Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- X (1933-1934)
- Issue
- X. Jahrgang Nr. 20
- Date
- 1934-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
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- 182 — Die indische Schule in Stuttgart. Von Anstaltsdirektor Th. Rothschild. Esslingen a. N. I ■ I 1 1 \ ll-lllll! I ll:.« :i ' i : Ift-I mit M.r/b.nhcr >:, -!--i Ati«g.il» . •::: .No icmbi'i tlu-r lif . i st iiikIi'ü'Iijinli»<H< .-schuh » Stinte.irt <1 inL'fii ...i dfr h.iiv.. fü 1 il G <■ ■> i dl t w i i il <1 i « c- > ch » 1 ch > 1> cn' A e 1 ih , « / l . 1 * n l ll ' i tt rrf.iUiD' I Xi- /ic-l «Icr ~'iliI:!.■ wir«! l, -liititin durch die- I agr. Haltung. Richtung >uc«! Aufgabeun-t-riT Gemeinschaft. Fs lichtet -,i«L alf"i pan/ nach drn in niM-ri'r (rcnt. in'th if’ - -It. t.di-n /i':«n und Aufgaben I >i. ■'tirili w:L nuiit' anch-re-s als da> pi-reniw adi'i n ii’ (u-'ihli dit mit der Welt dei < •ciiifiii'di.ifr "i »tilge» R< ruliri;nbringen. und -war tiidi’ /iif.it'ig w |. ila' Eebc-n. sondern in be'tinimt. ■ ti-dnuris niui P! inniiil'i-hoit. ->kwill da' pi-t'ttL.- ' uit dt-r (Vemeitt'di.ift hiiteintrapen in d iinr.-ge hh-.ht. die (.alten und Kräftede' ’i./eln. ii Ktttdi ' fn: ini'ere jet/ipe ge- >diidi'!iiIte I aue . ti'l>i!i*eii Die heutige gc Schicht ■ r.It«- k.iti't. li.i’i. ii zwingt litt' zu einer pO'i t i v . i' r u*i i et r ii i ii d i ' «dt e ii Haltung krinh de! Iiilu.-r in <!er ne.ilern'ten F.rdtdt "P'» i"> ii'diaft b./i-iihner nl' Ziel jedc-i! t/nli.ittp ,1 inglirih-niug de- Nach» iidi'U' in ■ 111■ <. ■ ei'di.ift He-t.inffilirmig tlt" .Nachw lieh '••» en |b-lf« de. ( .etneili'dt.iff'. I >.!' /lei muß :ii .1,1 ^-iti/ re.di'tt'dit". konkrete" 'ein fitt en iie itt.i it Juden in iii'. iem 1 lud. W.I' muH tu ".lulle dem jungen Mensvhen mitgehen. <lanit .1 -1.11 IIII kämpf de- I eben' behaupten und Inriii'. i, n Lmn damit er 'idi ab we-rtvolli" t.lled II d. II deilt'di. n "t.l.il einreilien llllil ein lebt nti... i. ..iifbniiendt i ‘eil un'ert r Gc-mein- 'tbaft .e. n kiitiii' . Daran« ergibt sich ab t > t e I et-1,-rung Dif jiidi'ihe "chule muß zu ii.ith't eile .! e ii : ' tb I- "ciiiie st ill und «ich an die amtlichen I t lirpl^ne für die allgemeinen "thiileti Ii dien. >ie mul! uti'ere Kinder in ihre deut'the Heimat in . ihre Geschichte, in ihre Natur und ihre Meri'ihen. in ihre Arbeit, in ihn I rentlt ii und l eiden.!in ihre Kultur und Lite ratui t infuhreti. Alb": wu« das Leben im dein 'dien Ibii.in et» 11,1' fordert. gehört zur Wirktithkeii uu'i rt ' ''thulaiifbiins. I » er, Heimat genau ketrnenlernen. d. Il sie lieben lernen, sich lieiini'.h in ihr fühlen, mit ihr verwachse ti und verwurzelt sein. Der Unterricht erweitert sich et,11 der Hei mal'kn »de zur Vaterlandskunde, zur Weltkunde, mit ihren gc-schichtKchc-n. landschaftlichen und litt rari'dien Zusammenhängen. Zn tlie'en ',uh;i bi.-ten. tHe cun der deutschen Kulturwc-lt her be'tininit sind, pesellt sich auch die inteti'iie l’llepe der («c-'t.iltung'möglichkeit. wie Lesen. Schreiben, liechiien bildhafte' Dar'tellen Werkpest.tllniip. Musik. Da es 'i.li um di" Gründung einer neuen -schule handelt, i-t die "chulform nicht pebunden an die pe'chithtlidi jjeuttrdenen Schulsysteme 'lindern *ie kann weitgehendst die wertvollen f rriiiipc ii'ch.ifteti inttilerner Er/iehunps- und Schularbeit \erwert,-n. kann das starre Sy- «tem der J,dire»kla"en aufpepeben und an deren Stelle die beweltlichere (urnppeneinteilunp peetzl werden. Die Schule würde dann drei Stammpruppen für Ki^tdt r be iderlei Geschlecht' haben, und zwar. die Untergruppe — I -ü. Schuljahr die Mittelpruppe — 4.-6. Schuljahr die (iberpruppe — t>T. -S. Schuljahr. Diese (.ruppen b-sen. sich nach den natürlichen Bediiifni"e» in kleinearbeitswillige und arbeitsfähige Gruppen auf. Alle Gruppen bilden die Schulgemeinde. Die-'e bt ein lebendiger Organismus. eine echte (»ein“in'ehaft. in der 'ich jedes (ilied freiw illig eintifd unterordnet. Von jedem wird verlangt, daf? er fach mit all «einem Können und -Wissen ganz eimjet/t und jedem wird zu gestanden, dafl er in seiner Ganzheit gefördert und pchobeh wird. FOVtwahrend findet in diesen Gruppen eine Verschiebung statt, je nach den zu lö'c-nden Aufgaben. Bei den historischen Arbeiten der Gruppe ist. der hierfür besonders pec-ignete der F ührer, bei den literarischen Arbeiten übernimmt der hierfür begabte Schüler die I ühruiip usf. Das Hauptmerkmal der Gruppe ist der natürliche, freie Bildungserwerb. Das Wort des Lehrers tritt zurück. Die Gruppe hat nur ein Ziel: W j's,n und! Können zu erhalten, weiterzupebc n und neuzuschaffen, durch neue Anschauungen. neue Erbipni«se. neues Erkennen, neues Gestalten in uneigennütziger, selbstloser Hilfsbereitschaft. Ditz Gruppe will also bewuBt eine andere Arbeit alts die Klasse, und sie stellt eine andere Arbeitfwelt dar. Diese Schulgemeinde ist ein Bild!des Lebens. Es muß in ihr dat;cim auch ein weiter Raum sein für all das. was auch vor der Schlulzeit und nach der Schulzeit den Meii'ihen bildet Intel c i zieht Wir leinen im l eben nicht nur durch beabsichtigte Intoiwcbillig, cl.i' Leben kennt auch andere geistige Berührungen und Durchdringungen. Solche sind da' Spiel, bei dem alle Organe benutzt geübt und darum auch in ihrer Entwicklung gesteigert werden. Ferner die Arbeit, nicht nur Lernu»d L'c'bung'urbrit. sondern auch körjierlicht Arbeit int Schulgarten, in der Werkstatt, in dei Schul'tiibe und wo son-t die Gemeinschaft eben mich die Arbeit braucht. Besonders gehört hier her die E c icr. die den F eiern der Gemein 'ihaft ejit'pricht. In der Feier offenbart 'ich dei Gebt einer Gemeinschaft int höchsten Malle. Diese Feiern der Gemeinschaft muß die Jugend verstehen, muß sie mitcrlebcn. um sie später mit gc-'taltrn zu können. Die Schule 'teht im inneren und innigsten Kontakt mit den Eltern. Diese ord nen sich den geistigen Prinzipien der Schule unter. Vor dem Gesetz der Schule verstummen itfre weltanschaulichen, religiösen und sozialen Gegensätze. Sie müssen bereit sein für alle Kinder der Scbulgemeinschaft A r b e i t z ii tun Lasten zu tragen und Opfer zu brin g e n. Die besondere Lage unserer Gemeinschaft erfordert. dal! w ir in der Schule eine F remdsprache pflegen, möglichst da« F.nglische. fe rner Kurzschrift. und daß wir unsere Kinder weitgehendst in Gartenbau und Werkunterricht schulen. Die Obergrnppen können «ich in besondere Sprach kurse differenzieren, in Sing- und Spielgritp|>eii fur besondere- Leistungen technischer, musikalischer und 'jvortlicher Art. je nach Neigung und Begabung. Als zw eite F'orderung muH für die jüdische Schule gelten: Die alles Geschehen innerhalb der Schule normierende Idee muß die Idee der jüdischen Gemeinschaft sein. Die Schule darf nicht einseitig eine r oder der anderen Richtung oder Gruppe innerhalb unserer Gemeinschaft dienen, sie muß sich ihrer allgemeinen Vtifgabe. die dir Einzelgestaltung überhöht ihres Dienstes am Ganzen bewußt bleiben. Alle Fan/cIFw-strebiingen in unserer Gemeinschaft müssen in der Schule einen Ausgleich finden und eine Uebc-rhöhnng im objektiven Geiste unserer Gemeinschaft, im positiven Judentum. Hier liegt der Maß«tab aller ihrer Wertungen. Darum wird alle Arbeit der jüdischen Schule und deren Inhalte an diesem Mafistal» gemessen werden. Die Ewigkeitswerte des Judentums, die schicksalhaft gewachsenen Strömungen. Richtungen und Einrichtungen unserer Gemeinschaft, das Fagenwertige in unserem Judenschicksal sind die Wertmesser in unserer Schule. Immer müssen Queruncl Verbindungslinien von den Lernstoffen zu unseren jüdischen Quellenschriften führen. Wie sieht der jüdische .Mensch die Dinge und Vorgänge? Er beherrscht alle Bildungs- und Erziehungsfragen unserer Schule. Die jüdisch-religiöse Grundhaltung ist Unterrichtsprinzip Dies hindert natürlich nicht, die Lehrstoffe besonder« in Geschichte, im Deutschunterricht, in der Naturkunde aus ihrer eigenen Struktur und aus ihrer eigenen Gesetzlichkeit heraus zu beurtei- Ic-n und zu werten. Diese jüdische Haltung kommt besonders im Leben der Schulgemeinde, in ihrem Alltag, in ihren Festen und Feiern, in ihren Freuden und Leiden zur vollsten F'ntfaltung. Dieses Leben in der Schulgemeinde wird beherrscht von den unvergleichlichen, ewigen Formkräften des Judentums. Daß das Judentum und seine Träger weitgehendst auch Lehrgegen- 'tand der Schule sein müssen, ist selbstverständlich. Der Inhalt des Judentums, seine Geschichte, die hebräische Sprache, sind wesentliche Teile des Lehrplanes der Schule. Die Unterweisung in diesen Dingen geht nicht mehr neben dem übrigen Unterricht her. sondern ist wesentlicher Teil desselben All das darf nicht gekünstelt, nicht femadit sein, sondern muß natürlich aus dem eben unserer Gemeinschaft in seiner F'ülle und seiner Mannigfaltigkeit, in seinen besonderen Formen und Bewegungen herauswachsen. Alles was in der Schule gelehrt und gelernt wird, muß lebenswahr und lebenswirksam sein. Die jüdische Schule soll nicht nur in ihrem Aufbau, in ihrem Innenleben, in ihrem Lehrplan und in ihrer Lebensform von der jüdischen Gemeinschaft bestimmt sein, sondern sie soll zugleich auch ein Mittel sein zum Aufbau und zur Vervollkommnung dieser Gemeinschaft selbst. So ist dann zu hoffen, daß die jüdische Schule eine Quelle des Segens wird für unsere ganze Gemeinschaft, daß von ihr aus starke Kräfte in sie einströmen, daß sie wieder zurück findet zu den Fahnen unsere« alten Glaubens. 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