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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1934-07-16 · 8 (16.7.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
XI (1934-1935)
Issue
8 (16.7.1934)
Date
1934-07-16
Page
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Vorteile iiberwiegen: bei näherem Betrachten stellen »ich sogar <lie anfänglichen Bedenken als Vorzüge heraus. Gerade das Stadtkind, das sein Leben zum großen Teile in einem Häusermeer /ubringen muß. wo Tdhrikruuch und'StraHenstaub die Lungen durchfluten. wo Autolärm und Motorgeratter die Nerven unterminieren und wo Luft. Licht und Sonne nur für (,,-ld zu kaufen sind. gerade da sind Durchlüftung iiml Sonnenbestrahlung unbedingte Notwendigkeit. Neu ist wohl dies hrholiing auch bei Privatpersonen .111f dem Lande zu ermöglichen. Doch unser Ziel i't i i ri viel weitgehenderes’ Nicht vorbeugende Lrludungsfur'orge allein soll das Schullandheim sein, nicht nur den Körper stählen, ihn ertüchtigen und widerstandsfähig gegen Krkaltungskrunkheiten machen, darüber hinaus soll das Kind vor allem die Gemciii'thufl erleben, so erleben, daß es nachwirketid in seinem 'Tun und Lassen spürbar wird. Nicht mit Belehrungen allein, kann das Kind sozial erzogen worden. Diese sind nur Oberbau: eh r L nterb.ii. i-i! dl. die in die Tiefe gehende und allein bleib nde Kniehang kann einzig au» gemein s. mc m I i n entspringen. Solidarisches T.rlelieii zwingt zu solidarischem Verbitten. Die Schiilgeniein- -chaft. die sonst nur im /usamim nlernen und Zusanieiisein der Schüler für eine n Teil des Tages sicht >>ar vvird. dehnt sich an- ..nf da» Lssen. das Schlafen, die Kreizeitgestaltiing. \ 11*• sozialen Unterschiede lallen weg. man gell,"' US,Immen, lebt zusammen und fuhlt siiti iufoige •Ic-s-en zusammengehörig. Wer sich nicht fügt, win1 .. ge'ioßen: Svmpathie und \ntipathie kommen 1 starker und naturhafter zum Vii'driick. So wi oie Schule im Schullandheim zu eitler wahren V .-«liule des wahren Teilens. Zu diesem sozialen \ -gleich, der die Kinder unter gleichen Gesetzen ne ' Verhältnissen un Heim leiten läßt, treten die uo.n wenig gewürdigten, aber äußerst günstigen \\ . rk ingen der M i I i e u v e r p f I a n z u n g. Gei.uh- ■ der jüdischen familie. in der die \ er/ärteluiig ug 1 l nselbstäridigkeit des Kindes oft krasse Torme i amifInnen, ist die I rennmig voll T itern und — Ki.nler für beide Teile auf einige Weichen im Jahre dringend notwendig. Vuf die se W eise wird eine späten notwendig werdende Trennung vorbereitet und erleichtert. Andeutungsweise soll nur von den reichen Möglichkeiten p i a k 1 i s eh e r Betätigung der Schüler gesprochen werden, die gerade im Zeitalter der Be i iif'iimschichtung von unschätzbarem Werte sind. Mit Recht wird mail einuemlen. daß all diese Vorteile auch in Terirnheiinen zu erzielen sind, wozu also ein ">iliii1luiidlieirn! Dies«- T rage leite t uns zum wichtigsten Kapitel des Schiillaiidliejingeclaiikens über. Im l nterriiht c,*r»iichen wir durch Blumenbeete. Aijnari, t> und gelegentliche Spaziergänge den Kinde,II schlecht und recht eine Anschauung vom Leben der Natur zu gela-n. Wollen wir ihnen aber die* w a I, i e Gestalt de r Natur zeigen, nicht nur in künstlichen \us.chnittc-ii und schematischen Darstellungen. so müssen wir sie mitten Iiim infüll reu ins VV e ben und Leben, m die Grüße und Schönheit von Wald und Leid, von Dorf und T'lnr. — 66 — Auf sich allein angewiesen, bleibt Jedoch der Durchschnittsschüler an der Oberfläche hängen, am Zufälligen kleben Soll er aber in die Tiefe des Natnrerlebnisses eintaudien. wollen wir sein äußeres und inneres Auge für die Geheimnisse und Werte des Naturreiches öffnen, so muß er planmäßig geleitet und von kundiger Hand geführt werden. Im Schullandheim findet der Unterricht im Freien statt, ist die frei«* Natur Gegenstand'der Unterw eisung: so konzentriert sich der gesamte Lehrstoff um die Heimatkunde. Hier entsteht persönlich erlebtes Heimatg e f ü Ii I . sproßt wohltuende Natürlichkeit und vertieft und verschönt das schulische Leben. Vom Mustern des Waldes um rauscht, vom s ch w ei ge nd eil Arbeiten der Blätter zum stillen Betrachten angewiesen und in die enge Gemeinschaft von Lehrer lind Kameraden eingebettet, keimt dann ein vertiefte» Verhältnis zur Natur, bildet sich ein inneres Kraftzentrum zur lustvcillen Arbeit und wächst ein starkes Verbundenheitsgefühl empor. Das nervöse jüdische Kind, der vom Sprachlich-Formalen beherrschte jüdische Jugendliche spürt die beruhig e n cl e W irkung des Waldes, empfängt Ehrfurcht v or der schweigenden Größe der Natur und w ird aiifgelockert für das Einströmen des Göttlichen. Gefühle zerfließen leicht, müssen zur Tat umgeformt werden. Religiös-häusliches I.eben und Sabbatngestaltung. auswertende. Arbeit und froh bewegte* Freizeit sollen wirklichkeitsnahe Ausdriicksformen der strömenden Gefühle werden. Die drei Wochen Aufenthalt im Schullandheim Müh rin gen sollen Lehrer und Schüler mit seelischem Reichtum und körperlicher Kräftigung erfüllen, die fortwirkend das nachfolgende Schnlleben in Stuttgart überstrahlen bis das nächste Jahr von neuem dieses starke Lrlebnisbringt. Jüdisches Publikum und jüdischer Anwalt. ln der C.-V.-Zeitung lesen wir: ..Man hört es gelegentlich, man will es nicht glau- Ih*ii. und es ist doch wahr: für die jüdische Firma \. oder den Jüdischen Herrn Y.. für die jahre- oder jahrzehntelang der jüdische Rechtsanwalt Z. aufgetreten ist. erscheint heute ein anderer Anwalt. Die Tirina \. ist zwar nicht gleichgeschaltet, und Herr V. ist noch immer Vlleininhaber seines Geschäfts, und so gibt es keine andere Krklärting als die: die* Jüdische T irnia X. und der jüdische* Herr haben ihrem langbewährten jüdischen Anwalt die Treue anfgc*kündigt: nicht weil seine wissenschaftlichen und anwaltlichen Lei stungen zu wünschen übrig ließen, nicht, weil er alt oder gar veraltet wäre, sondern — weil er Jude ist. Schwerlich wird man an einen Boykott um Juden gegen Juden glauben wollen, und so liegt uueh der Fall nicht. Die überkluge Firma \. und der überängstliche Herr V. verspre ch e n sich inehr von der Vertretung durch einen nichtjüdischen Anwalt. Ueber dieses groteske Verhalten und seine Motive schütteln nicht nur wir den Kopf. Auch von nichtjüdischer Seite hört inan Bemerkungen über jüdische Würdelosigkeit und Mangel an der so oft gerühmten jüdischen Solidarität, die plötzlich nicht vorhanden ist. Wir wollen nicht mißverstanden werden: es handelt sich nicht um zahlreiche, also typische Fälle: es ist nicht so. als ob die Mehrheit der deutschen Juden plötzlich das Vertrauen zu ihrem jüdischen Anwalt verloren hätte. Ls geht nur um unerfreuliche Finzel ersdiciinmgcii. W enn wir sie rügen, dann nicht etwa, als ob wir gegen die Betrauung nichtjüdischer An walte irgendetwas einziiwendeii hätten. Wir billige, •einen Abbruch von Geschäfts- oder Vertrauens beziehungen. also ein boykottäbetliches Verhalten unter keinen Umständen. Aber wer jahrelang einen nichtjüdischen Anwalt sein Vertrauen schenkte, sol es ihm natürlich auch weiterhin bewahren. Was wir rügen, ist allein der plötzliche Abbruch alter Vertrauensbeziehungen zu einem jüdischen An walt aus Gedankenlosigkeit. Uebcrängstlichkeit odei ans der völlig irrigen Erwägung, der jüdische Anwalt fände vor Gericht nicht das gleiche Gehör wie der nicht jüdische. Man scheint sich nicht klar darüber zu sein, daß eine solche Erwägung zugleich eine schwere Mißtrauensäußerung gegen die Unparteilichkeit d> i . deutschen Richter enthält. Es braucht nicht ausgefüli. zii werden, daß hierzu nicht der geringste Anlaß voi liegt. Die Gerichte urteilen ohne Ansehen der Person und ohne Ansehen des Rechtsanwalts. Es ist dem Gericht ganz gleichgültig, oh eine Sache von einem jiidi . sehen oder nichtjüdischen Anwalt vertreten wird. Die Leberläufer werden also den Gewinn, den si< erhoffen, nicht haben. Sie lassen ohne Not Glaubens genossen, die schwer um ihre Existenz ringen, im Stich, lim eines vermeintlichen, in Wirklichkeit alte, gar nicht vorhandenen Vorteils willen. I)er Konjunkturritter ist eine Erscheinung, die man in allen menschlichen Gemeinschaften verachtet.“ * Eine noch merkwürdigere Erscheinung ist es. daß. w ie wir von berufener Seite hören, unsere Glaubens genossen auch bei notariellen Akten sehr häufig eine Scheu davor zeigen, die Dienste des jüdischen Notars in Anspruch zu nehmen. Hier handelt es sich bekanntlich um eine Tätigkeit, die sich in der Kanzlei vollzieht. Der — übrigens nicht ernst zu nehmende Vorwand, daß der jüdische Notar vor Gericht etwa nicht voll genommen werden könnte, entfällt also für dieses Tätigkeitsgebiet. Die Regierung laut den noch im Amt befindlichen jüdischen Notaren ihr Vertrauen dadurch bewiesen, daß sie ihnen ihr Amt belassen hat. Manche aber unter unseren Glaubensgenossen können sich nicht dazu aufschw ingen. ihnen auch ihr Vertrauen entgegenzubringen und sie durch Arbeit' Übertragung zu unterstützen! Stuttgarter Jüdische Kunstgemeinschaft Unsere KUNSTAUSSTELLUNG Garten Straße 30" (Ecke Hospitalstraße) dauert noch bis 25. Juli. Geöffnet täglich auch Sonntags 10—19 Uhr. Sie umfaßt über 100 Werke jüdischer bildender Künstler und Kunstgewerbler Württembergs. Neben Del- und Aquarellbildern unc Graphik auch Keramik, Goldschmiedearbeiten, handgewebte Stücke usw. Die Mitglieder der Gemeinden sind zum Besuch eingeladen fMresyee mach Yaniakaraig Eintritt 50 Pf«., für Mitglieder der Kunstgemelnscheft, des Lehrhau.es und für Jugendlichs 30 Pf. Sämtliche Eirtri'tskarten berechtigen zur Teilnahme an einer Verlosung, die nach Schluß der Ausstellung stattfindet. Berthold Auerbach-Verein Dienstag, den 17. Juli 1934, Hotel Westheimer. abends 8 JO Uhr Lektin lei Vecheaaksdiitts Leitung: Rel.-Oberlehrer Jaffd ☆ Dienstag, 24. Juli 1934, Hotel Westheimer, abends 8JO Uhr. spricht Rabbiner Dr. Banberger Ober tJftC MCI lManaaj 1»! ☆ Dienstag, den 31, Juli 1934, Hotel Westheimer, abends 8J0 Uhr Jüdisch« Pr«ss«B<haii Leitung: ■ Kleinanzeigen In di« G«m«<nd«z«itg.l ic$ IchrhansStifllart Einladung zur satzungsgemflBen NilUliederTersanmlniil am Mittwoch, den 25. Juli 1934', um 8*/« Uhr abends, im Lehrhaus, Schloßstraße 12Ain. T agesordnung: Erstattung des Rechenschaftsberichtes. Sonstiges. Die Versammlung ist verbunden mit einem Gedenken für den verstorbenen Dichter BUdik. Hierzu sind auch Nlchtmttglieder eingeladen. Eintritt frei. ^.Für die mir anlSßlidi meines 70. Geburtstages erwiesenen Ehrungen, sowie für die mir übermittelten GISckwünsdie danke idt auf diesem Wege all meinen lieben Freunden und Bekannten aufs henlidtste. Siegfried Fleursheimer MüiUrstr. 49 STELLENGESUCH Eli HEIRAT »i.friüt« SSflcocrin staatlich geprSst. 20 3otzr», «st SSailtag»- »ad Klemdt»derpfleUe Mwh aartraat, sacht Raf—yHtflc M 4 «scheide»» MusprLche». jedach |Ktn Vetza»dta»G. NLchd ettaeL. AiVGed. »st. B. 444 ra die GemeisdezestG. Da» Israel ch««»t»de»stGli^ee» ««tzl empfehle». s»che ich GetHGe»tzett z. CfteiUaf a. *Ws4tr»Bictri4t dei deschetd. Hamaear. Zasche. erd. nt. GL #40 «. d. Sache f. eine DernxuiMc, tziidsche ErscheimmH. A»- stmH 30, i« Hns- Hast med DLrs darchaas dewaa« dert«.et«a»Der- «»Ve».P»sseade betrat Augd. nt Ltziffee B.W.N1 aa die Gta»ctato|cfhmf. r Augenarzt Dr. Sander Königstraße 41 von der Reise zurück. MIET GESUCHE Aeilere alleiastrheade Da«» fM#t dleiae i Btrv 2 Jtewngy-tMlMMWO east. leere Zimmer za» 18.34. Uaaedaie aater WL BJS oa die GemestidezeiMsg VERMIETUNG Beste Geschäftslage Im Zentrum. 3« a»eiaer WoHaanS, Schlaststr. 12al stad für safaet aber später 4 ovobe Jitnmer Mit JUMOC, hOt MM» Jt»»s»e|lr m errmirtrn. 9rfeebm Mtt«Mt fit Sfcitelerii, Slnio.it ,b«i keebrfentW«» Sun. Satan* •«. Star Otns. «tL «MI Am MCTMtSCtTM! P»» 1. Otukfr Itbt KM« ewäsiirigt tnk^rtbUff^tekmnheiiitteUck n in fioM, tkt, rrtcht. 3atäfir, ' er. «d. «mm VERSCHIEDENES Wr asioor., rtteee MM Srteslegtr «<a£ea»t<fe4t, hmfk Matt &•**- «ertrurMtre hrf4*ftier« kam. Sttcm «Pfau, tstL ttkut ek«t *i*t •* kkterme Pin», btmMl. «atni>11«K *«S*t««9 ntik ftra D«»iHrl. Offtrtra aWT M.S47 ». k. Ich Mkt om wtMe Jtmfai «Mec fet > «ttHitn. Clfride Snftig, skuIia M,chtzilM,cgie8i SS / 71077 WIRTSCHAFTS BERATUNG liiiot Pm Eppstein Stettgert, 8ettl«str.2 Ferniprecber 90336 Bücherrevisor, Wlrtschafte- ■ad Steuerberater Prüfung v^teuerbescheiden. Behänd' lung von Einsprüchen. Erledigung der Pormalittten bei Auswanderung. 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