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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1934-01-01 · X. Jahrgang Nr. 21 · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
X (1933-1934)
Issue
X. Jahrgang Nr. 21
Date
1934-01-01
Page
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düng, wobei er »ich auf Aeußerungen der Religionslehrcr und die anderer Pädagogen berief. Er betonte ferner, daß nun künftig die Räume des Gemeindehauses für den Religionsunterricht der öffentliche Schulanstalten besuchenden Kinder benötigen werde. Er beantragte daher, den Bericht der Schulkommission zurückzugeben mit der Aufgabe, zu den von ihm aufgeworfenen Fragen Stellung zu nehmen. Nicht unerwähnt dürfen wir lassen, daß Dr. Rieger in seinen teilweise sehr scharfen Ausführungen den Vorwurf erhob, man bringe den Rabbinern zu wenig Vertrauen entgegen. Dem wurde vom Vorsitzenden in freundlichster Weise widersprochen. Rabbiner Dr. Auerbach betonte, daß er an und für sich kein Gegner der jüdischen Schule wäre: er sei aber erschreckt über die große Beschleunigung, mit der die Sache durchgeführt werden soll. Eine Schule wäre zwar etwas Schönes, über die Rabbiner und Lehrer rieten davon ab. da eine dringende Not wendigkeit nicht vorliege. Die Ausführungen der beiden Rabbiner fanden begreiflicherweise in gleicher Schürfe gehaltene Entegnungen. Oberrechnungsrat Meyer erklärte, man rauche, um jüdische Menschen zu erziehen, eine jü-< dische Schule. Wir könnten jetzt eine Schule gründen, also solle es geschehen. Anstaltsdirektor Rothschild widerlegte in gründlicher Darlegung die der Schulkommission gemachten Vorwürfe. Kurl Levi bestätigte als Vorsitzender der Finanzkommission, daß die Gemeinde in der Lage sei, die Kosten aufzubringen. Dr. Tänzer legte dar. die Ausführungen Rothschilds bewiesen, daß die Gründung der Schule keine Diskussionsfrage mehr sei. Es sprachen noch Oskar Rothschild. Dr. Ems t Einstein, und in sehr erschöpfender Weiseder Vorsitzende der Schulkommission. Dr. Merzbacher, für Annahme der Anträge. Nachdem Regierungsbaumeister B I o di noch die (Jmbaupliine vorgelegt und erläutert hatte, erfolgte die Abstimmung. Der Antrag Rieger wurde abgelehnt, die sämtlichen Anträge der Schulkommission wurden mit alle n Stimmen gegen die Stimme Dr. Riegers angenommen. (Dr. Auerbach gehört dem Vorsteheramt nur als beratendes, aber nicht als stimmberechtigtes Mitglied an.) TlacfuUhUH aus ({ff Gemeinde Stuttgart. Stuttgart. Sitzung des Vorsteheramts am 29.Januar 1974. Der stellvertretende Vorsitzende, Sanitätsrat Dr. Ries, erölfnete die Sitzung und brachte einen Brief des Vorstandes der Gemeinde, Dr. Flegenheimer, zur Verlesung, in dem dieser erklärt, daß er infolge längerer Abwesenheit von Stuttgart sich gezwungen sehe, sein Amt niederzulegen. Dr. Ries würdigte die großen Verdienste-, die sich Dr. Flegenheimer um Gemeinde und Vorsteheramt erworben, und gab dem Bedauern über das Ausscheiden des verdienten Mannes aus dem Kollegium warmen Ausdruck. Weiterhin gedachte er mit herzlichen Worten des am 2?. Dezember verstorbenen Oberlehrer Adelsheime r. Dem vorbildlichen Lehrer, dem die Kinder mit ganzem Herzen anhingen, werde auch im Vorsteheramt stets ein treues Gedenken gewahrt bleiben. Mit hoher Anerkennung wies der Vorsitzende dann auf die von so großem Erfolge gekrönte Veranstaltung der Kulturabteilung des Lehrhaases hin, zu dem er Direktor Karl Adler beglückwünschte. Rabbiner Dr. Auerbach bemerkte, daß im Hinblick auf das Ausscheiden von Dr. Flegenheimer und zweier weiteren Mitglieder eine Ergänzung des Vorsteheramts unbedingt geboten erscheine. Diese Anregung fand Zustimmung und soll in einer nichtöffentlichen Sitzung weiter behandelt werden. Punkt 2 der Tagesordnung: Wahl eines Delegierten zum Oberrat und seines Stellvertreters auf Grund der Enaächtigungsverordnung der Landesversammlung vom?. Januar 1934 wurde auf Vorschlag des Vorsitzenden zurückgestellt, bis sich entschieden hat, ob Ministerialrat Dr. Hirsch das Präsidium des Oberrata weiterführen oder der an ihn ergangenen Bernfang nach Berlin folgen wird. Zn Punkt 3 der Tagesordnung wird mitgeteilt, daß als Vertreter des Oberrats Leopold Levi und Dr. Ernst Einstein in die Schilkommission entsandt wurden. Den weiteren Teil der Sitzung nahm die Beratung der Schulfrage ein, worüber wir an anderer Stelle in dieser Nummer eingehend berichten. Stuttgart. Der Israel. Landes - A svI un d UnterstUtzungs verein für Württemberg e. V. richtet im Hause Wagenburgstr. 28 ein für zehn Insassen berechnetes Heim ein. das älteren Frauen und Männern eine Stätte bieten soll, wo sie frei von Haushaltsorgen, von freundlicher Hand betreut den Abend ihres Lebens in Ruhe verbringen können. Wie wir uns bei einer stattgehabten Besich¬ - 193 - tigung überzeugen konnten, wird das Heim mit allen neuzeitlichen Einrichtungen versehen, so daß ein anenehmer Aufenthalt verbürgt werden kann. Die immer sind geräumig, hell und luftig. Das Mobiliar soll von den Insassen selbst gestellt werden, was gewiß freudig begrüßt wird, da die Trennung von liebgewordenen Möbeln, die oft teuere Erinnerungsstücke sind, nicht immer leicht fällt. Allerdings müssen sich die zukünftigen Bewohner schon bei der Einrichtung ihrer Zimmer eine gewisse- Zurückhaltung auferlegen, um. schon aus hygienischen Gründen, eine Lieberfüllung des Raumes zu vermeiden. Mit der Erstellung dieses Heims wird anerkennungswerterweise eine Lücke in den Wohlfahrtseinridi tu »gen der hiesigen israelitischen Gemeinde ausgefüllt. wofür der Leitung des Vereins, sowie den die Umbauarbeiten überwachenden Herren besonderer Dank und Anerkennung ausgesprochen werden muß. Das Heim wird am 1. April eröffnet werden. Stuttgart. Der ..Hilfs verein der deutschen Juden“ hatte am 10. Januar seine Mitglieder und rrc-unde zu einem Vortragsabend eingeladen. Es sprach der Generalsekretär des llilfsvereins. Dr. M. W i s ch n i t z e r. Berlin, über ..A u s wanderungsfragen“. Aus seinem interessanten Bericht sei iin folgenden einiges mitgeteilt: Der llilfsverein ist die einzige com Reichswan deruiigsunit u»erkannte Auskunftstelle für jüdische Auswanderung nach allen Ländern der Erde mit Ausnahme um Palästina. Für letzteres ist das Palästinaamt in Berlin zuständig. Du die Palästinuauswanderung nicht zu dem eigentlichen Arbeitsgebiet des Hilfscereins gehört, cerzichtete der Redner darauf, über Palästina zu sprechen, er betonte aber ausdrücklich die große Bedeutung Palästinas für die Auswanderung. Aber aücJi in anderen Ländern der Erde sind hierfür gewisse Aussichten corhnnden. Als Beispiel führt er die Vereinigten Stauten von Nordamerika alt. Deutschland stellt dort gesetzlich eine jährliche- Einwanderiingsqiiote con 23 US? zu. im Fiskaljahr 1032/33 haben aber nur 'Wb Deutsche ein Visum nach den Vereinigten Staaten erhallen. Diese Zahl laßt sich durch Ausnützung ccm Familien bezieh»ugeu erheblich vergrößern, da für Einwanderer nach U.S.A. Erleichterungen bestehen, wenn dort ansässige Verwandten für ihren Unterhalt bür gen. Weiter kann die Auswanderung dadurch gesteigert werden, daß die ausländischen Hilfskomitees ihre Tätigkeit nicht wie bisher hauptsächlich auf die Großstädte beschränken, sondern auf das ganze Land ausdehnen. Auswanderung-einstige Kapitalisten müssen zweckmäßig beraten werden, damit sie nachher auswandernde Arbeitnehmer uufnehmen können. Ferner ist eine Kontrolle auszuüben, daß nur geeignete und beruflich vorgebildete Menschen auswandern. Besonders auzustrcbeii sind Gruppen- und Mussensicdluugcn: dazu sind jedoch Anleihen notig. Die Umschichtung muß sich auf die verschiedenen Berufe zweckmäßig certeilen: Bauhandwerker werden zum Beispiel noch in einer Reihe von Ländern Arbeit finden. Sodann besprach der Redner die cerschiedcnen Lander und zeigte, daß du und dort Möglichkeiten bestehen. Er wies zum Beispiel auf Südafrika hin. wo. allerdings in mäßigem Umfang, junge Kaufleute, die bereit sind, jede Arbeit zu leisten. Unterkommen können: er führte Brasilien an, das für Kaufleute. Techniker. Handwerker. Siedler, die etwas Kapital besitzen, gewisse Aussichten bietet. Er berichtete von Ländern, mit denen zurzeit Verhandlungen wegen der Aufnahme von Auswanderern im Gange sind: sie alle zu nennen, würde hier zu weit führen. Der Hilfsverein hat für Interessenten ein Heft herausgebracht, in dem alles Wissenswerte über die Auswanderung zusammengestellt ist. Außerdem steht der llilfsverein. jedermann mit seinem Rat zur Verfügung. Der Redner betonte, wie wichtig es ist. daß jeder Auswanderungsplan mit dem Htifsvercin du rch beraten wird, wichtig für die Allgemeinheit, aber ebenso sehr auch für den Einzelnen. Etwa 300— 400 Menschen haben täglich von April bis Juli 1933 den llilfsverein um seinen Rat gebeten, während zurzeit, die tägliche Durchschnittszahl etwa 100 beträgt. Von April bis Dezember letzten Jahres hat der Hilfsverein etwa 60000 Menschen beraten. Der Leiter des Abends, Stadtrabbiner Dr. Rieger, fand die Zustimmung aller Anwesenden.'als er dem verdienten Generalsekretär des Hilfsvereins nicht nur für seinen sachlichen und interessanten Bericht, sondern auch für sein segensreiches Wirken im Dienste der deutschen Juden den Dank aller aussprach. Stuttgart Der Reichsbund jüd. Frontsoldaten eröffnete seinen in. letzter NummEr angekündigten Zyklus über Fragen der Berufswahl, Berufsumschichtung. Berufsaussichten usw. mit einem Vortrag von Dr. Jacques Waitzfelder Aiber das Thema „Sollen wir auswandern?“ Der Redner sprach aber — wie es von den Zuhörern wohl erwartet worden war — nicht über die realen Details seines Themas, um dann am Schlüsse des Referats eine zusammenfassende Antwort zu geben: Dr. Waitzfelder versuchte vielmehr, die Emigration als das menschliche Problem des jüdischen deutschen Menschen von heute schlechthin zu behandeln. So wurde das mit einer vorzüglichen Rhetorik gestaltete Referat ein sehr interessanter erkenntnistheoretischer Beitrag zu unserer Situation. — Im ganzen war der Vortrag ein starker Appell zur „geistigen Emigration“. zur Auswanderung ans einer Wejt. in deren Lauheit unsere religiösen und moralischen Kompro misse geschlossen wurden. An die Stellf dieser zu verlassenden Welt muß eine neue heroische Grundhaltung treten, von der auch das neue Schicksal der Gemeinschaft gemeistert werden wird -- wenn nur die Heimkehr zu uns selbst gelingt und ein von allier Schlacke gereinigtes Judentum zum bedingungslosen Streiter Gottes wird. Vom Aspekt eines solchen Jüdischen Positivismus aus gesehen, hat jede! Auswanderung nur dann einen tieferen Sinn, wenn sie zugleich auch die Rückkehr zur jüdischen Gottesidee .in sich schließt. —! Dr. Siegfried Merzbacher unterstrich mit treffenden Worten den tiefen Eindruck, den der Vertrag auf die Hörer gemacht hatte. i Stuttgart. Das vom Stadtverband des J üdischen Frauenbundes am 2t). Januar vpraustaltüte Konzert hatte aus allen. Kreisen der Gemeinde starken Zuspruch gefunden. Man darf in diesem Erfolg eine Ermunterung für unsere jüdisihi-n Künstler sehen: es ist zweifellos, daß in unsere! Gemeinde wirkliches Bedürfnis für solche künstleipKchen. Veranstaltungen besteht, und man darf frjih darüber sein, so ausgezeichnete Musikinterpretidnen in der eigenen Gemeinschaft zu besitzen. Der Abend wurde mit einer Sonute für Kluvier ulil Violine von (.. Frunck eingeleilet. In w i ndervplltm Zusammenspiel ließen Alice -S ch m u d: I e r - II <-/( (Klavier) und R II t h II u in barg (Yiulinf) alle FelII heiten dieses kraftvolle ii Werks erklinget». Wie sehr die Vortragenden aller wahre Meisterin»:-n ihrer Instrumente sind, das kam in den folgenden Solodarbtetungen so recht zum Ausdruck. In drei Miniaturen von Brahms, vor allem aber in den kleinen Stüdkieu von Chopin wir erwähnen das XocturBo in E-moll besonders erwies sich Alice Schmuckler-Heß wiederum als eine ganz hervorragende Pianistin, die jeder Komposition stilistisch voll gerecht! wird, ohne das Eigenschöpferische in der Nachgestjultung vermissen zu lassen. Und Ruth Hamburg, deren beseirltes Geigenspiel die Hörerschaft aufhorchen ließ — es ist wohl das erstemal, daß die kultivierte Geigerin vor einem großen Stuttgarter Auditorium als Solistin uuftrat spielte Phantasiestücke op. 73 von Schumann mit der ganzen zarten Duftigkcjit und beschwingten Energie, zu der nur wirkliche Könner schuft befähigt. — Höchste Anerkennung muß auch Kammersängerin Charlotte Masse ifbur g-aufs neue gezollt werden, die mit der Verinnerlichung reifster Künstlerschaft Lieder von Schubert und Brahms sang. Wie sehr die klungsatte, herrlich tim bvierte Stimme der Künstlerin auch der r rumatischen Arie gerecht wird, dafür zeugte die Wiedergabe der Arie ..Höre Israel" von Mendelssohn — zugleich ein erhellender Abschluß des Kouzertabeuds.j — Fine dankbare, aufgeschlossene Hörerschaft nahm die einzelnen Darbietungen mit stürmischem Beifall auf. Ein jeder nahm ein Erlebnis mit inj den Alltag. Stuttgart. Schon der erste Abend c er Arbeitsgemeinschaft. den die Zionistische Ortsgruppe unter dem Titel „Systematischer Qucrshnitt durch die biologischen, politischen und geistigen Elemente des Judentums“ am 20. Januar veransta tete. gestaltete sich so interessant, daß man mit Sfannung den kommenden Abenden entgegensehen darf. Der Referent der Arbeitsgemeinschaft. Rechtsan »alt N. Mo ses. Karlsruhe, bewies'bei diesem Bc| inn. daß er mit der Materie aufs bestevertraut ist und den wissenschaftlichen Stoff allgemein verständlich darzustellen weiß. Rechtsauw alt Moses zeigte die Herkunft des ultisraelitischen lolkes auf und veimittelte für dessen Frühzeit eine reiche Fülle von Angaben aus der einschlägigen Literatur. Er ging akich auf die_ archäologischen Funde näher ein und gab so in Verbindung mit den literarischen Belegstell in ein hochinteressantes Bild von der nationalen Genesis der Jndenheit— Besonderes Interesse fanden; seine Ausführungen über die biologische Zusammensetzung de-, jüdischen Volks, bei dem man. wie man zusamroenfassend feststellen darf, von einer homogenen Rasse nicht reden kann. Die jüdische Bevölkenmgsgrupps setzt sich vielmehr aus verschiedenen russischen Bestandteilen zusammen, wovon 10% indogermanischer und fast der ganze Rest dinarisdier Artlist. Der Referent berichtete dann über das rassenmäßige Verwandtschaftsverhältnis zu anderen, insbesondere den deutschen Bevölkerungsgruppen und (pradi dann über die Möglichkeit der Kassen Veränderung unter /-> Erich Jordan Trudi Jordan geb. Meager VERMÄHLTE Pcntiom Agulnik Trauung: 1. Februar 1034 10s*> Uhr, Hauptsym a goge MIET GESUCHE «Urt C*c»M( I»ch1 L ättmner- SBolMititio mH «che. mH. VfftrfWfXM. W ffttltr Nitz* etnfem* k*M - »Mrtott wter H. 14« ,, M« GtwelUtzt-ett»- Gttlgar* Dauerwellen Gfhudfrts Zsiti früher: KOnlgttraVe Nr. 38, I •praitii|i Jetsti Calarerstr. II, 1. St. 1 bis I< Ufer (las» am Alten Postplatx) QäppittgeH s Ihre Elektro- und Radtoanlagen nur vom konaeatonier- 'S ten Fachmann i Elektro-Marzini INGENIEUR - BÜRO Prelhoftir. 1 neben Ottering Auto-Li dit-Zänd-Diemt iMilil-Wlrkillltl tll Asto»Llclit and I|adüd| Empfehlen Sie unser Blatt weiter! Befudten Sie die Kammerlichtfpicle Göp Stets erstklassige Filme / Gute Ton' en 13

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