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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1934-12-01 · 17 (1.12.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XI (1934-1935)
Issue
17 (1.12.1934)
Date
1934-12-01
Page
[Seite] (sequence 7)
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- 145 — Ueber das Kahalbucb der Gemeinde Weikersheim! Von stud. phil. Hermana Dicker. Zuerst eine sprachliche Erklärung: „K a h a 1 b u di“ ist das Protokollbuch der Gemeinde, in dem alt die für die Gemeinschaft wichtigen Anordnungen . und Vorkommnisse eingeschrieben werden. Finden sich solche Protokolle und Gemeindestatuten, so geben sie immer einen interessanten Aufschluß über das innere Leben einer Gemeinde, ihre Entwicklung und ihre Geschichte. Das uns vorliegende Buch entstammt dem Archiv des Israelitischen Oberrats und soll nach seiner vollständigen Bearbeitung veröffentlicht werden. Die erste Eintragung stammt aus dem Jahre 1688. Das heißt nun nicht, daß sich die Gemeinde Weikersheim erst in diesem Jahr gebildet hat; denn wir wissen. daß die Gemeinde schon viel länger bestand (s. Artikel Schweizer, Gemeind« -Zeitung 12). Die Sprache des Kahalbuches ist hebräisch, jedoch sehr stark im Geiste des Jiddischen gehalten. * Die ersten Blätter sind noch ganz hebräisch, aber bald drängt sich auch das Jiddische aufs Papier. Wer die Eintragungen in den ersten Jahren vorgenommen hat. ist nicht ersichtlich. Wahrscheinlich einer i der Vorstände der Gemeinde, denn der Vorspruch zur Gemeindeordnung hat fast poetischen Schwung und läßt auf einen gelehrten Schreiber schließen. Der Vorsprucn enthält den Beschluß „in dieser aufgeregten Zeit des Raubes und der Missetat, in der nicht einmal eine Aussicht auf Hilfe vorhanden ist. rechtschaffene Statuten“ (Takkanot) zu erlassen. Alles sei zum Glück, Segen und zu Frieden — und es folgt der schöne Spruch: „Ki en keli madisik bracha lejisrael ela sdiafom“, denn kein Gefäß erhält den Segen für Jisrael als der Frieden. Die erste Anordnung (Takkana) war natürlich die Bestellung von Parnassim. Der Parnass.- oder der archisynagogus des Mittelalters, hatte für seine Amtszeit die Gewalt über die Gemeinde. Im Jahre 1688 waren es zwei: Reb Seligmann und Herr bchimon. Sie wechselten halbjährlich in ihrer Amtsführung ab und hatten das Recht, alle Gemeindemitglieder |.,die da gehen außer der Reihe und sich nicht richtig benehmen“ mit einer Strafe von einem Reichsthalcir zu belegen. Eine hohe Summe für die damalige Zeit! Jedoch — und das beleuchtet das Verhältnis zwischen der Landesherrschaft und der Gemeinde — mußten sie einen halben Reichsthaler an das Fürstentum abliefern. Der Finanzgewaltige der Gemeinde sehe int der Parness Schimon gewesen zu sein. Denn bei der später angeführten Aufteilung der Synagogenplätze fehlt der Titel Parness bei dem anderen Vorstand Seligmann. Dieser Reb Seligmann führt den Titel ..Ha Raw Rabbi“, während Schimon nur mit „Kew'od mar“ erwähnt wird, was soviel wie „geehrter Herr“ bedeutet. Die erste Amtshandlung der beiden Parnassim war der Bau des Gotteshauses für Männer und Frauen auf dem Platz, den der Parness Schimon gestiftet hatte. Dieser Platz war von nun an ein dauernder Besitz der Gemeinde, wofür dem Parness Schimon und seiner Frau Hannah jeden Schabbos ein „Mi scheberach“ gemacht wurde. ln der Männerabteilung der Synagoge waren 15 feste Plätze, deren Inhaber namentlich im Buche aufgeführt werden; in der Frauenabteilung waren es nur 13 feste Plätze. Auch hier liegt uns eine namentliche Aufzählung der Frauen vor. Es ist hier nicht der Ort diese für die Familiengeschichte so wichtigen Namen aufzuführen, jedoch wird dieses Material später noch verwertet werden. Wie in den meisten Gemeinden des Mittelalters standen neben den Parnassim „Gabbae Zedakah“ (Armenkassenverwalter). Sie waren die Zentralwohlfahrtsstellen für die zahlreichen Armen, und ihre Betreuung und Verpflegung war eine der vornehmsten Pflichten der Gemeinde. Diese Armenpfleger, die einen Monat zu amtieren hatten, waren die Herren Elchanan und Lemlen; sie wurden 1693 wiedergewählt und 1697 an die Spitze der Gemeinde als Parnassim berufen. Wir finden ferner einen Aufschrieb, wonach die Witwe Jetle einen Beitrag von 2(6 Reichsthalern jährlich an die Armenkasse anliefert. Eine interessante Bemerkung verdient festgehalten zu werden, und zwar, daß nicht mehr als zwei Stück Großvieh in der Woche geschachtet werden durften. Dies wird als ein Tikkun Kadmonim (eine Anordnung der früheren Zeit) bezeichnet und so begründet, „damit nicht die Schechitah verringert werde“. Der hebräische Ausdruck im Buche ist: „schelo jitkalkel haschechitah“. Bei dem späteren Wachstum der Gemeinde wurde die Anzahl des Schlachtviehs auf drei pro Woche erhöht Wollte jemand neu in die Gemeinde zuziehen, so mußte ihm die Gemeinde nach Gutdünken einen bestimmten Betrag als Einstands- und Atifnahmegeld bestimmen. Wir finden sehr viele solcher Berichte über die Feststellung der sogenannten ..Hakdumah“. ein Zeichen, daß sich die Gemeinde rasch entwickelt hat. Die Entwicklung der Gemeinde Weikersheim zeigt sich noch deutlicher an folgenden Ereignissen: Wie schon oben erwähnt, wurden 1697 die Gabbae Zedakah Elchanan und Lemlen zu Parnassim gewählt. Jedoch haben diese nicht mehr die absolute Gewalt wid ihre Vorgänger, sondern sie unterstehen beide einem Roch Cheschbon. was wir einen Buchprüfer nennen würden. Der Roch Cheschbon ist Rabbi Eisig. Es ist nicht ersichtlich, ob er für sein Amt eine Besoldung erhalten hat. Die beiden Vorstände Elchanan und Lemlen waren verpflichtet, alle vier Wochen ihm die Rechnungen votzulegen. „damit in Erfüllung gehe, und Ihr sollt rein sein vor Gott und vor Jisrael". Solche Rechnungsprüfer finden wir auch in anderen Gemeinden, una oft sind es ganze Rechnungskommissionen. denen die Pflicht oblag, die Finanzverwaltung der Gemeinde zu überwachen. Das zweite sichtbare Zeichen der Aufwärtsentwicklung war die Wahl des Rabbiners Jakob zum Dajan WARME HAUSJACKEN Mollige Hausjacken 13.- 18.- 23.- 28. Hausmarke j„Z 722" 6 schöne Färbten 23.* Mollige Schlafröcke 28.- 38.- und 46.- BAMBERGER & HERTZ e z uverlätslgen Kleiderfachleute Cafe ZCaimoHH BHokerel und Konditorei SeldenztraBe G, Edie SchloAstr. - Tel. 22979 empfiehlt füc xUe Ixieetage la Backwaren / Kleingebäck In grofter Auswahl / Schnitz- und Prtkhtebrotl/ sächsische Stollen / Torten / Petit lours / Teehuchen usw. Mazzan In Pfundpeckunoen frlaoh •Jrtg«troffhn t Qummi= Ueberschuhe neueste Formen Qaloschaa, H»lbgaloschea Wlraiflasciiaa, Helsklasea Ctnii Jisdiec Lindenstraße 3 ✓ Telefon 23889 Qeechafte-Varlegunfl I An* u. Verkauf von: Brill—t—t QiM, Silber, Mlassa, alte» Schmack (OelegaobettaUufa) AK» H » Daa.i KronprlnzenstraBe 20 B •ehr** vom Mlttnachtbau K. Hellemann, (ir. Hauptsuttmtr. t« Vertreter der Goldscheideanetalt Ziegler« Pforzheim Hermann Lein Stuttgart-W. 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