Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XII (1935-1936)
- Issue
- 7 (1.7.1935)
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
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— 55 - Als ich am frühen Morgen den Bahnhof von Tel Aviv betrat, war ich überrascht über die grosse Zahl der Reisenden; freilich merkte ich am Schalter, daß nur wenige als Reiseziel Jerusalem hatten. Die zweite Ueberraschung wurde mir zuteil, als man für eine Rückfahrkarte nur zehn Piaster, etwa 1.20 Reichsmark, verlangte: 100 Kilometer Bahnfahrt zu diesem Preis, das erinnerte an die Zeit des seligen Kilometerheftes in Baden, l'nd für diese kleine Summe wird man zweimal drei Stunden gefahren. So war alle Ursache gegeben, frohgemut den pünktlich von Jaffa her einfahrenden Zug zu besteigen. Bis Ludd war mir die Gegend bekannt. Ludd ist das „Friedrichsfeid’* von Tel Aviv. Mau muß zu den Zügen nach Nord und Süd ulnsteigen; wir Reisenden nach Jerusalem durften sitzen bleilien, hatten aber das zweifelhafte Vergnügen, über die fahrplanmäßige teil hinaus den Nachtschnellzug von Aegypten nach Haifa abwarten zu dürfen. Als schließlich dieser Süd-Nord Fxprett einlief, hatte man das Gefühl, für einige Minuten von einer mondänen Atmosphäre umfangen zu sein: der Betrieb eines zentralen Bahnhofs mit internationalem Publikum, mit Reisenden aus allen Landern des Morgen- und Abendlandes, gekleidet in orientalische Trachten oder gutsitzende Reiseanzüge, umgeben von Bergen eleganten Reisegepäcks; die arabischen Zeilungs- und Lebensmittel Verkäufer, die sich um ihre Beute balgenden Gepäckträger, die, wie überall in der Welt, ihren Dienst mit dem höchstmöglichen Stimmaufwand versehenden Wagenrangierer, sorgten gemeinsam für den an solcher Stelle notwendigen Lärm. Der Schnellzug fuhr weiter, und dann setzte sich auch unsere Vizinalbahn in Bewegung. Irh begann in meinem geistigen Rucksack, der wohlbelnden war mit historischen Reminiszenzen, zu kramen. Ludd wird in der Bibel oft erwähnt als Wohnsitz des Stammes Benjamin, als ein Ort, in den die RQck vunderer von Babylon heimkehrten; und später nach d?r Zerstörung des zweiten Tempels war Ludd, wie dar benachbarte Fmei-Berak, die heutige Industrie- und ^illenvorstadt von Tel Aviv, Sitz einer berühmten Ge ehrtenschule; heule ist Ludd von Juden verlassen. Al: er wir sehen durchs Fenster freundlich herüberwinken das jüdische Kinderdorf B e u - S c h e m e n, neben dei Stätte einer versunkenen Welt die Sicdelung eines neuen zum schweren Dienst an dem nationalen Loden heranwaebsenden Geschlechtes. Dort sind erst vor wenigen Tagen-jugendliche Landsleute eingezogen1 als Teilnehmer der Jugend-Alijuh. Es mag ein schmerzvolles Losreißen der Ellern von diesen in weite Ferne hinausziehenden Kindern der Alijah vorangegangen sein: aber die Kinder stehen in guter Obhut an die*jem Orte und an den anderen Wohiiplätzeu der Jugenfd-Alijah; sie* ordnen sich froh und leicht ein. Der Gedajnke, die Ausbildung der Jugendlichen für das Land int dieses selbst zu verlegen, ist aus vielen Gründen ein äußerst glücklicher. Nach den bisherigen Erfahrungen passen sich gerade die aus Deuts« bland kommenden Jugendlichen — es handelt sich um 15 bis j7jährige — sehr gut an; man rühmt, daß sie ein sehr brauchbares und gut ausgewähltes Menschenmaterial darstellen. |)en jugendlichen Olim bleibt ,1er hall«* Tag zur geistigen Beschäftigung. vor allem zum Erlernen der ■ hebräischen Sprache, in der sie rasch vorwärtskommen; die übrige Zeit ist der landwirtschaftichen Ausbildung gewidmet. Es sind aus Deutschland mit der Jugendalijah bis jetzt etwa 500 Jungens und Mädchen nach Erez Israel ge-< kommen; bis Ende des Jahres 1935 wird sich dies,' Zahl verdoppelt haben; man schätzt die Fassungskraft_fiir derartige Jugendliche auf 1300—1400 Plätze. Gegenüber den jetzt dauernd wachsenden Schwierigkeiten, die sich der beruflichen Eingliederung und der wirtschaftlichen Konsolidierung älterer Finwand r r enlgegcnstellen, ist in der Jugend-Alijuh eine Immigrationsform gefunden, die ein sicheres, organisches Hineinwachsen der Ankömmlinge in den natürlichsten LebenslH'ruf, in die landwirtschaftliche Arbeit, durch die neben den ideellen auch die ökonomischen Lebensansprüche erfüllt werden, verbürgt. AImm* schon liegt Ben-Schemen weit hinter uns, wir sind in die Schofclah eingefahren, in die westlich der judäischen Berge nach Süden sich erstreckende hügelige Landschaft. Wir sind ungefähr an der alten Grenze des Philisterlundes, dessen Städte am Meeresrand lagen. Es hat in mir immer ein Minderwertigkeitsgefühl uusgelö*!, daß wir Juden iin Altertum die Seeküste Palästinas und die Schiffahrt den Philistern und Phönikiern ül>erlnssen hatten. Heute sitzen wir an der Wasserkante, aber der große Reise- und Frachtverkehr Europas mit Palästina fährt unter fremden Flaggen. Neuerdings wurde mit d*r Schaffung einer eigenen jüdischen Flotte la gönnen. Als in dem Festzug an Purim jüdische Matrosen mitmarschierten, . wurden sie mit großer Begeisterung Itegrü^l; auch Seeflugzeuge werden jetzt von~3uden bedient. Es gibt wohl Am 23. Juni ist unsere gute, treue Mutter und Orossmutter Lim lichaelsohn gab. Astrich nach schweren Leiden im Alter von 71 Jahren entschlafen. Die Beisetzung hat auf dem JOd. Friedhof in Leipzig stattgefunden. Dr. Albert Michaeisoho, Leipzig Dr. Irene Mlchaelsohn-Graf, Leipzig läge Michaelsohn, Leipzig Kftte Cohn geh Michaelsohn, Stuttgart Dr. Martin Cohn, Stuttgart Haanah Senate Cohn, Stuttgart HERTA QOTTHILF ALFRED LEVY VERLOBTE "S WOrzburg Harfenstr. 12 Stuttgart Schellbergstr. 33 SUSISTRAUSS LÄSZLÖ KRAUSZ VERLOBTE Stuttgart Olgastrabe 93 B Lausanne-Chailty Chemin de la Fauvette 32 Juni 1935 STATT KARTEN HERBERT M. R. REES INQEB0RG REES gab. Bernheim VERMAHLTE Stuttgart London N. W. 6 3. Juli 1935 115 Abbey Road Dannacksrstr. 37 r Musiklehrkräfte u. ausübende Musiker in Stuttgart Grete Bohle Koppentalstr. 3, Tel. 24033 Individueller Klavierunterricht auf neuzeitlicher Grundlage Hans! EiaSteia (Ausbildung Prof. Psuor) Klavlar, Ludwfg-Pfaustr. 16, Tel. 60128 Begleitung, SchuMBtn Ruth HembUrg (slaatl. ansrk. Musiklehrerin) EtzelstraBe 16 Violine, Kammermusik Rosa Lipski Mozartstr. 15 p, Tel. 712 25 Klawleruntarrlcht für Anfänger und Fortgeschrittene jeder Stufe Hilde Schlessinger Klavier, Kammermusik, Alexanderstraße 176, Tel. 74211 Begleitung Rosy Sontheimer-Prlns Azenbergstr.57. Tel. 20109 / anerk. KoazertsAngarln, QesangapSdagogln Poldy Sperling-Donath, stöckachstr. uei. 40103 Pianistin, lengj. Assistentin von Prof. Robert und Lehrerin am Wiener Koneenrstorium / Einzel- «s. OruppanuntarrloM M. E. Thalmessinger (staati geprüft) Lenzhalde 42, Telefon 23655 Violine Ignaz Zlaglar Schlckhardtstr. 33. Tel. 23364 Nendharmonlke, aiterre, Leuten-Qeseng Halene Zippert, Johannesstraße 98, Telefon 23928 (Opi. MueiktehrerifO Klavierunterricht, KorreplHlon, •ogtettunoen, Vrrfaseen und Unterlegen von Texten msoaaaaaaam Voll Freude Tochter zeigen wir die Geburt unserer RUTH IDA ILSE, geb. Berlizheim er u. HEINRICH FRANKFURTER. Güpplngen (Wttbg.) Hill»ratrw 43 den 15. Juni 1935 Allen lieben Freunden, lieben Bekannten, die midi anläßlidi meines 70. Geburtstages durch Besuche, Beglückwünschungen und Geschenke in mich tief rührender Weise erfreuten, spreche ich auf diesem Wege meinen aufrichtigsten und herzlichsten Dank aus. Max Osterberg. STUTTGART. 30.'Juni 1933. Nach 0 Jlhr. Tißgk. alt Stationsarzt bzw. Aeeietent an den Un.-Frauenkliniken in Güttingen und Gieben, am Patholog. Institut In Frankfurt e. M. und nach mehriihriger selbetAndlger Fachpraxis in Tuttlingen hebe ich mich hier eie Facharzt für Frauenkrankheiten und Geburtahilfa niedergelassen. DR. CHAS8EL Stuttgart, Kasemenetr. 56,1. Tat. 652 66 Sprechstunden: täglich von II—I2J0 und 4—5 Uhr ausser Samstag nachmittag. AuBerdem nach telephonischer Anfrage Dr. med. S. GIDEON Frauenarzt leitender Arzt der Hoppenlauklimk verreist bis 14. Juli 1935. j r Für die uns anläßlich der Konfirmation unserer Töchter Ilse, Suse and Annetlese erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlich. Familien Oskar, Siegfried and Julius Steigerwald. HEILBRONN, im Juni 1935. V. Dr. med. Min oneaiwiner Facharzt für innere Medizin Fripdrichstr. 16 verreist bis 14. Juli 1935. 2 Zimmer-Wohnung mit Such« von aHtinttttcnbn Alte rrr 2am« per sofort gesucht. >»,. u. E. B92 a. b. »em.Ztg. 3 Zimmer-Wohmmg mit «ab, Küche, mögt, genttalbet,ung. In mutterer Hibenlage. auf I. Ott. von «hepaar gesucht. Offert, u. L 893 an btt 9emet»b«»»tr«>g. OFFENE STELLEN Keine Originaljengnifff den Bewerbungen beifügen! Zeugnisabschriften. Lichtbilder usw. stet» mit Namen und Rnschnft ihres Besitzers versehen! Stuttgarter Hau» sucht zum kintritt am t. Rugusi jüngere, gewandte StMWisti» mit guter Auffassungsgabe und Allgemeinbildung. Bewerbungen erb. unter E« 470 a. d. Semelndezeitung. I E T» G E SUCHE Ltbrer sucht helles, freundlich mödl. ZIMMCP aut 15. 7. oder 1. 5. 1955. Rng. u. E* 614 a. d. Gemeindezeitung. 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I DIVERSES r Mas Pal Ensnm Stuttgart, Sattlarstr. 2 Ftrnzprecher 90338 Bücherrevisor, Wirtsettafts* und Steuerbarster I Prüfung von Stauarbaachaidan Baratung in dsn nausn Stauargaaatzan Wer würde tm August d. ZahreA mit jüngerem Herrn eine 10-14 tägige Paddelbootfahrt lNettar-Rdetn» machen? «n^. n. E. »91 a. b »rartnbtnrituaa. Ihr» »OkUke vor den Ferren zu Sdiuhmadrermeizter KATZ, Stuttgart. TObingeratrasze 27 I. « Laie Oalrtng. SäZ«^i1!^rt«rKest^iaUj Tl-ioatataffa per half« ja turnten, pro Kilo. Bin Uniftndtr Bbrnbimr. erb. n>. flno. an $.$tt4acr, chemniher Strumpf- Rtiala lUvIia r «ft. Airtf9hr IR Die nächste Nummer erscheint am 16. i Juli Lejzter Ant na^metag für Anzeigen l Diauatag, 9a Juli 12 Utjr vorm. 1 l^auft bei unseren . Insetentenl