Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1934-09-01 · 11 (1.9.1934) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)

OCR text

21 entity mentions

Die Wohnbevölkerung in Baden und ihre Religionszugehörigkeit nach der Volkszählung vom 16. Juni 1933. Das Badische Statistische Landesamt veröffentlicht soeben eine Druckschrift unter dem obixen Titel (Karlsruhe. Macklotsche Druckerei. 1934). ans der wir die für die jüdische Bevölkerung in ganz Deutschland wohl typischen Abschnitte w iederirehen. Im Anschluß veröffentlichen wir auf Grund der „Mitteilungen des Württ. Statistischen Landesaints" (Nr. >3, 1933) die Zahlen der jüdischen Bevölkerung in den einzelnen Oberämtern bzw. M.üiirn Württembergs. Die Schriftleitung. je. ■ I.■ r im I)eut'chen Reich durtiiL’efuhrten \olks-. Beijnil Betrieb'/.ihliing ein |tl Juni 1933 ist in iö r il.iu'lialtiing'hste. w i< In i früheren Volkszüh- 'nn'.eti. die Krage nach .!••> Beiigionszugehörigkeit V .-• -teilt worden. In den ’ iiterungen zu dieser i mge wer beiiierlu. II.O 'min die innere l'eberzeugung. 'imdern dii rechtliche) /ugehürigkeit , i einer Iteligin'i'L- ■- h.ift oder Wcltanschauungsreineiii'ihaft i rt;i:r■ - werden sollte. Bei der Prüfung und Be.ii!" . des I rlujmngsniaterials durch da' Badi'de *■' -die [.imlesanil wurde festgi 'tetll. d.:I .-i nach der Religions/ugeliörigkeit im ad mit \iisnafinie von JO Personen I i I wurden i't. \ ...i i . ■ . "3| Personen, die ihren Wohnsitz am in le . . Baden gehallt und Angaben über ihre H.!■_ .. Hörigkeit gemacht haben, haften sich be- 14. . .| -, 3s 4 ': ,,)s loti.isch-katlioli'ih. - d. s. 3sj '. •!' evangelisch Angehörige der I alldeskirche . - ‘'s ,|. 4"UI" d - J"s|s , I 14 als Angehörige sonstiger christlicher Beligioii'gesc j Istha ft en. ab Israeliten. o.o .. ,.|s simstige Nichtchristen' und \nh.ingcr von W eltaii'di.iu- .iig'geiiu iiisdiaften auf arischer * .eiet gemiaitisiher (■romllage. .1 ’• Bel igTn|is|ose. Atheisten und dergleichen. \ oii e n J. fit7 Israeliten, die in Baden bei di i lel/leii \ . ök-/.diliiiig ermittelt wurden, sind 9s72. <1. '. 47.4 ' •. n i.i ii n In In-n und ln s'3. d. s. 52.6 '. w eibluhen (.1 sibb dil'. NLir \u-nalinn V11,1 3 All ßkircii. Pfullendorf lind Oberkirdi . »ind in allen \mi'be/irken des l.andes Israeliten .wohnhaft. Die lliiib't/ahl :6725i entfällt auf den fnit'bi /irk Mannheim, h' folgen die \mtsbezirkc karl'i uh.- ‘3JoJi. f reiburg I47o. Heidelberg , 1212 Keii-tiin/ s'i-.. Pforzheim 'S72i. Bruchsal 1647'. Siti*liei,n 'so.. | .,|:r '37!,: und Rastatt 13471. In 4 A ln i'be/i r ken . I tigeii. Suchingen. Waldkirch mul Wo!bub bleibt ein- /ahl der Israeliten unter ln. 4.i bi n.an .öd dueinzelnen Gemeinden ein. so ergibt '•dl. dal! H 22! t letnoi llilell wohnhafte Israeliten festg- 'i• Dr w ... Oe,. 'Hut. lind zvs a beträgt die /ahJ der I - r .1. : Oei; oi "s * in. imleii unter 3. in 31 C .. iie nulc n 3 bis unter In. in ”s t ,e..i. .udeii Io bis unter 3n. in 74 (,. ne in.I.-ii 3<j -in.! mehr. 1 . I l.ich't/ahl von Israeliten 64<i2> entfällt auf die' Si.u't M .null. im. f' foigen die Städte Karlsruhe 131 Ie . I 11 cloiIg I 1 3s.. | leiiielberg I III2i. Pforzheim C"n.. Bi i.*(i',.1 ‘3o|., Konstanz .443i, In (>ailingen betrügt, die /,.id der doll wohnhaften Israeliten 3(4. in Br» i'.uh g3 1,1 I(|| mg. II '>s. in Kichstetten 91. in Mal'^ii ö. 1 ilong.-ii so. j„ Bullig _J. m \ illiugen 36. in I N!iiig.-n 4~ und in sjM„, . 41 >. i/i man 01. /ahl der 111 einzelnen Gemeinden w "di nh.i fteu I' ra 'iren iii' Verhällni' zur Gesatntsbevoikerung. '. »-1 gibt 'ich. daß in I > Gemeinden des I indes ,|ei VIlle 1! der Israeliten 4 D überschreitet. Die IlothsT/ifb r entfallt auf die Gemeinde Gailingen dann folgen die Gemeinden Sthmieheim bei I i i I7li. liaii.legg Sul/burg (s.3i. I.ichtenau <” o ki[i|.r iiheiiu I» 1 I ahr Nc jileii'tein bei Sinsli'H.. 7.6. (ii oßeidiiiol/lieim iiei Ailebhcim (7.3i. Br. . di bei i reiburg üi.'i,. sennfeld bei Adclshciiii 0. 7 kI dien bei I orrach .3,1. u»sw. In der Stadt Maiinti. 1,11 beträgt de» \ntc-il der Israeliten an der Ge«ai.|’.ibec olk'-riing J.3. in Karlsruhe 2.0. j„ Heidelberg 1.3.;n i’forzheim l.o. \ et g'lenlit iiian die hrgebnisse der 1933er Volkszählung mit d. neu des Jahres 1923. so ergibt sich ein Rückgang d. r /.dd der Israeliten um 3447. d. s. 14.3 9z. der sich auf ~1 Vml'bezirke verteilt: in 3 Amtsbezirken ist eine unerhebliche Zunahme seit 1923 zu verzeichnen 1 Kugelt. Bückingen. >tockach. Leberlingen und Neustacltl. insgesamt um 13 Personen. \m grüßten ist der Bütkgang der Israeliten in den Städten Mannheim i5"5). Heidelberg (310). Karlsruhe (2t>7i. f reiburg 4^611. Pforzheim fl 16). in den Landgemeinden Gailingen (<>t >. Königsbuch (60t. Salzburg (36i iisw. Die Zahl der Gemeinden, in denen 30 und mehr Israeliten wohnhaft sind, ist von 64 im.Jahre 1923 auf 74 im Jahr 1933 zurückgegangen. Im Jahre 1923 gal) es noch 3 Gemeinden, in denen der prozentuale Anteil der Israeliten an der Bevölkerung höher als 10 G war. Heute gibt es nur noch 2 Landgemeinden (Gaitingen und Sthmieheim). \ ergleichsw eise sei erwähnt, daß die Israeliten vor 100 Jahren (im Jahr IS23) in der Gemeinde Gailingen nahezu die Mehrheit hatten (47.6 9c): in Bandegg betrug Jamals der prozentuale Anteil 40.3. in Wangen 30.3. in Sthmieheim 36.4. - 90 - Die Ursachen des zahlenmäßigen Rückgangs der Israeliten in unserem Land dürfte einmal in der starken Abwanderung der Israeliten nach außerhalb von Baden, in der erhöhten Sterblichkeit und in der außerordentlich geringen Geburtenzahl liegen. Erwähnt sei. daß die Gesamtzahl der Sterbefälle von Juden in den letzten 10 Jahren um 1144. d. s. rund ein Drittel, höher war als die Zahl der Geburten. * Die Zahl der Juden in Württemberg nach der Volkszählung vom 16. Juni 1933. Bei der am 16. Juni 1933 vorgenommenen Volks- Zahlung wurden in ganz Württemberg 9938 Juden ermittelt. Hiervon leben in: Stuttgart Stadt 4408 OA. Aalen 7 (einschl. Cannstatt OA. Crailsheim 160 usw.) OA. Ellwangen 21 OA. Backnang 2 OA. Gaildorf — OA. Besigheim 36 OA. Gerabronn 127 OA. Böblingen 12 OA. Gmünd 90 OA. Brackenheim 28 OA. Hall 115 OA. Eßlingen 143 OA. Heidenheim 27 OA. Heilbronn 1044 OA. Künzelsau 207 lin Heilbronn OA. Mergentheim 446 selbst "901 (in Mergentheim OA. Leonberg 3 selbst 196) OA. Ludwigsburg 172 OA. Neresheim 142 OA. Marbach I OA. Oehringen 165 OA. Maulbronn 6 OA. Schorndorf 5 OA. Neckarsulm . 82 OA. Welzheim OA. Stuttgart-Amt 13 OA. Biberach 14 OA. Vaihingen 2 OA. Blaubeuren 48 OA. W aiblingen 34 OA. Ehingen I OA. Balingen vv OA. Geislingen 15 OA. Calw 7 OA. Göppingen 327 OA. Freudenstadt 11 (in Göppingen OA. Herrenberg 2 selbst 314) OA. Horb 309 OA. Kirchheim 36 (in Horb selbst 100. OA. Laupheim 231 in Rexingen 262) OA. Leutkirch 10 OA. Nagold 3 OA. Münsingen 92 OA. Neuenbürg 16 (in Buttenhausen 89) OA. Nürtingen 16 OA. Ravensburg < )A. Oberndorf 10 OA. Riedlingen 177 OA. Reutlingen 37 (in Buchau 162) OA. Rottenburg 12 OA. Saulgau OA. Rottweil tot OA. Tettnang OA. Spaichingen OA. Ulm 5IH OA. Tübingen 90 (in Ulm selbst 516) ()A. Tuttlingen 20 OA. Waldsee 9 OA. Urach 6 OA. Wangen 11 Darnach betrug die Zahl der Juden in den früheren wiirttombergiscJion Kreisen: im .Neckarkreis 6008 im Schwarzwaldkreis sh2 im Jagstkreis 1510 im Donaukreis 153s zusammen: 993H Nachdem im Jahre 1923 in Württemberg 10 827 jüdische Serien gezählt wurden, hat sich innerhalb von acht Jahren die Zahl der Juden in Württemberg um ss9 verringert. Die Bevölkerungs/iffer der württembergischen Juden dürfte aber bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch weiter gesunken sein. Zur Gesamtorganisation der deutschen Juden. Aus einem Leitartikel des Berliner Jüdischen Gemeindeblatts. Bange f ragen u tu säumen den Weg der deutschen Judenheit. Wie kann das Leiten unserer Kinder, die an den Kindl,eiisiitid Jugenderlebnissen der Nachbarkimler »u vielfach nicht teilnehmen dürfen, würdenntl inhali'voll gestaltet werden? Wie kann das Leben all jener Männer und Krauen neu geformt werden. die durch die tiefgreifende Wandlung aller Verhältnisse in ihrer wirtschaftlichen Grundlage erschüttert wurden und nicht selten auf neuer Basis zu mühseligem. Neuaufbau gezwungen sind? Wie kamt ihnen allen jüdischer Geist und jüdisches Geschichtsbewußtsein so nahe gebracht werden, daß sie ihr Schicksal zu tragen, ja zu überwinden vermögen, wie es die Vorvater taten? Die deutsche Judenheit, als Gesamtheit betrachtet, durchlebte Jahrzehnte der Sorglosigkeit. Jahrzehnte der Unbekümmertheit. Sie sind gewichen, ein neuer Abschnitt jüdischer Geschichte begann. Diese Erkenntnis ist zur Grundlage der jüdischen Arbeit geworden. Wer heute dazu berufen ist. an verantwortlicher Stelle jüdische Zukunft mitz ii formen, de'r muß wissen, daß nicht Wie derkehrdes Vergangenen, sondern .Neugestaltung einer besseren Z ii k u n f t v o n ihm erstrebt werden muß. Und wer heute im Jüdischen Gemcindeleben zu führen berufen ist. der muß wissen, daß der Aufgabenkreis der jüdischen Gemeinden in der Gegenwart nicht durch Theorien bestimmt werden darf, sondern von den Notwendigkeiten des Lebens gestaltet werden muß. Die deutschen jüdischen Gemeinden dürfen mit Stolz von sich behaupten, daß in ihnen mit schneller Entschlossenheit auf den verschiedensten Gebieten die Wege gewiesen und begangen wurden, die notwendig. und möglich waren. Die Berliner jüdische Gemeinde hat jüdische Schulen errichtet und ausgebaut, hat wirtschaftliche Hilfe im Böhmen des Möglichen vermittelt und hat ihre mannigfaltigen Einrichtungen trotz aller Schwierigkeiten erhalten. Sie w ird auch in Zukunft als die jüdische Gemeinde, die ein Drittel aller deutschen Juden beherbergt, sich ihrer Verpflichtung gegenüber der Jüdischen Gesamtheit bewußt sein. Das gleiche gilt ohne Zweifel von allen jüdischen Gemeinden. Der Wirkungsbereich der Berliner jüdischen Gemeinde und der anderen Groß-Genteinden darf in der Gegenwart nicht uuf ihren territorialen Bezirk beschränkt sein. Abgesehen davon, daß mannigfaltige Kragen, in denen die Gemeindoinitgliedcr Klärung und Antwort von ihrer Gemeinde fordern, sonst von dieser unbeantwortet bleiben müßten, wäre auch eine Verödung. ja Auflösung weiter Gebiete Jüdischen Lebens die notwendige Kol ge. Das soziale lind religiöse Leben in den jüdischen Kleingcineinden würde vermutlich sehr bald versiegen, wären sich nicht die Großgemeinden ihrer Verpflichtung zu brüderlicher Hilfe bewußt. Und wenn in einem viel beachteten Artikel einer jüdischen Zeitung der letzten Woche gefordert wurde. ..die Zuführung eitles erheblichen Teils des Steueraufkommens an zentrale konstruktive Aufbauzwecke, die über den Rahmen und das Blickfeld einer einzelnen Gemeinde hinausgehen“. so ist dieser Forderung die grundsätzliche Zustimmung der Berliner Jüdischen Gemeinde gewiß. Hat sie doch auch in der Vergangenheit derartige* Forderungen als berechtigt anerkannt und mich in ihren diesjährigen Etat einen Bet rag von etwa RM. 400 000.— für die Reichsvertretung der deutschen Juden und den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden eingesetzt. Erstmalig hat sie damit die Notwendigkeit einer Reichsvertretung durch finanzielle Bewilligung bekundet. Alter es w iirdc* von einer Verkennung der Aufgabe der deutschen jüdischen Gemeinden zeugen, wollten sie ihre Verpflichtung durch die Geldhergabe als erfüllt unschen. Jüdische Gemeindearbeit darf sich nicht im Steuererheben und Geldverteilen erschöpfen, sic* hat das jüdische Leben zu gestalten. Die Jüdische Gemeinde ist keine Einrichtung für den Tag nur: wo immer Juden sind, da ist die jüdische Gemeinde ihre Repräsentanz, kristallisiert sich in ihr das jüdische Leben. Ihre Daseinsform unterliegt der Wandlung, ihre Aufgaben wechseln, erweitern und verengen sich. Aber die jüdische Gemeinde bleibt. Sie war im Altertum und im Mittelalter, sie vereint die Judenheit unserer Heimatstadt, und ebenso allerorts in der Welt. Will eine Organisation lebenskräftig sein und lebensfähig für die jüdische Gesamtheit, so muß sie ihn* Kraft aus den jüdischen Gemeinden schöpfen, muß aus ihnen emporwachsen wie der Baum aus der Wurzel. Deshalb kommt den Beratungen, die* gegenwärtig über die Herstellung einer organischen Verbindung zwischen Gemeinden. Landes verbänden. Reichsvertretung und Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau gepflogen werden, besondere Bedeutung zu. Es gilt, eine planvolle Neuordnung herbeizuführen, die den Ge samtorganismus vereinfacht und zum Segen für den einzelnen und zum Segen,für die* Gesamtheit noch wirkt,ugsfähiger gestaltet. Erfolg durch Insertion in der faaeiiie- Zeitoi! Qesdienke von kultiviertem Geschmack filterte fileitiei, huiüu (Ein. »munw Fachgeschäft für richtig sitzende Augengläser Jm Optiker Eugen Slcppcr lg» VMmar.MX«r Stuttgart, Nadlerstrafie 15 (beim Rathaus) Sie können Zusehen, wie Ihre Wäsche gewaschen wird Wasdianslall C.noiler ForststraBe 59 / Fernsprecher 62090 Abholung und Zustellung jederzeit kostenlos KAUFT BEI UNSEREN INSERENTEN eiauBtoaren affet Art kaufen S1 e bekannt gut und billig im SchuHHnus ononaeiionb tzeilbronn a. N. z Slllmerstrntze 105 -Das führende Kaufhaus —— 5AWPSMEB 2872

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.