Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- XI (1934-1935)
- Issue
- 11 (1.9.1934)
- Date
- 1934-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
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— 91 In dem erwähnten Artikel heillt es von der Tätigkeit des „Zentralaussdiusses für Hilfe und Aufbau": ..Die Aufgaben wachsen . . . Die finanzielle Basis dieser Arbeit aber verengt sidi ständig.“ Ls mag dahinfestellt bleiben, ob dies nicht zum Teil die Folge der ätsache ist. daß von den für deutsche Juden veranstalteten Sammlungen in den verschiedensten Teilen der Welt für die Arbeit innerhalb Deutschlands nur geringe Teile zur Verfügung stehen. Gleichviel. Man m»ü leider diese Feststellung als richtig unschen, und die Verpflichtung der jüdischen Gemeinden zu künftiger verstärkter finanzieller Hilfe wird hierdurch bedingt. Wenn in diesem Zusammenhang aber für die zentralen Organisationen die Befürchtung ausgesprochen wird, sie würden „prinzipiell von Gnaden der GroBgemeinden und Landesverbände abhängig". würden „in Zukunft noch stärker Kostgänger der GroBgemeinden werden“, so zeugt das von dem Vorhandensein oder der Vermutung einer Frontstellung, die nicht bestehen darf. Die deutsche Judenheit ist zu arm geworden, als daß sie sich Organisationskämpfe im Innern leisten könnte. Gemeinden und Reidisor^anisation müssen eine organische hinheit werden, müssen sich bei klar abgegrenzter Aufgabentrennung verbunden wissen durch gleiches Wollen und Streben. Die Berliner Jüdische Gemeinde ist zur Mithilfe und zur Mitarbeit bereit. Sie wird die als notwendig erkannten Maßnahmen ohne Zögern und ohne Schwanken in die Wege leiten. Sie hofft, daß ihr die deutschen jüdischen Gemeinden und alle, die für die Forderungen der Zeit Verständnis haben, folgen werden zum Wohlc der gesamten deutschen Judenheit. Die Verfassung der Isr.Religionsgemeinschaft Württembergs und — finanzielle Not» Wendigkeiten. Von Dr. Hermann Merzbacher. Nachfolgend setzt sich Vorsteher Dr. Hermann Merzbacher mit einem Gebiet auseinander, das in unserer engeren und weiteren Gemeinschaft seit Monaten lebhaft diskutiert wird — die neue Organisationsform der deutschen Jaden. Wir peben seine, insbesondere unsere württembergischen Verhältnisse betreffenden Ausführungen vorläufig ohne eigene Stellungnahme wieder und glauben, daß dieselben für eine fruchtbare Anssprache an dieser Stelle Grundlage sein können. Die Schriftleitung. In der „Jüdischen Rundschau“ vom 10. August wird mit Recht die Frage aufgeworfen, welche Maßnahmen das deutsche Judentum in organisatorischer Beziehung durchgeführt hat, auf den tiefschürfenden Wandel seiner inneren und äußeren Situation hin, auf den vollkommen organisatorischen Neuaufbau, der sich ringsherum allüberall, in Wirtschaft und Gesellschaft, in den Kommunen und im Staat vollzog. Es mag dahingestellt bleiben, ob der von ihr gezeigte Weg richtig und gangbar ist und ob sich der Gedankengang des Neuaufbaus einer korporativen deutschen Judenheit weiterhin und im Anschluß an die Reichsvertretung in absehbarer Zeit verwirklichen läßt. Mit Recht wird darauf hingewiesen, daß alle Kräfte darauf konzentriert werden müssen, die finanzielle Basis zu.erhalten. Diese Forderung ist auch für die württembergische Judenheit von akuter Bedeutung. Wie überall in Deutschland hat sich in Württemberg eine vollkommene Strukturänderung vollzogen. Die finanzielle Basis wird enger und enger, im umgekehrten Verhältnis wachsen die Aufgaben und die Lasten, die aus Steuermitteln getragen werden müssen. Eine neue Disposition der Steuermittel ist das Gebot der Stunde, die in Württemberg nur zum Erfolg führen kann in Verbindung mit einer durchgreifenden Veränderung, d. i. Vereinfachung des organisatorischen Aufbaus der wiirttembergischen Judenheit. Dieser gliedert sich nach Maßgabe der bestehenden Verfassung in die Landesversammlung, den Oberrat und die Vorsteherämter der Gemeinden. Die Zahl der-Juden in Württemberg dürfte heute die Zahl von 9000 kaum erreichen, wovon knapp die Hälfte in Stuttgart wohnt. Die Gemeinde Stuttgart trägt andererseits etwa drei Viertel der ganzen Lasten. Daß dieser Verwaltungsaufbau - an sich schon eine Lieberorganisation enthält ist offensichtlich, selbst wenn sich eine Strukturänderung und Verlagerung der wiirttembergischen Judenheit nicht vollzogen hätte. Dies scheint auch schon früher empfunden worden zu sein, wenn die Bildung eines Verfassungsausschusses zqm Zwecke der Aenderung der Verfassung in früheren Jahren einen tieferen Sinn gehabt JÜDISCHES MÄDCHEN VON CH. N. BIALIK Die meine Mutter war, fle lehrte mich Wie man beswingt, was uns das Hers bewegt Und wie man Perlen, Haftbarkeiten Gans füll in feinen Tiefen trägt In Sabbatnächten — heilig folche Nacht Wenn flehen Lichter fle entzündet Hat fle für ewig in der Seele mir Ein keufihes, heil'ges Licht gegründet So nimm mein Hers denn, wie es ift, So ohne Schminke, falfihe Flamme! Nur einen Segen bring es Dir Ein Licht der Frau aus Ifraels Stamme. Ueber/Hxt hi dem HtbeStfdtm von Emft MSUer hat. Mit dieser Lieberorganisation ist von vornherein eine Erschwerung der Lösung der Aufgaben verbunden, wenn nicht angesichts der Zusammensetzung der zentralen Spitzenorganisationen — auf lange Sidit — unmöglich gemacht. Die Gemeinde Stuttgart, die heute die Trägerin der wiirttembergischen Judenheit — zahlenmäßig, finanziell und kulturell — ist. ist als solche im Oberrat, der die Geschäfte führt, ohne Einfluß: die beiden Verwaltungskörper sind streng getrennt. Es bedarf also keinerPhantasie. festzustellen, welcher Leerlauf von Arbeit mit diesem Aufbau verbunden ist. Der seinerzeitige Versuch, im Rahmen eines Ermächtigungsgesetzes durch die Landesversammlung den Neuaufbau zu schaffen, ist schon im allerersten Anfang im Gremium der Landesversammlung stecken geblieben. Die dort geführten Verhandlungen waren so betrüblich und letzten Endes vielfach ein Ausdruck persönlicher Momente, daß die unbedingte Notwendigkeit der Aenderung dieses Organs, wenn es überhaupt aufrecht erhalten werden soll, offen und klar zutage trat. So ziemlich das Einzige, was auf Grund der erteilten Ermächtigung erfolgt ist. war ein Abbau der Beamten - und Angestelltengehälter. Gerade die Erfahrung der rückliegenden Zeiten hat aber zur Genüge^und einwandfrei erwiesen. daß dieses Mittel als primitiv und wirkungslos angesprochen werden muß. wenn nicht gleichzeitig eine durchgreifende Reform des ganzen Verwaltungskörpers in Angriff genommen und durchgeführt wird. ' Die Anpassung der Etats an die veränderten Verhältnisse und die vorhandenen Geldmittel ist unser z ü g 1 i ch vorzunehmen. Diese Aufgabe erwächst s ä m 11 i di e n Gemeinden, insbesondere aber auch der Gemeinde Stuttgart und dem Oberrat als solchem. Mehr oder weniger versteckte und eingebaute Subventionen sind zu lösen und offenzulegen und alle Mittel vordringlich den religiösen, erzieherischen, kulturellen und sozialen Aufgaben zuzuführen. Der Etat der wiirttembergischen Judenheit hat eine Höhe, die nicht mehr verantwortet werden kann. Erhebliche Einsparungen sind möglich und notwendig durch einen klaren und systematischen Aufbau der Verwaltungskör|>er und die Verbindung und Eingliederung der Stuttgarter Gemeindeverwalte n g mit der Verwaltung des Oberrats. Die Zentralinstanz wird damit nerausgehoben aus ihrer — finanziell gesehenen — Stellung als Ausgabe- und Verteilungsstelle. Damit ist keineswegs verbunden eine Minderung oder Vernichtung der Autorität und Unabhängigkeit: vielmehr bedeutet ein solcher Organismus eine gesunde und bedeutende Stärkung des Oberrats, der in Verbindung und gestützt auf die Großgemeinde Stuttgart zu einem wirklichen Zentrum und zur Kraftquelle für das württembergische Judentum werden kann. Die Neueinteilung und Organisation der Landgemeinden ist unverzüglich in Angriff zu nehmen und deren Auswirkungen für die Zukunft in Rechnung zu stellen. Auch hier handelt es sich nicht um die Vernichtung von Eigenleben, sondern um eine Stärkung der Gemeinden durch eine etwaige Verbindung und Gemeinschaft. Die freudige Mitwirkung der Beamten ist eine selbstverständliche Voraussetzung für die Lösung dieser Aufgaben: nicht weniger selbstverständlich ist das energische Durchgreifen der Zentralinstanz bei offenem oder verstecktem Widerstund. Der Einwand, daß die Tradition und die Stärkung der Landgemeinden gegenüber der Großgemeinde, eine Notwendigkeit sei. wird meist nicht von diesen selbst erhoben, sondern von mehr oder weniger persönlich interessierten Stellen und Personen. Das Interesse der Landgemeinden und der Großgemeinde ist durchaus gleichgelagert, nämlich in der Notwendigkeit der möglichsten Verringerung der Verwaltungskosten einerseits und der Zuführung von Mitteln andererseits für die charakterisierten Aufgaben, die im Interesse der Gemeinschaft und für diese einzusetzen sind. Die Verwaltung kann und darf nie Selbstzweck sein. Die Gemeinde Stuttgart hat von jeher ihre Pflichten und Leistungen im Interesse der Gemeinschaft sehr ernst genommen und freudig und gern erfüllt: sie wird hiezu auch in der Zukunft im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit bereit sein. Diese Leistungsfähigkeit ist aber begrenzt und verändert durch die eingetretene und weiterhin zu befürchtende Verschlechterung der Finanzlage einerseits. und andererseits durch die neuen bereits übernommenen Aufgaben und diejenigen Aufgaben, die in der Zukunft als dringlichste zu erfüllen sein werden. Die schönsten Theorien und besten Belange fallen in sich zusammen, wenn der Gemeinschaft die finanzielle Kraft geschwächt wird und1 schwindet. Zusammenfassung aller Kräfte, einheitliches Handeln und größte Sparsamkeit allein werden es ermöglichen, den Bestand und die kulturelle Basis im weitesten Sinn für die wiirttembergischen Juden zu erhalten. Für einen bürokratischen Apparat des seitherigen Umfangs und Aufbaus ist bei der Kleinheit der württembergischen Judenheit und den veränderten Verhältnissen kein Raum iqehr. Die Zurückstellung aller Sonderinteressen von Personen oder Organen ist selbstverständlich. Die verantwortlichen Stellen mögen die Vorbereitungen zur Durchführung'der Reorganisation und des Neuaufbaus mit aller Energie und größtmöglichster Beschleunigung in Angriff nehmen: mH „Erwägungen“ ist schon allzuviel Zeit verlorenge^angen: es muß endlich praktische Arbeit geleistet werden. Aus den QemeUtdeH 'lüücttemBecgs. Stuttgart. An unsere Leser! Wir machen heute schon darauf aufmerksam, daß kurz nach dem H. S e p t. der Postbote bei allen unseren Lesern die Abonnementquittunj; für das 4. Quartal 1934 (Oktober bis Dezember) vorzeigen wird. DieAbonnementgebnhr für das Vierteljahr beträgt RM. 1.25. — Wir bitten heute schon, dafür Vorsorge zu treffen, daß dieser Betrag dem Postboten prompt bezahlt wird. Wir bitten, bei Abwesenheit um Bereitlegung des Betrages bezw. Beauftragung zur Einlösung der Quittung. — Bei Nichtzahlung der Vierteljahresgebühr wird die Zusendung der Gemeindezeitnng automatisch eingestellt. Es liegt also im Interesse jedes Lesers, für prompte Bezahlung besorgt zu sein. Verspätete Erneuerung des Abonnements ist mit Mehrkosten und zeitraubender Mehrarbeit für Leser und Verlag verbunden. Stuttgart. In letzter Nummer hat das Isr. Gemeindevorsteheramt Stuttgart die Bitte an die. Gemeinde erichtet, sich am Ausbau der für unsere J ü d i s ch e ch u 1 e in Stuttgart geplanten Schülerbibliot h e k dadurch zu beteiligen, daß die einzelnen Gemeindemitglieder gut erhaltene und wertvolle Bücher zur Verfügung stellen. — Wir unterstreichen heute nochmals diese Aufforderung und hoffen, daß die Jüdische Schule bald im Besitz einer schönen Bücherei sein wird, die für die geistige und seelische Bildung unserer Schulkinder von größter Bedeutung ist. Stuttgart. Die vor kurzem hier veranstaltete J ü - dische Kunstausstellung hat auch in der jüdischen Presse ihren Niederschlag gefunden. In der „jüdischen Rundschau“ vom 7. August findet sich eine ausführliche Besprechung der Veranstaltung durch Theodor Pariser, in der die einzelnen künstlerischen Leistungen sachverständig gewürdigt werden. Die Kunstausstellung wird als Anfang in einem Gesamterziehungsprogramm unserer Jüdischen Kunstgemeinschaft gewertet, das sowohl ..die künstlerische Erziehung Jugendlicher als auch einen Einfluß auf die gesamte Geisteshaltung des jüdischen Gemeinde lebens in Württemberg im Auge hat“. Stuttgart. Am 4. September beginnt der Berthold Auerbach-Aerein wieder seine, regelmäßige Bildungsarbeit. Es sind, wie wir hören, in wöchentlicher Folge Aussprache-Abende. Vorträge und Freitaguliendfeiern geplant, wie überhaupt das ' Vereinsleben nach jeder Richtung intensiviert werden soll. — Am 4. September bespricht Rabbinatskandidat Karl Richter den Wochenabschnitt. Eine Aussprache wird sich anschließen. Rechnungsrat Julius MARX Werbet für die Gemeinde-Zeitung I empfiehlt W»dn / OaftOaal -r Faiakeit “ ‘ Tal. «MSI Hense Raneberffiir. M Seheis / MOtzsn / SchMtr / Nsvhsttsn Umsrbsltuegsn wrdsn sorgfältig susgsfOhrt / ZsitgsmAfls Prsiss Hermann Lein Stuttgart -W, Marlenstraße Nr. 12