh -pji Inslina so weil wie irgend möglich crlc icKtc^i. 1 Da cs nicht so leicht geht, wie manch«* Auswanderer e warten, liegt an Entständen, für die zionistische | stanzen nicht verantwortlich sind. le habe für d« non; M lichkeiten gegelK'n. die ausserhalb des allgemeii Transfers liegen. Dazu gehört die Mitnahme Von l1 duktions- und sonstigen Bclrirhsmitlcln für «Icii et ge Alijah der Kinder. Von Walter Orbaeh, Stuttgart. Dir Geschiehtssi hreiher. der einmal über dik tung der zur Zeit in Deutschland Iclx'ixlcn .luden sciik Erteil fällen mag, wird von ihnen sagen müssen. d.iL sie auf di«* zahlreichen groß« n Fragen, die ihre Zeit ihnen stellte, zumindest eine wirkliche Antwort gW» geben halx n. Kr wird es als gescbichtli« he I Ltjisluijf und als Austluß echter jüdischer Haltung werten, d:ijl sie in der Sorge um die Zukunft ihrer Kinder tdl<f wellt anschaulichen Differenzen überwunden und iij g^mei-t snmem Bemühen der Jugend einen neuen Wep in eiijr schönere Zukunft zu bauen begonnen IuiIm'ii. | hi ibrif Mitte ist der Gedanke der .1 U g e n d - A I i j a li entstanden. Sie ist für hunderte jüdischer Kinder aus D«,»ut*jland die Brücke zu einem neuen Lelx'ii, ja ztßniLeh« überhaupt geworden. Besonders für jene Jugendlichen tx'deutet die Ji gend-Alijoh «ten einzigen Ausweg, die nach der |Schufenllassung ohne Lehrstelle und ohne Arbeit iß, ilx In dieser bedeutsamen Bildungs- und Entwi« klungx- >-eriode zwischen 15 und 17 Jahren, in der eine itingerjj* Arlxdtslosigkeit die schlimmsten Folgen geistig« r «miß moralischer Art halfen müßte, wird die Arlx'ithgl'ineiiji! schaff -für Kinder- und Jugend-Alijah wirksanj. 1){L Kinder werden also in einem Alter nach Palästina gc bracht, in dem bei ihnen die Möglichkeit der Kop'muti; und der Anpassung an die geistigen und gcsellxehafy liehen Bedingungen des Landes in hcs«mdcrrm Mal! gegelx*n ist.» 1 i Nach einer ernsten Prüfung und der AhshlVieruiij* eines mchrwöchentlichrn VojrlxTeitungsIagcrs gefeit s|j* gruppenweise unter Leitung lx*son<lerer Führer un^l Lehrer nach Palästina, wo sie fast ausschließlich aiijf dem Lande, in den Kolonien und Kwuzolhi uplergfhracht werden. Dort erhallen sie eine zwei J;«hrj* wäHcrciidc praktische Ausbildung in der Landwirtschaft oder einem Handwerk, sowie Enterricht in dei er ßchrüSailgemefjschen Sprache und den wichtigsten Fächern ner Bildung. Dalx i wird im Laufe der Ausbildung «hfl* praktische Teil immer mehrin den Vordergrund genickt. _ 1 1 Den letzten und entscheidenden Abschnitt | diestjfs Prozesses der Verwurzelung im Lande bildet atyer dt Ansiedelung der Jugendlichen in eigenen Köioniej nach Beendigung ihrer Lehrzeit. In «len nächsten M<; unten schon wird für die ersten von ihnen dieser M< ment gekommen sein. Damit taucht zugleich das Problem defc Bodeii auf. Die Krankheit des jüdischen Volkes, die dps eigen liehe Leiden der Guluth bedeutet: daß wir niclhl Bodtj unter den Füßen haben: sie muß in Erez Israel [geheij werden. Wenn wir die Gefahr bannen wollen, daß ..dem jüdischen Volk, das in «1er ganzen Welt des Bodens Ih> rauht ist, seine Tragik bis in das Land seiner; Vät«jjr nachgeht' (M. M. Essischkin, Präsident des Kennt Kajemeth, auf dem Luzerner Kongreß«, darf auch d;||s Werk der Jugend-Alijah mit der Emschichtiing nicht beendet sein. Ihre Aufgalx» ist erst <1 a n n wirklach erfüllt, wenn sie die Kinder der eigenen Scholle rußefühtjt hat. Entscheidende Bedeutung kommt hierbei dtciu Keren Kajemeth Lejisrael. dem Bodenfonds des Palästina welkes, zu. Er überführt nach seinen Kräften den Bodeh Palästinas in den unveräußerlichen Nntionulbeshz d« s jüdischen Volkes, um ihn dann unter Ausschaltung d« r Bodenspekulation unseren Sii*dlerh zur Verfügung za stellen. Nur durch den Keren Kajemeth kann die grote Aufgabe erfüllt werden, der jüdischen Jugend den Hei mathoden zu erwcrlien. Das Privatkapital kann sc nicht durchführen, weil es l>ei der Erschließung von Neuland zunächst nicht mit einem privaten Nutzt n i«ebnen kann; zudem ist mit seinem Tätigwefden sfe s die Gefahr der Bodenspekulation verbunden. Der Bo

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