Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1935-02-01 · 21 (1.2.1935) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XI (1934-1935)
Issue
21 (1.2.1935)
Date
1935-02-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4904101-5442811-5443387--4290-4908068
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

einen großen Kreis von treuen Freunden gesichert hat. — So wird Abraham Laer auch in unserer Gemeinde für alle Zeit ein ehrendes und treues Gedenken bewahrt bleiben. Stattgart. Kunstmaler Ignaz Kaufmann, der uls Landschaftsmaler und Porträtist weit über Stuttgarts Grenzen hinaus bekannt ist, wujde am 13. Januar 5« Jahre alt. Wir benützen gerne diesen Anlali. um dem Künstler unsere Glückwünsche auszusprechcn. Die vielen Freunde Ignaz Kaufmanns schließen sich dieser Gratulation von Herzen an und wünschen ihm auch weiterhin die altgewohnte Schaffensfreude. Stuttgart. Der „Bund deutsch-jüdischer Jugend“ (Der „Ring“) veranstaltet am 2. Februar einen Bundesabend. Die Stuttgarter deutsch-jüdische Jugend tritt damit zum erstenmal nach einjährigem Bestehen mit einer eigenen Veranstaltung vor ihre Fitem und Freunde. Durch ein ausgewähltes Programm will der Bund ein Bild von seiner Arbeit und seinen Menschen geben. Neben der Ansprache des I. Bundesleiters, Heinz Kellerniann. werden Lieder. Spiele. Musik u. a. m. dargeboten. Stuttgart. Am 3. Februar spricht Rabbiner Dr. Joachim Prinz (Berlin) wieder einmal in Stuttgart. Der Redner ist unseren Lesern so bekannt, daß wir den Besuch dieses Vortrags, der im Rahmen der Zionistischen Ortsgruppe Stuttgart stattfindet, nicht - 183 — mehr besonders zu empfehlen brauchen Prinz spricht über das Thema „Der Jude in der neuen Weltgestaltung — Rechenschaft und Neuformung". Fr wird mit dieser Problemstellung weite Kreise unserer Gemeinde — insbesondere auch die Jugend — aufs stärkste interessieren. Stuttgart. Am 3. Februar wird im Bert hold A u c r Ti a ch - V c* r c i n der Wochenabschnitt, am 12. Februar Gerson Sterns hervorragender Roman „Weg ohne Ende" in Besprecht,ngsabenden behandelt. — Der für 29. Januar vorgesehene Vortrag des Musikhistorikers Erich Werner (Saarbrücken) wird jetzt, wie wir hören, um J9. Februar stattfinden. Stuttgart. Dein I. i p i n s k u j a kommt! Die Stuttgarter Jüdische Kunstgemeinschaft bemüht sich schon seit einigen Monate». Dein I. i p i n s k a j u zu einem Gastspiel zu gewinnen, um auch der Klein-1 kunst. der heiteren Muse, zu ihrem Recht zu verhelfen. Nach längerer Auslandstonrnce gastiert nun Dela Lipinsknja im Rühmen einer Sonderverunstaltung der Kunstge in ein schuft um t». Februar. Leber die Künstlerin selbst ist eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Ihr Name bedeutet ein Programm. Es genüge, auf einige d e u t s ch e und ausländische P r c s s e s t i m in e n hinzu weisen: „Diese Lipinskaja ist eine ganz aparte Erscheinung, jedenfalls eine der eigenartigsten, die Europa in letzter Zeit gesehen hat . . . Die Kunst der Lipinskaja ist voll Reiz, An- An die Juden der Saar. Die Reichsvertretung der deutschen Juden schreibt an die jüdischen Gemeinden des Saargebietes: Nach 13 Jah.ren der Trennung ist die Saar zu Deutschland zurückgekehrt. In geschichtlicher Stunde entbieten wir den, jüdischen Gemeinden im Saarlande ein Wort herzlicher Verbundenheit. Ihr seid jetzt wieder mit uns zusammengeschlossen und wir mit Euch. Gemeinsam ist uns wieder unser Schicksal, gemeinsam Arbeit, Sorge und Aufgabe. Pflichten sind Euch neu gestellt; wir teilen sie mit Euch. Gegenseitig wird unsere Hilfe sein. Dem Gebot und der Hoffnung unseres deutschen Judentums treu werden wir Zusammenhalten. Die Reichsvertretung der deutschen Juden gez. B a e ck. nult, Geist. Witz. Es funkelt, knistert und leuchte, ... Sie singt, sie plaudert, sie spielt Klarier und Ziehharmonika. ist Diseuse und Parodistin. alles mit der Grazie, die angeboren, nicht'erlernbar ist . . . Dela Lipinskaja, Rußland. Paris und Berlin /usammeiigeuirlt zu der geistreichsten und charmantesten Fran. je je das Podium betrat . . . Was sie alles kann!' Kaum läßt sich s sagen, was sie nicht kan», lud alles wird mit einem solchen Maß — eigentlich müßte man sagen Unmaß — von strahlender Anmut durgolmtcn. daß vom ersten Lied bis zur letzten Zugabe das Publikum beglückt und begeistert war.“ Du die Veranstaltung uns Gründen der besseren Wirkung in einem kleineren, intimeren Saal stattlinden muß. wird sie als Sonclerverunstultung der Kiinstgeineinschaf,. also außer Abonnement geboten und ist für a+le Gemeinden,itgljeder zu7 giinglich. Bei dem zu erwartenden Andrang empfiehlt siet, zeitige Kartenbesorgung. Stuttgart. Wir machen unsere* Leser auf den in dieser Nummer veröffentlichten Kurs- und Arbeitsgemein schäften-Plan des Jüdischen Lehr ha uses aufmerksam, der beweist, daß das Lehrhaus nach wie* vor um die Verbreitung jüdischen Wissensgutes durch; bewährte Dozenten bemüht ist. Stuttgart. Die Ortsgruppe* des ^.F raue „ v e r - b a n-d s für P u 1 ii s t i n a a r b e i t"7 deren Aufgabe, ohne weltanschauliche Bindung, darin besteht, das Interesse für den Aafbau Palästinas zu wecken, die Berufsausbildung der jungen .Auswanderer hier und dort zu fördern und örtlich die sich L'mschichtenden zu betreuen, lädt alle jüdischen Frauen zu einer Veranstaltung am 13. Februar ein. Das^Progrumm wird in dieser Nummer veröffentlicht. Eine Gruppe* der „Werkleute“ wird dazu beitrugen, den Nachmittag anregend zu gestalten. Stuttgart. Wir machen heute schon auf die gemeinsame Verunstaltung der Ortsgruppen des Ijeichsbuntles jüdischer Frontsoldaten, des Central-Vereins und des „Ring“ (Bund deutsch-jüdischer Juge nd) vom 19. Februar aufmerksam, bei der der Jugendleiter des Landesverbands Westdeutschland im R.j.F., Dr. Salomo» (Köln) über „Gemeinschaftsgeist und Zukunftsgestaltung unserer Jugend“ sprechen wird. Der Vortrag wird Probleme aufzeigen, die für unsere Jugend von größter Bedeutung sind. Man tut gut daran, sich diesen Abend freizuhaltän. Crailsheim. Auf Veranlassung der hiesigen R j F.- Ortsgruppe sprach um 22. Januar logt Mayer (Berlin) über „Aufbruch deutsch-jüdischer Jugend“. In kluger Erkenntnis der Tatsache, daß dieser , Vortrag der erste öffentliche und der ganzen Gemeinde zugängliche in Crailsheim war. schilderte der Redner zuerst die Entwicklung der deutschen Juclenheit in den letzten zwei Jahren und die Verhältnisse, die zur Gründung der Reichsvertretung und der Zentralstelle für Hilfe und Aufbau führten. Dann ging der Redner näher auf Jugendfragen ein und schilderte** Weg und Ziel der deutsch-jüdischen Jugend. Dr. Königsberg e r dankte dem Referenten im Namen der V ersammlung. die von Adolf Heinsfarter, dem Vorsitzenden der R.j.F.-Ortsgruppe, geleitet wurde Heilbronn, ln der Jüdischen K u 1t irr gemeinschuft sprach am 3. Januar der staatl. Handschriftenanalytiker AdolfCohn (Berlin) über das interessante Thema „Die Kinderhandschrift und ihre Bedeutung für die Erziehung“. Wenn man auch nicht mit allen Ausführungen des Redners einig ging, so fab er doch für Eltern und Lehrer so wertvolle ingerzcige, daß der geringe Besuch der Veranstaltung besonders zu bedauern ist. Heilbronn. Am 13. Januar sprach in öffentlichem Vortrag Rabbiner Dr. P-tinz (Berlin) über „Ghetto — Emanzipation — Neue Zeit“. Er zeilhnetc in hinreißender Rede die Besonderheiten der Geschichte des jüdischen Volkes und entwickelte daran das Problem seiner weiteren Existenz, die Prinz nur durch den Aufbau Palästinas gewährleistet sieht. Bei der fast vollzählig erschienenen Gemeinde werden seine Ausführungen noch lange nachwirken. — Heilbronn. Ein wirkliches Erlebnis war der geistvolle Vortrag von Dr. Gambe! über „Jüdische Jugend“, da der Redner, wie er einleitend betonte*, mit seinen Ausführungen ein persönliches Bekenntnis ablegte. Dieses gipfelte darin, daß er die deutsch-jüdische Einstellung als den für unsere Zeit einzig richtigen Weg kennzeichnete und begründete*. Darüber hinaus war der Vortrag ein Aufruf an die Jugend zur Einfachheit und Zukunftsfreudigkeit, ausgehend von einer entschlossenen Wendung zum Jüdischen hin. „Glaube . und Heimat“, so betonte Dr. Gumbel. sind die beiden unverrückbaren Pole des deutschen Juden, der durch Sprache und Heimat für immer an sein Vaterland gefesselt ist. Der Redner Zeugen jüdischer Pflichterfüllung. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ließ unlängst im Vortrupp-Verlag, Berlin, die „Kriegsbriefe gefallener deutscher Juden" erscheinen, die am 2. Dezember in feierlicher Gedenkstunde der jüdischen Oeffentliehkeit übergeben wurden (siehe unseren Artikel in Nummer vom 1. Januar 1935), Dieses Buch ist ein Ehrenmal für die gefallenen Söhne unserer Gemeinschaft. Treue zum Vaterland und Treue zum angestammten Glauben sprechen aus diesen Kriegsbriefen in erschütternder Weise zu den Nachfahren eines heldischen Geschlechtes, das in höchster Pflichterfüllung für Deutschland starb. Prof. Max Liebermann hat dem Buche ein graphisches Titelblatt von tiefster Symbolkraft beigegeben. Wir geben nachstehend eine Auswahl der veröffentlichten Briefe. Die Schriftleitung. An meine lieben, guten Eltern! Gar manche Zeilen habe ich vom Felde aus schon an Euch gerichtet. Wie oft ich aber mit diesen Berichten Euch noch erfreuen kann, ist unbestimmt. Täglich verlangt der Krieg neue Opfer und wer weiß, wann meiite Schicksalsstunde schlagen wird, darum will ich diese Zeilen niederschreiben: Wenn wir auch, bevor ich ins Feld gerückt bin, und während der verschiedenen Male, wo ich im Urlaub bei Euch -weilte, nahegelegene Familienverhältnisse eingehend besprochen und beraten haben, deren Erörterung sich sehr erübrigt und wozu ich weniges zu bemerken hätte, fühle ich mich doch noch verpflichtet, bei dieser Gelegenheit Euch meine Sorge um meinen lieben Bruder Siegfried anzuvertrauen . . . . . . Gute Eltern! Von meiner Kindheit an habt Ihr mir in reichem Maße Euren außerordentlichen großen Schutz und guten Rat teilhaftig werden lassen. Gar manche schwere Stunde und manchen Aerger und Verdruß habe ich Euch bereitet, was Ihr mir hoffentlich verzeihen werdet. Wie Du. liebe Mutter, im Haushalt für uns Kinder gearbeitet hast, so hast Du, lieber Vater, Deine ganze Kraft dem Berufe hingegeben, um uns den Lohn Deiner Arbeit zuteil werden lassen . .. Da ich nun nicht mehr in der Lage sein werde. Euch nur einen Teil meiner Dankesschuld abzutraen, so begnügt Euch mit meinen Wünschen, die ich ahin zusammenfasse, daß F ch noch ein recht langer, gesunder Lebensabend beschieden sein möge, frei von jedem Unglück und Krankheiten. Sowohl Euch, als auch allen Verwandten und Bekannten, danke ich für alles was Ihr bzw. sie mir während des Krieges schon getan haben ... Erspart Euch wegen Ueberführung oder dergleichen alle unnötigen Mühen und Kosten und lasset midi dort sein, wo man meinen toten Körper begraben, wird. Die üblichen Zeremonien soll Lehrer M. vornehmen. So wenig Ihr äußere Trauer um mich anlegen werdet. bitte ich. Euch damit zu trösten, daß dieser Krieg schon so viele Opfer gefordert hat und nur noch wenige Familien davon verschont geblieben sind. Möge diese schwere Zeit recht bald ein Ende nehmen, damit der ganzen Menschheit, und insbesondere unserem jüdischen Volke, bessere und schönere Tage wie ehedem beschieden sein mögen. Dies sei mein letzter Gruß Euer Sohn und Bruder Fritz. FritzBaer, Leutnant d. Res., MGSs-Abteilung ft, geboren; 31. 12. 1888, Rappenau, gefallen: März 1918, E. K. II. Aus einem Brief, der Im Falle eines Todes den Eltern ausgehlndlgt werden soll. * Im Schützengraben, 28. April 1913. Eine träumerische Nachdenklichkeit über unser Kämpfen und Sehnen als deutsche Juden, in das mich der heutige sonnige und ruhige Nachmittag versetzt hat, bewegt mich. Dir etwas unvermittelt von einem kleinen Ilriegserlebnis zu berichten, das mir zwar herzlichstes Leid bereitete und doch nur wieder eine frohe Stärke gab. die vielleicht in manche trübe Stunde meines späteren Lebens Sonne bringen wird. Inmitten der vielen Toten, welche die schmutzigen, regendurchweichten Felder um das flandrische Dörfchen W. deckten, hatte ich ihn gefunden, als ich midi auf die Bitte unseres Kompagnieführers auf die Suche nach ihm machte. Vor einer Stunde hatte er den Unterstand unseres schwerkranken Kompagnieführers verlassen, um für denselben aus dem nahegeleenen Bataillonsquartier etwas Kognak zu holen. Von iesem Gange war er nicht mehr zurückgekehrt, und wir befürchteten, daß er unterwegs verwundet worden sei und nicht mehr allein zu uns gelangen könne. Er lag nicht weil von unserem Graben entfernt. Im Schreiten hatten ihn die Kugeln getroffen, und auf seinem jugendlichen, hübschen Gesicht lag es wie eine leichte Verwunderung, daß ihn der Tod so unerwartet gegrüßt hatte. War er doch einer der fröhlichsten und lebenslustigsten unter uns gewesen, und oftmals hatte er in den schweren Kämpfen, die wir in jenen Tagen zu bestehen hatten, uns durth seinen liebenswürdigen Frohsinn trüben Gedanken entrissen. So der Liebling der Kompagnie, war er mir doch durch engere württembergisdie Landsmannschaft mit besonderer Freundschaft verbunden. Es war denn auch mir und den Kameraden, welchen ich seinen Tod kündete, als ob mit ihm der letzte Rest von Sonne diesen Leichenfeldern genommen worden wäre, und wir schämten uns nicht der Tränen, die uns in die Augen traten. Uns dünkte, sie gälten all den jungen, schönen Leben, die sich in dieser schweren Zeit freudig dem Vaterlande geben. Zwei Briefe hatte unser Kamerad auf der Brust getragen: einen von seiner Mutter mit der Abschrift einer mittelalterlichen Schutzbitte an die Heiligen, den Träger dieses Bitt- Talismans vor jeder Verletzung durch Hieb, Stoß und Schuß, durch das Schwert und durch die Kugel zu bewahren, und einen mit rührend ängstlicher Liebe geschrieben von seiner Braut,' einer jungen Französin, die er während seiner Tätigkeit in Nizza kennen gelernt hatte und an der er, über allen Haß der Völker hinweg, mit zärtlicher Liebe hing. Am Abend haben wir ihn dicht hinter unserer Stellung begraben und haben auf seine Ruhestätte ein schlichtes Kreuz gesetzt. Ich selbst hatte es zuvor aus rohen Zweigen zusammengebunden und bot nun vor dem Kreuze in der Weise unserer jüdischen Religion dem toten Freunde still die letzten Wünsche, während rings um uns Granaten den Boden aufwühlten. Wie ich mich dann aber bereits zum Gehen wenden wollte, da fühlte ich aus den Blicken der Kameraden, die mit mir waren, daß sic etwas vermißten. Da sprach ich ihnen noch im Heulen der Geschosse das „Vaterunser“ vor, und sie beteten voll neuer, frommer Zuversicht mit mir. indes mir ihre Augen dankten. Ueber uns aber flammte ein wundervolles Abendrot wie das sanfte Lächeln einer gütigen Frau. Weißt Du nun, warum ich jetzt über die Bosheiten unserer Gegner lächeln kann? Fritz Mayer, Leutnant d. R„ 17. Bayer. Res.- Inf.-Regt., Bayer. Mil.-Verd.-Kreuz 3. Kl. mit Schw„ E.K. II, Bayer. Silb. Mil.-Verd.-Med., geboren: 23.8.1893, Gmünd, gefallen: 19.7.1916, Fromelles.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.