Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XI (1934-1935)
- Issue
- 21 (1.2.1935)
- Date
- 1935-02-01
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- [Seite] (sequence 6)
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- 183 - „Palästinensischen Hirtenweisen" dem auch hier zu fordernden Qualitätsprinzip roll gerecht werden. Wer aus eigener Anschauung oder aus eifrer von der ernsten Lem-Bemühung her genährten Einbildungskraft um die sonnencrfüllte pleite der palästinensi- ' «eben Landschaft weiß, dem strömten auch aus den Liedern der Hirten von Ejn-Chaetxl und Beth-Alpha die quellklare Poesie und der starke naturhaft-sinnliche Reiz des fernen Orients /u . . . Hier hatte der Singkreis eine'außerordentlich schwere Aufgabe zu bewältigen. er hat sie aber gan> hervorragend gelöst. Die Präzision, mit der die Einsätze erfolgten, die Elangreinlieit der \kkorde und die Modulationsfiiltigkeit dieses Klangkörper» sind aller Bewunderung wert. Der Singkreis saqg die Chöre zuerst in deutscher, denn in hebräischer Sprache. Und gerade das hebräische Wort mit seiner so starken onomatopoetischen Gewachsenbeit verstärkte'den klanglichen Eindruck. Während jüdische; Stilelemente in der 8 randmann selten Komposition unverkennbar sind, konnten wir in der „H ebräischen Rhapsodie“ von J. Aisberg, für zwei Klavier, komponiert, solche nicht erkennen. Es handelt »ich hier um ein modernes. musikalisch überaus interessantes Werk, das insbesondere auch hohe technische Anforderungen an die Künstler stellt f ür Pianistinnen vom Format einer Alice S ch m 11 ck 1 e r - II e ß und P o 1 d y Sperling-Don 'tii »ind dies nun die richtigen Aufgaben! Beide Kuiistlerinnen brachten die ..Hebräische Rh„|i =di>•" zii-hinreißender Gestaltung und ließen das Werl ,.t iner musikalischen Geschlossenheit erstehen. -inman als vollendet bezeichnen darf. Leider verli Jit uns \lice Schmuckler-Heß. die nach Palästina i r-iedelt. in den nächsten Tagen. Für unser juch».in» Kunstleben in Stuttgart bedeutet ihr Scheiden einen schweren Verlust. Aber die vielen Freund, der -Künstlerin halten Gelegenheit, sie und ihre ~,hv- -»tcT. die glänzende Geigerin Kran ne Sch re u :k I e.r «Frankfurt a. XI.,. am ö. Februar in ihrem Absthiedskonzert noch einmal zu hören und wir alle wollen dann Alice Schmuckler-Heß durch unser Frscheinen für die Beglückung danken, die sie uns in so vielen Jahren mit ihrer Kunst Zuwachsen ließ. Hoffentlich dürfen wir aber recht bald auch wieder Poldy Sperling-Donath als Solistin bewundern. Wie diese Darbietungen so wurden auch die das Programm einleitenden und beschließenden Werke von J. S. Bach lKonzert in c-moll und Konzert in C'-Dur. beide für zwei Klaviere und Streich orchesten mit stürmischem Beifall bedankt. Der in herrlicher Diszipliniertheit spielende Instrumcntalkreis einte sielt mit den genannten Pianistinnen unter der Stabführung Dire ktor Adlers zu einer .Musiziergemeinschaft. deren Leistung höchste Anerkennung »erdientr Hier zeigte sich wiederum dfe tiefgehende Arbeit des Leiters der Kunstgemeinschaft in ihrem ganzen künstlerischen und pädagogischen Ausmaß — wie der Abend überhaupt ein Beweis für die Tatsache ist. daß unsere Jüdische Kunstgemeinsciiaft sich auf dem rechten Wege befindet. Denn das Programm dieses Abends war. um mit den Worten Direktor Adlers zu reden, ein richtungweisendes Symbol: Bekenntnis zu den alten Meistern und Bejahung eines Lebens, das wieder auf jüdische Inhalte binzielt. H. St. Tausende lesen Mre Zeirscdnft-und welcde ZettlcNriftUesrvu?!Bad Cannstatt Jaüwü ist eine Kur mit Lebertran oder *an- ***** deren Kräftigungsmitteln angebracht! Iel% berate Me gerne KANN EN-DROGERIE Kräuter bans EMIL BRENNER, Seelbergstr. 2 Rabattsparvf rein! 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Der Beitrag, dea die Zentralkasse zur Dekkung des Abmangels zn' leisten hat, soll teilweise ans Steuermitteln, teilweisedurch Sammlnngen anfge bracht werden, welche die einzelnen Gemeinden durchführen sollen. Die Vorschläge über die Aufbringung fanden die Zustimmung des Kollegiums. — Zu dem Entwurf des Ermächtigungsgesetzes, welchen der Oberrat der L.V. vorzulegen beabsichtigt, soll den Stuttgarter Abgeordneten in einer demnächst statt findenden Besprechung die Stellungnahme des V.A. bekannt gegeben werden. — Dr. Walter Strauß and der Vorsitzende berichten über Besprechungen, die ebenfalls beim Oberrat stattfanden mit dem Ziel, die künstlerische Tätigkeit von Direktor Adler für Stuttgart und Württemberg za erhalten und ihm gleichzeitig die Möglichkeit der Betätigung bei der Mittelstelle für Erwachsenenbildung zu geben. Dem V.A. liegen hierzu noch Eingaben des Sing, und Instrumentalkreises vor. Es wurde der Beschluß gelaßt, unter gewissen Voraussetzungen einen erheblichen Teil der erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen, so daß wohl mit dem Verbleiben Adlers in Stuttgart gerechnet werden kann. Stattgart. Auf einem Kameradschaftsabend der R.j.F.-Ortsgruppe Stuttgart, der zu Ehren des anw e senden Bundesvorsitzenden Dr. Löw enstein am 10. Januar veranstaltet wurde, überreichte Dr. Löwenstein den Vorsitzenden der Ortsgruppen Buchau und Horb. Hermann R. Moos und Willy Gideon. sowie Rechtsanwalt Dr. S. Merzbacher. Stuttgart, in Anerkennung ihrer wertvollen Dienste für den R.j.F. die Goldene Bundesnadel. Alsdann gab der Bundes Vorsitzende in interessanten Ausführungen einen eindrucksvollen Leberblick über die Geschichte, den jetzigen Standort und die Zukunftsuiifguben des Keichsbundes. Der Kameradschaftsabettd w ar von den Kameraden der Ortsgruppe Stuttgart und zahlreicher Ortsgruppen des Landes überaus stark besucht. Stuttgart. Der Verein ..Freunde der Jüdis che n Schule" hatte für den 12. Januar seine Mitglieder, Freunde und die Elternschaft zu einem Ausspracheabend eiiigeladen. in dessen Mittelpunkt ein Referat von Schulleiter Dr. Emil Goldschmidt über das Thema „Was will unsere Jüdische S ch u! e V' stand. Es sei vorweggenomnten. daß diese Ausführungen einen vorzüglichen Eindruck machten und daß mail einen guten Einblick in die jüdische Schularbeit in. Stuttgart erhielt. — Der Vorsitzende des ..Nhulcereins“. Dr. Siegfried Saenger, teilte in seiner Begrüßungsansprache mit. daß in Deutschland zurzeit 130 jüdische Schulen mit 20 000 Schulkindern existieren, ln Stuttgart wurde die Jüdische Schule mit 82 Kindern, das sind 33% der in Frage kommenden schulpflichtigen jüdischen Jugend, eröffnet. Während von jüdischen Erstklässlern in Stuttgart bisher 56 % in die Jüdische Schule gingen, werden es im kommenden Schuljahr 65 % sein. Die Gesamtfrequenz der Jüdischen Schule in Stuttgart wird dann 40% betragen, nachdem heute schon 41 Kinder für das neue Schuljahr angcmc-ldet wurden. — Dr. Goldschmidt erstattete hierauf ein ausführliches Referat über Zielsetzung. Methodik und den Geist, in dem die Schule arbeitet. Der Redner betonte u. a. die Notwendigkeit, dem schöpferischen Drang des Kindes Spielraum zu gewähren, weshalb auch im Hinblick auf die Förderung der manuellen Geschicklichkeit des Kindes drei bis fünf Werkarbeitsstunden vorgesehen sind. In der sechsten Klasse werde Unterricht in Chemie erteilt in der Biologie erfolgten regelmäßige Lehrgänge. Nach kurzen Darlegungen über Kunsterziehung teilte Dr. Goldschmidt mit, daß Englisch im fünften. Französisch im siebenten Schuljahr gelehrt werde. Naturgemäß werde auch besonderes Gewicht auf die Aneignung des deutschen Kulturgutes gelegt, denn die Kenntnis deutscher Wissenschaft sei für jeden Gebildeten eine Selbstverständlichkeit. Hervorragendste Aufgabe der Jüdischen Schule sei aber, die Quellen religiösen Lebens neu zu erwecken, aber ohne jede Parteilichkeit. In der Jüdischen Schule lebe das jüdische Kind in jüdischer Atmosphäre. Das Pestalozzi-Wort „Der Mensch muß zu innerer Ruhe, erzogen werden“ stehe unsichtbar über dem Eingang zur Jüdischen Schule. Die Eltern müßten aber aktiv am Erziehungswerk teilnehmen. Denn eine Erziehung ohne Autorität der Eltern und Lehrer sei eine schwere Sünde gegen die Gemeinschaft. Zum Schluß sprach Dr. Goldschmidt noch von der gesundheitlichen Ueberwachung der Kinder durch den Schularzt, die er noch nirgends,so vorbildlich wie in Stuttgart gefunden habe, und wies noch einmal auf die bedeutsame Wechselwirkung von Autorität und Vertrauen hin. — Der Vorsitzende dankte dem Referenten für seine ausgezeichneten Ausführungen und sprach noch vom ärztlichen Standpunkt aus einige wesentliche Worte über die Psyche der Schulkinder. Im übrigen durfte er mit Recht feststellen, daß unsere Schule auf dem besten Wege ist. die auf sie gesetzten Hoffnungen zu erfüllen. In einer Aussprache wurden dann noch verschiedene Fragen bezüglich Kind und Schule durch den Schulleiter beantwortet. Stattgart. Am 21. Januar fand die Ordentliche Generalversammlung de, Berthold Aatrbtk- \ e r e i n s statt, bei der der 1. Vorsitzende, Dr. Walter Einstein, mit der Erstattung des Rechenschaftsberichts ein Bild von der unermüdlichen, weitgespannten Bildungsarbeit des Vereins gab. Anschließend erstattete Milton Scheuer, der interimistisch das Kassenamt verwaltet hatte, den Kassenbericht, dessen Ergebnis als günstig bezeichnet werden darf. Der Berthold Auerbach-Verein zählt zur Zeit 161 Mitglieder. — In der sich anschließenden Aussprache wurde von verschiedenen Seiten die Notwendigkeit der B A.V-Arbeit nachdrücklich unterstrichen. Es wurde eine Reihe von Anregungen geeben. die in vieler Hinsicht für das gemeinschaftsildende Wirken des Vereins von Bedeutung sein können. Immer wieder wurde aber aus der Versammlung heraus betont, daß der B.A.V„ der auf der Grundlage der gesamtjüdischen Haltung sich um die jüdische Jugend müht, gerade in der heutigen Zeit notwendiger ist denn je, um jungen Menschen aller Richtungen eine einigende Plattform zu sein. Die Bildung eines Arbeitskreises soll hierzu die Wege ebnen. — Die Wahlen bestätigten den I. Vorsitzenden und den bisherigen 2. Vorsitzenden (Hans Sternheim) in ihren Aemtern. Das Amt des Schriftführers wird jetzt von Lehrer HeinzSäbel. das des Kassiers von Max Blum verwaltet werden. Dem Vorstand wurde anheimgestellt diesen Arbeitsausschuß durch Kooptation zu erweitern. Stuttgart. Die Zionistische Ortsgruppe veranstaltete am 22. Januar im Großen Saal der Stuttgart-Loge einen Jüdischen Kulturabend mit dem Motto „Lebendiges Judentum in Wort und Ion“, zu dem sich ein großer Hörerkreis eingefunden hatte. Der Abend stand unter der Leitung von Alfred Levy. WalterOrbadi betonte in einer Ansprache, daß es dem Zionismus darauf ankomme, das jüdische Volksleben vom Geiste des Judentums aus zu erneuern. Auch der erste Kulturabend stehe im Dienste dieser Aufgabe. — Durch Wort und Ton wurde nun der Hörerschaft eia wertvoller Querschnitt durch jüdische Dichtung und Musik geboten. Neben die Vorführung von Saiallplatten (Menuhin, Hersdtmann. Rosenblatt, nicht zu vergessen das wunderbare hebräische Lied des Kameltreibers „Gamal. Gamali“) trat der lebendige Vortrag von jiddischen und hebräischen Liedern durch Hede Schack und Gisel Engelberg. Hilde Fischer, Walter Orbadt und Max Gellhorn rezitierten aus dem Schaffen Karl Wolfskehls, Scholem Alejchems, Edmond Elegs. Martin Bubers und Manfred Sturmannt. Schon diese Zusammenstellung laßt erkennen, daß die Anwesenden mit den hervorragendsten Exponenten jüdisch-dichterischen Schaffens vertraut gemacht wurden — und sie haben es den Vortragenden auch herzlichst gedankt. Lebhafter Beifall wurde auch Hede Schack (insbesondere ihren sehr schönen „Po£ mes juifs" von Milhand) und Gisel Engelberg gezollt. die mit erfrischender Natürlichkeit jiddische und hebräische Lieder sang. Die Klavierbegleitung hatte Frau Laupheimer übernommen Stuttgart Am 22. Januar wurde Oberlehrer i. R. Hermann Uklmann (Schwab. Gmünd) zur letzten Ruhe gebettet. Zu der eindrucksvollen Trauerfeier hatten sich viele Freunde des Entschlafenen aus nah and fern eingefunden. Weihevoller Gesang eines Männerquartetts leitete die Abschiedsstunde ein. Hierauf schilderte Stadtrabbiner Dr. Rieger in seiner ergreifenden Gedächtnisrede den Lebensgang Hermann Uhlmanns, dessen hervorragende menschliche und pädagogische Eigenschaften ihm für alle Zeit einen Ehrennamen sichern. Der Stadtrabbiner rühmte die tiefe Religiosität des Entschlafenen, seine treue Hingabe als Lehrer und seine Opferbereitschaft im Dienste der Isr. Gemeinde Schwab. Gmünd. Hermann Uhlmann ist so auch die Schaffung eines Synagogenchors zu verdanken, der weit über Gmündhinaus Ansehen genießt. Im Namen des Israel. Oberrats wiederholte Dr. Rieger den Dank, der dem Entschlafenen anläßlich seines 50jährigen Amtsjubiläums ausgesprochen worden war. — Auch der Vorstand des Israel. Vorsteheramts Gmünd, Gustav Mayer, gab der tiefen Trauer seiner Gemeinde ob des Hinscheidens eines Mannes Ausdruck, der der Jugend ein vorbildlicher Erzieher und der ganzen Gemeinde ein väterlicher Freund war. Herzliche Gedenkworte entboten noch Anstaltsdirektor Roths ch i 1 d für den Israel. Lehrerverein, als dessen Ausschufimitglied sich der Entschlafene hochverdient gemacht hat. und Dr. Wochenmark, der dem trefflichen Kollegen im Amte folgte. — Einem Manne wie Hermann Unlmann. in dem sich eine hohe, ernste Lebensauffassung mit einem sonnigen Wesen so harmonisch paarte, wird das treue Gedenken aller, die ihn kannten, sicher sein. Stuttgart. Tief betrauert von allen, die ihn kannten, verstarb aty 26. Januar unser Gemeindemitglied Abraham Baer im 85.Lebensjahre. Unerwartet rasch ist der von der ganzen Gemeinde und weiten Kreisen der Stuttgarter Bürgerschaft hochgeschätzte, bis ip seine letzten Lebenstage erstaunlich rüstige Mann dahingegangen. Es war immer eine Freude, den würdigen Greis, der allen Ereignissen des gemeindlichen and bürgerlichen Alltags ein geradezu jugendliches Interesse entgegenbrachte, zu sehen und zu sprechen. Vor nahezu 60 Jahren gründete Abraham Baer das bekannte Konfektionshaus Gebrüder Baer, an dessen Entwicklung er einen bedeutsamen Anteil genommen hat- Wie sein Name in der Geschäftswelt einen guten Klang hatte, so wurde Abraham Baer auch überall da genannt wo es galt menschlicher Not tatkräftig zu steuern. Alle diese Tugenden vereinten sich mit einer natürlichen Liebenswürdigkeit die dem Fntschlnfeman asMabens